Kampagnen

Um selbst tätig werden zu können, muss man wissen wo und wie.
Hier eine Übersicht über mögliche Wege, sich für die Meere einzusetzen.

Row for Silence: „Erledigt!!!“

Man sollte noch ab und zu bei Row for Silence hineinschauen:

Ich treffe kaum eine Taste, kann fast nicht mehr laufen und eiere durch den Raum, habe keinen Tränen mehr übrig, bin absolut abgebrannt und von der Sonne v-e-r-brannt, habe Schmerzen in jedem Muskel, bin todmüde, verhungere und verdurste ABER ich versuche wenigstens einen kurzen Blogeintrag zustande zu bringen. ES IST VOLLBRACHT! Ich habe heute, nach 90 Tagen, den Hafen von Barbados erreicht. Ein unglaublich anstrengender Tag, nach einer unglaublich anstrengenden Nacht. Ein gewaltiges Stück Arbeit, das am Ende fast noch schief gegangen wäre, als der Wind im Hafen mich gegen eine Multimillionendollar-Yacht drücken wollte. Unter reichlich Applaus, der ganze Hafen fieberte mit, gelang mir der Befreiungsschlag, und ich quälte mich mit längst aufgerissenen Handflächen doch noch an den Steg und machte mein Boot fest. 90 Tage, 3500 Seemeilen. Im Ruderboot von Portugal nach Barbados. Höhen und Tiefen. Alles endet an einem winzigen Steg im Hafen von Port St. Charles in türkisfarbenem Wasser mit einem einzigen wankelmütigen Schritt in rettenden Arme. Ich bin emotional im Moment total überfordert, kann nichts analysieren oder beschreiben. Ich bin körperlich angekommen, jetzt warte ich auf meinen Kopf. Ich werde sicher eine Weile brauchen um das alles zu verarbeiten. Gebt mir ein wenig Zeit. Die ersten Bilder sind online und ich endlich in einem Bett, in dem ich mich nicht mehr angurten muss und von Haien geweckt werde. Bis in Kürze ….

Quelle: http://www.rowforsilence.com/de/2012/02/erledigt/

Row for Silence: Ziel erreicht!

Wenn die Informationen des Tracking stimmen und davon gehe ich aus, hat Janice Jakait ihren Zielhafen Port St. Charles Marina an der Westküste von Barbados erreicht.

Im Namen der Blogger bei DEEPWAVE e.V. Herzlichen Glückwunsch!!!!!!!!

Screenshot 21.02.12, 20:20h

Meldung bei Spiegel Online:
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,816720,00.html

Meldung bei Focus Online:
http://www.focus.de/panorama/welt/freizeit-ruderin-nach-atlantikueberquerung-am-ziel_aid_716349.html

Nach 90 Tagen nehme ich jetzt das Titelbild heraus und mache Platz für neue Themen. Dank an Janice Jakait für Berichte und Fotos!

Zur Erinnerung an 90 spannende Tage:

Wer noch einmal lesen möchte:
http://www.rowforsilence.com/de/blog/

oder hier im Blog:
http://www.deepwave-blog.de/tags/row-for-silence/

Row for Silence

Janice Jakait wird noch ein paar Tage bis zum Zielhafen auf Barbados brauchen und hoffentlich geht dabei alles weiterhin gut. Es liegt in der Natur solcher außergewöhnlichen Vorhaben, dass man sich als Beobachter gedanklich hauptsächlich mit dem sportlichen und seemännischen (seefraulichen) Abenteuer und der fernab auf dem Atlantik befindlichen Akteuerin beschäftigt, zumal Janice Jakait uns über verschiedene Kanäle sehr direkt an ihrem Abenteuer teilhaben lässt. Ich möchte aber kurz vor Ende des Vorhabens noch einmal die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass Janice Jakait mit ihrem Projekt mehr beabsichtigte als ein sportliches Extremabenteuer und Einzug in die Hall of Fame des Rudersports.

