Tiefsee

Das unerforschteste und unereichbarste Ökosystem der Erde birgt Wunder und Überraschungen.
Doch sind wir dabei, es irreversibel zu zerstören.

USA heben Verbot von Tiefseebohrungen auf

Nach Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko
USA heben Verbot von Tiefseebohrungen auf

Fast sechs Monate nach Ausbruch der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko haben die USA das Verbot von Öl-Tiefseebohrungen vorzeitig aufgehoben. Es war nach dem Untergang der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ verhängt worden und sollte bis zum 30. November gelten. Es seien neue Regelungen erlassen worden, die das Risiko solcher Bohrungen vermindern, begründete Innenminister Ken Salazar die Aufhebung des Moratoriums.

Öl- und Gasindustrie müssen mehr zahlen

Es gebe „entscheidende Fortschritte, die mit Tiefseebohrungen verbundenen Gefahren zu reduzieren“, sagte Salazar. „Die Öl- und Gasindustrie wird unter strengeren Regeln und unter strengerer Aufsicht arbeiten“, sagte er weiter. Die Firmen müssen unter anderem nachweisen, dass sie auf ein eventuelles Unglück vorbereitet sind und alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben. Dazu müssen unabhängige Experten die Sicherheitsventile der Quellen überprüfen. Die neuen Regeln für Bohrungen im Golf von Mexiko werden die Öl- und Gasindustrie nach Schätzungen des Innenministeriums etwa 183 Millionen Dollar pro Jahr zusätzlich kosten. Der Betrieb einer Tiefsee-Bohrplattform werde dadurch knapp zwei Prozent teurer als bisher.
Erste Bohrungen wahrscheinlich Ende 2010

Wegen dieser neuen Regeln gehen die Behörden nicht davon aus, dass bereits in Kürze neue Tiefseebohrungen gestartet werden. Die Industrie brauche Zeit, sich auf diese neuen Regeln einzustellen. „Das wird sicherlich nicht morgen oder nächste Woche sein“, meinte Michael Bromwich, Chef des Bureau of Ocean Energy Management. Er rechne damit, dass zum Jahresende erste Bohrerlaubnisse vergeben werden. …

Quelle und vollständige Meldung: tagesschau.de

Neue Tiefseequellen entdeckt

Neue Tiefseequellen bei den Azoren entdeckt

Hydrothermalquellen tragen möglicherweise stärker zum Wärmehaushalt der Meere bei als bislang vermutet

Wissenschaftler des Forschungsinstituts MARUM und des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen haben an Bord des deutschen Forschungsschiffes Meteor 500 Kilometer südwestlich der Azoren neue Hydrothermalquellen entdeckt. Dort treten inmitten des Atlantischen Ozeans in tausend Metern Wassertiefe bis zu 300 Grad heiße Quellen aus bis zu ein Meter hohen Schloten aus. Die Entdeckung der neuen Tiefseequellen ist von besonderer Bedeutung, weil sie trotz intensiver Suche bei bisherigen Expeditionen in diesem Seegebiet nicht aufgefallen waren. Über die Entdeckung berichten die Forscher in ihrem Video-Blog.

Den Bremer Wissenschaftlern ist es durch den Einsatz eines neuartigen Fächerecholotes des FS Meteor gelungen, die Hydrothermalquellen aufzuspüren. Diese Technik erlaubt es, die Wassersäule bis zum Meeresboden in bisher unerreichter Genauigkeit bildlich darzustellen. Damit entdeckten die Wissenschaftler eine Fahne von Gasbläschen im Wasser. Bei einer anschließenden Tauchfahrt des ferngesteuerten Unterwasserroboters MARUM-QUEST fanden sie an der vorhergesagten Stelle tatsächlich hydrothermale Aktivität mit Tieren, die für heiße Tiefseequellen am Mittelatlantischen Rücken typisch sind.

Seit der Entdeckung der neuen Quellen suchen die Wissenschaftler die Wassersäule weiterhin intensiv mit dem Fächerecholot ab. Zu ihrem Erstaunen haben sie bislang mindestens fünf weitere Stellen mit Gasfahnen gefunden. Einige liegen sogar außerhalb der vulkanisch aktiven Spreizungszone in Gebieten, von denen bislang keine hydrothermale Aktivität bekannt war.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass viel mehr solcher kleiner aktiver Stellen entlang des Mittelatlantischen Rückens existieren, als wir bislang vermuteten“, sagte Dr. Nicole Dubilier, die wissenschaftliche Leiterin der Expedition. „Dies hieße, dass wir den Beitrag von hydrothermaler Aktivität zum Wärmebudget der Meere neu überprüfen müssen. Unsere Entdeckung ist auch so spannend, weil sie eine seit langem offene Frage klären könnte: Wir wissen immer noch nicht, wie sich Tiere zwischen den großen Hydrothermalquellenfeldern, die oft hunderte oder tausende Kilometer voneinander entfernt sind, verbreiten können. Sie könnten diese kleineren aktiven Zonen als Sprungbretter für ihre Verbreitung nutzen.“

