Politik

Um die systematische Zerstörung der Ozeane zu verhindern, müssen wir uns gemeinsam dafür entscheiden.
Jeder für sich und alle zusammen als Teil von Politik und Wirtschaft.

Protest gegen Grundschleppfischerei im Atlantik

Nahaufnahme eines türkisen Fischernetzes an Land. Der Fokus liegt auf dem Netz, der Rest ist verschwommen

© Ross Sneddon | Unsplash

Protest gegen Grundschleppfischerei im Atlantik

pressetext, 08.06.2005, Wolfgang Weitlaner

Madeira, Azoren und Kanaren fürchten Zerstörung der Unterwasserwelt

Anlässlich des heute, Mittwoch, stattfindenden „Internationalen Tag der Ozeane“ warnt die Meeresschutzorganisation Oceana vor der Ausweitung der Grundschleppfischerei um die Azoren, Madeira und die Kanarischen Inseln. Es besteht, so die Ökologen, die akute Gefahr, dass die Unterwasserberge um Inseln für die zerstörerische Fischerei geöffnet werden.

Die Umweltorganisation kritisiert, dass sich die Fischereiminister der EU nicht zu einem dauerhaften Trawler-Verbot im betreffenden Meeresgebiet durchringen konnten. „Im EU-Parlament kam nur eine zeitliche Übergangslösung zustande, die jedoch keinen dauerhaften Schutz dieser marinen biologischen Hotspots bietet“, so Astrid Haas von Oceana. Bereits jetzt gieren die hochgerüsteten Fangflotten nach den Meeresgebieten wie die um die Azoren herum, um dort zu fischen. Zu den bevorzugten Fischarten zählen Tiefseearten wie der atlantische Sägebauch oder der Granatbarsch. Sie ersetzen zunehmend die herkömmlichen Speisefischarten, da deren Bestände so niedrig sind, dass sich eine kommerzielle Befischung nicht mehr lohnt.

Auch der portugiesische Abgeordnete Carlos Casaca, der die Azoren im EU- Parlament in Brüssel vertritt, setzt sich vehement für die Schaffung von Schutzgebieten um die betreffenden Inselgruppen ein. Er kämpft dafür, die Grundschleppnetz-Trawler aus diesen Bereichen zu verbannen. Die Meeresorganisation setzt sich weiters auch für ein Verbot der Grundschleppnetzfischerei vor der Südwest-Küste Portugals ein.

Der Kampf gegen die Krabbensuppe

Der Kampf gegen die Krabbensuppe

DIE ZEIT | 23/2005

Garnelen werden immer billiger, doch der Preis für Natur und Menschen ist hoch: Shrimpfarmen hinterlassen verseuchte Böden, abgeholzte Mangroven und verarmte Küstenbewohner

Von Ariane Moos für ZEIT.de

Man sollte kein Fleisch essen. Massentierhaltung, Überzüchtung und Nahrungsmittelknappheit der Exportländer dank fehlender Ackerflächen verbieten dies eigentlich dem ethischen und moralischen Verständnis eines politisch korrekt denkenden Bürgers. Da die Meere überfischt sind, orientieren sich die Verbraucher schuldbewusst um und konsumieren zunehmend Schalen- und Krustentiere: Sushi-Restaurants boomen und Garnelensnacks generieren in Richtung Fast-Food. In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Shrimps, Krabben und deren Artgenossen sukzessive gestiegen. Die Erhöhung der Produktion lässt die Preise sinken und die einstigen Luxusgüter sind zum Trend-Food geworden: Im Jahr 2003 verspeiste jeder Bundesbürger 1,4 Kilo Garnelen. Doch auch der Genuss der exquisiten Schalentierchen ist nicht ungetrübt. Ein Drittel der global gehandelten Shrimps wird mittlerweile künstlich gezüchtet.

Dorit Siemers und Heiko Thiele reisten fünf Monate durch Mittelamerika und untersuchten die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Shrimpkulturen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Ende der 1980er-Jahre wurde die Garnelenzüchtung als Zaubermittel gepriesen: Die eiweißhaltigen Tiere sollten die Ernährungsprobleme der südlichen Länder lösen, gleichzeitig Arbeitsplätze schaffen und für wirtschaftlichen Aufschwung sorgen. Ähnlich wie einst bei der „grünen Revolution“, wo man das Allheilmittel in der produktivitätssteigernden Wirkung der Düngemittel vermutete, sah man bei der „blauen Revolution“ die Lösung der Probleme in den Aquakulturen. Weltbank und Entwicklungshilfe-Programme förderten diese Entwicklung intensiv und brachten einen Kreislauf in Gang, der viele Verlierer und wenig Profiteure zu Tage förderte.

