Forschung

Was die Forschung untersucht und herausfindet, wird durch  Wissenstransfer greifbar und verständlich.
Und ermöglicht so sinnvolles und effektives Handeln für die Meere .

Forschungsprojekt ECO2: Wie gefährlich ist die Kohlendioxid-Speicherung im Meeresboden?

Wie gefährlich ist die Kohlendioxid-Speicherung im Meeresboden?

Unter der Leitung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) startet jetzt das von der Europäischen Union (EU) geförderte Projekt ECO2.

27 Partnerinstitute aus neun Nationen untersuchen in den kommenden vier Jahren die Umweltauswirkungen der Lagerung von Kohlendioxid (CO2) im Meeresboden. Dazu werden die bereits in der Nordsee und Barentssee existierenden CO2-Speicher und natürliche Quellen am Meeresboden erforscht, um die Sicherheit der Speicher und die Auswirkungen von CO2-Austritten auf die marine Lebewelt zu bewerten.

Die Abscheidung von Kohlendioxid (CO2) an Kraftwerken und Industrieanlagen und die CO2-Speicherung im Untergrund (CCS, Carbon Dioxide Capture and Storage) gilt aus Sicht der Europäischen Union (EU) als wichtige Technologie zur Vermeidung von klimaschädlichen CO2- Emissionen. Um zu ermitteln, wie sicher Kohlendioxid-Speicher im Meeresboden sind, wie sie sich überwachen lassen und welche Folgen Lecks für das Leben im Meer hätten, stellt die EU im Rahmen des ECO2 Projekts 10,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Leitung des internationalen Projekts hat Prof. Dr. Klaus Wallmann, Geowissenschaftler am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), übernommen. Von Kiel aus wird nicht nur die Arbeit der Wissenschaftler, sondern auch die Kooperation mit Vertretern von Umweltorganisationen, der EU-Administration und der Wirtschaft gesteuert.

„Die EU unterstützt CO2-Demonstrationsprojekte mit mehreren Milliarden Euro, um die CCS-Technologie zur Marktreife zu bringen. Bei einem Großteil der geförderten Projekte soll das anfallende CO2 im Meeresboden eingelagert werden“, erklärt Wallmann. „Wir halten es für äußert wichtig, die Chancen und Risiken, die sich durch die Speicherung im Meeresboden ergeben, genau zu analysieren.“

Die rund 100 Geologen, Biologen, Chemiker, Rechts- Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler aus neun europäischen Ländern werden die CO2-Speicherung im Meeresboden in einem multi-disziplinären Ansatz umfassend untersuchen. Nach vier Jahren werden sie eine Risikoanalyse und Leitlinien für den sicheren Betrieb und die Überwachung vorlegen. Dafür untersuchen die Wissenschaftler die beiden bereits existierenden norwegischen Offshore-Speicher Sleipner und Snøhvit sowie das B3-Feld in der polnischen Ostsee, das möglicherweise für die CO2-Speicherung genutzt werden soll. „Wir werden überprüfen, ob und wie viel Gas an diesen Stellen austritt, wie es durch die Schichten des Meeresbodens und durchs Wasser transportiert wird und welche Reaktionen dabei ablaufen“, kündigt Wallmann an. Vergleichsdaten zu den industriell betriebenen Speichern liefern natürliche Kohlendioxid-Quellen in Italien (Panarea), Japan (Okinawa-Trog), Deutschland (Salzdom Juist) und Norwegen (Jan Mayen).

Neben geologischen und biologischen Fragestellungen setzen sich die Wissenschaftler auch mit der öffentlichen Wahrnehmung von CCS auseinander. Eine eigene Arbeitsgruppe studiert die Reaktion der Bevölkerung auf Speicher-Projekte. „Für eine weitere, breite gesellschaftliche Verankerung unserer Arbeit sorgt die Zusammenarbeit mit Umweltorganisationen, EU-Administration und den Betreibern der CO2-Speicher“, erklärt Wallmann. „Die ersten Expeditionen werden wir bereits im Frühjahr und Sommer 2011 in der Nordsee und der Barentssee durchführen. Sie werden aufschlussreiche Ergebnisse zur Sicherheit dieser Speicher liefern.“

Quelle und vollständiger Artikel: sonnenseite.com 25.05.2011

Weitere Informationen:

Projektwebseite ECO2 – Sub-seabed CO2 Storage: Impact on Marine Ecosystems

Meldung IFM GEOMAR „Wie gefährlich ist die Kohlendioxid-Speicherung im Meeresboden?