Die Erforschung von heißen Hydrothermalquellen im Atlantik ist das Ziel von 30 Meeresforschern aus Hamburg, Bremen, Kiel und Frankreich, die sich seit dem 6. September auf dem deutschen Forschungsschiff Meteor befinden. Die Expedition nahe der Azoren an dem Unterwasservulkan Menez Gwen selbst wird vom MARUM, dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften Bremen, finanziert. „Einer der Fragen, die das Team beantworten möchte, ist warum die Hydrothermalquellen in diesem Gebiet so viel Methan ausstoßen – ein sehr potentes Treibhausgas“, sagt Nicole Dubilier, die Leiterin des Projekts. „Ein weiterer wichtiger Forschungsschwerpunkt sind die an den heißen Quellen lebenden Tiefseemuscheln, die in ihren Kiemen symbiontische Bakterien beherbergen. Von diesen Bakterien erhalten die Muscheln ihre Nahrung.“

Videoblog: Neues vom Peildeck
Die Ausfahrt auf einem Forschungsschiff hält jedoch nicht nur Höhepunkte wie diesen bereit, der Alltag auf der Meteor ist auch sonst voller aufregender Ereignisse. Denn auf einem Forschungsschiff wird für die gesamte Dauer der Ausfahrt rund um die Uhr gearbeitet. Dennis Fink, Doktorand am Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie, berichtet in seinem Videopodcast „Neues vom Peildeck“, das vom Hamburger Abendblatt veröffentlicht wird, über den Tauchroboter MARUM-QUEST und die vielen unterschiedlichen Messgeräte sowie über das Leben an Bord. In den etwa zweiminütigen Beträgen zeigen die Wissenschaftler faszinierende Bilder direkt vom Meeresgrund.

Weitere Informationen:

Der Wissenschaftsblog im Hamburger Abendblatt:
wissenschafts-blog.abendblatt.de/

Forschung zum Schutz der enormen Vielfalt der Tiefsee nötig

„Um die enorme Vielfalt der Tiefsee effektiv schützen zu können, dürfen wir jetzt nicht aufhören zu forschen.“

Dieser Tage wird einer der wichtigsten Arteninventurprojekte der Meere, der Census of Marine Life, nach zehn Jahren Laufzeit veröffentlicht. Er bringt etwas Licht ins Dunkel der Tiefsee, wenn auch nur sehr punktuell. Dennoch hat dieser kleine Einblick in das größte Ökosystem der Welt eine einzigartige Vielfalt zu Tage gebracht, die scheinbar ganz anderen Regeln gehorcht als jene an Land. Prof. Angelika Brandt, Meeresforscherin vom Zoologischen Museum der Universität Hamburg, hat verschiedene wissenschaftlich Projekte in der Antarktis im Rahmen des Census geleitet.

Frau Professor Brandt: Die Bilder des Census of marine Life sind enorm faszinierend und schön. Was bedeutet Ihnen dieses pulsierende Leben in unseren Meeren persönlich?

Schon als Schülerin fühlte ich mich sehr eng verbunden mit dem Meer. Im Studium habe ich dann eine Tauchausbildung gemacht, was mich noch näher an diese sagenhafte Unterwasserwelt heran brachte und diese Bindung noch verstärkt hat. Es ist auch heute noch ein außerordentlicher Moment, wenn wir unsere Tiefseeproben auswerten. Erreicht eine Tiefseeprobe das Deck, sehen wir in den Netzen zunächst einmal nur Schlick. Doch wenn sich beim Spülen nach und nach zum Beispiel eine lilafarbene Seegurke herausschält, ist das schon ein Glücksgefühl, was mich da erfasst. Ich denke, um ein Bewusstsein in der Bevölkerung für diesen Schatz der Ozeane zu schaffen, muss man die Faszination, Schönheit und Formenvielfalt der Organismen zeigen. Und das tut der Census of Marine Life auf sehr gelungene Weise, wie ich finde. Gerade die Art der Fotografien mit diesen schwarzen Hintergründen, transportiert, ganz ähnlich wie man es bspw. von Bildern von Raubkatzen kennt, die Würde der Tiere aus der Tiefe.

Der Census zeigt, dass die Meere und v. a. die Tiefsee eine enorme Artenvielfalt bereit halten, die bisher gefundenen Arten aber noch lange nicht die wirkliche Zahl abdecken. Was bringt uns dieses Wissen jetzt?
Gleich vorweg: Wir wissen auch nach zehn Jahren Forschung zum Census immer noch verschwindend wenig. Die Tiefsee ist das größte Ökosystem der Welt. Von den 512 Millionen Quadratkilometern Erdoberfläche sind rund 350 Millionen Tiefseegebiete. Das alles genau zu erforschen, ist schlicht unmöglich. Denn die Bedingungen sind ja enorm erschwert. Die Gesamtfläche unserer Untersuchungen beträgt in etwa die Fläche von ein paar Fußballfeldern. Doch allein dieser kleine Einblick zeigt schon, dass die Tiefen der Ozeane eine enorme Artenvielfalt beherbergen. Oft hatten wir in einer Probe an einem Ort enorm viele Arten, aber von jeder nur ein Individuum. An anderer Stelle wieder völlig andere Arten. Über die Hälfte der gefundenen Arten wurden nur an einer Stelle (Station) nachgewiesen. Dieses Wissen ist ganz wichtig vor dem Hintergrund immer stärker auftretender Tiefseeplanungen zum Abbau von Gold, Silber, Öl oder auch Manganknollen. Jeder Eingriff zum Abbau von Rohstoffen ist also vermutlich immer mit der Vernichtung von Arten, und nicht nur Populationen, verbunden. Das muss uns bewusst sein, besonders wenn man an die eventuelle Nutzbarkeit dieser Organismen zum Beispiel für Pharmaprodukte denkt. Und diese Erkenntnis liefert uns jetzt der Census of Marine Life.