Die natürlichen Bestände reichen längst nicht mehr aus; die Larven werden mittlerweile in Laboratorien hergestellt (und gentechnisch verändert) und die Garnelen in riesigen Shrimp-Farmen gezüchtet. Die Mangrovenwälder entlang der subtropischen und tropischen Küsten, die zu den produktivsten Ökosystemen der Welt gehören, eignen sich besonders gut zur Errichtung der Zuchtbecken. In dem guatemaltekischen Fischerdorf Champerico werden in 34 Bassins 200.000 Garnelen pro Hektar gezüchtet. Sie sind keine guten Futterverwehrter: Um ein Kilo Shrimps zu produzieren werden zuvor zwei bis drei Kilo Fischmehl verfüttert. Um Krankheiten entgegenzuwirken, werden täglich 30-50% des Wassers ausgetauscht. Die Gefahr von Seuchen wird mit Antibiotika und Chemikalien gebannt, die mit dem Wasseraustausch direkt in die Mangroven gespült werden. Einige der eingesetzten Produkte sind in der EU verboten, da sie Krebs und Mutationen hervorrufen können. Die gesundheitlichen Schäden bei Menschen und Tieren bleiben dementsprechend in den Umgebungen der Zuchtfarmen nicht aus. Zwar gibt es durchaus Umweltgesetze und Naturschutzgebiete, doch „die Unternehmen werden nicht zur Verantwortung gezogen, da es niemanden gibt, der Anzeigen verfolgt“, erläutert Thiele.

In vielen Regionen hat der Garnelenfang eine existenzielle Bedeutung für die Menschen: Er bietet die Lebensgrundlage der Selbstversorgung und stabilisiert die lokalen Märkte. Seit der Expansion der Shrimpzucht ist dies kaum noch möglich: Die Mangroven werden abgeholzt, der Grundwasserspiegel sinkt, der Salzgehalt steigt und das Wasser wird zunehmend durch die eingesetzten Gifte kontaminiert.

Die Becken können jedoch nur temporär genutzt werden: Nach zehn bis zwölf Jahren sind sie so verbraucht, dass sie stillgelegt werden müssen. Da es für die Konzerne günstiger ist, neue Produktionsanlagen zu bauen als die alten aufzubereiten, suchen sie sich neue Standorte. Zurück bleiben ausgelaugte und für lange Zeit verseuchte Böden. Die Kapazitäten der Küstenregionen mit den benötigten Bedingungen sind begrenzt, weshalb ständig neue Zuchtorte gesucht werden. In der letzten Zeit haben vor allem die Küsten Afrikas an Attraktivität gewonnen und Garnelenzucht wird dort zunehmend umgesetzt.

Die „blaue Revolution“ hat weder die Armut gemindert noch den ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung herbeigeführt. Indische Umweltgruppen errechneten, dass eine Shrimpfarm lediglich fünfzehn neue Arbeitsplätze schafft, zuzüglich weiterer fünfzig Leute, die als Sicherheits- und Wachpersonal benötigt werden. Mancherorts wird den Menschen der Zugang zu den Mangrovengewässern von den Shrimpkonzernen verwehrt und es gab sogar schon Todesopfer zu verzeichnen. Die Menschen sind gezwungen, ihr Geld unter schlechten Arbeitsbedingungen in den örtlichen Verarbeitungsindustrien zu verdienen. „Die Menschen schädigen sich und die Natur weiter, weil sie gezwungen sind in diesen Fabriken zu arbeiten“, sagt Thiele. Dadurch hätten die Konzerne die Macht, Löhne und Sozialstandards zu drücken.

