Tiefsee

Das unerforschteste und unereichbarste Ökosystem der Erde birgt Wunder und Überraschungen.
Doch sind wir dabei, es irreversibel zu zerstören.

Wasserstoff ernährt Tiefseewesen

Wasserstoff ernährt Tiefseewesen

Von Jan Oliver Löfken

Mikroben ziehen Energie aus Gasschwaden der Schwarzen Raucher und füttern Muscheln indirekt über eine
Bremen – Mit Wasserstoff lassen sich nicht nur Brennstoffzellen betreiben, sondern auch Lebewesen ernähren. 3000 Meter tief im Atlantik fanden nun deutsche Meeresforscher erstmals eine Lebensgemeinschaft aus Muscheln und Bakterien, deren Stoffwechsel auf dem energiereichen Gas gründet. Da bis zum Boden des Ozeans kein Sonnenlicht vordringt, mussten sich Mikroben und Muscheln an die unwirtliche Umgebung anpassen und die aus sogenannten Schwarzen Rauchern bei etwa 400 Grad austreteten Gase zum Überleben nutzen. Wie die Forscher in der Zeitschrift „Nature“ berichten, kann diese ungewöhnliche Nahrungsquelle vor allem dank eines neu entdeckten Gens namens „hupL“ im Erbgut der Bakterien ausgeschöpft werden.

„Ziemlich genau auf halber Strecke zwischen den Kapverden und der Karibik haben wir 2005 am Mittelozeanischen Rücken des Atlantiks mit Tauchrobotern erste Hinweise gefunden“, sagt Frank Zielinski, der damals am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen an seiner Promotion arbeitete. Rund um die Schwarzen Raucher – Hydrothermalquellen an dieser Nahtstelle zwischen zwei geologischen Platten – entdeckten sie ausgedehnte Muschelbänke der Art Bathymodiolus puteoserpentis. In das umgebende Wasser stießen die Schlote der Schwarzen Raucher heiße Ströme mit hohen Anteilen an Methan, Schwefelwasserstoff und reinem Wasserstoff aus. Schnell drängte sich der Verdacht auf, dass diese energiereichen Gase die Lebensgrundlage für die Verwandten der Miesmuscheln bilden müssten.

Tiefseeroboter sammeln Muscheln

So sammelten Zielinski und Kollegen einige Muscheln mit den Greifarmen der Tiefseeroboter ein und untersuchten sie genauer. In den Kiemen der Schalentiere fanden sie Bakterienkulturen, die sich – wie bisher angenommen – von Methan und Schwefelwasserstoff ernähren können und eine Symbiose mit den Muscheln eingehen. Doch eine der Mikrobenarten verzehrte auch Wasserstoff. Ganz ohne Sonnenlicht können die Bakterien so einen chemosynthetischen Stoffwechsel betreiben und aus der Spaltung von Wasserstoff genug Energie für den Aufbau von Kohlenhydraten gewinnen.

„Ob nun die Muscheln die Bakterien selbst verdauen oder die Mikroben für ihre Ernährung melken, ist im Detail noch nicht geklärt“, sagt Zielinski. Klar ist jedoch, dass die Tiefsee-Muscheln ohne die erfolgreiche Symbiose mit den Bakterienkulturen in ihrem Innern nicht überleben könnten. So bilden die Mikroben quasi eine lebende Brennstoffzelle, die die Schalentiere mit verwertbarer Energie versorgt. Da die Gasausstöße der Schwarzen Raucher jedoch stark schwanken können, verlassen sich die Muscheln offenbar nicht auf eine einzige Mikrobenart. Die Forscher entdeckten zwei Kulturen: Eine für die Umsetzung von Methan und die weitere für die Verwertung von Schwefelwasserstoff und Wasserstoff. „Je nach Menge der verfügbaren Gase können die Muscheln so ihre Ernährung umschalten“, sagt Zielinski.

Mit genaueren Analysen im Bremer Institut gingen die Wissenschaftler dem bis dato unbekannten Wasserstoff-Stoffwechsel der Mikroben auf den Grund. Sie fanden heraus, dass sie über das hubL-Gen verfügen, das für die Wasserstoffspaltung verantwortlich ist. „Das ist das Schlüsselgen für die Fähigkeit, Wasserstoff als Energiequelle verwerten zu können“, erklärt Zielinski. Weitere Messungen zeigten, dass die untersuchte Tiefsee-Muschelbank mit etwa einer halben Million Tiere bis zu 5.000 Liter Wasserstoffgas pro Stunde konsumieren könnte.