Auszug aus der Projektwebseite Row for Silence:

Ich unterstütze mit dieser Aktion ganz bewusst und aktiv die Kampagne „Silent Oceans“ von OceanCare bzw. der Internationalen Ocean Noise Coalition. Denn wie könnte ich Kindern heute dieses Boot zeigen, von Walen und Delphinen erzählen, um große Augen in Ihre Gesichter zu zaubern, wohlwissend, dass wir im Begriff sind diese Geschöpfe auszurotten.

Viele Wale mussten stranden, bevor internationale Gremien die gefährliche Dimension des Unterwasserlärms ernst zu nehmen begannen. Schiffsverkehr, Militärsonare sowie seismische Tests zur Ortung von Erdölvorkommen erzeugen in den Meeren ein zuweilen ohrenbetäubendes Dröhnen. Wenn Wale aufgrund des Lärms stranden, sehen wir aber nur die Spitze des Eisbergs. Die Beschallung setzt auch den Fischbeständen zu. Summiert man die Folgen des Lärms mit jenen der Überfischung sowie der Meeresverschmutzung, wird klar, dass die Nahrungskette hochgradig geschwächt sein muss. Immer mehr Meerestieren droht der Hunger. Aber auch die Menschen werden darben, denn ein Grossteil vor allem der ärmeren Weltbevölkerung ist auf Fisch als primäre Proteinquelle angewiesen.

Aus einigen Emails, die ich vor Monaten mit Janice Jakait austauschte, glaube ich sagen zu können, dass Janice Jakait Lärm und Plastikmüll gleichermaßen als großes Problem der Ozeane und ihrer Lebewesen sieht. Sie hat sich aber entschlossen, mit ihrem Projekt Row for Silence dem für Menschen weniger sichtbaren und nur mit Technik wahrnehmbaren Problem, dem Lärm in den Ozeanen, mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Anhand ihrer obigen Aussagen sieht man m.E. aber auch, dass es ihr dabei nicht allein um das Problem Lärm geht, sondern letztlich um die Zukunft der Ozeane. Janice Jakait hatte, das kann man in den Blogberichten lesen, einige ungewöhnliche und wohl immer prägende Erlebnisse und Kontakte mit dem Atlantik und einigen Tierarten. Ich hoffe daher, dass sie nach der Tour zu einer Botschafterin für die Ozeane wird und sich nicht, zumindest nicht gleich, dem nächsten sportlichen Extremabenteuer widmet.

Es ist Zufall, aber passend, dass gerade während ihrer Tour erstmalig der wissenschaftliche Nachweis publiziert wird, dass Lärm durch Schiffe messbaren Stress für Wale bedeutet ( Whale poop reveals ships cause stress, 08. Februar 2012 ).

Momentan gibt es wieder viele sehr umfangreiche Wal- und Delfinstrandungen. Es gibt bisher, zumindest soweit ich das im Internet bisher verfolgen konnte, keine direkten Hinweis, dass Lärm allgemein oder militärische Sonargeräte speziell dabei Ursache waren. Bau von Offshore-Windkraftanlagen, Suche nach Erdgas- und Erdöl, es gibt vielfältige Lärmquellen, die aufgrund der Lärmpegel mit großer Wahrscheinlichkeit vielen Meerestieren Probleme bereiten. Umso erfreulicher ist es, wenn durch Firmen technische Lösungen zur Problemminderung entwickelt und angewendet werden. Eines der Beispiele ist die Anwendung von Blasenschleiern beim Bau eines Windparks vor Borkum.

Lärm in den Ozeanen wird zunehmend in der Öffentlichkeit als Bedrohung zumindest von Cetaceen, also Walen und Delfinen, wahrgenommen und auch renommierte Meeresforschungsinstitute werden da kritisch beobachtet wie gerade das Alfred-Wegener-Institut (AWI) erleben konnte.

