Forschung

Was die Forschung untersucht und herausfindet, wird durch  Wissenstransfer greifbar und verständlich.
Und ermöglicht so sinnvolles und effektives Handeln für die Meere .

Mittelmeer-Massenstrandungen von Walen durch Sonar?

Massenstrandungen von Walen durch Sonar?

von Bettina Wurche, „MEERTEXT“ (http://www.meertext.eu)

Schnabelwale sind, neben den Pottwalen, die Tieftaucher unter den Walen.
Seit 1996 gibt es immer wieder weltweit Massenstrandungen von Schnabelwalen und anderen Walarten zeitgleich mit NATO-Manövern. Seriöse Wissenschaftler machen die moderne Sonartechnik der NATO für den vielfachen Waltod verantwortlich: das Low Frequency Active Sonar (LFA), das über große Entfernungen und bin in große Tiefen U-Boote orten soll.

Am 30.11.2011 sind im Mittelmeer wieder drei der seltenen Cuvier-Schabelwale (Ziphius cavirostris) gestrandet und verendet. Der griechische Wissenschaftler Dr. Alexandros Frantzis, der sich seit über 10 Jahren mit dem mutmaßlich durch LFAS verursachten Waltod beschäftigt, hat am 01.12.2011 die Europäischen Walforscher der ECS (ECS: European Cetacean Society) über diese Strandungen informiert. Zum zweiten Mal innerhab eines sehr kurzen Zeitraums ist die kleine Population der Cuvier-Schnabelwale der Ionischen See betroffen, die letzte Strandung war im Februar 2011 (Quelle: Diskussion der ECS-discussion list).

Mittlerweile ist bekannt geworden, dass auch diesmal ein Marine-Manöver in dem entsprechenden Seegebiet stattgefunden hat: Nach Aussage von Dr. Michael Jasny, Senior Policy Analyst, Natural Resources Defense Council vom 02.12.2011 hat an dem Manöver mindestens eine italienische Fregatte mit zwei aktiven Sonarsystemen aus US-Navy-Produktion teilgenommen (Quelle: Diskussion der ECS-discussion list).

Alexandros Frantzis hält sowohl militärisch genutztes Sonar als auch die zivile seismische Erkundung (z. B. in der Ölsuche) für eine akute Gefahrenquelle in dem Meeresgebiet der östlichen Ionischen See (Hellenic Trench) mit seinen tief tauchenden Walarten: Nach Frantzis ist die kleine Population der Cuvier-Schnabelwale der Ionischen See durch die Strandungen der letzen Jahre ernsthaft in ihrem Bestand gefährdet. Seit 2007 wird von ACCOBAMS die Einrichtung eines Schutzgebiets in diesem Meeresgraben gefordert (ACCOBAMS: Agreement on the Conservation of Cetaceans of the Black Sea, Mediterranean Sea and Contiguous Atlantic Area – Übereinkommen zum Schutz der Wale des Schwarzen Meeres, des Mittelmeeres und der angrenzenden Atlantischen Zonen).
Leider, so Frantzis, ist diese Forderung bis heute nicht umgesetzt worden.

Der international renommierte italienische Wal-Experte Dr.Giuseppe Notarbartolo di Sciara hat sofort nach dem Bekanntwerden der Strandungen noch am 02.12.2011 einen Brief an das ACCOBAMS-Sekretariat verfaßt: Er drückt seine Besorgnis aus und fordert das Sekretariat auf, den Schutz der Cuvier-Schnabelwale und anderer Spezies nachdrücklich voranzutreiben (Quelle: Diskussion der ECS-discussion list).

Schnabelwale – bedroht und geheimnisvoll

Schnabelwale (Ziphiidae) sind mittelgroßen Zahnwale, sie leben fernab der Küsten in tiefen Gewässern und sind in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Die Schnabelwal-Forschung konnte in den letzten 10 Jahren u. a. durch technische Fortschritte in der Bioakustik große Fortschritte machen: die Tiere können nun akustisch aufgespürt und bei ihren tiefen Tauchgängen verfolgt werden. Sie jagen Tintenfische und Fische, manche Arten können bis 90 Minuten und fast 2000 Meter tief tauchen (Handbook of Marine Mammals, Vol. 4: River Dolphins and the Lagrer Toothed Whales, edt. Ridgway, Harrsion).
Schnabelwale sind langlebig und haben eine geringe Fortpflanzungsrate, darum sind ihre Bestände sehr klein.
Sie stranden selten und nur vereinzelt an den Küsten. Es gibt weltweit vor 1996 keinen einzigen Nachweis auf eine Massenstrandung dieser Walarten, wie sie etwa von Grindwalen, Pilotwalen und Pottwalen immer bekannt sind und auch aus historischen Quellen über die letzten Jahrhunderte überliefert wurden (Podesta et al: „A review of Cuvier’s beaked whale strandings in the Mediterranean Sea“; J. CETACEAN RES. MANAGE. 7(3):251–261, 2006)
http://www.nmfs.noaa.gov/pr/health/noise/docs/podesta_mediterranean.pdf