Zu den rechtlichen Rahmenbedingungen in der Nordsee und im Nordostatlantik siehe „Carbon Capture and Storage“ bei OSPAR

Have you „huddled“ today? Wie Kaiserpinguine sich warm halten.

Koordinationsstarke Pinguine

Kaiserpinguinen gelingt es, bei extremen Temperaturen und orkanartigen Stürmen im antarktischen Winter zu überleben, indem sie sich in dicht gepackten Huddles zusammenschließen. Doch wie gelangen die Pinguine am Rand eines solchen Huddles in dessen Mitte, um sich aufzuwärmen?

Physiker Daniel P. Zitterbart, Doktorand am Lehrstuhl für Physikalisch-Medizinische Technik unter Leitung von Prof. Dr. Ben Fabry an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) fand heraus, dass alle Pinguine innerhalb eines Huddles ihre Bewegungen genau koordinieren und sich in periodischen Wellen gemeinsam bewegen. So wird die Huddlestruktur ständig durchmischt und die kostbare Wärme gerecht verteilt.
Die Ergebnisse wurden nun in der Zeitschrift PLoS ONE veröffentlicht (http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0020260).

Daniel Paranhos Zitterbart hat mehr als ein Jahr lang an der Deutschen Antarktis-Station (Neumayer-Station, Dronning Maud Land) als Mitglied eines 9-köpfigen Überwintererteams als Physiker gearbeitet und sich den langen antarktischen Winter mit einem faszinierenden Forschungsprojekt verkürzt: der Untersuchung des Huddling-Verhaltens von Kaiserpinguinen. Beim Huddling rücken die Tiere sehr dicht zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen – bei Temperaturen von -50°C und Windgeschwindigkeiten von 180 km/h ist das überlebensnotwendig. Zitterbart wollte herausfinden, wie die Tiere den Austausch innerhalb des Huddles organisieren, um Pinguinen am Rand die Möglichkeit zum Aufwärmen zu geben und Pinguinen in der Mitte des Huddles den Weg nach außen freizumachen. Das scheinbar unlösbare Problem dabei ist, dass die Pinguine beim Huddeln so dicht gepackt stehen, dass jegliche Bewegung einzelner Tiere verhindert wird.

Um hinter dieses Geheimnis zu kommen, hat Daniel P. Zitterbart seine Spiegelreflexkamera mit einem klimafesten Gehäuse versehen und im Sekundentakt Tausende von Aufnahmen einer Pinguinkolonie geschossen. Mit selbst entwickelter Software hat er anschließend die genaue Position und Bewegungsbahn aller Pinguine in der Kolonie aus den Bildsequenzen extrahiert. Dabei wurde deutlich, dass die Pinguine ihre Position und damit die Struktur des Huddles ständig verändern, indem sie ihre Bewegungen genau koordinieren und sich in periodischen Wellen gemeinsam bewegen. Die dabei entstehenden Bewegungsmuster erinnern an das Kneten von Teig.