Man sollte sich aber keinen Illusionen hingeben. Nur ständig kritisch nachfragende Öffentlichkeit und Medien bringen Firmen, Politik und Behörden dazu, aktiv zu werden. Ansonsten gilt für Meeresprobleme „Aus den Augen, aus dem Sinn“ und Lärm unter unter Wasser ist für menschliche Sinne ohnehin kaum wahrnehmbar. Es bleibt somit zu hoffen, dass wir von Row for Silence und Janice Jakait auch nach Ende der Tour noch einiges hören, hier wären Schweigen und Stille anders als in den Ozeanen keine gute Entwicklung.

Row for Silence: Barbados ist fast in Sichtweite


Screenshot 18. Februar 2012, 13:00h

Wetter und Stimmung von Janice Kakait scheinen besser zu werden, zu wünschen wäre es: https://twitter.com/#!/RowForSilence

Und noch einmal der O-Ton von Janice Jakait:

….. Ihr merkt es … ich drängle ein wenig, fürchte auch, es wird der letzte (Blog)Eintrag von See sein, den ich absetzten kann. Gesetzt dem Fall, dass nichts Ungewöhnliches mehr passiert und ich am Ende vielleicht doch nach Florida rudern muss … oder so. Nein, Es wird jetzt knifflig und so langsam packe ich im Boot alles um. Ich werde in den letzten Tagen und Stunden höchstwahrscheinlich sehr im Stress sein. Jetzt kommt es drauf an, jetzt muss alles passen. In diesem Sinne: Drückt mir eure drei Daumen, dass ich es standesgemäß zuende bringen und mein Boot in Kürze und eigenhändig im Hafen vertäuen kann. Dannach bin ich wieder für euch da. Doch jetzt versuche ich einmal mehr mein Bestes zu geben und die letzten Atemzüge ganz bewusst und bewusst allein, ganz im Stillen, zu inhalieren.

Der genaue Ankunftstermin ist natürlich nach wie vor ein wenig spekulativ! Zuviele Faktoren sind noch unbekannt. Auch sollte ich nicht unbedingt im Sternenlicht den Riffen ausweichen. Ich rechne jedoch fest damit, dass ich am Montag Morgen, dem 20.2. die offizielle Zielline auf 59°36N, nördlich von Barbados überquere, und es dann bis zum Einbruch der Dämmerung bis in den Hafen schaffe. Dort exisitiert im Übrigen eine Webcam auf der ihr mir Sektkorkenknallend, Zigarrenrauchend und Raktenabfeuernd zuwinken könnt! Gehen wir’s an!

Quelle: http://www.rowforsilence.com/en/2012/02/das-wird-noch-blutig/

Da es ähnlich wie beim Fliegen ist, Starts und Landungen sind halt die Phasen mit den meisten denkbaren Problemen und Risiken neben Stürmen und Gewitter, an dieser Stelle „Viel Glück und keine Probleme auf den letzten Meilen!“

Row for Silence: Ein Punkt am Ende der Karte

Der O-Ton von Janice Jakait ist immer noch unübertreffbar:

Ein Punkt am Ende der Karte
Februar 11, 2012

Erschreckend nüchtern tickt die Uhr, erschreckend nüchtern sehe ich nur: die Position auf meiner Karte, vor der ich sitz’ und warte. Was passiert mit den Sekunden hinter dem Uhrglas nachdem sie abgelaufen sind? Ist da ein Zeitsack drin, hinten im Uhrwerk? Fallen sie da einfach hinein? Sekunde für Sekunde, abgeheftet mit einem Post-It auf dem eine kleine Erinnnerungsnotiz steht? 11:35:13 “Janice hat sich auf Barbados gefreut, hat gelacht!” 11:36:26 “Janice mag den Anker auswerfen, mag nicht an Land, heult gleich wie ein Kind.” 11:37:53 “Janice zurück an den Rudern, mit doppeltem Einsatz” … so in etwa. Es müsste in der Uhr ein zweites Display geben, einen Ambivalenzmesser, der einfach nur in rot oder grün anzeigen und abstempeln würde, ob das benutze Post-It nur der Entwurf eines Gefühls war, oder endlich eine finale Version des Erlebens, ein Schlusspunkt hinter dem Akt.