Der Bericht betont ja deutlich die starke Bedrohung der Tiefseevielfalt durch menschliche Eingriffe wie intensivste Fischerei, Ausbeutung von Bodenschätzen und den menschgemachten Klimawandel. Was wäre aus Ihrer Sicht notwendig, um diese Entwicklung zu stoppen?

Hier müssen dringend gesetzliche Regelungen her, und zwar auf völkerrechtlicher Basis. Die Frage „Wem gehört der Seeboden?“ ist zumindest außerhalb der 200-Meilenzone nach wie vor nicht ausreichend geklärt. Hier dürfte dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg eine tragende Rolle zukommen. Und solche Regelungen müssen dann Anwendung finden bei der Ausweisung von Hochseeschutzzonen. Die Untersuchungen haben ja gezeigt, es werden bei einer industriellen Nutzung grundsätzlich Arten sterben. Wichtig ist es aber, ihnen Refugien zu gewähren. Und das auch dort, wo beispielsweise Manganknollen liegen.

Die Forschung spricht ja immer von starkem Forschungsbedarf. Was muss man für einen effektiven Schutz und nachhaltigen Nutzung der Meeresökosysteme noch wissen?

Wichtig ist vor allem, Antworten auf funktionelle Fragen zu finden. Wie sind die Arten an diese Umweltbedingungen angepasst? Was fressen sie? Da geht es um physiologische Fragen, zu denen wir jetzt gerade in der Tiefsee des Südpolarmeeres angefangen haben zu forschen. Solche Informationen geben uns Antwort auf die grundsätzliche Frage, wieso es dort unten überhaupt solch eine enorme Vielfalt gibt, bzw. wie sie sich entwickeln konnte. Ganz wichtig ist dabei die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Denn nicht jeder kann alles wissen. Zuerst müssen die Systematiker einmal herausfinden, welche Arten es gibt und wo sie vorkommen. Darauf können dann Ökologen und Physiologen aufbauen, sich die wichtigen Arten herausgreifen und untersuchen, welche Arten welche Rolle im Ökosystem spielen. Und parallel sollten Politologen und Rechtswissenschaftler die Möglichkeiten für effektive Schutzmöglichkeiten finden.

Der Strategische Plan der CBD, der bei der 10. Vertragsstaatenkonferenz in Nagoya verabschiedet werden soll, nennt mit 15 bzw. 20 Prozent der Landoberfläche als Ziel für terrestrische Schutzgebietsausweisungen zumindest konkrete Zahlen. Für marine Schutzgebiete konnten sich die Vertragsstaaten im Vorfeld der COP10 bisher nur eine Angabe von einem X-prozentigen Anteil der Wasseroberfläche abringen. Was macht diese Festlegung so schwer?

Ich denke, die Schwierigkeiten liegen vor allem in der Unübersichtlichkeit des Ökosystems Tiefsee durch ihre Dreidimensionalität und an der schlechten Datenlage. Die Wassersäule bis zum Grund von einem Quadratmeter Hochsee ist ja so extrem heterogen, dass eine einheitliche Betrachtung kaum möglich ist. Dazu kommen Phänomene wie Strömungen, die das System ständig verändern, auch räumlich. Und der größte Teil der Arten bleibt nicht am selben Ort. Die Tiere wissen ja nicht, wo sie in Sicherheit sind. Wenn sie aus einem geschützten Bereich heraus schwimmen oder von den Strömungen transportiert werden, sind sie nicht mehr geschützt. So etwas kommt an Land weniger, z. B. bei den Vögeln, vor. Das bedeutet aber, dass Meeresschutzgebiete eigentlich nur Sinn machen, wenn sie sehr großflächig angelegt wären. Ich denke, dass 20 Prozent der Fläche, wie sie an Land vorgeschlagen sind, da nicht ausreichen würden. Eher wären 50 Prozent sinnvoll.

Das Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks OSPAR hat vor kurzem die Ausweisung der ersten Hochseeschutzgebiete am Charles Gibbs Bruch nördlich der Azoren mit 285.000 km² beschlossen. Was kann das Schutzgebiet dort bewirken und sehen Sie diesen Schritt als Durchbruch für den Biodiversitätsschutz in internationalen Gewässern?
Das ist sicherlich ein guter Anfang. Die Artenvielfalt dort wird auf jeden Fall davon profitieren und die Politik hat guten Willen gezeigt. Und das ist es, worauf es ankommt. Denn möglich wäre vieles, eine nachhaltigere Wirtschaftsweise in der internationalen Fischereiindustrie, konsequent gemanagte Schutzgebiete. Alles ist die Frage politischen Willens, den Wert der Vielfalt anzuerkennen und effektiv zu schützen. Das ist natürlich auch mit Kosten verbunden. Aber wenn man sich gemeinsam darauf einigt, müssten auch Zahlungsverpflichtungen eingegangen werden. Wenn es um die Einhaltung von Länderhoheiten geht, funktioniert das ja auch. Erst neulich war ich mit einem russischen Forschungsschiff im Japanischen Meer unterwegs und wir näherten uns der koreanischen Grenze. Sofort war ein Überwachungsflugzeug zur Stelle, das genau geschaut hat, was wir da machen. So etwas müsste auch für den marinen Naturschutz möglich sein.

Welche Botschaft und Lösungsansätze würden Sie den Entscheidungsträgern in Nagoya an die Hand geben?