Der Gewinn aus der Garnelenproduktion fließt mit den Exporten außer Landes und vornehmlich auf die Konten der transnationalen Konzerne. Thiele und Siemers kritisieren die Zusammenarbeit der Regierungen mit den Großunternehmen: Während Millionen in den Ausbau der Garnelenzucht fließen, bekommen die Kleinbauern so gut wie keine Unterstützung. „Lösungsvorschläge gibt es nicht“, konstatiert Heiko Thiele nüchtern. Garnelen aus dem Meer, so erläutert er, seien genauso schädlich: „Die Schleppnetze reißen den Meeresboden auf und zerstören die Korallen.“ Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Meeresfrüchte bald an Attraktivität und die Garnelenzucht an Rentabilität verlieren.

umweltzerstörung_ Der Kampf gegen die Krabbensuppe _ ZEIT ONLINE

WWF: Die Mär vom wissenschaftlichen Walfang

Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission IWC vom 20.-24. Juni 2005

Frankfurt, 13.06.05: Die Mär vom wissenschaftlichen Walfang

Trotz Fangverbot hat Japan in den vergangenen 20 Jahren mehr als 7000 Mink-, Pott-, Sei- und Brydeswale gejagt und getötet – angeblich zu wissenschaftlichen Zwecken. Zur Erforschung der Wale sei deren Fang unvermeidbar, so die Japaner. Im Vorfeld der diesjährigen Tagung der Internationalen Walfangkommission IWC in Südkorea deckt eine WWF-Studie auf: Keines der Argumente, die die Notwendigkeit des Walfangs belegen sollen, hält einer wissenschaftlichen Überprüfung stand. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Japans Forschungsprogramm ein kaum verhülltes Mittel ist, um den japanischen Markt mit Walfleisch zu versorgen.

Nach Ansicht des WWF ist es mit modernen Methoden heute möglich, Wale zu erforschen, ohne sie dabei zu töten. Japan dagegen – eines der am höchsten entwickelten Länder der Welt – arbeitet im 21. Jahrhundert noch mit den Methoden von 1940. Volker Homes, Walexperte beim WWF-Deutschland, erklärt die Fortschritte: „Mit einem speziellen Pfeil können Wissenschaftler den Walen völlig unbedenklich kleine Gewebeproben entnehmen. Genetische Untersuchungen der Proben lassen dann Rückschlüsse auf Geschlecht, Alter und Verwandtschaftsbeziehungen zu.“ Selbst Nahrungsgewohnheiten lassen sich auf diese Weise besser erforschen. „Während der Mageninhalt eines toten Wals nur verrät, was er kurz zuvor gefressen hat, geben die Gewebeproben auch Hinweise auf langfristige Ernährungsweisen“, so Homes.

Einen weiteren Hinweis auf die Qualität der japanischen Walforschung gibt die Anzahl der in wissenschaftlichen Fachmagazinen veröffentlichen Artikel: Keine einzige der vorgelegten Studien konnte die Mindestansprüche der Zeitschriften erfüllen. WWF-Artenschützer Homes: „Die Ergebnisse des japanischen Walfangprogramms sind so dürftig, dass sie dem kritischen Blick internationaler Walexperten nicht standhalten.“

Das Fangverbot auf Großwale wurde 1982 von den Mitgliedsstaaten der IWC verabschiedet und trat 1986 in Kraft. Noch im selben Jahr startete Japan sein Forschungsprogramm. Seitdem haben die japanischen Vertreter immer wieder versucht, die IWC zu einer Aufweichung des Fangverbots und der Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zu bewegen. Bisher scheiterten alle Anträge am Widerstand der Nationen, die sich für den Schutz der Meerestiere einsetzen. In diesem Jahr könnten die Walfangstaaten erstmals eine Mehrheit erreichen.

Der WWF ist bereits seit vielen Jahren für den Schutz der Wale aktiv und wird sich auf der bevorstehenden IWC für die Meeressäuger einsetzen. Das langfristige Ziel ist es, überlebensfähige Populationen aller Wal- und Delfinarten in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet aufzubauen und zu erhalten.

https://www.presseportal.de/pm/6638/689411

weitere Informationen:

https://www.presseportal.de/pm/22521/695821

https://www.scinexx.de/news/geowissen/delfine-beifang-toedlicher-als-jagd/

Stoppt den kommerziellen Walfang

Tierschützer fordern zum 8. Juni, dem „Tag der Meere“: Stoppt den kommerziellen Walfang

Japanische Walfänger im Südpolarmeer. Quelle: dpa

Bonn (ots) – Während die Menschen heute am 8. Juni 2005 weltweit und friedlich den „Tag der Meere“ feiern, sind Walfänger aus Norwegen und Japan unterwegs, um Hunderte von Walen mit Sprengharpunen zu jagen und zu töten. Whalewatch, eine Koalition aus mehr als 140 Tier- und Naturschutzorganisationen in über 55 Ländern, fordert die Beendigung des kommerziellen sowie des so genannten „wissenschaftlichen“ Walfangs.