Ich will nicht weg hier! Und doch, es ist so schrecklich wie ich das Land vermisse. Das Land mit seinen Menschen, denen ich auch immer so gern rote oder grüne Post-Its auf die Stirn geklebt habe. Hier und da, ganz sparsam, sogar rosafarbene. Alles mit grün und rosa mag ich unbedingt wieder in meine Arme nehmen. Möglichst bald.

Der Ozean ist noch nicht fertig mit mir. In den letzten Tagen spült mir der Wind mit bis zu 30 Knoten (Windstärke 7) wieder reichlich Wasser aus sechs Metern Höhe ins Boot. Muss dauernd pumpen an Bord meiner sich drehenden Waschmaschine. Und gestern Nacht ist mir auch wieder reichlich Wasser durch die hinter Luke in die Kabine eingeschlagen. Wollte nur kurz lüften, es war extrem heiß. Der Schwall ergoss sich über mein Gesicht, direkt auf Schlafsack, Matte, Decke und Kissen – alles triefnass. Danach, wie immer: verteilte es sich in der kompletten Kabine und allen Taschen und Aquapacs (Gott sei dank!). Habe irgendwie notdürftig wieder alles aufgemoppt und eine tolle Nacht im Nass verbracht. Wenigstens nicht mehr so warm. Jetzt kann ich schauen, wie ich bei aktuell 25kn den Kram halbwegs trocken bekomme. Werde mir jetzt aber erstmal einen halben Liter Trinkwasser über dem Kocher ausbalancieren und eine kräftige Erbsensuppe machen. Da kommen dann noch reichlich frisch Sprossen rein – im Moment mein Highlight hier: Essen!

Quelle: http://www.rowforsilence.com/de/2012/02/ein-punkt-am-ende-der-karte/



Screenshot 12.02.2012

Stoppt die Ölsuche in deutschen Meeresschutzgebieten


Der stille Schein trügt: Die Ölsuche in der Ostsee wird sehr sehr laut werden!

DEEPWAVE-Pressemitteilung:
Stoppt die Ölsuche in deutschen Meeresschutzgebieten

Umweltverbände bangen um letzte Schweinswale und fordern Reform des Bergrechts

Hamburg, Berlin. Dem vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswal droht eine neue Gefahr. Das Bergamt in Stralsund hat der kanadischen Firma Central European Petroleum (CEP) die Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in der deutschen Ostsee vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gestattet. Betroffen sind mindestens sechzehn Meeresschutzgebiete, die dem Schweinswal und anderen bedrohten und seltenen Meerestieren als Rückzugsgebiet dienen. Die deutschen Umweltverbände sehen darin eine Missachtung des Umweltrechts und kündigen scharfen Widerstand an.

Mehr als 13.800 Quadratkilometer Erlaubnisfelder hat CEP nach eigenen Angaben zugesprochen bekommen. Diese überschneiden sich mit Meeresschutzgebieten in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns und der deutschen „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ der Ostsee. Hier leben die streng geschützten Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben, seltene Fischarten wie Stör oder Finte und mehr als 20 geschützte Vogelarten wie Seetaucher und Flussseeschwalben. All das ignorieren das Bergamt Stralsund und CEP und riskieren damit schwere Schäden in den einzigartigen und geschützten Gebieten durch die Erlaubnis für seismische Untersuchungen, kritisieren die Umweltverbände.

Seismische Untersuchungen gefährden den Lebensraum der empfindlichen Meeressäuger.

Beim Einsatz der sogenannten 3D-Seismik werden in schneller Abfolge explosionsartige Knalle mit Schalldrücken von bis zu 265 dB (p-p) re1µPa erzeugt. Der Lärm kann insbesondere die geräuschempfindlichen Wale sowie andere Meerestiere direkt verletzen und zur Vertreibungen aus wichtigen Lebensräumen führen. Der Eingriff richtet sich nach Meinung der Umweltverbände gegen die Ziele der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sowie der Vogelschutzrichtlinie und verstößt wohl auch gegen artenschutzrechtliche Verbotstatbestände nach Bundesnaturschutzgesetz.