Die weitere Grundlagenforschung in der Tiefsee ist enorm wichtig und darf jetzt nicht eingestellt werden. Nur wenn wir die Zusammenhänge der Ökosysteme dort unten kennen, können wir sie effektiv schützen. Wir wissen noch immer viel zu wenig über die faszinierende Artenvielfalt dort unten. Wenn wir dieses Ökosystem rücksichtslos für Bergbau nutzen, radieren wir einen Schatz an Arten aus, der auch enorme wirtschaftliche Bedeutung haben könnte. Und er ist sagenhaft schön.

nefo hat zur Biodiversität in marinen und Küstenökosystemen ein Faktenblatt zur COP10 erstellt:

www.biodiversity.de/images/stories/Downloads/COP10Faktenblaetter/nefo_faktenblatt_biodiv_meere_kuesten.pdf

Update zur Tiefseegrundschleppnetzfischerei

Es ist schon etwas her, dass ich hier im Blog zum Thema Tiefseegrund-schleppnetzfischerei geschrieben habe. Das liegt nicht daran, dass der Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen aus 2006, leider keine Aussetzung der extrem zerstörerischen Tiefseegrundschleppenetzfischerei (Moratorium), inzwischen zufriedenstellend umgesetzt wurde, sondern einfach an der Vielzahl anderer aktueller Themen. Daher jetzt ein Update.

Die Hauptprobleme der Tiefseegrundschleppnetzfischerei sind die erhebliche Überfischung von sich nur sehr langsam vermehrenden Tiefseefischarten und damit die potentielle Ausrottung und die Totalzertrümmerung großer Tiefseekorallenbereiche durch die Schleppnetze. Die Unterwasserbereiche sehen nach Tiefseegrundschleppnetzfischerei aus wie Landbereiche nach heftigen Bomebenangriffen. Anders als auf Landbereichen ist das Regenerationsvermögen der Natur in der Tiefsee deutlich langsamer und eingeschränkter, wenn es überhaupt vorhanden ist.

Im Kern fordert die Resolution der UN-Generalversammlung UN61/105, ergänzt durch eine Resolution in 2009, dass Nationen und Regionale Fischereimanagementorganisationen freiwillig Maßnahmen treffen, um Tiefseebereiche vor der Grundschleppnetzfischerei zu schützen. Dazu zählen Maßnahmen wie
– das Verbot der Tiefseegrundschleppnetzfischerei in einigen Regionen,
– Durchführung von wissenschaftlichen Untersuchungen/Bewertungen und
– Überwachung der Tiefseegrundschleppnetzschiffe/-flotten.

Frühere Blogbeiträge zu dem Thema Tiefseegrundschleppenetzfischerei gibt es hier. Im Ergebnis ergibt sich ein eher deprimierendes Bild. Einen Gesamtüberblick gibt der DSCC-Bericht „The Implementation of UNGA Resolutions 61/105 and 64/72 in the Management of Deep-Sea Fisheries on the High Seas“ aus dem Mai 2010.

Nachfolgend Auszüge aus einer Zusammenfassung der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC), einer internationalen Organisation, bei der auch DEEPWAVE e.V. Mitglied ist, vom Anfang September:

Coming back to the UN General Assembly process – again, as you may recall, the UN GA agreed to hold a 2 day meeting in September 2011 to review the implementation of the high seas bottom fisheries provisions of the 2009 resolution by States and RFMOs. This will be a much more in-depth review than the General Assembly has conducted in previous years and will involve scientists, industry and NGO representatives. 2011 will mark 5 years since the adoption of UN GA resolution 61/105 which laid out the specific management measures that high seas fishing nations were called on to take (with a deadline set for December 2008) and 7 years since the adoption of UN GA resolution 59/25 in 2004 which called for “urgent action” to protect deep-sea biodiversity from the harmful impacts of fishing.

In the meantime, a number of DSCC member organizations have been challenging the European Union to live up to its oft repeated/stated commitments to implement the UN GA resolutions. Remember that EU countries take some ½ of the high seas bottom fishing catch worldwide. In November of this year, the EU Council of Ministers will decide on quotas for the next two years for deep-sea fisheries in the Northeast Atlantic, and next year the EU will rewrite/review the overall regulations for deep-sea fisheries in the Northeast Atlantic. Since May, a number of DSCC members including at various points Pew, Greenpeace, Seas at Risk, Birdlife International, Ecologistas en Accion, Bloom Association, and Fisheries Secretariat together with the Shark Alliance, Coalition 2012 and WWF have been calling for setting zero quotas for deep-sea fisheries which do not meet the standards set by the UN General Assembly. Based on an analysis by Pew, this would mean most, if not all, deep-sea fisheries under EU regulation in the NE Atlantic.

Much more has been happening since the beginning of the year. Amongst other things, Pew in conjunction with organizations in the EU and Canada has decided to undertake a major effort aimed at bringing the high seas bottom fisheries in the North Atlantic into line with the UN GA resolutions and in relation to deep-sea fisheries within EU and Canadian waters; Greenpeace New Zealand has engaged the merchant shipping conglomerate Maersk in a very public debate over deep-sea fisheries and corporate environmental responsibility in relation to Maersk’s shipments of orange roughy for export from New Zealand; and Bloom Association has organized a coordinated NGO involvement with a special commission set up by the government of France to review French deep-sea fisheries (France holds approximately 80% of the EU quota for deep-sea species in the Northeast Atlantic and will be a pivotal country in internal EU decisions over deep-sea fisheries regulations)

Ab September finden jetzt wieder diverse Sitzungen der Regionalen Fischereimanagementorganisationen (engl. Abkürzung: RFMO ) statt, bei der das Thema auch wieder auf der Tagesordnung stehen wird bzw. muss.