Martin Riebe, Sprecher der Koalition in Deutschland kommentiert:
„Es ist zynisch, dass ausgerechnet an dem Tag, an dem Menschen rund um den Globus den Tag der Weltmeere begehen, Walfangflotten aus Japan und Norwegen nur in der Absicht auf hoher See unterwegs sind, Hunderte von Walen zu töten. Es gibt einfach keinen vernünftigen Grund für das grenzenlose Leiden der Wale, das mit dem Walfang verbunden ist.“

Fast zeitgleich findet übernächste Woche das alljährliche Treffen der Internationalen Walfangkommission (IWC) statt. Bei der Tagung in Ulsan, Südkorea, besteht erstmals seit Bestehen des Walfangverbotes im Jahre 1986 die Gefahr, dass die Walfangnationen bei den Abstimmungen eine Mehrheit haben könnten. Whalewatch wird seine Lobbyarbeit deshalb noch einmal intensivieren. Ziel: Aufrechterhaltung des internationalen Walfangverbots und die Verhinderung von Kompromissen, die zur Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs führen könnten.

Bereits letztes Jahr veröffentlichte Whalewatch einen aufschlussreichen, wissenschaftlichen Bericht, der sich mit Tierschutz im Zusammenhang mit modernem Walfang beschäftigt: ‚Troubled Waters‘ (troubledwaters). Aus diesem Bericht geht ganz klar hervor, was man schon seit langem geahnt hat; dass Wale bei der Jagd und beim Töten extreme Schmerzen und Qualen erleiden müssen und in einigen Fällen nach dem Harpunieren noch über eine Stunde lang mit dem Tod ringen.

WSPA Welttierschutzgesellschaft e.V.

https://www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/artenschutz/walfang/

Gier nach Öl bedroht Naturparadies

© Spiegel; Seeschlacht: Das Boot „Torbas“ versucht mit einer riesigen Wasserkanone zu verhindern, dass Greenpeace Aktivisten auf die Plattform Brent Spar absetzt. Der Weltkonzern Shell erntet europaweit Entrüstung für sein ruppiges und gefährliches Vorgehen, denn mit den Wasserkanonen wird auch auf Greenpeace-Männer und den Hubschrauber geschossen.

 

Gier nach Öl bedroht Naturparadies

Greenpeace: Zehn Jahre nach Brent Spar hat Shell nichts dazugelernt

Die unberührte Inselgruppe der Lofoten vor Norwegen ist akut von Erdölförderprojekten bedroht. Greenpeace warnt heute in 15 Städten, darunter Berlin, Rostock, Kiel und Karlsruhe, vor der Bedrohung und sammelt Unterschriften zum Schutz des Gebietes. Zugleich erinnern die Umweltschützer an den wirkungsvollen Protest von Verbrauchern gegen die Versenkung der ausgedienten Ölplattform Brent Spar vor zehn Jahren. Der Ölkonzern Shell wollte mit der Brent Spar die erste Plattform aus der Nordsee in den Nordost-Atlantik schleppen und dort versenken. Nach 52 Tagen der Auseinandersetzung gab Shell am 20. Juni schließlich auf. An der geplanten Ausbeutung der Ölfelder um die Lofoten ist auch Shell beteiligt.

„Es geht um die Rettung eines der wenigen noch unberührten Gebiete. Aber es geht auch darum, dass die Industrie nicht jede Grenze überschreiten darf, um Profit zu machen“, sagt Greenpeace Ölexperte Christian Bussau. „Die Ölförderung hat bereits die Nordsee in ein Industriegebiet verwandelt, Leckagen und Ölteppiche sind dort Alltag. Nun droht die Ausbeutung weiterer Regionen. Und Shell ist dabei – offensichtlich hat der Konzern nach Brent Spar nichts dazugelernt.“

Das Greenpeace-Schiff „Esperanza“ war im April in den arktischen Gewässern der Lofoten unterwegs, um auf deren Bedrohung aufmerksam zu machen. Die Ölförderung wird dort tausende Seeadler, Kormorane und Papageientaucher gefährden, die auf den Fischreichtum des Meeres angewiesen sind. Greenpeace fordert, dringend großflächige Schutzgebiete einzurichten, die das Vordringen der Ölindustrie in die letzten intakten Ökosysteme verhindern. „Nur Schutzgebiete können die Naturparadiese vor der Zerstörung retten. Dazu kann jeder mit seiner Unterschrift beitragen“, erklärt Bussau. So sollen auch 40 Prozent der Nordsee und Ostsee unter Schutz gestellt werden.