Unbekannte Tiefsee-Welt von Rohstoffsuchern bedroht

Dieses „Wasserstoff-Gen“ fanden die Wissenschaftler auch in Bakterien, die in Symbiose mit Röhrenwürmern und Tiefsee-Garnelen lebten. Doch den direkten Verzehr von Wasserstoff haben sie an diesen Lebenwesen bisher nicht untersucht. „Diese Wirtstiere belegen die Tatsache, dass unser Wissen der Ökosysteme rund um die Schwarzen Raucher auch 34 Jahre nach ihrer Entdeckung noch limitiert ist“, schreiben Victoria Orphan und Tori Hoehler vom California Institute of Technology in einem begleitenden Kommentar. So birgt die Tiefsee wahrscheinlich noch viele unentdeckte Lebensformen und Geheimnisse, die erst nach und nach mit modernen Tauchbooten gelüftet werden können. Da derzeit zahlreiche Staaten und Rohstoffunternehmen die Tiefsee als neue Quelle für seltene und wirtschaftlich relevante Metalle entdeckt haben, schrumpft jedoch die Zeitspanne, um die noch weitestgehend unberührten Lebenswelten zu erforschen.

http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Wasserstoff_ernaehrt_Tiefseewesen_1771015587842.html

Wettlauf um die Schätze der Tiefsee

Schweizer Radio Sendung zum Thema Meeresbergbau und Interview mit DEEPWAVE-Gründer Dr. Onno Groß

Wettlauf um die Schätze der Tiefsee

Einem bemannten chinesischen U-Boot ist erstmals in der Geschichte des Landes eine Tauchfahrt in 5000 Meter Tiefe gelungen. In dieser Tiefe liegen bislang unverbrauchte, riesige Rohstoffvorkommen: Gold, Silber, Nickel, Kupfer. Die Liste ist lang. Dieser Schatz weckt Begierde, nicht nur bei den Chinesen.

http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/echo-der-zeit/2646.bt10188070.html

Zoom auf den Meeresboden – AUV ABYSS liefert neue Erkenntnisse

Zoom auf den Meeresboden

– AUV ABYSS liefert neue Erkenntnisse über das Aufbrechen eines Kontinents –

Die erfolgreiche Suche nach dem Wrack des 2009 abgestürzten Air France Airbus im Atlantik hat das Autonome Unterwasserfahrzeug ABYSS auch außerhalb der Wissenschafts-Welt bekannt gemacht. Doch die eigentliche Aufgabe des am IFM-GEOMAR beheimateten Geräts ist es, für die Forschung hochpräzise Karten vom Meeresboden zu erstellen. Dass es auch diese Aufgabe meisterhaft erfüllt, beweist ein Artikel Kieler und Bonner Geologen in der aktuellen Ausgabe der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift „Geology“.

Auf den ersten Blick sieht die Karte unspektakulär aus. Sie zeigt einen 30 Grad steilen Berghang mit einigen glatten Flächen, dazwischen aber auch rauere Passagen und Abbruchkanten. Das Besondere ist jedoch, dass der Gipfel des Berges 110 Meter unter der Wasseroberfläche des Woodlark Beckens im Ostpazifik liegt. Der Fuß des Moresby Seamounts, so der Name des Berges, befindet sich sogar in über 2800 Metern Tiefe. Bisher existierten von ihm nur Karten, die seine Hänge als völlig gleichförmige, unstrukturierte Flächen zeigten. „Früher konnte der Seamount nur von Schiffen aus vermessen werden, deren Echolotsysteme eine Auflösung von höchstens 25 mal 25 Metern erlauben“, erklärt der Geologe Romed Speckbacher vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).

In der aktuellen Ausgabe des Fachjournals „Geology“ präsentieren Speckbacher und mehrere Kollegen dagegen die neue Karte des Moresby Seamounts. Sie ist so hoch aufgelöst, dass sogar Strukturen von nur zwei mal zwei Metern Größe sichtbar werden. Die Vermessung hat das Autonome Unterwasserfahrzeug (AUV) ABYSS des IFM-GEOMAR während einer Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff SONNE im Herbst 2009 durchgeführt. „Es ist, als ob wir uns an den Meeresboden herangezoomt hätten“, sagt Speckbacher begeistert.