Verbände fordern absolutes Verbot seismischer Untersuchungen in der Ostsee

Die Umweltverbände NABU, Gesellschaft zur Rettung der Delfine, Gesellschaft zum Schutz der Meerssäugetiere, Whale and Dolphin Conservation Society, IFAW-Internationaler Tierschutz-Fonds, DEEPWAVE, WWF Deutschland, BUND, M.E.E.R. und die Deutsche Umwelthilfe fordern daher vehement ein Verbot sämtlicher seismischer Untersuchungen in der Ostsee und einen effektiven Schutz der Meerestiere vor schallintensiven Eingriffen. Darüber hinaus sei eine Novellierung des deutschen Bergrechts nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre unumgänglich.

Die unterzeichnenden Umweltverbände fordern deshalb:
• ein generelles Verbot schallintensiver Explorationsmethoden (z.B. Airguns) in der gesamten Ostsee, insbesondere aufgrund der stark gefährdeten Schweinswal-Population
• die Verwendung schallarmer Explorationsmethoden wie zum Beispiel passiver oder elektromagnetischer Verfahren (Weilgart, 2010) außerhalb von Schutzgebieten
• eine grundsätzliche Reform des deutschen Bergrechts unter Berücksichtigung der Natur- und Umweltbelange
• ein transparentes und naturschutzfachlich begleitetes Genehmigungsverfahren für aktuelle und zukünftige Betriebspläne unter Beteiligung der Umweltverbände
• eine verbesserte Koordination der EU Mitgliedsstaaten bei der Durchführung schallintensiver Projekte (z.B. mögliche Auswirkungen auf dänische bzw. polnische Gewässer)

Hintergrundpapier und Download der gemeinsame Stellungnahme der Umweltverbände zu den geplanten seismischen Untersuchungen in der Ostsee

http://mecklenburg-vorpommern.nabu.de/imperia/md/content/mecklenburgvorpommern/ngo_stellungnahme_seismik_ostsee.pdf

Für fachliche Rückfragen zum Thema Schall:
Sven Koschinski, Diplom-Biologe, Tel. 04526-380808
Dr. Karsten Brensing, WDCS-Meeresschutzexperte, Tel. 089-45819943, mobil 0176-22675679

Zur Ostsee und FFH-Gebieten
Dr. Onno Groß, DEEPWAVE

Row for Silence: „Es wird Zeit“

Februar 1, 2012

Ich habe ein wenig den Faden verloren, weiß nicht mehr so recht, was ich zuletzt im Blog geschrieben habe. Klammere jetzt im Boot, tippe mich auf meiner Tastatur gegen drei oder vielleicht vier Meter hohe Wellen voran, versuche mich trotz des Windesgesäusels zu konzentrieren. Soviel ist wieder passiert inzwischen – ganz bestimmt. Und so oft wollte ich auch darüber blogen – ganz gewiss. Nun ja. Man erwartet vielleicht, dass Menschen auf See, in völliger Einsamkeit, schrecklich kreativ werden, ganze Blogbibeln im Schlaf verfassen. Sofern sie überhaupt schlafen können in ihrer Furcht, nicht doch noch eine Gegebenheit nicht mit den Lesern auf Facebook geteilt zu haben, ETWAS VERGESSEN ZU HABEN.