In der Nordsee hat die alltägliche Verschmutzung stark zugenommen. 2002 leiteten die Plattformen etwa 300.000 Tonnen Chemikalien und 14.000 Tonnen Öl ein. Das entspricht einem Tankerunfall. Bei Überflügen im März hat Greenpeace wie in den Jahren zuvor Ölteppiche entdeckt, die von den Plattformen ausgehen. Schon im letzten Jahr fielen die Verschmutzungen der von Shell betriebenen Dunlin-Plattform auf. Der Ölfilm gefährdet besonders Vögel: Er verklebt ihr Gefieder und dringt in ihre Nahrungskette ein. Greenpeace fordert die Ölkonzerne auf, die Einleitungen drastisch zu reduzieren.

Greenpeace konnte mit der Brent Spar-Kampagne erreichen, dass der Nordost-Atlantik nicht als Müllkippe für Industrieschrott missbraucht wird: 1998 wurde ein generelles Versenkungsverbot von Offshore-Anlagen für die Meeresregion durchgesetzt. Es betrifft etwa 500 Plattformen in der Nordsee und im Nordost-Atlantik. Die damals von der Ölindustrie vorgebrachten technischen Probleme spielen heute keine Rolle mehr. Die Entsorgungsindustrie kann heute selbst große Plattformen an Land zerlegen. So wird demnächst die 37.000 Tonnen schwere BP-Plattform North-West-Hutton abgewrackt. Der eigentliche Boom beginnt allerdings erst im Jahr 2010: Ab dann sollen pro Jahr 20 Stahlkolosse an Land zerlegt werden.

https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/gier-nach-ol-bedroht-naturparadies

Künast setzt sich für Aufrechterhaltung des Walfangmoratoriums ein

Eine große Walflosse ragt aus dem Meer. Im Hintergrund sind Berge zu sehen

© Paola Ocaranze | Unsplash

Künast zeigt Einsatz für Aufrechterhaltung des Walfangmoratoriums

Freitag, 27. Mai 2005

Anlässlich des heute in Ulsan/Korea beginnenden 57. Jahrestreffens der Internationalen Walfangkommission (IWC) erklärte Bundesverbraucherministerin Renate Künast heute in Berlin: „

Es ist allgemein bekannt, dass Deutschland zu den stärksten Befürwortern eines umfassenden Walschutzes gehört. Deshalb hat sich Deutschland auch stets für die Aufrechterhaltung des Moratoriums eingesetzt und wird dies auch in Zukunft tun“.

Leider werde das Moratorium jedes Jahr durch Aktivitäten sowohl des kommerziellen Walfangs wie des so genannten wissenschaftlichen Walfangs unterlaufen. Dies bedauere sie zutiefst. Die Ministerin appellierte noch einmal an die betroffenen Länder, das Moratorium zu respektieren und den Walfang einzustellen.

Mit besonderer Sorge erfülle sie in diesem Jahr der wissenschaftliche Walfang in der Antarktis, wo die Zahl der zu jagenden Zwergwale fast verdoppelt werden soll und wo erstmalig auch Buckel- und Finnwale getötet werden sollen, obgleich sie auf der Liste der gefährdeten Arten stehen. „“Ich halte dies für inakzeptabel““, erklärte die Ministerin.

Deutschland trete mit Nachdruck dafür ein, die Wale nicht nur vor der direkten Jagd zu schützen, sondern sie auch vor den sonstigen Gefahren zu bewahren, die durch menschliche Aktivitäten ausgelöst werden können, insbesondere vor Schiffskollisionen, vor unbeabsichtigtem Beifang in der Fischerei, vor Unterwasserlärm und vor Umweltverschmutzungen. In der anstehenden Sitzung in Ulsan sei es dringend notwendig, dass sich das Conservation Committee endlich mit diesen Gefahren befasst und sich ein Arbeitsprogramm gibt. „„Ich appelliere an alle Mitgliedstaaten der IWC, vor allem auch an die Walfangbefürworter, sich an der Arbeit im Conservation Committee aktiv zu beteiligen; denn gesunde Walbestände sind im Interesse aller““, erklärte Künast.