Dank der deutlich höheren Auflösung im Vergleich zu früheren Karten, konnten die Geologen spannende Details erkennen, die ihnen bislang verborgen geblieben waren. Bekannt war, dass am Nordhang des Moresby Seamount eine geologische Störung liegt – die sogenannte „Moresby Seamount Abschiebung“. Die gute Auflösung der neuen Karte zeigt erstmals die Spuren der tektonischen Kräfte entlang der Abschiebung. Die Wissenschaftler entdeckten außerdem eine zweite Störung, die schräg dazu verläuft: „Beide Störungen sind derzeit aktiv“, berichtet Speckbacher, „und eine Änderung der Plattentektonik im Woodlark Becken führt dazu, dass die neu entdeckte Störung in Zukunft eine wichtigere Rolle als die bereits bekannte Abschiebung einnehmen wird.“

Im Woodlark Becken bricht die Erdkruste langsam, aber unaufhörlich, Richtung Westen auf. Man spricht dabei von einem kontinentalen Grabenbruch. An der entstehenden Lücke bildet heißes Material aus dem Erdmantel basaltische Schmelze, die zu neuer ozeanischer Kruste erstarrt. „Die neu entdeckte Störung am Moresby Seamount passt zu der Spreizungsachse dieses Grabenbruchs. Unsere Daten zeigen, dass in geologisch naher Zukunft der Grabenbruch des Woodlark Beckens auch den Nordhang des Moresby Seamount aufreißen und sich entlang der neuen Störung in Richtung Papua Neuguinea fortsetzen wird“, erklärt Prof. Jan Behrmann, Co-Autor der aktuellen Studie.

Doch das AUV ABYSS hat den Meeresboden nicht nur kartiert, sondern auch ungewöhnliche Temperaturschwankungen und Wassertrübungen am Meeresboden gemessen. „Wir gehen davon aus, dass unter Druck stehendes Wasser in der Erdkruste wie ein Schmierfilm zwischen den Gesteinsschichten wirkt und die Bewegungen der Störungen erst ermöglichen. An einigen Bereichen der Moresby Seamount Abschiebung treten diese Wässer aus dem Meeresboden aus – diese Stellen hat ABYSS entdeckt“, erklärt Speckbacher.

Der Tauchgang des AUV, bei dem all diese Daten erhoben wurden, war mit über 20 Stunden der längste, den das Gerät bis dahin vollbracht hatte. „Eine besondere Herausforderung war, ABYSS so zu programmieren, dass es den abfallenden Hang mit gleich bleibender Präzision vermessen konnte“, erinnert sich Dr. Klas Lackschewitz, der das AUV-Team am IFM-GEOMAR leitet. Das Ergebnis lohnte die Mühen: „Dank des AUV sind wir in der Lage, neue Welten zu entdecken und auf spektakuläre Art strukturgeologische Feldarbeit in der Tiefsee zu betreiben“, betont Speckbacher.

Originalarbeit:
Speckbacher, R., J.H. Behrmann, T.J. Nagel, M. Stipp, C.W. Devey: Splitting a continent: Insights from submarine high-resolution mapping of the Moresby Seamount detachment, offshore Papua New Guinea. Geology, July 2011, v. 39, p. 651-654, doi:10.1130/G31931.1

Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de Das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR
http://www.ifm-geomar.de/go/auv Das Autonome Unterwasserfahrzeug (AUV) ABYSS

Google-Atlas offenbart Tiefsee-Abgründe

Neuer Google-Atlas offenbart Tiefsee-Abgründe

Berge höher als der Mount Everest, Schluchten, gegen die der Grand Canyon mickrig wirkt: Neue Karten erlauben virtuelle Expeditionen an den Boden der Tiefsee. Es sind spektakuläre Einblicke in eine Welt, die normalerweise unter kilometerhohen Wassermassen verborgen bleibt.

