Elisabeth Mann-Borgese schrieb 1985 in ihrer Studie „Die Zukunft der Weltmeere“ vor allem über eines; die Bedeutung der Meere für die Zukunft der Menschen. Im Kern formulierte sie eine Utopie für eine gerechte und allen Menschen zugute kommende Weltgesellschaft in der das Meer Wesentliches zur Lösung globaler Probleme beiträgt. Zentrale Themen waren für sie dabei die Energiefrage, die Aquakultur sowie die Offshore-Förderung von Rohstoffen. Drei heute für die Entwicklung der Meerespolitik ausschlaggebende Punkte.

Trotz solcher Utopien und der real wachsenden Bedeutung der Ozeane als Verkehrs- und Fluchtweg, als Ressourcen- und Nahrungsquelle sowie ihrer Küsten als Lebensbereich, werden die Meere im Allgemeinen nur aus der Ferne betrachtet. Dem politischen Charakter der Meere und seiner weit reichenden Bedeutung für das Verhältnis von globalem Norden zu globalem Süden wird bisher kaum Beachtung geschenkt. Der Anstieg des Meeresspiegels im Zeichen des Klimawandels und der Schutz der Meeressäuger erregt zwar immer wieder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, doch beschränken sich die daraus resultierenden Debatten auf isolierte Fragen, die weitgehend dem Umweltschutz zugerechnet werden. Und auch die aktuell brisanten Themen der Piraterie vor Somalia oder der Untergang der Ölplattform „Deepwater Horizon“ werden in erster Linie als schlagzeilen-trächtige Sonderfälle behandelt.

Tatsächlich deutet sich in den vielen unterschiedlichen Facetten, in denen das Meer in unser Blickfeld gerät, seine globale politische Dimension an.

* Weltweit leben ca. 20 Prozent der Menschen weniger als 25 km und 39 Prozent weniger als 100 km von der Küste entfernt.
* Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) geht von einem Anstieg des Meeresspiegel um 18 bis 59 cm bis zum Jahr 2100 aus.
* 380.000 Menschen sind allein in Deutschland in der maritimen Wirtschaft beschäftigt.
* 95 Prozent des internationalen Güterferntransports läuft über den Seeweg.
* 77 Prozent der globalen Fischbestände sind entweder erschöpft, überfischt oder komplett ausgebeutet.
* Weltweit über 1 Milliarde Menschen decken ihren Proteinbedarf wesentlich durch den Verzehr von Fisch.
* Im August 2007 wurde eine russische Flagge aus Titan in über 4.000 m Tiefe am Nordpol gehisst um entsprechende Territorialansprüche zu demonstrieren.
* International arbeiten ca. 1,4 Mio. Personen auf fast 2.700 Bohrinseln.
* Zehn Staaten unterhalten derzeit insgesamt 38 aktive Flugzeugträger.
* Seit Ende 2008 wurden im Golf von Aden mehr als 20 Schiffe von Piraten gekapert.

Der Arbeitsschwerpunkt „Fair Oceans“ und die meerespolitischen Projekte unseres „Vereins für Internationalismus und Kommunikation e.V.“ (IntKom) diskutieren die Konsequenzen der Entwicklungen auf den Weltmeeren für das Nord-Süd-Verhältnis und wollen dazu anregen, Ansätze für eine solidarische Politik auf See zu suchen. Unserem Verständnis nach ist das Meer nicht irgendwo da draußen, kein romantischer Naturraum, sondern ein unmittelbarer Bestandteil sozialer und politischer Prozesse im Rahmen der Globalisierung. So ist die Hohe See bisher das letzte große Gemeineigentum und es steht an zu klären, wie diese und die Meere insgesamt für alle global und sozial gerecht zugänglich bleiben können. Deshalb wollen wir den Blick mit dieser Webseite und unseren Projekten auf das Meer hinaus lenken und laden dazu ein sich an unseren Kampagnen zu beteiligen und dieses Forum mitzugestalten.

Quelle und mehr Informationen:
http://www.fair-oceans.info/

Link zur Publikationseite:
http://www.fair-oceans.info/index.php/publikationen.html

Ausstellung zum Download:
http://www.fair-oceans.info/index.php/austellung.html

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