Besonders schlecht ist die Umsetzung in Meeresbereichen, in denen die großen Fischereiflotten aus EU-Staaten aktiv sind, so insbesondere im Bereich der Northwest Atlantic Fisheries Organization (NAFO). Das Kernproblem ist offensichtlich, dass niemand interessiert ist, die beschlossenen Untersuchungen der lokalen Situation durchzuführen, denn dann müsste man sofort aktiv werden. So läuft es nach dem Prinzip „Solange wir nichts untersucht haben, weitermachen wie bisher.“
Auszug aus einer aktuellen Pressemitteilung der DSCC zu der Septembertagung der NAFO:

„NAFO countries agreed they would assess the impacts of high seas bottom fishing by December 31st, 2008 or else stop fishing, according to the 2006 UN resolution. In 2008, NAFO countries themselves agreed to submit assessments for the 2009 fishery. They didn’t, and they still haven’t done so as far as we can tell. Without assessments, they won’t know what the impact of fishing will be nor can they manage bottom fisheries to ensure minimal impact on sensitive deep-sea ecosystems,“ said Susanna Fuller of the Ecology Action Centre, an observer at the meeting.

„It’s been like a Kafka novel here this week with countries telling us that some countries may have done impact assessments but no one seems to have seen them or know where they are, who has done them or what they contain,“ said Matthew Gianni of the Deep Sea Conservation Coalition. „We’re particularly disappointed with the European Union countries. The EU has the largest high seas bottom trawl fleet in the Northwest Atlantic and has repeatedly highlighted the importance of conducting impact assessments for deep-sea fisheries. The bottom line is that NAFO countries will be permitting fishing in 2011 in contravention of the UN resolutions.“

Quelle: Pressemitteilung DSCC „Northwest Atlantic Fisheries Organization comes up short on protecting the deep sea“ vom 24.09.10

Greenpeace-Aktion gegen Ölbohrschiff auf hoher See

Greenpeace-Aktion gegen Ölbohrschiff auf hoher See
Aktionen gegen Tiefseeölbohrungen vor den Shetland-Inseln gehen weiter

Nordost-Atlantik (Westlich der Shetland-Inseln- Greenpeace-Aktivisten setzen ihre Aktionen gegen Tiefseeölbohrungen circa 200 Kilometer vor der Küste der Shetland-Inseln fort. Vier Schwimmer sind am Mittag vor dem Ölbohrschiff „Stena Carron“ ins eiskalte Wasser des Nordatlantiks gesprungen. Das Schiff musste daraufhin stoppen. Die „Stena Carron“ soll die Probebohrung im Auftrag des US-Energiekonzerns Chevron durchführen, der in Deutschland mit der Marke Texaco vertreten ist.

Zuvor mussten Greenpeace-Aktivisten eine viertägige Protestaktion vor der Hafenstadt Lerwick abbrechen, bei der sie eine Überlebenskapsel an der Ankerkette der „Stena Carron“ befestigt hatten. Ein britisches Gericht beendete die Aktion am Samstag. Anschließend brach das Schiff zu einer Probebohrung im Lagavulin Ölfeld 200 Kilometer nördlich der Shetland Inseln aufgebrochen.

„So eine Bohrung in der Tiefsee vor den Shetland-Inseln ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Das ist unverantwortlich“, sagt Greenpeace-Ölexperte Christoph von Lieven. „Hier stehen die Erwartungen von riesigen Gewinnen dem Risiko gegenüber, dass die Umwelt auf Jahrzehnte zerstört wird. Auch vor europäischen Küsten ist ein Unglück wie im Golf von Mexiko somit jederzeit möglich.“ Die geplante Tiefseebohrung ist die erste, die nach dem Unglück der Deepwater Horizon in europäischen Gewässern genehmigt wurde.

Das Bohrschiff „Stena Carron“ kann selbst laut der Anwälte von Chevron nicht garantieren, seinen Standort im stürmischen Nordatlantik metergenau zu halten. Doch dies ist notwendig, damit das Bohrgestänge nicht bricht. Ein Maschinenausfall könnte somit zu einer Ölkatastrophe führen.

Am 28. September tagt in Brüssel der EU-Umweltausschuss. Es liegt ein Entschließungsantrag vor, in dem die EU-Kommission aufgefordert wird, ein Moratorium für Tiefseebohrungen zu beschließen. Der Bohrstopp soll gelten, bis einheitliche Sicherheitsstandards für Ölplattformen und Bohrtätigkeiten eingeführt sind. Diese sollen laut Antrag „höchsten Sicherheitsstandards“ entsprechen.

Bei der OSPAR-Meeresschutzkonferenz, die vergangenen Freitag im norwegischen Bergen zu Ende ging, wurde die Chance für ein Moratorium für Tiefsee-Ölbohrungen vertan. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), hatte zwar einen Antrag eingereicht, dieser wurde aber schon im Vorfeld vom Wirtschaftsministerium stark abgeschwächt. Nach den fünf Verhandlungstagen der OSPAR blieb nichts vom Antrag übrig. Er scheiterte vor allem am Widerstand der Ölförderländer Norwegen, Großbritannien und Dänemark.