Sonar-Aktivitäten und Waltod
Der Cuvier-Schnabelwal lebt unter anderem in europäischen Gewässern, also im Atlantik und Mittelmeer.

1996 fand die erste Massenstrandung dieser Zahnwale an den Stränden der griechischen Inseln statt, 12 Tiere starben.
Die Wale waren an massiven Blutungen im Gehör, Gehirn und der Lunge gestorben. Derartige Verletzungen waren bis dahin bei Walen unbekannt. Sie sind durch panikartiges, extrem schnelles Auftauchen verursacht worden und haben zu schweren, Taucherkrankheits-ähnlichen Symptomen geführt. Die Tiere mußten durch einen äußeren Einfluß in Panik geraten sein. Es gibt keine natürliche Ursache (Meeresbeben, Hai- oder Orca-Angriff,…), die eine ganze Herde Cuvier-Schabelwale panisch aus dem Ozean fliehen läßt. Frantzis kam nach sorgfältiger Datenanalyse zu dem Ergebnis, dass diese atypische Massenstrandung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in direktem Zusammenhang mit einem NATO-Manöver im gleichen Seegebiet stehen mußte, bei dem ein LFAS-Sonar eingesetzt wurde.

Frantzis Forschungsergebnisse wurden in dem angesehenen Wissenschaftsmagazin in Nature veröffentlicht ( Nature 392, 29 (5 March 1998) | doi:10.1038/3206; A. Frantzis: „Does acoustic testing strand whales?“ Scientific Correspondence); http://en.wikipedia.org/wiki/Marine_mammals_and_sonar
Seine Arbeit wurde von vielen anderen internationalen Fachkollegen als seriös und korrekt in den Schlußfolgerungen bewertet.

Mittlerweile sind weltweit von verschiedenen unabhängigen Wissenschaftlern – Biologen und Tierärzten – weitere Massenstrandungen von Schnabelwalen und anderen Spezies untersucht worden. Sie haben Frantzis Hypothese immer wieder bestätigt: Das LFAS-Sonar treibt die Wale durch extrem laute Ortungs-Geräusche zu einem panischen “Notaufstieg“: Die Tiere leiden dabei so stark, dass sie versuchen, aus dem Wasser zu fliehen. Sie verenden grausam mit zerstörten Innenohren und inneren Blutungen.

Der auf Wale spezialisierte Tierarzt Dr. Paul Jepson hat in viele Sektionen die schweren Verletzungen bei verschiedenen Arten analysiert und dokumentiert.

Mittlerweile sind regelmäßig Strandungen mehrerer Schnabelwale aus dem Atlantik (Kanarische Inseln), dem Mittelmeer (griechische Inseln und Italienische Gewässer), dem Pazifik (Hawaii) zu verzeichnen, die eine zeitliche Korrelation mit NATO-Manövern und LFAS-Einsatz haben.

Das Milität weist einen Zusammenhang des Sonar-Einsatzes und des Waltods natürlich rigoros zurück.

Weitere Quellen:
Podesta et al: A review of Cuvier’s beaked whale strandings in the Mediterranean Sea, J. CETACEAN RES. MANAGE. 7(3):251–261, 2006
http://www.nmfs.noaa.gov/pr/health/noise/docs/podesta_mediterranean.pdf

Cox, T.M., T.J. Ragen, A.J. Read, E. Vos, R.W. Baird, K. Balcomb, J. Barlow, J. Caldwell, T. Cranford, L. Crum, A. D’Amico, G. D’Spain, A. Fernández, J. Finneran, R. Gentry, W. Gerth, F. Gulland, J. Hildebrand, D. Houser, T. Hullar, P.D. Jepson, D. Ketten, C.D. MacLeod, P. Miller, S. Moore, D. Mountain, D. Palka, P. Ponganis, S. Rommel, T. Rowles, B. Taylor, P. Tyack, D. Wartzok, R. Gisiner, J. Mead, L. Benner. (2006) Understanding the Impacts of Anthropogenic Sound on Beaked Whales. Journal of Cetacean Research and Management 7: 177-187.