Dem ist nicht so. Nicht mehr. Der Kopf wird ständig von Silberkugeln durchlöchert, nein, kreativ sein ist anders, nicht blau. Hier passiert etwas anderes mit mir. Also, bevor ich lange herumeiere: Ich verliere den Bezug zur Tastatur, zu einem Publikum, dass ich nicht sehen kann. Ohje … wie kann man nur sowas sagen! Ich möchte euch gern vor mir haben, in eure Augen schauen, euch anschreien mit meinen Gefühlen und euch berauschen mit Bildern und Filmen in Leinwandgröße. Oder besser noch! Würde euch gern ergreifen, euch aus euren Betten herauszerren heute Nacht und in dieses Boot stopfen. Euch alle! Alle fünf Leser dieses Blogs! Naja, vier, einer kann nicht schwimmen weiß ich. Aber dieses Tippen auf einer Tastatur… xyz. Sogar die Regentropfen, die jetzt auf mein Boot herabsegeln, erzählen mehr von dieser Reise als jedwede Kombination von Buchstaben jeweden Alphabetes. Und wenn in Nerudas Büchern der Regen eben in zauberhaften Bindfäden fällt, er würde trotzdem jede Tinte aus dem Papier seiner Seiten waschen, in einer einzigen Nacht.

….

Noch knapp 800 Seemeilen. Ernest Shackleton hat diese Distanz auf einer Arschbacke abgessen, als er von Elephant-Island aufbrach um seine Crew der Endurance Expedition zu retten. Also: Kinderspiel! Bin fast da! Die Schildkrötenkollisionen nehmen wieder zu 🙂

Quelle und vollständiger Blogbeitrag von Janice Jakait: http://www.rowforsilence.com/de/2012/02/es-wird-zeit/

Screenshot 02. Februar 2012

Row for Silence: Vorwärts, rückwärts, auf , ab ….

Es ist, das richtige Wort fehlt mir dafür …. betroffen machend, bewunderswert, irre ….., was Janice Jakait in den letzten Tagen als emotionale Achterbahnfahrt durchmacht:

„Lets face it: i will stuck here 4ever. A ghostship @ 19. 00N cursed 2 row south against wind & current over&over # 26.01.2012

Quelle und mehr Meldungen: https://twitter.com/RowForSilence

Screenshot 27. Januar 2012

„Im Strom der Unglaublichkeiten
January 23, 2012

Was habe ich noch gestern Nacht geschrieben? : “Und am nächsten Morgen zieht der Ozean wieder seine schönsten Kleider an und versucht mich wieder zu versöhnen”. Oder so ähnlich. Haha. Heute hat er offenbar auch die schönsten Schuhe angezogen, sonst würde ich ja nicht sofort wieder einen Eintrag im Blog hinterher schieben. Ohjeeeee … heute hat er mich komplett um den Finger gewickelt. Sprachlos saß ich heute morgen da, unfassbar, unglaublich! ….

Quelle und mehr: http://www.rowforsilence.com/en/2012/01/im-strom-der-unglaublichkeiten/

Zahn der Zeit
Januar 21, 2012


Nie zuvor hatte ich Probleme einzuschlafen. Doch das Schmatzen der Zeit ist Nachts am Lautesten, direkt neben meinem Ohr höre ich, wie die Uhr mit dem Zeiger das Zifferblatt nach mir leckt. Seit Tagen kämpfe um etwas Schlaf. Es ist heiß in der Kabine, die Wellen der Kreuzssee krachen an die Bordwand, gewaltige Gewitter entladen ständig ihre Schadenfreude in Blitz und Schauer über meinem Boot. Ich warte den nächsten Einschlag ab, und öffne die Luke um etwas Sauerstoff einströmen zu lassen, um nur für zwei Augenblicke die Kühle es Windes atmen zu dürfen und mir vom Regen die Stirn erfrischen zu lassen. Doch ich schalte das Deckslicht nicht an. Weiß, dass ich wieder nur überrascht werde, mir wieder der hohe Puls die zarte Müdigkeit aus den Adern pumpen wird, wenn ich nur sehe, was da wieder auf dem Deck liegt. Nach nun mehr als einhundert toten Fischen, noch immer findet sich eine Überraschung. Gewiss. Sei es ein noch lebender Tintenfisch, der sich mit Saugnapf und Farbe gegen seine Befreiung wehrt, sei es eine Welle, die außerplanmäßig von der anderen Seite einschlägt und mir fast wieder die Kabine flutet. “Ich darf nicht!” “Ich sollte nicht!” Was immer ich tue, eine Ausrufezeichen wird den Gedanken abschließen.