In einer Studie, die der Universitätsbund der FAU mit 5.000 Euro unterstützt, entwickelt Daniel P. Zitterbart zurzeit eine fernsteuerbare Pinguin-Beobachtungsstation für den dauerhaften Einsatz in der Antarktis zur Überwachung und zum Schutz dieser stark bedrohten Tiere. Er hat sich auch in weiteren Projekten dem Artenschutz verschrieben. So ist er Initiator einer weltweiten Initiative zur Kartierung der Biodiversität auf unserem Planeten. Anhand einer von ihm entwickelten App können Besitzer von Android-Handys Beobachtungsdaten und Sichtungen von Pflanzen und Tieren in eine öffentliche Datenbank einspeisen. Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten des Physikers ist die Entwicklung einer Methode, Wale mit hochauflösender Wärmebildtechnologie automatisch aufzuspüren, um das Risiko einer möglichen Schädigung durch vom Menschen verursachten Unterwasserlärm, wie er bei Rammarbeiten für Windkraftanlagen, der Suche nach Öl unter dem Meeresboden oder militärischen Manövern entsteht, minimieren zu können.

Videos im Internet:
http://lpmt.biomed.uni-erlangen.de/research/21-penguin-huddling-dynamics
Das Paper im Internet:
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0020260

Lonely death of a gentle giant who washed up on an English beach

Lonely death of a gentle giant who washed up on an English beach

Stretched out on the sand beneath scudding clouds, the majesty of this 44ft sperm whale cannot be denied.

Frantic efforts were made to save the 20-ton creature after the gentle giant became stranded on Redcar beach but to no avail.

Lost and disorientated it had headed towards the shore where it beached itself shortly after dawn. …

Read more:
MailOnline 31May2011

Siehe auch:

Pottwal strandet in Nordengland und stirbt
Tragödie an der Küste Nordenglands: Ein mehr als zehn Meter langer Pottwal ist gestrandet und verendet. Helfer hatten verzweifelt versucht, das Tier zu retten. Doch am Ende mussten sie den Kampf verloren geben.

Quelle und mehr:
SPIEGEL ONLINE WISSENSCHAFT 31.05.2011

Pygmy seahorse and corals found at new depths

AN AUSTRALIAN GEOGRAPHIC SOCIETY-sponsored ocean expedition has found two marine species never before described in Australia – a pygmy seahorse and a coral previously thought to live only in shallow water.

Doctoral student Tom Bridge, researcher Pim Bongaerts, and a team from the University of Queensland, James Cook University and the Queensland Museum, set out to explore the unmapped depths around atolls in the Coral Sea, beyond the Great Barrier Reef.

These atolls rise up from extreme depths and are surrounded by deep oceanic water in the mesophotic zone, a region 30 to 150 metres below the surface, which scientists endearingly call the ‚twilight zone‘ because little light penetrates that far down.

Life at these depths was assumed to be minimal, given the lack of light – and therefore lack of energy for life-generating photosynthesis. However, using a remotely operated vehicle (ROV) the team found the atolls‘ mesophotic zone is home to surprisingly large and diverse reef communities.

The discovery highlights just how little is known about the mesophotic zone. „We have only been able to sample a fraction of the diversity…there is a lot more out there,“ Tom says.

The new-found pygmy seahorse (Hippocampus denise) is endemic to the Coral Triangle, the waters adjacent to Coral Sea in the Indo-West Pacific. This is the first time it has been found in Australian waters.

At 13.7mm, it is one of the world’s smallest fish species and is typically found in water shallower than 40m. The expedition team found the tiny seahorse at the unusual depth of 102m, suggesting the species has found a way to survived in the light-starved zone. ….

Source and read more:
Australian Geographic

Ocean-La-Gomera

Ich habe es gerade erst gesehen, gehört hatte ich schon davon. Der Meeresbiologe Christoph Schmitt hat sich wohl längerfristig von La Gomera verabschiedet. Zugleich hat er seine Webseiten auf eine Verabschiedungsseite reduziert:

http://www.ocean-la-gomera.com/

Sehr schade, weil ich seine auf La Gomera sehr engagiert durchgeführten Felswatttouren, seine Whale Watching-Begleitung, sein großes Fachwissen, seine sehr informativen Webseiten und natürlich auch seine hervorragenden Fotos von Walen, Delfinen und anderen Meerestieren über Jahre sehr schätzen gelernt habe. Seine Fotos werden uns aber noch weiter begleiten. Aktuell ist wieder eines im Header dieses Blog. Ich habe noch einige von seinen hervorragenden CDs und werde da ab und zu welche bringen.