Rommel, S.A., Costidis, A.M., Fernandez, A., Jepson, P.D., Pabst, A., McLellan, W., Houser, D.S., Cranford, T., van Helden, A., Allen, D. and Barrows, N. (2006) Elements of Beaked Whale Anatomy and Diving Physiology, and Some Hypothetical Causes of Sonar-related Stranding. Journal of Cetacean Research and Management 7: 189-209.

Jepson, P.D., Deaville, R., Patterson, I.A.R., Pocknell, Ross, H.M., Baker, J.R., Howie, F.E., Reid, R.J., Colloff, A. and Cunningham, A.A. (2005) Acute and chronic gas bubble lesions in cetaceans stranded in the United Kingdom. Veterinary Pathology 42: 291-305.
Jepson, P.D., Arbelo, M., Deaville, R., Patterson, I.A.R., Castro, P., Baker, J.R., Degollada, E., Ross, H.M., Herráez, P., Pocknell, A.M., Rodriguez, E., Howie, F.E., Espinosa, A., Reid, R.J., Jaber, J.R., Martin, V., Cunningham, A.A., and Fernandez, A. (2003) Gas-bubble lesions in stranded cetaceans. Nature 425: 575-576.

Scientific Correspondence
Nature 392, 29 (5 March 1998) | doi:10.1038/3206
• A. Frantzis Does acoustic testing strand whales?

Abstract :
Mass strandings of live whales have been explained by proposing many ’natural‘ or human-related causes1. I found that a recent stranding of Cuvier’s beaked whale coincided closely in time and location with military tests of an acoustic system for submarine detection being carried out by the North Atlantic Treaty Organization (NATO).

Brief Communications Nature 425, 575-576 (9 October 2003) | doi:10.1038/425575a
•

Gas-bubble lesions in stranded cetaceans
P. D. Jepson1, M. Arbelo2, R. Deaville1, I. A. P. Patterson3, P. Castro2, J. R. Baker4, E. Degollada2, H. M. Ross3, P. Herráez2, A. M. Pocknell1, F. Rodríguez2, F. E. Howie5, A. Espinosa2, R. J. Reid3, J. R. Jaber2, V. Martin2, A. A. Cunningham1 & A. Fernández1
Abstract
Was sonar responsible for a spate of whale deaths after an Atlantic military exercise?

There are spatial and temporal links between some mass strandings of cetaceans — predominantly beaked whales — and the deployment of military sonar1, 2, 3. Here we present evidence of acute and chronic tissue damage in stranded cetaceans that results from the formation in vivo of gas bubbles, challenging the view that these mammals do not suffer decompression sickness. The incidence of such cases during a naval sonar exercise indicates that acoustic factors could be important in the aetiology of bubble-related disease and may call for further environmental regulation of such activity.

Quelle:
Bettina Wurche
Dipl.-Biol., Online-Red.
„MEERTEXT“
http://www.meertext.eu/

Deep Intellect – Inside the mind of the octopus


A WEEK AFTER I LAST VISITED ATHENA, I was shocked to receive this e-mail from Scott Dowd: “Sorry to write with some sad news. Athena appears to be in her final days, or even hours. She will live on, though, through your conveyance.” Later that same day, Dowd wrote to tell me that she had died. To my surprise, I found myself in tears.

Why such sorrow? I had understood from the start that octopuses don’t live very long. I also knew that while Athena did seem to recognize me, I was not by any means her special friend. But she was very significant to me, both as an individual and as a representative from her octopodan world. She had given me a great gift: a deeper understanding of what it means to think, to feel, and to know. I was eager to meet more of her kind.

And so, it was with some excitement that I read this e-mail from Dowd a few weeks later: “There is a young pup octopus headed to Boston from the Pacific Northwest. Come shake hands (x8) when you can.”

Full article:
http://www.orionmagazine.org/index.php/articles/article/6474

MarineDebris.Info

MarineDebris.Info
An online community for sharing knowledge on research, management, and prevention

MARE launched MarineDebris.Info to provide a free and continuous forum for global discussion and announcements on marine debris. The target audience includes marine debris scientists, resource managers, policymakers, industry, conservation organizations, and other stakeholders.