Deutschland trete nach wie vor für die Einrichtung von Schutzgebieten im Südpazifik und im Südatlantik ein. Dies sei insbesondere deshalb dringend notwendig, weil in diesen Gebieten große Aufzucht- und Weidgründe für die Großwale liegen, in denen Jungwale die Gelegenheit haben sollten, ungestört aufzuwachsen.

„“Der Walfang hat in der heutigen Zeit keine Berechtigung mehr, zumal es wirtschaftliche Alternativen gibt““, sagte die Ministerin. An erster Stelle sei hier das Whale Watching zu nennen. Betrachte man die zahlreichen weltweiten Aktivitäten und berücksichtige man die steigende Zahl an Touristen, so sei das Whale Watching ein Wirtschaftsfaktor geworden, der etlichen Regionen mehr Devisen und mehr Wohlstand bringe als es der Walfang je vermag. „“Das Whale Watching ist der seltene Fall einer Ressourcennutzung ohne Ausbeutung und Dezimierung und sollte deshalb ausgebaut und gefördert werden““, so die Ministerin. Dies sei nach Auffassung Deutschlands eine wirkliche nachhaltige Nutzung, für die die IWC die notwendigen Regeln aufstellen sollte.

Finanzmittel zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung

Ein weißes Kanu fährt über ein Gewässer mit einem großen, braunen Ölteppich

© Riley | Unsplash

Finanzmittel zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung

Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs 154 Mio. € Finanzmittel zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung durch Schiffe bereitzustellen. Mit Hilfe dieses Geldes kann die Agentur den Mitgliedstaaten Spezialschiffe für die Verschmutzungsbekämpfung zur Verfügung stellen und die Nutzung von Satellitenbildern vorantreiben, um Verschmutzungen frühzeitig zu entdecken.

„“Wir brauchen unbedingt ein europäisches System zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung, um unsere Küsten zu schützen“,“ sagte Vizepräsident Jaque Barrot und fügte hinzu: „“Die Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs muss über angemessene Mittel verfügen können, um ihren Beitrag zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung zu leisten.““

Der Finanzbeitrag ist entsprechend der neuen finanziellen Vorausschau (2007-2013) für einen Zeitraum von sieben Jahren vorgesehen. Diese Mittel sind dafür bestimmt, die Maßnahmen der Mitgliedstaaten bei Verschmutzung durch Öl oder andere verschmutzende Stoffe durch speziell für die Verschmutzungsbekämpfung ausgerüstete Schiffe zu unterstützen. Mitgliedstaaten, die von einer Ölpest betroffen sind, deren Ausmaß die auf nationaler Ebene vorhandenen Möglichkeiten und Eingreifkapazitäten übersteigt, können bei der Agentur zusätzliche Kapazität für die Beseitigung von Öl auf See anfordern. Es handelt sich um ein System von abrufbereiten, speziell für die Bekämpfung von verschmutzenden Stoffen auf See ausgerüsteten Schiffen, die die Agentur den betroffenen Mitgliedstaaten zur Verfügung stellt. Außerdem werden die Mittel der Entwicklung von Satellitenbildern dienen, die es ermöglichen, Verschmutzungen frühzeitig aufzuspüren und die Maßnahmen der Mitgliedstaaten im Falle illegaler und unfallbedingter Öleinleitungen zu unterstützen.

Im Jahr 2004 wurden europäische Rechtsvorschriften erlassen, durch die der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs die Aufgabe übertragen wurde, die Meeresverschmutzung durch Schiffe zu bekämpfen. Diese Aufgabe erfordert erhebliche finanzielle Mittel, über die die Agentur auf Mehrjahresbasis verfügen können muss, damit die Finanzierungssicherheit und Wirksamkeit ihrer Maßnahmen gewährleistet ist. Auf diese Weise wird sie auf jede drohende schwere Meeresverschmutzung auf europäischer Ebene reagieren können.