Hope to see you on La Gomera again, Christoph!

Michael

P.S.: Wer ihn erreichen will, hat eine Chance über facebook:
http://de-de.facebook.com/people/Christoph-Schmitt/1243758588

Pottwal strandet in Nordengland und stirbt

Tragödie an der Küste Nordenglands: Ein mehr als zehn Meter langer Pottwal ist gestrandet und verendet. Helfer hatten verzweifelt versucht, das Tier zu retten. Doch am Ende mussten sie den Kampf verloren geben.

Laut Richard Ilderton von der Organisaton British Divers Marine Life Rescue, der sich unter den Helfern befand, hatte der Wal keine Überlebenschance. Jeder Versuch, ihn wieder ins Meer zu bekommen, wäre grausam gewesen, sagte Ilderton der „Daily Mail“.

Die Ursachen von Walstrandungen, bei denen manchmal Dutzende Tiere umkommen, sind unklar. Forscher vermuten, dass die Säuger in flachem Gewässer Orientierungsprobleme haben oder dass sich ein krankes Tier auf dem Weg zum Strand zu einer Art Leitwal entwickelt, dem andere folgen. Möglich erscheine auch, dass manche Wale fatalerweise Beute ins seichte Wasser hinterherjagen.

Auch Sonaranlagen können Wale in die Irre führen. Die Technik, die mittels Schallwellen zur Ortung und Vermessung unter Wasser genutzt wird, kann Walen gefährlich werden – das gilt inzwischen als erwiesen. Der Schalldruck schädigt das Gehirn und den Kreislauf der Meeressäuger und kann sie sogar töten.

Eine andere Theorie besagt, dass der Klimawandel die Ozeane lauter werden lässt – und die Wale damit vermehrt an die Strände treibt: Der zunehmende Kohlendioxidgehalt der Luft wirkt sich auf die Meere aus – das Wasser wird saurer. Wasser mit einem niedrigeren pH-Wert transportiert Geräusche besser. Hinzu kommt, dass die Menschen unter Wasser immer mehr Lärm verursachen.

Das Ausmaß der Veränderung durch den niedrigeren pH-Wert ist nach Meinung von Forschern der University of Hawaii beträchtlich: Bis zum Jahr 2100 werde die Schalldämpfung von tiefen Tönen in bestimmten Regionen der Ozeane um bis zu 60 Prozent sinken. Das führe dazu, dass Geräusche von Meeresbewohnern, Schiffen, Regen und Wellen unter Wasser besser transportiert würden, erklärten die Forscher. Wale könnten häufiger die Orientierung verlieren.

Quelle und vollständiger Artikel:
SPIEGEL ONLINE WISSENSCHAFT 31.05.11

Siehe auch:
Beached whale ‚probably got lost‘ in NewsGuardian 01.06.11

Saure Ozeane machen Clownfische taub

Saure Ozeane machen Clownfische taub

Hohe Kohlendioxid-Konzentrationen im Wasser könnten den Bestand von Fischarten gefährden

Heranwachsende Clownfische hören in Kohlendioxid saurem Wasser deutlich schlechter. So könnten sie vor Raubfischen schlechter die Flucht ergreifen und wären eine leichte Beute. Diese Auswirkung des Klimawandels analysierten britische Wissenschaftler in einem Laborversuch. Sie reicherten das Wasser in einem Aquarium mit so viel Kohlendioxid (CO2) an, wie es der Weltklimarat IPCC für die kommenden Jahrzehnte prognostiziert. Diese Studie, die erstmal den Einfluss der drohenden Versäuerung der Ozeane auf den Hörsinn von Fischen belegt, veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift „Biology Letters“ (doi: 10.1098/rsbl.2011.0293).