MarineDebris.Info consists of:

The MarineDebris.Info listserv, an online discussion forum. Click here to sign up for the forum. Membership is open to everyone. The discussion occurs via e-mail.

MarineDebris.Info webinars on subjects of interest to the marine debris community. Upcoming webinars will be announced on the MarineDebris.Info listserv. ….

More: http://marineaffairs.org/marinedebris.html

Lärm verantwortlich für Walstrandung im Mittelmeer?

Lärm verantwortlich für Walstrandung im Mittelmeer?
Am 30. November kam es erneut zu einer Strandung von 3 Schnabelwalen im Mittelmeer.

Eine sogenannte atypische Strandung von drei Cuvier-Schnabelwalen erfolgt am Mittwoch, den 30.November 2011 auf der griechischen Insel Corfu. Ein Tier verendete, der Zustand zweier weiterer Tiere ist unbekannt, da Versuche unternommen wurden, die Wale wieder aufs Meer zu geleiten. Die Ursache der Strandung ist unklar, jedoch berichten unterschiedliche Personen vor Ort, inklusive Fischer, von Lärmemissionen in 10 bis 15 Sekunden Abständen.

Cuvier Schnabelwale sind Tieftaucher und gelten im Mittelmeer als gefährdet. Die Region in der die Strandung erfolgte gilt für Gemeine Delfine und andere Walarten als wichtiger Lebensraum. Strandungen dieser tieftauchenden Wale standen in der Vergangenheit mehrfach in direktem Zusammenhang mit dem Einsatz intensiver Lärmquellen. ….

Vollständige Meldung: https://www.oceancare.org/de/larm-verantwortlich-fur-walstrandung-im-mittelmeer/

Siehe auch:
new atypical mass stranding of Cuvier’s beaked whales
http://duritos.wordpress.com/2011/12/01/new-atypical-mass-stranding-of-cuviers-beaked-whales/

Aale – Wie ein robuster Fisch ausstirbt

Ich wollt, ich wär kein Aal

Gefangen, gemästet, ausgesetzt, gejagt oder in Turbinen gehäckselt – wie ein robuster Fisch ausstirbt

Anguilla anguilla gilt als Inbegriff zähen Lebens. Unser Europäischer Aal kann fast senkrechte Wände bewältigen und schockt unerfahrene Angler, wenn er Stunden nach dem Fangen plötzlich im Kühlschrank lärmt. Erschreckend sind aber auch die kargen Kenntnisse über seine Biologie. Obwohl Aale seit Jahrhunderten verspeist werden, zanken sich die Experten darüber, wie sich ihr Bestand wieder erhöhen ließe – wenn überhaupt. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat das Tier als critically endangered, als vom Aussterben bedroht, auf ihre Rote Liste gesetzt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES führt ihn in derselben Schutzkategorie wie Eisbären und Landschildkröten……

Quelle und vollständiger Artikel: http://www.zeit.de/2011/46/N-Aal

Unmanned robo-boats set out to ‚wave glide‘ across the Pacific

Unmanned robo-boats set out to ‚wave glide‘ across the Pacific

They might not look capable of taking on some of the ocean’s most challenging environments.

But that is exactly what these incredible autonomous wave gliders will do during a record-breaking journey across the Pacific.

The unmanned vehicles will travel about 37,000 miles of open ocean during the journey and will collect and stream data to Google Earth’s Ocean Showcase. ….

Read more: http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2065229/Incredible-unmanned-Wave-Gliders-set-record-breaking-journey-Pacific-Ocean.html

Tiefsee birgt weniger Rohstoffe als gedacht Meeresboden kann weltweiten Bedarf an Kupfer und Zink nicht decken Der Abbau wertvoller Rohstoffe wie Kupfer, Zink oder Gold aus der Tiefsee könnte sich als weniger lukrativ erweisen als bisher angenommen: Geolo

Tiefsee birgt weniger Rohstoffe als gedacht
Meeresboden kann weltweiten Bedarf an Kupfer und Zink nicht decken
Der Abbau wertvoller Rohstoffe wie Kupfer, Zink oder Gold aus der Tiefsee könnte sich als weniger lukrativ erweisen als bisher angenommen: Geologen haben festgestellt, dass die Menge der auf dem Meeresboden abgelagerten Rohstoffe nicht ausreicht, um den weltweit wachsenden Bedarf zu decken. Die Forscher schätzen die potenziellen Erträge an Kupfer und Zink aus diesen Ablagerungen auf rund 30 Millionen Tonnen. Das sei nur wenig mehr als die bisherigen Erträge aus Minen an Land und für den weltweiten Bedarf allein nicht ausreichend, berichtet das internationale Forscherteam im Fachmagazin ?Geology?.