Chinas Boom-Regionen wachsen auf aufgeschütteten Flächen im Meer

Chinas Boom-Regionen wachsen auf aufgeschütteten Flächen im Meer
Forscher und Ämter beklagen Küstenzerstörung
von Johnny Erling

Peking – Kaiserliche deutsche Geschwader eroberten 1897 die ostchinesische Bucht Kiaotschou und bauten Qingdao zu ihrem kolonialen Großhafen aus. Doch heute schütten chinesische Baukonzerne die Bucht wieder zu. Von der 1928 noch 535 Quadratkilometer weiten Meerenge sind noch 367 Quadratkilometer Gewässer übrig. Auch am Hafen wird immer mehr Land aufgeschüttet. An 20 Projekten der Auffüllung wird gleichzeitig gearbeitet. Die Stadtregierung Qingdao holt sich 16 Quadratkilometer Bauland aus dem Wasser, berichtet die Tageszeitung „China Daily“.

Die nordchinesische Hafenstadt Tianjin plant, dem Meer gleich 79 Quadratkilometer für moderne Chemiekomplexe zu entreißen. Auch Südchinas Provinz Guangdong läßt massiv Land für Großindustrien gewinnen – die Küstenregionen „expandieren ins Meer“.

All dies sind Zeichen einer für chinesische Umweltschützer, Raumplaner und Meeresbiologen alarmierenden Entwicklung. „China Daily“ zitiert einen Forschungsbericht des Staatlichen Ozeanamts, wonach die Landgewinnung ein „wahnwitziges Tempo“ angenommen habe. Zusammen mit den in die Ozeane geleiteten Abwässern seien die Folgen für den Küstenschutz und das Ökosystem Küste unabsehbar, so Amtsdirektor Lin Shaohua. Chinas Strände hätten sich um die Hälfte reduziert. 80 Prozent der Korallenriffe und die Hälfte der Mangrovensümpfe seien stark beschädigt. „Im letzten Jahrzehnt nahmen die Planktonvorräte und der Fischreichtum dramatisch ab und wurde die Küstenbiologie ruiniert. Dies gilt besonders für die großen Flußdeltas des Jangtse, des Gelben Stroms und des Perlflusses.“

In den Mündungsgebieten finden Landentwickler leichtes Spiel. Sie können die Lößerde zum Aufschütten nutzen, die von den riesigen Strömen in die Mündungsgebiete geschwemmt werden. Erosion, als Folge von Raubbau, Monokulturen und Industrialisierung, hat die Schlammengen in Flüssen erhöht.

Nach offiziellen Statistiken wurden in drei großen Kampagnen zur Landgewinnung seit den fünfziger Jahren 1,2 Millionen Hektar Acker- und Nutzflächen aus dem Meer gewonnen, mehr als in jedem anderen Land. Findige Bauspekulanten und geldgierige Lokalregierungen verschärfen das Problem. Sie wichen auf die Meere aus, als ihnen Chinas Regierung verbot, die Ackerböden der Bauern zu Bauentwicklungsland zu machen. Vor dem neuen „Aufschüttungsboom“ warnt Xin Rongmin, Provinzdirektor für Meeresforschung in Shandong. „Sie verschlucken unser blaues Territorium.“

2002 hatte die Zeitschrift für Kartographie „Ditu“ auf Grundlage von Satellitenfotos erstmals Vergleichskarten des Vermessungsamtes veröffentlicht. Sie zeigten dramatische Veränderungen seit 1949. Küstenlinien und Inseln hatten sich ausgedehnt. Seen verschwanden oder verkleinerten sich. 50 Jahre reichten in China für Wandlungen, für die andere Kontinente Jahrhunderte brauchen. Das staatliche Meeresamt will nun bis 2009 Chinas Küsten systematisch untersuchen und erfassen.

Artikel erschienen am Fr, 27. Mai 2005
https://www.welt.de/print-welt/article672628/Chinas-Boom-Regionen-wachsen-auf-aufgeschuetteten-Flaechen-im-Meer.html

Naturdramen auf griechischer Urlauberinsel

Naturdramen auf griechischer Urlauberinsel

Trotz europaweiter Proteste: Meeresschildkröten werden auf Zakynthos an Eiablage gehindert

Radolfzell. Weil Sonnenschirme und Liegestühle auf der griechischen Insel Zakynthos den Zugang zu den über Jahrtausende angestammten Eiablageplätzen der Unechten Karettschildkröte versperren, sind die Tiere noch stärker bedroht. Wie die internationale Umweltstiftung Euronatur mitteilte, musste der 1999 eingerichtete Meeresnationalpark Zakynthos im März 2004 seine Pforten schließen. Die Umweltstiftung Euronatur berichtet von unhaltbaren Zuständen. So ist der bisherige Präsident des Parks seines Amtes enthoben worden, Mitarbeiter der Parkverwaltung bekommen kein Gehalt, der griechische Staat kommt den EU Naturschutzverpflichtungen nicht nach.