Ein langes Tau benötigte der griechische Philosoph Poseidonios im Jahre 85 vor Christus, um die Tiefen des Mittelmeers zu messen. Er befestigte einen Stein am Seil und ließ es ins Meer sinken. Viele Versuche waren nötig, denn auf die wahren Abgründe des Gewässers waren die Alten Griechen nicht vorbereitet: Das Mittelmeer ist durchschnittlich 1450 Meter tief, an manchen Stellen senkt sich der Boden gar mehr als 5000 Meter unter den Meeresspiegel – ein stattliches Seil musste also parat liegen.

Heute vermessen Forscher den Tiefseegrund mit Schallwellen von Schiffen aus. Neue Karten machen jetzt fünf Prozent des Meeresbodens in unerreichter Genauigkeit auf Google Earth der Öffentlichkeit zugänglich. Bisherige Atlanten zeigten den Meeresboden meist auf einen Kilometer genau, kleinere Strukturen blieben unsichtbar. Die neuen Karten aber offenbaren alles, was größer ist als 100 Meter – selbst kleine Unterwasserhügel werden erkennbar. Die Daten stammen von Hunderten Schiffsexpeditionen, die unter anderem vom Earth Institute der Columbia University in den USA und dem Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften geleitet wurden.

Artikel weiterlesen hier

(http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,767731,00.html)

Deutsche Meeresforschung erhält neues Tiefseeforschungsschiff

Die neue SONNE wird in Warnemünde vom Stapel laufen

Deutsche Meeresforschung erhält neues Tiefseeforschungsschiff / Bundesministerin Schavan lobt die Leistungsfähigkeit der deutschen Werften

Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka haben heute grünes Licht gegeben für ein neues deutsches Tiefseeforschungsschiff. Den Zuschlag für den Bau und die Bereederung dieses Schiffes, das wie sein Vorgänger den Namen SONNE tragen wird, erhält die Tiefseeforschungsschiff GmbH & Co. KG. Gebaut wird es auf der Neptun Werft in Rostock-Warnemünde. „Die deutsche Meeresforschung erhält mit dem Neubau des Forschungsschiffes eine der weltweit modernsten maritimen Arbeitsplattformen“, sagte Schavan. Das neue Schiff wird helfen, wissenschaftlich und gesellschaftlich hoch relevante Fragen zu beantworten, beispielsweise in der Klimaforschung oder in der Versorgung mit marinen Rohstoffen. Haupteinsatzgebiete des neuen Schiffes werden der Indische und Pazifische Ozean sein. Beide Weltmeere haben einen großen Einfluss auf das Klimageschehen. Daher ist ihre Erforschung immer wichtiger.

Die alte SONNE wird 2015 außer Fahrt gehen. Sie stand mehr als 35 Jahre im Dienst der meereswissenschaftlichen Forschung und machte zahlreiche Fahrten vor allem im Pazifik und Indischen Ozean. Sie war 1969 als Fischereischiff gebaut und 1977 zum Forschungsschiff umgebaut worden.

Gemeinsam mit den Küstenländern Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen hatte Ministerin Schavan im Jahr 2008 den Bau des neuen Tiefseeforschungsschiffes vereinbart. Auch der Wissenschaftsrat hatte dies empfohlen. Die Kosten in Höhe von 124,4 Millionen Euro übernimmt das BMBF zu 90 Prozent, die Küstenländer investieren zusammen 10 Prozent, wovon Niedersachsen gut die Hälfte trägt.

Der Heimathafen des neuen Tiefseeforschungsschiffes wird Wilhelmshaven sein. „Niedersachsen freut sich sehr über diese Standortwahl“, sagte Wanka. „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den fünf beteiligten Küstenländern haben die Planung des Schiffs eng begleitet und die Erfahrungen aus dem Betrieb der anderen Forschungsschiffe eingebracht. Das neue Schiff bietet beste Voraussetzungen für eine Meeresforschung in zahlreichen Disziplinen. Damit verfügen wir in Europa künftig über ein Alleinstellungsmerkmal.“

„Der Neubau ist Teil der Erneuerung der deutschen Forschungsflotte“, sagte die Bundesforschungsministerin. „Ich freue mich, dass wir damit gleichzeitig einen starken Impuls für die deutsche maritime Wirtschaft geben können. Der Auftrag sichert Arbeitsplätze in der deutschen Werftindustrie, der Reederei sowie bei zahlreichen deutschen Zulieferbetrieben“.