Achtung Redaktionen: Rückfragen bitte an Christoph von Lieven auf den Shatland-Inseln unter Tel. 0171-8780 802, oder an Pressesprecher Patric Salize, Tel. 0171-8780 828. Videomaterial bekommen Sie über Melissa Thompson, Greenpeace International Video Desk: + 31 621 296899. Fotos: John Novis, Greenpeace International Picture Desk: +44 (0) 7801 615 889. Weitere Informationen im Internet: www.greenpeace.de

Ein kurzes Video der Aktion sehen Sie hier: http://ow.ly/2K3xZ

Kammer für Meeresbodenstreitigkeiten beendet Anhörungen in Hamburg

Kammer für Meeresbodenstreitigkeiten beendet Anhörungen in Hamburg

Die Internationale Kammer für Meeresbodenstreitigkeiten hat am Donnerstag in Hamburg die Anhörungen im ersten Verfahren seit ihrer Gründung vor 14 Jahren abgeschlossen. Bei dem Grundsatzverfahren geht es um´die Frage, in welchem Umfang Staaten haften, wenn von ihnen unterstützte Unternehmen Schäden auf dem Tiefseemeeresboden verursachen, wie das Auswärtige Amt mitteilte. An dem Verfahren ist auch Deutschland beteiligt, das über ein Konzessionsgebiet im pazifischen Ozean verfügt.

Der Antrag auf ein Rechtsgutachten geht auf den Pazifikstaat Nauru zurück, der Tiefseebergbau vor seinen Küsten betreiben möchte. Dort sollen in Zusammenarbeit mit einem Konzern in rund 5000 Metern Tiefe Manganknollen abgebaut werden. Diese enthalten neben Mangan wertvolle Rohstoffe wie Nickel und Kobald. Die internationale Kammer soll nun vorab klären, wer für mögliche Schäden haftet.

Seit Dienstag hörten sich die Richter die Stellungnahmen von neun Staaten und drei internationalen Organisationen an. Deutschland zählt nach Angaben des Auswärtigen Amts bislang zu den wenigen Staaten, die über Unternehmen verfügen, die derartige Forschungsarbeiten durchführen können. Derzeit lohne sich der Abbau wegen der Marktpreise der dortigen Rohstoffe noch nicht, wie der Reichert erklärte. Diese könnten allerdings für die Zukunftsversorgung wichtig werden, erklärte Christian Reichert, Fachbereichsleiter bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR).

Voraussichtlich wird die Kammer für Meeresbodenstreitigkeiten ihr Rechtsgutachten in den nächsten Monaten vorlegen. Sie ist Teil des in Hamburg ansässigen Internationalen Seegerichtshofs, der auf dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen basiert.

Interview:
„Tiefseebergbau ist noch unrentabel und risikoreich“

Von Lisa Hemmerich

Am Donnerstag hat die Kammer für Meeresbodenstreitigkeiten des internationalen Seegerichtshofs in Hamburg ihre erste öffentliche Anhörung abgeschlossen. Mit dem Grundsatzverfahren soll geklärt werden, ob Staaten oder von ihnen beauftragte Unternehmen beim Tiefseebergbau für mögliche Schäden haftet. Auch Deutschland ist an den Rohstoffen am Meeresboden interessiert und an dem Verfahren beteiligt.

Lisa Hemmerich sprach mit Peter Herzig, Leiter des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften in Kiel, über Chancen und Gefahren beim Tiefseebergbau.

LH: Muss nach manchen Rohstoffen bereits in der Tiefsee gegraben werden?

Herzig: Dass die Rohstoffe knapp werden, ist eine Mär. Es werden an Land immer wieder Zufunde gemacht. Es kann sich allerdings irgendwann wirtschaftlich rechnen, dass wir ins Meer gehen müssen, um Rohstoffe zu gewinnen.

LH: Was für Interessen vertritt Deutschland beim Tiefseebergbau?

Herzig: Deutschland hat ein Konzessionsgebiet gekauft im Manganknollengürtel im pazifischen Ozean. Das sind kartoffelähnliche Gebilde, die sich in Tiefsee in Wassertiefen zwischen 4.000 und 5.500 Metern befinden. Die Knollen liegen exponiert am Meeresboden rum, als ob man Kanonenkugeln verteilt hätte.

LH: Was genau ist an den Knollen so interessant?

Herzig: Die treibende Kraft ist nicht das Mangan, da wir an Land riesige Vorkommen haben. Daneben enthalten die Knollen die Wertmetalle Nickel, Kobald und Kupfer. Wenn so eine Manganknolle 2,5 bis drei Prozent in Summe dieser Element oder Metalle führt, dann ist das eine wirtschaftlich interessante Knolle.

LH: Gibt es Regeln beim Tiefseebergbau?

Herzig: Alles was außerhalb von 200 oder 400 Seemeilen liegt, sind sogenannte internationale Gewässer und die stehen unter Aufsicht der internationalen Meeresbodenbehörde in Jamaika. Die Manganknollen sind damit Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit, das heißt sie gehören eigentlich allen Staaten und nicht nur denen fünf bis zehn, die die Technologie haben.

LH: Wie sehen diese Regelungen aus?

Herzig: Wenn ein Gewinn aus den Rohstoffen in internationalen Meeresgebieten erzielt wird, dann muss die Hälfte des Gewinns abgeführt werden. Die Meeresbodenbehörde wiederum verteilt diesen Anteil unter den anderen Staaten, die nicht in der Lage sind, sowas technisch zu machen. Zudem müssen abbauende Staaten die Hälfte des explorierten Gebiets an die Meeresbodenbehörde abtreten. Ich halte die Bedingungen zur Zeit noch für relativ unattraktiv.