Die letzte dieser Nächte, zeigte mir wieder wie grausam und chronisch mein Verstand gefoltert wird. Ich liege in der Kabine, etwa alle zehn Minuten schlägt ein Fisch auf dem Deck ein. Dazwischen höre ich die dumpfen Einschläge von Fischen an der Kabine aussen, die ich gar nicht erst zu zählen vermag. Ich quäle mich hoch, schätze die See ein. Öffne die Luke und stülpe mir eine Tüte über die Hand. Da liegen sie, die Kiemendeckel verkrampfen fast, sie ringen um Luft. Springen bei jeder meiner Bewegung umher. Die “Flügel”, die Seitenflossen, weit abgespreizt. Ich überwinde mich, habe definitiv längst ein Trauma, auch wenn jeder Angler jetzt darüber lachen wird. Ich versuche die Fische zu greifen. Schwierig. Glitschig. Darf die Flossen nicht abknicken. Muss aber auch fest zupacken, sonst schlüpfen sie zappelnd wieder in die nächste Ecke. Meist bluten sie, entgleiten mir. Das Deck ist längst blutverschmiert. Manchmal sind sie so verletzt, dass ich … naja. Es ist grausam. Ich werfe sie ins Wasser, ahne aber, dass die Doraden längst warten und ihnen auch eine Zweite Chance verwehren. Nehme auch stark an, dass die Doraden (ich habe bis zu unglaublichen 50 Stück davon unter mir) nicht ganz unschuldig daran sind, dass soviel Fliegende Fische im Boot landen. Wann immer die Doraden tagsüber abwesend sind, kann ich die Kamera schnappen. Es beginnt die Jagt, circa 50m vor meinem Bug. Hunderte von Fliegenden Fischen flüchten. Manchmal springen die Doraden sogar hinterher. Unglaublich wie viele es davon geben muss.

Nun denn, werden die Gewitter zu heftig, die See zu grob, so sind mir Nachts die Hände gebunden. Das Risiko ist zu hoch dass mir etwas passiert, ich kann nicht mehr wegen jedem Fisch raus, riskiere damit irgendwo ab einen gewissen Punkt auch mein Leben. Da liege ich in der heißen Kabine verkrochen, finde es feige mir Kopfhörer aufzusetzen. Aber ich muss schlafen. Das geht nicht wenn auf der anderen Seite der Luke Fische lautstark zappelnd und springend gegen den Tod kämpfen oder wenige Zentimeter neben meinem Ohr gegen die Bordwand krachen.

Das geht nun seit Tagen so. Die Gewitter, die See, tun ihr übriges um mir den Schlaf zu rauben. Das Wetter ist sowieso eine Katastrophe, der Wind versucht mich nach Norden zu drücken. Also muss ich noch mehr rudern. Die Hände weichen auf im Regen, die Blasen reißen auf. Die Fingergelenke sind chronisch durch. Ich benötige Morgens mehrere Minuten um die Finger überhaupt wieder gerade Strecke zu können. Die Knie, die Achillessehne. Am schlimmsten die Schultern. Und dann liege ich in der Kabine, und kann meine Arme nicht mal ausstrecken, liege eingepfercht zwischen den Netzen, den Kojensegeln. Klemme mich dazwischen fest um nicht im Seegang herum zu rutschen. Die Schultern bekommen keine Auszeit, die Knie wund, die Ellenbogen wund. Auf der Seite liegen: unmöglich wegen den Schultern. Liege ich auf dem Rücken, liege ich mit kaputter Haut vom Rudersitz auf. Auch nicht besser. Auf dem Bauich schlafen geht gar nicht, dann wird mir schlecht.

Quelle: http://www.rowforsilence.com/de/2012/01/zahn-der-zeit/

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