Die Tiefseeforschungsschiff GmbH & Co.KG, ein Zusammenschluss der Meyer Werft (Papenburg) und der Reederei RF Forschungsschiffahrt (Bremen), hat sich in einem europaweiten wettbewerblichen Ausschreibungsverfahren gegen starke Konkurrenz durchgesetzt.

http://www.bmbf.de/press/3105.php

Heiße Tiefseequellen: Mehr als lokale „Hot Spots“

Mehr als lokale „Hot Spots“: Neue Erkenntnisse zur geochemischen Bedeutung von heißen Tiefseequellen

Hydrothermalquellen am Meeresgrund transportieren in den austretenden heißen Lösungen große Mengen an Metallen. Bislang gingen Meeresforscher davon aus, dass diese sich als schwerlösliche Mineralien in der Umgebung der Quellen ablagern und daher als gelöste Mikronährstoffe für Lebewesen im offenen Ozean praktisch keine Rolle spielen. Andrea Koschinsky, Geochemikerin an der Jacobs University, und Sylvia Sander von der neuseeländischen Otago University konnten nun zeigen, dass Metalle aus heißen Quellen auch gutlösliche organische Verbindungen bilden und so in signifikanten Mengen als bioverfügbare Spurenelemente ins offene Meer transportiert werden (Nature Geoscience, DOI: 10.1038/ngeo1088).

Heiße Quellen am Grund des Ozeans sind seit langem als „Hot Spots“ für ausgesprochen artenreiche, speziell angepasste Lebensgemeinschaften in der ansonsten lebensfeindlichen Tiefsee bekannt. An ihren Austrittsstellen wimmelt es trotz Wassertemperaturen von bis zu 400 °C geradezu vor Leben. Grund hierfür sind die hohen Konzentrationen an Nährstoffen in den hydrothermalen Lösungen, vor allem Schwefelverbindungen, die die Basis für eine ganze Nahrungskette bilden. Diese „belebende“ Wirkung der Quellen ist aber räumlich begrenzt auf den Meeresboden in einem Umkreis von einigen hundert Metern.

Hydrothermalquellen speien außerdem auch große Mengen an Metallen in den Ozean. Auch hier ging man bislang davon aus, dass sich diese Metalle fast vollständig lokal ablagern, da sich durch die Vermischung der heißen Lösungen mit dem kalten Umgebungswasser schwerlösliche mineralische Metallverbindungen bilden und als Partikel zu Boden sinken. Dort reichern sie sich auf Dauer zu wertmetallreichen Lagerstätten im Umfeld der Quellen an. Insbesondere für das Element Eisen, das im Meerwasser in gelöster Form nur in ganz geringen Konzentrationen vorkommt, jedoch für viele Lebewesen ein wichtiger Mikronährstoff ist, schien es keinen Weg aus dem Hydrothermalfeld heraus in die Weite des Ozeans zu geben.

Den beiden Meereschemikerinnen Andrea Koschinsky von der Jacobs University und Sylvia Sander von Otago University gelang nun erstmals der Nachweis, dass heiße Tiefseequellen nicht nur einen Einfluss auf biogeochemische Prozesse in ihrer unmittelbarer Umgebung haben, sondern auch die Stoffkreisläufe im offenen Ozean nicht unwesentlich beeinflussen. Sie fanden heraus, dass das Meereswasser im direkten Quellumfeld – vermutlich durch die hohe biologische Aktivität in diesem Bereich – erhöhte Konzentrationen von organischen Molekülen enthält. Diese können Metallionen binden und in sehr gut wasserlösliche Komplexe überführen. Mit der Strömung können die gelösten metallorganischen Verbindungen dann weit in das offene Meer hinaus transportiert und in die gesamte Wassersäule eingemischt werden. Dieser Prozess verhindert, dass die hydrothermalen Metalle vollständig als schwerlösliche Mineralien auf den Meeresgrund sinken und so den biologischen Stoffkreisläufen dauerhaft entzogen werden.