LH: Ist Tiefseebergbau vergleichbar mit Ölbohrungen vor den Meeresküsten?

Herzig: Bei Ölbohrungen ist klar, dass es privatwirtschaftliche Unternehmen sind, die letztlich haften. Bei internationalen Gewässern muss es ein Land sein, weil es das gemeinsame Erbe aller Länder der Erde betrifft.

LH: Was sind denn die Risiken?

Herzig: Es wird sehr schwer sein, Manganknollenbergbau ökologisch vertretbar durchzuführen. Manganknollen liegen auf kaum verfestigten Sedimenten. Wenn man diese Manganknollen aberntet, haben wir ein wahnsinniges Aufwirbeln von Feinmaterial. Das Problem ist zusätzlich, dass da unten konstante Tiefseeströmungen herrschen. Das könnte das ganze Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen.

Boulevard Baden
www.boulevard-baden.de/ueberregionales/wirtschaft/2010/09/16/

Tiefsee-Öl: Bundesregierung macht Rückzieher

Tiefsee-Öl: Bundesregierung macht Rückzieher/Wirtschaftsministerium kippt Forderung nach Stopp neuer Öl-Bohrungen

Greenpeace: Nur wenige Wochen nach der Ölkatastrophe im Golf on Mexiko hat die Bundesregierung ihre Forderung nach einem sofortigen Moratorium für Ölbohrungen in Tiefsee-Gebieten wieder aufgegeben. Anders als von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) angekündigt, setzt sich Deutschland nun doch nicht für einen sofortigen Stopp für Tiefsee-Ölbohrungen im Nordost-Atlantik ein. Nach Informationen von Greenpeace wurde ein entsprechender Antrag des Umweltministeriums für die nächste Woche beginnende Ministerkonferenz zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks (OSPAR) auf Druck des FDP-geführten Wirtschaftsministeriums praktisch wirkungslos gemacht.

„Kaum ist die Ölkatastrophe am Golf von Mexiko aus den Schlagzeilen verschwunden, hat sich auch Röttgens Forderung nach einem Stopp von Tiefsee-Ölbohrungen in Luft aufgelöst“, sagt Jürgen Knirsch von Greenpeace. „Nach seinem Desaster bei der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ist der Umweltminister jetzt auch beim Meeresschutz vom konzernhörigen Wirtschaftsminister Brüderle über den Tisch gezogen worden.“

Röttgen hatte in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ am 22. Juli gefordert, dass es „ohne Sicherheit von Bohrungen keine neuen Bohrungen“ in der Tiefsee geben dürfe. Deshalb werde sich Deutschland für „ein Moratorium, eine Pause für neue Bohrungen“ einsetzen. In einem Schreiben an Greenpeace bestätigte Röttgens Staatssekretär Jürgen Becker im August, dass das Ziel der Bundesregierung „ein Moratorium für neue Tiefsee-Ölbohrungen im OSPAR-Raum“ sei. Doch nach der Ressortabstimmung mit dem für Ölförderung zuständigen Wirtschaftsministerium ist davon keine Rede mehr: in dem jetzt von Deutschland eingereichten OSPAR-Antrag werden die Staaten des Nordost-Atlantiks nicht mehr aufgefordert, ein Moratorium zu beschliessen. Stattdessen sollen sie nur noch „intensiv prüfen“, ob ein Moratorium für neue Tiefsee-Bohrungen überhaupt nötig ist oder nicht. Selbst bei Annahme des Antrags können also Erkundungen und neue Bohrungen in Tiefseegebieten ungehindert weiter gehen.

Über 20 neue Tiefseebohrungen in Planung

„Die Ölkatastrophe von Mexiko hat gezeigt, dass Ölbohrungen in der Tiefsee technisch nicht beherrschbar sind. Eine solche Katastrophe kann sich jederzeit auch in Europas Meeren ereignen, mit unabsehbaren Folgen für das Meer und auch die deutschen Küsten“, so Greenpeace Experte Jürgen Knirsch. „Doch statt der Ölindustrie Grenzen zu setzen, will der Umweltminister noch nicht einmal selbst zur Konferenz fahren.“

In Nordsee und Nordost-Atlantik sind derzeit ca. 730 Offshore-Installationen in Betrieb, über 20 neue Öl- und Gasprojekte von 200 bis zu 900 Metern Tiefe sind geplant. Greenpeace fordert den Verzicht auf neue Ölbohrungen in Tiefen über 200 Metern, da im Notfall keine Taucher in diesen Tiefen eingesetzt werden können. Greenpeace wird Umweltminister Röttgen bei der heutigen Regionalkonferenz der CDU in Düsseldorf auffordern, zur OSPAR-Konferenz nach Norwegen zu fahren.

Auch bei einem Moratorium für Ölbohrungen kann sich Minister Röttgen nicht durchsetzen

Zum regierungsinternen Kompromiss für Ölbohrungen im Atlantik und europäischen Meeren erklärt Valerie Wilms, Sprecherin für Maritime Politik:

Der Antrag der Bundesregierung für die OSPAR-Verhandlungen über ein mögliches Moratorium für Ölbohrungen ist eine volle Enttäuschung. Wer statt einem Stopp jetzt nur noch „intensiv prüfen“ will, kann auch gleich zugeben, dass ihm die Gefahren der Förderung im Meer weniger wichtig sind als die Interessen der Förderunternehmen. Mit dieser Formulierung wird sich gar nichts ändern, und BP und andere können mit der gleichen Technik wie im Golf von Mexico vor unserer Haustür weitermachen.