Weiterlesen unter:
http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Saure_Ozeane_machen_Clownfische_taub1771015587672.html

Viele Verlierer im Korallenriff bei weiterem Anstieg des CO2 Gehalts

Site exposed to very high concentrations of CO2 concentrations where coral developement ceases to exist. Katharina Fabricius, AIMS

Viele Verlierer im Korallenriff bei weiterem Anstieg des CO2 Gehalts

Ozean-Versauerung und Korallenriffe
Natürliche Kohlendioxidquellen zeigen die möglichen Folgen ansteigender Treibhausgasemissionen

Natürliche Kohlendioxidquellen in Papua Neuguinea geben Wissenschaftlern die einmalige Gelegenheit zu sehen, wie tropische Korallenriffe sich verändern werden, wenn dem vom Menschen verursachte Kohlendioxidausstoß keine Grenzen gesetzt werden. Bleibt alles beim Alten schätzen die Klimaforscher vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dass bis zum Jahr 2100 die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre auf mindestens 750 ppm ansteigen wird. Die Ozeane werden etwa ein Drittel dieses zusätzlichen CO2 aufnehmen, was dazu führen wird, dass der pH-Wert von 8,1 auf 7,8 fallen wird.

Dr. Katharina Fabricius, Wissenschaftlerin am Australian Institute of Marine Science (AIMS) hat zwei Expeditionen mit Forschern aus sechs Ländern, darunter Papua Neuguinea, USA und Deutschland, geleitet. Darunter war eine Gruppe vom Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie. Die Bremer sind Experten für Mikrosensoren, einem wichtigen Forschungsinstrument um Korallen zu untersuchen.

Das Forscherteam untersuchte drei natürliche Kohlendioxidquellen in der Milne Bay Provinz auf Papua Neuguinea. Die Quellen wurden vor ein paar Jahren von Dr. Fabricius per Zufall entdeckt, als sie Biodiversitätsstudien betrieb. Diese Quellen sind deshalb so einzigartig und wertvoll für die Forschung, weil sie kühle Quellen sind und CO2 in einem tropischen Korallenriff produzieren. Die neuen Untersuchungen geben Wissenschaftlern erstmals die Gelegenheit, die Effekte von ansteigenden Kohlendioxidemissionen auf ein Korallenriff zu betrachten. Ursache für die an den Quellen aufsteigenden Blasen von Kohlendioxid ist vulkanische Aktivität.

Diese Woche erscheint ein wissenschaftlicher Artikel über die ersten Ergebnisse im international angesehen Journal Nature Climate Change. Hier berichten zum ersten Mal Forscher über ein tropisches Korallenriff-Ökosystem, das sich an gestiegene Kohlendioxid-Konzentrationen angepasst hat. „Unsere Ergebnisse belegen, dass es einige Gewinner, aber viele Verlierer geben wird, wenn tropische Korallenriffe dem gestiegenen Säuregehalt des Ozeans ausgesetzt werden,“ sagt die Leiterin Dr. Katharina Fabricius.

„Früher konnten wir nur mit Laborversuchen arbeiten. Diese wichtigen Experimente zeigten zwar den schädlichen Effekt der Ozeanversauerung auf viele Arten, aber die natürlichen Quellen in Milne Bay geben ein viel deutlicheres Bild darüber, was passiert, wenn ein gestiegener Kohlendioxidgehalt für viele Jahrzehnte auf eine Korallenriff einwirkt. Wir konnten um die Quelle einen pH-Gradienten messen. Je dichter wir uns der Quelle näherten, desto niedriger wurde der pH.“

„Mit absteigendem pH verringert sich die Anzahl und Arten der Korallen und die Diversität fällt um 40%. Große massive Steinkorallen (Porites sp.) dominieren das Riff nahe der Quelle. Die Dichte verzweigter und flechtenförmiger Korallen und von Weichkorallen und Schwämmen verringerte sich um Zweidrittel. Die wichtigste Information für uns war, dass unterhalb von pH 7,7 das Riff nicht weiter wuchs,“ sagt Dr. Fabricius.

