Noch einige Stellungnahmen zu den Beschlüssen von Nagoya:

Ein Rettungspaket für die biologische Vielfalt
Weltnaturschutzkonferenz in Nagoya: Erfolg in letzter Minute


Das Nagoya-Paket ist geschnürt und wurde soeben von den 193 Vertragsstaaten verabschiedet. Das Paket besteht aus einer insgesamt ambitionierten Naturschutzstrategie für 2020, einer Einigung auf einen verbindlichen Vertrag gegen Biopiraterie (ABS-Protokoll) und einem Plan zur Bereitstellung von Finanzen für Entwicklungsländer.

Der NABU, seit über zwei Wochen vor Ort in Nagoya, begrüßte den Erfolg als einen Meilenstein im internationalen Naturschutz. „Nach der kalten Dusche von Kopenhagen ist die Hoffnung zurückgekehrt, dass die Regierungen der Welt doch noch gemeinsam wichtige Beschlüsse für die Rettung des Planeten treffen können“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.


Der NABU würdigte insbesondere den Einsatz der Bundesregierung, insbesondere des Bundesumweltministeriums und des EU-Umweltkommissars, die sich bis zur letzten Minute für eine ambitionierte Strategie und ein Zustandekommen des Nagoya-Pakets einsetzten. „Aber auch die Entwicklungsländer haben sich sehr bewegt – es ist also insgesamt ein sehr guter Moment für den internationalen Naturschutz“, so Tschimpke.

Quelle: NABU

Wichtiger Fortschritt in Nagoya: Weltnaturschutzkonferenz will Maßnahmenpaket zum Erhalt der biologischen Vielfalt

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete die bisher bekannt gewordenen Ergebnisse der UN-Naturschutzkonferenz im japanischen Nagoya vorsichtig als „Möglichkeit für einen Durchbruch zum Erhalt der biologischen Vielfalt“. „Wir sehen hoffnungsvolle Signale, dass die Weltgemeinschaft das Ruder zur Rettung der biologischen Vielfalt noch herumreißen kann. Ein besonders wichtiger Fortschritt sei der Beschluss, weltweit bis spätestens 2020 alle umweltschädlichen Subventionen zu beseitigen. „Damit wird der Naturzerstörung mit Hilfe von Steuergeldern endlich ein Ende gesetzt“, so der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Auch die Absicht, die Überfischung der Meere bis 2020 zu stoppen, sei sehr zu begrüßen, ebenso wie das Vorhaben, die Überdüngung landwirtschaftlicher Flächen zu beenden und wertvolle Lebensräume wie zum Beispiel Moore wieder herzustellen.


Auch der Beschluss, neue Meeresschutzgebiete auszuweisen, sei ein großer Erfolg. Die Länder des Südens hätten ihre Zustimmung zum sogenannten Strategischen Plan für den Schutz der biologischen Vielfalt zu Recht von der Finanzierungsfrage abhängig gemacht. Die Bereitschaft Japans, in den nächsten drei Jahren zwei Milliarden Dollar für den Erhalt der biologischen Vielfalt bereit zu stellen sei vorbildhaft und habe zu dem Erfolg der Verhandlungen beigetragen. Diesem Beispiel müssten die anderen Industrienationen noch folgen. Bis zur nächsten Vertragsstaatenkonferenz 2012 in Indien müssten nun mithilfe eines konkreten Fahrplans der Bedarf und die bereits vorhandenen Ressourcen zum Schutz der biologischen Vielfalt ermittelt werden. Auf dieser Grundlage müsse dann in zwei Jahren über die erforderlichen Finanzmittel entschieden werden.

Quelle: BUND

Röttgen: Staatengemeinschaft leitet überfällige Trendwende zum Schutz der biologischen Vielfalt ein

Bundesumweltminister Norbert Röttgen sieht in den Beschlüssen der 10. UN-Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD) im japanischen Nagoya ein weltweites Aufbruchsignal. „In Japan hat die internationale Staatengemeinschaft die überfällige Trendwende eingeleitet, um den anhaltenden Raubbau an der Natur zu stoppen. Die ambitionierten Beschlüsse in den drei zentralen Bereichen konnten auch erreicht werden, weil die EU entschlossen vorangegangen ist“, sagte Röttgen zum Abschluss der Konferenz am Freitag Abend. Der Bundesumweltminister hatte Anfang der Woche an der UN-Konferenz in Nagoya teilgenommen.

Die Konferenz fasste Beschlüsse in drei zentralen Bereichen: Die Teilnehmer beschlossen eine neue Zielsetzung und eine ambitionierte Strategie für den globalen Schutz der biologischen Vielfalt von 2011 bis 2020, sie stellten verbindliche Finanzierungsziele für deren Umsetzung auf und verabschiedeten international verbindliche Regelungen für den Zugang zu genetischen Ressourcen und die gerechte Gewinnaufteilung aus deren Nutzung.