Düstere Aussichten für weiße Bären

Düstere Aussichten für weiße Bären

Hannes Jaenicke: „Jagd gibt Eisbären den Rest“

Jeder weiß es: Den Eisbären schmilzt der Lebensraum weg. Wissenschaftler befürchten, dass die Eisbärbestände bis 2050 allein aufgrund des Klimawandels um 70 Prozent zurückgehen werden. Bisher wenig bekannt ist, dass der „Ursus Maritimus“ zusätzlich gefährdet ist, weil jedes Jahr Hunderte Eisbären abgeschossen werden – ganz legal. Auf diese Bedrohung weist der Umweltaktivist und Schauspieler Hannes Jaenicke in einem Spot hin, mit dem er die Arbeit der Umweltorganisationen OceanCare und Pro Wildlife unterstützt. „Unbegreiflich, dass Regierungen weiterhin die Jagd auf eine vom Aussterben bedrohte Art genehmigen“ sagt Jaenicke. Er fordert die kanadische Regierung auf, endlich die Jagd auf den bedrohten „König der Arktis“ zu verbieten.

Wissenschaftler und Artenschützer sehen schwarz für die Zukunft des weißen Bären: Höchstens 20 000 bis 25 000 Tiere gibt es weltweit noch. Mit dem Abschmelzen des Packeises verlieren Eisbären Kinderstube und Jagdrevier. In Kanada sind sieben der 13 Eisbärpopulationen bereits dezimiert – dennoch werden für diese Bestände weiterhin Abschussquoten vergeben. Mit einem neuen Videoclip wollen der Schauspieler und die Artenschutzorganisationen auf diesen Missstand hinweisen. Ziel ist es, dass die kanadische Regierung endlich handelt und Trophäenjäger und Fellhändler diese aussterbende Art nicht mehr jagen dürfen.

40 000 Euro für einen Eisbärenabschuss

Ungeachtet des schwindenden Lebensraumes vergeben vor allem Kanada und Grönland weiterhin Quoten für den Abschuss von Eisbären. Tierschützer schätzen, dass jährlich mehr als tausend dieser Tiere getötet werden, davon allein fast 700 in Kanada. Europäische Jagdreiseveranstalter bieten für etwa 40 000 Euro einen Eisbären in Kanada zum Abschuss an. Zudem boomt der Handel mit Fellen. Kanadische Auktionshäuser berichten, die Nachfrage habe stark zugenommen. Andere Länder haben die Bedrohung erkannt und bereits Schutzmaßnahmen ergriffen. „Norwegen verbietet längst die Jagd auf die letzten Eisbären. Und die USA, früher Hauptabnehmer für Eisbärtrophäen aus Kanada, verbieten seit 2008 die Einfuhr dieser bedrohten Art. Doch Trophäenjäger aus Europa dürfen in Kanada weiterhin Polarbären töten, wenn sie nur genug zahlen“, sagt Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Weiter zurückgedrängt wird der Eisbär auch, weil die schmelzende Arktis nun für Ölfirmen attraktiv wird: Es locken gewaltige Öl- und Gasvorkommen. „Es sieht schlecht aus für den König der Arktis“, sagt Sigrid Lüber von OceanCare. „Wollen wir diese Art erhalten, bedarf es eines umfassenden Jagdverbotes und einer strikten Regulierung sämtlicher menschlicher Aktivitäten in der Arktis. Alles andere ist zu wenig.“

Der Online-Spot zum Schutz des Eisbären ist zu sehen unter: http://www.youtube.com/watch?v=la1XUUuZ29A&feature=youtu.be

Wer an die kanadische Regierung appellieren möchte, die Jagd auf Eisbären einzustellen, kann dies über eine gemeinsame Aktion von OceanCare und Pro Wildlife tun:
http://www.prowildlife.de/Protestaktion_2

OceanCare und Pro Wildlife bedanken sich bei Hannes Jaenicke und der Filmproduktionsfirma TANGOFILM für die kostenlose Produktion des Eisbären-Clips.

Weitere Informationen und Bilder in höherer Auflösung erhalten Sie bei:

Pro Wildlife e.V.
www.prowildlife.de

Tiefseelagerstätten zu gering für Rohstoffversorgung in der Zukunft

Fluid-Probennahme mit dem Tauchroboter ROV KIEL 6000. Fotos: ROV-Team, IFM-GEOMAR

Tiefseebergbau: Eine Chance für die Zukunft?