Martin Glas, Co-Autor vom Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie ergänzt: “Nicht nur die Korallen litten unter dem gestiegenen CO2-Gehalt, auch andere Kalkbildner wie Foraminiferen und bestimmte Algen gingen deutlich zurück. Das ist eine besonders schlechte Nachricht, denn diese Organismen tragen wesentlich zum Kalziumkarbonat-Haushalt des Riffes bei. Sie sind die Schlüsselorganismen für ein gesundes Riffsystem.“

Unter den wenigen Gewinnern ist das Seegras, das sich drei bis vier Mal stärker ausbreiten konnte.
Dr. Fabricius betonte, die Versauerung der Ozeane führt zu einer deutlichen Veränderung im Ökosystem Korallenriff. Das sei das Ergebnis dieser Studie.

„Der Niedergang der komplexeren Korallen zugunsten einfacherer Korallen bedeutet weniger Lebensraum für die vielen zehntausenden Arten, die die Vielfalt von heutigen Korallenriffen ausmachen.“
„In den Bereichen mit hohem Kohlendioxidgehalt gibt es 50-80% weniger junge Korallen. Das Riff wird damit anfälliger für Naturereignisse wie tropische Wirbelstürme.“

„Wir können zeigen, dass die Artenvielfalt eines Korallenriffs mit ansteigendem Kohlendioxidgehalt abnimmt. Korallenriffe, die dem hohen Kohlendioxidgehalt ausgesetzt sind, wie er für das Ende des Jahrhunderts prognostiziert wird, sind verarmt und ihnen fehlt die Komplexität von gesunden Riffen. Diese Veränderungen werden nur durch die Versauerung verursacht, nicht durch den vorhergesagten Temperaturanstieg von +2°C durch den Treibhauseffekt. Die +0,5 °C Erwärmung der Tropen in den letzten 50 Jahre hat schon zu erheblichen Korallenbleichen und abnehmenden Korallenwachstum geführt.“

Dr. Fabricius sagt:„ Der Anstieg an atmosphärischem Kohlendioxid wird sich beschleunigen wegen der zivilisatorischen Aktivitäten. Die Bandbreite an Kohlendioxidgehalten in der Milne Bay Quelle ist vergleichbar mit den prognostizierten Werten für Ende des Jahrhunderts. Es wäre katastrophal, wenn der pH-Wert unter 7,8 sinkt.“ „ Unsere Forschungsergebnisse beweisen, dass wir schnellsten die Emissionen von CO2 verringern müssen, sonst drohen dramatische Verluste bei den Korallenriffen.“ Für Dr. Fabricius ist es wichtig, diese Untersuchungen in Papua Neuguinea fortzuführen. Weitere Expeditionen sind geplant.

Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de

Link to paper: http://www.nature.com/nclimate/journal/vaop/ncurrent/full/nclimate1122.html
Katharina E. Fabricius, Chris Langdon, Sven Uthicke, Craig Humphrey, Sam Noonan, Glenn De’ath, Remy Okazaki, Nancy Muehllehner, Martin S. Glas & Janice M. Lough:
Losers and winners in coral reefs acclimatized to elevated carbon dioxide concentrations

Information on acidification at: http://www.aims.gov.au/docs/research/climate-change/position-paper.html

Kieler Meeresforscher untersuchen Kaltwasserkorallen in der Biskaya


Kaltwasserkorallen wie Lophelia Pertusa bilden an den europäischen Kontinentalhängen von Nordnorwegen bis vor die Küste Westafrikas gewaltige Riffe. Ihre Erforschung steht jedoch noch am Anfang. Foto: Jago-Team, IFM-GEOMAR

Kieler Meeresforscher untersuchen Kaltwasserkorallen in der Biskaya –

Kiel, Vigo. Meeresforscher des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) wollen auf einer heute (31. Mai) beginnenden Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR die bisher nur wenig bekannten Kaltwasserkorallenriffe im Golf von Biskaya untersuchen. Die empfindlichen Tiefseehabitate, die Heimat vieler mariner Organismen sind, stehen durch menschliche Einflüsse wie Klimaänderungen und Fischerei erheblich unter Druck.