Als „Durchbruch“ bezeichnete Röttgen die Einigung auf ein Protokoll zur Regelung des Zuganges zu genetischen Ressourcen und der gerechten Gewinnbeteiligung bei der Nutzung dieser Ressourcen. Damit ist es nach 20 Jahren endlich gelungen, auch das dritte Ziel der Konvention über die biologische Vielfalt zu konkretisieren. Jetzt verfügt die internationale Staatengemeinschaft über ein wirksames Instrument zur Verhinderung von Biopiraterie, das sowohl den Entwicklungsländern als auch den Nutzerländern, insbesondere Industrieländern, einen verlässlichen Rahmen bei der Nutzung genetischer Ressourcen gibt. Für solche Fälle, die nicht eindeutig im Rahmen des neuen Instrumentes geklärt werden können, wurde die mögliche Einrichtung eines multilateralen Fonds im Protokoll verankert.

Außerdem haben sich die Konferenzteilnehmer auf ein neues ambitioniertes globales Ziel für die biologische Vielfalt geeinigt: Bis 2020 sollen alle Staaten wirksame Maßnahmen ergriffen haben, um den Verlust an biologischer Vielfalt zu stoppen. Erreicht werden soll dieses Ziel durch die neue internationale Strategie, die 20 konkrete Unterziele enthält. Ein ehrgeiziger Plan zur Mobilisierung der erforderlichen finanziellen Mittel soll die Umsetzung begleiten. „Mit diesen wegweisenden Beschlüssen hat die Weltgemeinschaft die Richtung der internationalen Politik zum Schutz der biologischen Vielfalt für die nächsten 10 Jahre vorgegeben. Diese gilt es nun, mit Leben zu füllen“, betonte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Ursula Heinen-Esser, die den Bundesumweltminister seit Mitte der Woche auf der Konferenz vertreten hatte.

Beim Thema Klimaschutz und Biodiversität ist eine Verknüpfung mit dem Waldschutz gelungen. Mit dieser Partnerschaft sollen die internationalen Klimaverhandlungen unterstützt werden, mit dem Ziel, Leitlinien zu entwickeln, mit denen die Entwaldung und zerstörerische Waldnutzung (sogenannter REDD-Mechanismus) gestoppt werden kann. Röttgen hatte in Nagoya bekannt gegeben, dass das Bundesumweltministerium für den Schutz der tropischen Regenwälder, die eine besondere Bedeutung für den Klimaschutz haben, zusätzlich 10 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Das Geld soll in einen Fonds der Weltbank fließen.

Ebenso stellte die Konferenz in Nagoya die Bedeutung von Schutzgebieten für die Erhaltung der weltweiten Biodiversität heraus. Dafür muss eine ausreichende Finanzierung sicher gestellt werden. Hierbei kann besonders die globale Initiative LifeWeb eine wichtige Rolle spielen, die mit maßgeblicher Unterstützung Deutschlands auf der Vertragsstaatenkonferenz in Bonn 2008 geschaffen worden war. Die Konferenz einigte sich auf weitere Schritte zum Ausbau eines globalen Netzes von Meeresschutzgebieten. Vorschläge für ökologisch und biologisch bedeutsame Meeresgebiete, sowohl innerhalb als auch außerhalb nationaler Hoheitsgebiete, sollen auf regionaler Basis erarbeitet und nach Annahme durch die nächste Vertragsstaatenkonferenz der Generalversammlung der Vereinten Nationen übermittelt werden. „Auch beim Meeresnaturschutz sind wir ein gutes Stück voran gekommen und haben ein wichtiges Signal gesetzt“, so Heinen-Esser.

Am Rande der Konferenz wurde der Abschlussbericht der TEEB-Studie vorgestellt, die 2007 unter maßgeblicher Beteiligung Deutschlands auf den Weg gebracht worden war. Ziel der Studie ist es, den ökonomischen Wert der biologischen Vielfalt und die Kosten der Naturzerstörung zu untersuchen und darzustellen. Der Abschlussbericht ist eine Zusammenfassung aller Einzelberichte, die bisher veröffentlicht wurden. An den Beispielen eines natürlichen Ökosystems (Wald), einer menschliche Siedlung (Stadt) und eines Wirtschaftszweigs (Bergbau) wird dargestellt, wie die in der Studie beschriebenen wirtschaftlichen Konzepte und Instrumente dabei helfen können, den Wert der Natur bei Entscheidungen auf allen Ebenen einzubeziehen.

In Nagoya wurde das Sekretariat der CBD beauftragt, einen Vorschlag ausarbeiten, wie die drei großen UN-Umweltkonventionen (Biodiversitätskonvention, Klimarahmenkonvention, Wüstenkonvention) besser zusammenarbeiten können.

Quelle: Pressemitteilung BMU

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