Europäische Union knickt vor Fischern ein

SPIEGEL ONLINE – 19.11.2010

Streit um Fangquoten
Europäische Union knickt vor Fischern ein

Der Plan war ehrgeizig, der Druck der Mittelmeer-Anrainer aber zu groß: Die Europäische Union rudert beim Rettungsversuch für den bedrohten Roten Thunfischs zurück. Jetzt bestimmen nicht nur wissenschaftliche Daten die Fangquoten – auch die Interessen der Fischer werden berücksichtigt.

Eine internationale Kommission aus 48 Staaten berät derzeit in Paris über Schicksal des Roten Thunfischs. Vor allem der Sushi-Kult hat die Art an den Rand der Ausrottung getrieben. Besonders in Japan ist die Massennachfrage weiter ungebrochen.

Zwar hatte die EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki vor kurzem ein sofortiges Fangverbot verhängt, weil die Bestände im Atlantik und im Mittelmeer extrem überfischt sind. Große europäische Fangschiffe mussten die Jagd einstellen, weil diese bereits ihre Jahresquote gefangen hatten, doch künftig werden die Fangquoten vermutlich wieder ansteigen.

Unter dem Druck der Frankreichs, Spaniens und anderer Mittelmeer-Anrainer hat die EU nämlich ihren ehrgeizigen Plan zur Rettung des bedrohten Blauflossen-Thunfischs, wie der Rote Thun auch heißt, jetzt abgeschwächt. Die Verhandlungen dazu waren zäh und langwierig – am Ende kam es aber zu einer Entscheidung, die für Umweltschützer eine bittere Niederlage ist: Künftig sollen nicht nur wissenschaftliche Empfehlungen, sondern auch die Interessen der Fischer bei der Festlegung der Fangquoten berücksichtigt werden.

Am Mittwoch hatten die Beratungen der 48 Delegationen begonnen, dauern sollen sie noch bis zum 27. November. Einige Umweltschützer wollen eine drastische Kürzung der Fangquote erreichen, andere wollen den Fang sogar komplett verbieten. Besonders im Mittelmeer seien Betrug und illegale Fangmethoden an der Tagesordnung.

Schon längst fürchten Umweltschützer, darunter auch der Naturschutzverband WWF, dass der Rote Thun ohne strenge Schutzmaßnahmen bald aussterben wird. Der Bestand im östlichen Atlantik und Mittelmeer ist zwischen 1997 und 2007 um 60 Prozent zurückgegangen.

Eine konkrete Fangquote erhielt die am Donnerstag veröffentlichte EU-Erklärung noch nicht. Aus EU-Kreisen hieß es, man strebe eine kleine Verringerung der derzeitigen Mittelmeerquote von 13.500 Tonnen an. Im März hatten Japan und andere asiatische Staaten einen Versuch blockiert, den Blauflossen-Thunfisch zur gefährdeten Art zu erklären. Damit wäre der internationale Handel mit dem Fisch verboten worden.

www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,730029,00.html

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