Die vermutlich größten Korallenriffe der Erde erstrecken sich nicht vor Australien oder im Roten Meer, sondern zwischen Nordnorwegen und Mauretanien. Am europäischen und afrikanischen Kontinentalhang wachsen in mehreren hundert Metern Tiefe große Kolonien von sogenannten Kaltwasserkorallen. Im Gegensatz zu den bekannteren tropischen Korallen benötigen sie kein Licht für ihr Wachstum. Da sie in großen Tiefen leben, waren sie lange unbekannt. Die systematische Erforschung der Kaltwasserkorallen begann erst Ende des 20. Jahrhunderts. Viele Fragen sind noch ungeklärt, zum Beispiel welche Umweltbedingungen ihr Vorkommen begünstigen, welche sie schädigen oder wie sie sich genau verbreiten. Die aktuelle Fahrt des deutschen Forschungsschiffs METEOR unter der Leitung des Paläo-Ozeanographen Dr. Sascha Flögel vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) soll helfen, einige dieser Fragen zu beantworten.

Die METEOR startet heute (31. Mai) vom spanischen Hafen Vigo und läuft mehrere Arbeitsgebiete entlang des europäischen Kontinentalhangs in der Biskaya an. Die Wissenschaftler an Bord werden dort die Verteilung und das Vorkommen lebender und fossiler Kaltwasserkorallen dokumentieren. Außerdem untersuchen sie die Bedingungen, unter denen die Korallen dort leben. Dabei setzen die Forscher unter anderem autonome Unterwasserlabore, sogenannte Lander, sowie ozeanographische Messsonden ein, um die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Meerwassers rund um die Kaltwasserkorallen-Kolonien zu bestimmen. „Daten früherer Expeditionen zeigen, dass Kaltwasserkorallen unter sehr unterschiedlichen Bedingungen gedeihen können“, sagt Flögel, „wir wollen jetzt herausfinden, welche Faktoren für ihr Vorkommen in diesem Seegebiet bestimmend sind und mit anderen Vorkommen vergleichen.“

In einem zweiten Schwerpunkt der Expedition wollen Paläo-Ozeanographen untersuchen, wie sich die Wassermassen an der Grenze zwischen den flachen Schelfgebieten und den atlantischen Tiefseebecken vermischen und welche Prozesse dabei ablaufen. „Das ist im Arbeitsgebiet besonders interessant, weil dort das aus dem Mittelmeer ausströmende Wasser von Gibraltar Richtung Norden fließt“, sagt Flögel. Mit präzisen Isotopenmessungen wollen die Wissenschaftler nicht nur den aktuellen Weg des Wassers nachverfolgen, sondern auch die Veränderungen der Meeresströmung in den vergangenen 2000 Jahren rekonstruieren. „Diese Daten sagen uns auch etwas über die Lebensbedingungen fossiler Kaltwasserkorallen“, so Flögel.

Expedition auf einen Blick:
METEOR-Expedition 84/5
Forschungsthema: Kaltwasserkorallen und Vermischungsprozesse am Kontinentalhang in der Biskaya
Links:

www.ifm-geomar.de/expeditionen

Auszeichnung für Forschung zu Kommunikation von Robben und Walen im ewigen Eis

Ausgezeichnet: Junge Wissenschaftlerin erforscht Kommunikation von Robben und Walen im ewigen Eis

