DEEPWAVE Newsletter Neujahr 2012

Liebe Freunde der Meere, liebe Förderer des Meeresschutzes.

Wissen mehren und Verstehen lernen!

Hamburg 30. Dezember 2011. Wer so wie ich (obwohl als Naturwissenschaftler eher eigentlich ein „Quereinsteiger“ und daher noch nicht so lange) das Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Politik tagtäglich verfolgt, der könnte ja erst einmal verzweifeln.

Warum wird der wissenschaftliche Rat in den politischen Gremien so zerrieben und kaum umgesetzt? In den eigenen EU-Gewässern oder auch international z.B. in Durban?

Sei es Klima-, Wasser-, Meeresschutz oder so dringende Fragen wie die Versorgung der wachsenden Erdbevölkerung mit Nahrung: Kaum eines dieser Themen findet einen vernünftigen Abschluss. Nichtstun bzw. mangelhafte Umsetzung können einen wahrlich zur Verzweiflung bringen. Einerseits ist die Untätigkeit sicherlich der Komplexität der Fakten und Umstände geschuldet – einfache Lösungen liegen nicht so auf der Hand und brauchen halt genauere Folgeabschätzungen in einer globalisierten Welt. Andererseits fehlt es, meiner Meinung nach, einfach an Verstehen und Wollen; so wie es kürzlich in der FAZ (29.12.20111) Prof. Johannes Masing (Richter am Bundesverfassungsgericht) kommentierte:

„Wir müssen nicht nur wissen, sondern verstehen – und dabei auch verstehen, dass wir oft entscheiden müssen, ohne zu wissen. Nur das kann uns auch zu verantwortlichem Handeln befreien.“

Ein starker Aufruf: Handeln ohne zu Wissen – aus dem Verstehen heraus! Doch wer ist dazu in der Lage, denn im Moment funktioniert unserer aller Welt leider ganz anders: Wir sind Getriebene des Wachstums und Konsumzwangs, der Banken und Medien, des Glaubens an Geo-Engeneering und anderer PM-Wundertüten aus der Wissenschaft gegen den Klimawandel etc.

Soll doch bloß keiner mit dem Gejammere uns unseren Lebensstil verderben, wir werden den Globus doch nicht kaputtmachen können mit unserer (kurzfristigen) Weltsicht des Konsums und wenn schon – am Ende werden zumindest die Käfer (langfristig) überleben!

Wir wissen und spüren zwar, dass dies nicht ganz so stimmen kann – aber das Verstehen setzt dann doch bei jedem von uns beim Einkaufen aus: Da ein Tannenbaum, hier etwas Böller, etwas Fleisch, etwas Reisen, etwas Konsum, Spenden für den guten Zweck oder halt sonst wie etwas beitragen zur Ökonomie Und voller Zwang halten wir da ein monetäres Rad am Drehen, was sich nicht so leicht stillhalten lässt, und wir alle sind auch verpflichtet es am Drehen zu halten, denn vom Baum lebt ein kleiner Händler (dein Nachbar?), von der Landwirtschaft eine Region, vom Reisen die fernen Insulaner und vom Fisch irgendwie auch der Fischer.

Und doch: Verstehen braucht doch etwas anderes. Es braucht „Freiräume, Flexibilität und Entschleunigung“, damit es zu einer Urteilsfähigkeit im Wissensstand der Bürger kommen kann – so heißt es! Können wir nicht nur die Räder etwas kürzer schalten?

Wie wär es mit etwas weniger Konsum, ein Verzicht auf täglich Fleisch und chinesischen Firlefanz?

Oder um noch mal die FAZ zu zitieren:

„Das Maß, in dem die Öffentlichkeit komplexere Zusammenhänge versteht, entscheidet darüber, welche Fragen ein Gemeinwesen noch erörtern und entscheiden kann.“

Und damit schließt sich erst mal hier der Kreis: Die Meere und ihre Lebewesen und den dringenden Schutz in der Öffentlichkeit bekannt zu machen – und den politischen Entscheidern zu Verstehen geben – das ist ja die Aufgabe bei DEEPWAVE e.V.!

Und aus dem Verstehen heraus wird es bald eine Besserung der Zustände geben, das erhoffen wir uns für das nächste Jahr.

Wir wünschen allen einen Guten Rutsch und ein erfolgreiches Neues Jahr 2012.

Bleiben Sie uns treu.
Herzlichst
Ihr
Dr. Onno Groß
1.Vorsitzender

P.S.: Der DEEPWAVE Jahresbericht 2010/2011 befindet sich auf unserer Website www.deepwave.org zum Downloaden.

DEEPWAVE e.V. ist gemäß Freistellungsbescheid vom 20.11.2008 des Finanzamts Hamburg für Körperschaften wegen Förderung des Umweltschutzes als gemeinnützigen Zwecken dienend anerkannt. Vereinsregister 17656, Amtsgericht Hamburg.

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