taz – Der europäische Raubfisch

RESSOURCEN Hochsubventionierte europäische Fangflotten ruinieren Bestände, die Preise und die regionale Wirtschaft Afrikas

AUS DAKAR CHRISTIAN JAKOB

Während Europas Meere bald leergefischt sein werden, sind die Fischgründe Westafrikas nach wie vor reich. Immer häufiger werfen europäische Fangflotten ihre Netze deshalb vor Ländern wie Senegal oder Mauretanien aus – bis auch dort nichts mehr zu holen sein wird. Das haben afrikanische Fischer auf dem Weltsozialforum in Dakar der EU vorgeworfen. Diese betreibe Raubbau an ihren Küsten und zerstöre so nicht nur hunderttausende Arbeitsplätze, sondern gefährde auch die Nahrungsversorgung in der Region.

„Die hochsubventionierten europäischen Fangflotten zwingen uns in die Knie“, sagte Lamine Niass, der Sprecher des westafrikanischen Kleinfischerverbandes ICSF. „Sie fischen alles ab, zahlen hier keine Steuern und machen die Preise kaputt. Es ist ein unfairer Wettbewerb, wir können da nicht mithalten.“ Der Fisch aus dem Atlantik sei für die lokale Lebensmittelversorgung unverzichtbar. „Wir haben die Aufgabe, unsere Bevölkerung zu versorgen. Uns daran zu hindern ist ein Angriff auf die Ernährungssouveränität unserer Länder.“

Auf dem Weltsozialforum stellten der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) und die europäischen Grünen mit dem ICSF eine Studie vor. 88 Prozent der Fischgründe in Europa seien überfischt, sagte die grüne EU-Parlamentarierin Isabella Lövin. Gleichzeitig steige hierzulande der Fischkonsum rapide an. 22 Kilo Fisch isst heute im Durchschnitt jeder Europäer jährlich, 70 Prozent davon sind importiert. Die Politik, die die EU in den afrikanischen Gewässern betreibt, nennt Lövin „Sea-Grabbing“ – in Anlehnung an „Land-Grabbing“, den Raub von Ackerland durch Großgrundbesitzer oder Bodenspekulanten. „Die Methoden sind sehr ähnlich.“ Die rücksichtslose Fangpraxis der Europäer habe „desaströse“ Folgen.

Weiterlesen:
www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2011/02/10/a0116

taz – Die Frauen, der Fisch und die Fabrik

REGIONALE WIRTSCHAFT Wie eine Kooperative versucht, sich gegen den industriellen Fischfang zu behaupten

AUS DAKAR ODILE JOLYS

Frauen im Senegal haben der Europäischen Union die Stirn geboten und die erste Runde mit anderen zusammen gewonnen. Sie sind Fisch-Verarbeiterinnen und protestierten 2009 erfolgreich gegen die Unterzeichnung eines neuen EU-Abkommens mit Senegal über die Fischerei. Abdoulaye Wade, der Präsident des westafrikanischen Landes, machte einen Rückzieher. Bis heute gibt es kein neues Abkommen.

mehr:
www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2011/02/10/a0117

//