Im Rahmen einer Unterschriftenaktion konnten Euronatur und die Schildkrötenschutzorganisation Medasset 17.000 Unterschriften zum Schutz der Unechten Karettschildkröte sammeln. Vertreter beider Organisationen übergaben diese im März 2005 an den griechischen Premierminister Kostas Karamanlis. Doch geändert hat sich nichts. „Griechenland tritt den Naturschutz und das eigene Naturerbe mit Füßen“, sagte Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von Euronatur. Der Meeresnationalpark kämpft um das Überleben und ist – trotz Ernennung eines neuen Präsidenten vor rund 4 Wochen – nicht funktionsfähig, teilte Euronatur mit. Die gesamte Infrastruktur des Parks liegt nach rund einjähriger Pause völlig brach. Viele der Hinweis- und Verbotstafeln wurden in der letzten Saison demontiert, um freien Zugang zu den Stränden zu gewährleisten. Die Türme, von denen aus Wächter die Einhaltung von Betretungsverboten überwachen sollen, sind in desolatem Zustand, und es steht kein geschultes Personal zur Verfügung, um die Türme zu besetzen.

„Die Eiablagestrände der Insel, die zu den wichtigsten im gesamten Mittelmeerraum zählen, blieben bereits in der letzten Saison unbewacht. Es ist nicht vertretbar, dass die Gelege der Unechten Karettschildkröte wieder von unwissenden Touristen zerstört werden. Für die stark bedrohte Art ist ein umfassender Schutz der Strände überlebensnotwendig“, betonte Schwaderer.

Kernproblem ist nach wie vor die mangelnde finanzielle Unterstützung des Meeresnationalparks durch den griechischen Staat. Seit Gründung des Parks hat dieser mit 170.000 Euro im Jahr nur rund die Hälfte der ursprünglich zugesagten und ohnedies knapp bemessenen Summe zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2003 wurden die Zahlungen sogar völlig eingestellt und die Parkverwaltung konnte Abgaben für Sozialversicherung und Steuer ihrer Mitarbeiter nicht zahlen. Dies führte dazu, dass auch die EU Fördermittel einbehielt.

Der Staat Griechenland kommt seinen Verpflichtungen, Maßnahmen zum Erhalt EU-weit geschützter Arten durchzuführen, immer noch nicht nach, beklagen die Umweltschützer. Grund genug für Euronatur und Medasset, ihre Unterschriftenkampagne fortzusetzen (www.euronatur.org). „So lange keine grundlegende Verbesserung der Situation für den Naturschutz in Griechenland eintritt, bleiben unsere zentralen Forderungen bestehen“, erklärte Gabriel Schwaderer. Dazu zählt, dass eine langfristige Finanzierung der Verwaltungen von Schutzgebieten gewährleistet und durch eine übergeordnete Stelle innerhalb des Umweltministeriums unterstützt werden muss. Des Weiteren fordern Euronatur und Medasset die griechische Regierung auf, den rechtlichen Rahmen zur Durchsetzung der Naturschutzgesetze in Griechenland zu schaffen.

Nur, wenn es zu einer Stärkung des Natur- und Umweltsektors innerhalb des Ministeriums für Umwelt, Raumordnung und öffentliche Arbeiten kommt, wird sich die Situation für die Unechte Karettschildkröte im Meeresnationalpark Zakynthos wie auch für die vielen anderen bedrohten Tier- und Pflanzenarten in den anderen 26 Naturparken verbessern.

Bei Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur)
Konstanzer Str. 22
78315 Radolfzell
Tel. 07732 – 92 72 0
Fax 07732 – 92 72 22
Email info@euronatur.org
www.euronatur.org

https://www.euronatur.org/ueber-euronatur/presse/pressemitteilungen/detail/news/naturdramen-auf-griechischer-urlauberinsel/

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