Umweltminister Röttgen hat damit seine Zusage nicht gehalten und ist wieder einmal vor dem Wirtschaftsministerium eingebrochen. Wenn der Umweltminister noch nicht einmal selbst zu den Verhandlungen nach Norwegen fahren wird, werden die Chancen für ein Moratorium gen Null sinken.

Nach der Laufzeitverlängerung wird auch mit diesem weichgespülten Regierungskompromiss der Umweltschutz einmal mehr zur Nebensache erklärt. Alles, was wir an Horror-Bildern vom Golf von Mexico gesehen haben, scheint schon wieder vergessen zu sein. Wir fordern jetzt Energiekommissar Oettinger auf, zu seinem Wort zu stehen und sich weiterhin zu einem Moratorium zu bekennen.
Büro Dr. Valerie Wilms MdB

Die Tiefsee kommt nach Dresden

Ab dem 5. November 2010 wird eine fremde Welt voller rätselhafter Wesen Dresden erobern. Im Japanischen Palais bietet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) gemeinsam mit dem Naturhistorischen Museum in Basel (Schweiz) einen tiefen Einblick in ihre tägliche Pionierarbeit. Die Besucher der ‚Tiefsee‘-Ausstellung werden bizarre und extrem seltene Tiere sehen. Hierzu gehören leuchtende Fische mit enormen Zähnen und Augen, durchsichtige Tintenfische und riesige, fleischfressende Quallen, aber auch Tiefseegiganten wie Pottwal und Riesenkalmar. Ein Highlight der Ausstellung ist die virtuelle Tauchfahrt in dem elf Meter langen U-Boot „Mariana 10914“. Zudem werden die Mythen der Seeungeheuer aus vergangenen Zeiten sowie die Ergebnisse der historischen und modernen Wissenschaft der SGN auf einem hohen museumspädagogischen Niveau präsentiert.

Die Besucher lernen die sensiblen Prozesse kennen, die das größte Ökosystem der Erde in Gang halten und sie erfahren mehr über das Leben und Arbeiten der Forscher auf den Schiffen Meteor‘, ‚Polarstern‘, ‚Sonne‘ und ‚Senckenberg‘ sowie in U-Booten und im Labor.

Goldgräberstimmung am Meeresboden

Goldgräberstimmung am Meeresboden

Wettlauf um gigantische Rohstoffvorkommen in vollem Gange
Sarah Zierul im Gespräch mit Joachim Scholl

Lange Zeit hielt der Mensch die Tiefsee für eine tote Wüste. Heute stoßen dort Forscher aus aller Welt auf atemberaubend schöne Landschaften, ungezählte neue Lebewesen – und auf wertvolle Rohstoffe in rauen Mengen. Das lockt auch Politik und Industrie.

Das ganze Interview unter

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1253277/

Schicksal des Ölteppichs in der Tiefsee ungewiss

Riesige Ölfahne schwimmt tief im Golf von Mexiko

ÖLPEST Forscher entdecken hohe Konzentration an Schadstoffen. Bakterien arbeiten nur langsam

BERLIN taz | Wissenschaftler haben eine 35 Kilometer lange und 2 Kilometer breite Ölfahne im Golf von Mexiko nachgewiesen. Nach einem Bericht, den sie in der Onlineausgabe des Wissenschaftsmagazins Science veröffentlichten, fanden sie tausend Meter unter der Wasseroberfläche in einer etwa 200 Meter dicken Wasserschicht Kohlenwasserstoffe wie Benzol. Ihre Konzentration sei so hoch gewesen, dass nur der BP-Unfall als Ursache infrage komme. Zudem werde das Öl nur langsam von Bakterien abgebaut, schreiben sie.

„Das bestätigt die Prognose von Wissenschaftlern, dass das meiste Öl aus der Katastrophe in der Tiefsee geblieben ist“, sagte die Mikrobiologin Antje Boetius vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Anfang August hatte die US-Regierung behauptet, drei Viertel des Öls seien beseitigt. Nach Untersuchungen der Universität Georgia befinden sich aber noch bis zu 80 Prozent der ausgetretenen rund 780 Millionen Liter Öl im Meer. „Regierung und BP haben sich nur um das Öl an der Oberfläche gekümmert und die Tiefsee zu wenig berücksichtigt“, so Boetius.

Nach der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ sei das Öl mit großem Druck ausgetreten und habe sich in Minitröpfchen im Wasser verteilt – „wie aus einer Sprühdose für Salatöl“, erklärt die Meereswissenschaftlerin. Ein Großteil sei nie an die Oberfläche gelangt. Dass das Öl nun von Bakterien abgebaut werde, sei kein Grund zur Erleichterung. Durch die Stoffwechselprozesse der Bakterien könnten Sauerstoffmangelzonen im Meer entstehen, die das Ökosystem gefährden. Andererseits zeige die aktuelle Studie, dass der Abbau langsamer vor sich gehe als erwartet. Im Golf von Mexiko finde das wahre Grauen in der Tiefsee statt, sagt der WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter.

FRIEDERIKE SCHMITZ
http://taz.de/digitaz/2010/08/20/a0073.nf/text

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