Ilse van Opzeeland vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) erhält für ihre Doktorarbeit an der Universität Bremen den „Annette Barthelt-Preis“
Wie verhalten sich Robben und Wale unter dem ewigen Eis? Wie kommunizieren sie miteinander? Wie sehen ihre Wanderrouten aus? Das zu erforschen ist nicht leicht bei den für den Menschen lebensfeindlichen Bedingungen im Polarmeer. Zudem sind die Meeressäuger sehr selten zu sehen, da sie nur gelegentlich zum Atmen auftauchen. Mit Hilfe einer hochmodernen Unterwasser-Horchstation können Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe Ozean-Akustik vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI) jedoch seit einigen Jahren neue Erkenntnisse über die Meerestiere gewinnen. Eine von ihnen ist Dr. Ilse van Opzeeland. Für ihre im Jahr 2010 abgeschlossene Doktorarbeit an der Universität Bremen wurde die junge Meeresbiologin am heutigen Freitag, 27. Mai 2011, mit dem „Annette Barthelt-Preis“ ausgezeichnet. Die gleichnamige Stiftung verleiht die Auszeichnung jedes Jahr an Wissenschaftler für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Meeresforschung. Der Preis ist mit einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsstipendium in Höhe von 6.000 Euro verbunden, den sich Dr. Ilse van Opzeeland mit dem zweiten Preisträger, Dr. Florian Scholz, vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel teilt.

In der Antarktis hat Ilse van Opzeeland mit Hilfe der Unterwasser-Horchstation PALAOA mehrere Jahre die Rufe von Meeressäugern, wie Blau- und Buckelwalen und unterschiedlichen Robbenarten unter dem Eis kontinuierlich aufgezeichnet und ausgewertet. Diese technische Methode ist in der eisbedeckten Antarktis eine der vielversprechendsten, um die Verbreitungsgebiete und saisonalen Wanderungen von Meeressäugern zu untersuchen. „Die Ergebnisse von Ilse van Opzeeland sind von großer Bedeutung“, sagt der Meeresbiologe Professor Wilhelm Hagen, der die Doktorarbeit mit dem Titel „Acoustic ecology of marine mammals in polar oceans“ an der Universität Bremen betreut hat. Ihre Langzeitmessungen im Weddellmeer in der Antarktis ermöglichten zum Beispiel erstmals, die Anwesenheit von Blauwalen und Buckelwalen im dortigen Winter nachzuweisen, die dort trotz Eisbedeckung überleben können. Laut Lehrbuch wandern diese Bartenwale zum Überwintern und zur Fortpflanzung in warme (sub-)tropische Meere.

Zur Preisträgerin:

Ilse van Opzeeland hat an den Universitäten Groningen (Niederlande) und Tromsø (Norwegen) studiert. Seit Sommer 2007 arbeitete sie als Doktorandin in der AG Ozean-Akustik am AWI in Bremerhaven, wo sie seit Ende 2010 als Bioakustikerin angestellt ist. Während ihrer Doktorarbeit war Ilse van Opzeeland zu Forschungsaufenthalten am NOAA (National Oceanographic and Atmospheric Administration) in Woods Hole (USA) und an der Cornell University (USA).

Weitere Informationen zu den Forschungen mit der Unterwasser-Horchstation PALAO sowie Hörproben von Meeressäugern im Polarmeer gibt es unter www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/hintergrund/palaoa_wie_klingt_das_suedpolarmeer/.

„Annette Barthelt-Preis“ zum Gedenken an die Terroropfer von Djibouti:

Die Annette Barthelt-Stiftung vergibt seit 1990 einmal jährlich einen Preis für herausragende Arbeiten an junge Meereswissenschaftler zum Gedenken an die Terroropfer von Djibouti. Im Jahr 1987 fiel eine Gruppe junger deutscher Meeresbiologen der Universität Kiel einem Bombenanschlag in Djibouti zum Opfer, der Hauptstadt des gleichnamigen Landes am Golf von Aden. Die Wissenschaftler wollten an einer dreimonatigen Expedition des deutschen Forschungsschiffs METEOR im Indischen Ozean teilnehmen. Weitere Informationen unter www.annette-barthelt-stiftung.de .


Kontakt:

Universität Bremen
Fachbereich Biologie/ Chemie
Marine Zoologie
Professor Wilhelm Hagen
Telefon: 0421 218-63030
E-Mail: whagen@uni-bremen.de

Alfred-Wegener-Institut (AWI)
Pressestelle
Folke Mehrtens
Telefon 0471 4831-2007
E-Mail: Folke.Mehrtens@awi.de
www.awi.de/de/aktuelles_und_presse

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 27. Mai 2011

//