Zwischen 10 und 20 % des gesamten im Ozean gelösten Eisens und Kupfers ist hydrothermalen Ursprungs, so das Ergebnis der Modellrechnungen von Koschinsky und Sander, bei denen die beiden Forscherinnen einen Transport von Metallen aus heißen Tiefseequellen durch organische Moleküle zugrunde legten. Diese Größenordnung ist nach Meinung der beiden Wissenschaftlerinnen auch auf andere Metalle wie z. B. Mangan und Zink. übertragbar. „Da Eisen, aber auch viele andere Metalle wichtige Mikronährstoffe für die verschiedensten Organismen sind, können wir davon ausgehen, dass Hydrothermalsysteme einen entscheidenden Einfluss auf Bioproduktivität von Ozeanen haben, der weit über die direkt bei ihnen angesiedelten Ökosysteme hinausreicht“, kommentiert Andrea Koschinsky die Ergebnisse ihrer Studie. „Die heißen Quellen sind ein besonders interessantes Beispiel dafür, wie biologische Aktivitäten die Auswirkungen von geologischen Prozessen potenzieren oder ganz und gar verändern können“, so die Bremer Forscherin weiter.

Eine spannende Fragen für die Zukunft ist nun, ob die organischen Substanzen, die für den deutlich verstärkten Metalltransport verantwortlich sind, allein durch die Zersetzung von Biomasse vor Ort entstehen, oder ob sie möglicherweise gezielt von hydrothermalen Organismen produziert werden, um die Toxizität oder biologische Verfügbarkeit von hydrothermalen Metallen zu beeinflussen. Die Planungen für die nächsten Forschungsexpeditionen laufen bereits.

Andrea Koschinsky | Professor of Geosciences
(http://www.jacobs-university.de/directory/akoschinsk)

Tiefsee-Katzengold als Eisendünger der Meere

Tiefsee-Katzengold als Eisendünger der Meere
Langlebige Pyrit-Nanopartikel aus hydrothermalen Vents als wichtige Eisenquelle enthüllt

Die hydrothermalen Schlote der Tiefsee spielen eine wichtige Rolle für die Eisenversorgung der Meere: Sie stoßen Nanopartikel aus der Eisenverbindung Pyrit aus, die lange schweben bleiben und so auch in weit entfernte Bereich des Meeres transportiert werden. Das enthüllt eine jetzt in „Nature Geoscience“ veröffentlichte Studie. Damit sind die „Schwarzen Raucher“ eine wichtige Nährstoffquelle für Kohlendioxid-bindende Algen auch an der Wasseroberfläche.

Wie alle Lebewesen benötigen auch die Bakterien und Algen im Ozean Eisen als Nährstoff für ihr Wachstum. Allerdings stehen ihnen am Meeresboden kaum biologische Eisenlieferanten zur Verfügung, Grünpflanzen oder eisenhaltiges Fleisch findet sich dort nicht. Woher aber kommt ihr Eisennachschub? Eine mögliche Antwort auf diese Frage könnte der Meeresboden selbst liefern, wie jetzt amerikanische Forscher während einer Expedition in den Pazifik entdeckten.

Dort untersuchten sie hydrothermale Vents, auch als schwarze Raucher bezeichnet – Stellen im Meeresboden, an denen heiße Flüssigkeit aus vulkanischen Schloten und Spalten austritt. Der Ausstoß dieser Vents enthält, so viel war bereits bekannt, hohe Konzentrationen von Mineralien und Nährstoffen. Bisher hielt man diesen Ausstoß jedoch für zu grob, um lange im Wasser schwebend zu bleiben und damit als Nährstoff für Einzeller und Bakterien zur Verfügung zu stehen.

Quelle und vollständiger Artikel: SCINEXX

Unterwasser-Ballett eines Kraken: die Tiefsee ist nicht leer!

This white octopus was filmed with a high-definition underwater video camera
at 6600 feet depth 200 miles off the coast of Oregon in September 2005 as part of the
VISIONS ’05 expedition led by Professors John Delaney and Deborah Kelley
of the University of Washington.

Little is known about the deep-sea octopuses that live in proximity to the hydrothermal
vent fields associated with the underwater volcanoes of the
Juan de Fuca Ridge in the Northeast Pacific Ocean.

This video features the Grimpoteuthis bathynectes species. Sometimes nicknamed the Dumbo octopus, its ears are really fins that help it move through the water.

Primary sponsors of the VISIONS ’05 Expedition were the
National Science Foundation,
W.M. Keck Foundation,
NOAA Coastal Services Center,
University of Washington,
and the ResearchChannel.

Special thanks to Jerome M. Paros
and Elaina Jorgensen.

Music courtesy of Bryan Verhoye.

Video production by Nancy Penrose
© University of Washington, 2009

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