BP-Ölleck als schlimmste Ölkatastrophe bestätigt
Erste unabhängige Studie kommt auf insgesamt 700 Millionen Liter ausgeflossenes Öl

Mit Hilfe einer ungewöhnlichen Methode haben Wissenschaftler das Ausmaß der Ölkatastrophe am Golf von Mexiko bestätigt. Auf Basis von Strömungsmustern in Unterwasservideoaufnahmen schätzten sie die Gesamtmenge des ins Meer geflossenen Öls auf 700 Millionen Liter. Wie sie in „Science“ berichten, macht dies die Deepwater Horizon-Ölpest zur schlimmsten in der Geschichte. Gleichzeitig ist ihre Studie die erste, die die Schätzmethoden offenlegt und per Peer-Review beurteilen lässt.

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Strömungsturbulenzen als Volumenindikatoren
Für ihre Analyse nutzten Crone und seine Kollegin Maya Tolstoy die von ihnen ursprünglich zur Abschätzung der Flussraten hydrothermaler Schlote entwickelte Technik der so genannten „optischen Plume-Velocimetrie“. Sie beruht auf der Auswertung hochauflösender Videoaufnahmen von Unterwasserkameras, in denen die Turbulenzen und Strömungsmuster des ausströmenden Wassers – oder Erdöls – Pixel für Pixel analysiert wird. In ein komplexes Modell eingespeist, lässt sich daraus die Geschwindigkeit und das Volumen der austretenden Flüssigkeit berechnen.

Für ihre Analyse der Deepwater-Katastrophe waren die Forscher auf die Unterwasser-Videoaufnahmen angewiesen, die BP veröffentlicht und freigegeben hatte. Basierend auf den Ereignissen teilten sie ihre Messungen in zwei Perioden ein: Die erste reicht vom 22. April bis zum 3. Juni und erfasst die Zeit, als das Öl aus der geborstenen Leitung sprudelte. Die zweite erfasst die Zeit, nachdem die Leitung gekappt und das Öl so zeitweilig ungehindert ausströmen konnte.

10,8 Million Liter pro Tag
Für die erste Phase kommen die Forscher auf eine Ölmenge von 8,9 Millionen Liter pro Tag. Nach dem Kappen der Leitung stieg dies auf 10,8 Millionen Liter täglich. Insgesamt sind während der Katastrophe knapp 700 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko geflossen – die von BP abgeleiteten oder sonstwie eingefangenen Mengen bereits abgerechnet. Diese Menge entspricht in etwa den letzten Schätzungen der US-Behörden.

Grundstock für weitere Studien
Wegen der nur bruchstückenhaften Abdeckung des Zeitraums durch das Videomaterial betonen die Wissenschaftler, dass ihre Schätzungen nur eine erste Annäherung sein können. „Wir sehen ganz klar die Grenzen unserer Technik, es ist unwahrscheinlich, dass wir die genaue Zahl jemals wissen werden“, so Crone. So wurden Tagesschwankungen nicht erfasst und auch die Ausflüsse der anderen kleineren Lecks gingen nicht in die Analyse mit ein. Die echten Zahlen seien daher sicher noch höher.

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Quelle und vollständiger Artikel: SCINEXX

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