– Rohstoffen aus dem Meere werden nur begrenzte Möglichkeiten eingeräumt –

Kupfer und Zink, Silber und Gold lagern am Boden der Ozeane in bis zu mehreren tausend Metern Tiefe. Können die marinen Vorkommen helfen, den weltweit wachsenden Bedarf zu decken? Mit einer Veröffentlichung im Fachmagazin GEOLOGY geben Geologen erstmals gesicherte Hinweise auf mögliche Fördermengen: „Sie können Minen an Land auf keinen Fall ersetzen“, fasst Mitautor Dr. Sven Petersen vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) zusammen.

Elektronik, Kommunikationstechnik, Optik und viele andere wachsende Industriezweige lassen die weltweite Nachfrage nach Kupfer und Zink, aber auch nach Silber, Gold und anderen Metallen kontinuierlich ansteigen. Solche Metalle sind auch am Meeresboden in sogenannten Massivsulfiden zu finden. Diese Gesteine entstehen überwiegend entlang der Grenzen tektonischer Platten, den Mittelozeanischen Rücken. Dort dringt Wasser ins Erdinnere ein, wird in der Tiefe aufgeheizt und chemisch verändert und steigt aufgrund der Erwärmung wieder zum Meeresboden auf. Auf dem Weg nach oben reagiert das aggressive und heiße Wasser mit dem umliegenden Gestein und löst die Metalle heraus. Beim Austritt der bis zu 400oC heißen Lösung werden diese als Metall-Schwefel-Verbindungen ausgefällt und entweder am Meeresboden abgelagert oder als feinste Partikel ins Wasser eingetragen. So entstehen „rauchende“ Schlote, die diesen hydrothermalen Quellen den Namen „Schwarze Raucher“ eingebracht haben und mächtige Ablagerungen von Metallerzen bilden können.

Einzelne Firmen prüfen bereits, unter welchen Bedingungen sich die Massivsulfide abbauen ließen. Für Vorkommen in der Nähe von Papua-Neuguinea wurde eine erste Abbau-Lizenz vergeben. Allerdings ist der größte Teil des Meeresbodens noch gar nicht auf solche Vorkommen hin untersucht worden, und auch das Wissen um die Metallgehalte der bisher bekannten Vorkommen ist gering. Vor diesem Hintergrund haben Geologen aus Kanada, den Vereinigten Staaten und Deutschland den möglichen Ertrag errechnet.

„Wir schätzen, dass in unmittelbarer Umgebung der weltweit bekannten vulkanischen Rücken etwa 600 Millionen Tonnen Massivsulfide lagern, erklärt Dr. Sven Petersen, Geologe am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und Mitautor der Studie. „Allerdings sind davon nur etwa 30 Millionen Tonnen Zink und Kupfer. Die Gesamttonnage in den Massivsulfidvorkommen am Meeresboden beträgt damit nur wenig mehr als die jährliche Fördermenge dieser Metalle an Land. Vor diesem Hintergrund legen die Autoren der Studie nahe, Kosten und Gewinn genau zu hinterfragen. „Minen an Land kann der Bergbau auf Schwarze Raucher in der Tiefsee jedenfalls nicht ersetzen“, ist sich Petersen sicher.

Für ihre Berechnungen haben die Wissenschaftler 106 Vorkommen ausgewählt, die als repräsentativ für alle Vorkommen am Meeresboden gelten. Ihr Metallgehalt wurde anhand einiger besonders gut untersuchter Lagerstätten abgeschätzt und mit theoretischen Berechnungen zum Metallgehalt von den heißen Fluiden abgeglichen. Dabei wurde ein wichtiger Unterschied zwischen den Sulfidvorkommen und den Fördermengen der „Schwarzer Raucher“ deutlich. Diese Hydrothermalquellen fördern deutlich mehr Metalle aus dem Erdinneren hervor, als tatsächlich in den Sulfidvorkommen am Meeresboden abgelagert wird. Der größte Teil der Metalle wird in der weiteren Umgebung in großer Verdünnung abgesetzt und steht für den Bergbau nicht zur Verfügung. „Dieser Aspekt wurde oft unterschätzt“, weiß Petersen. „Das hat dazu geführt, dass die Chancen des Tiefsee-Meeresbergbaus oft überbewertet wurden.“

Originalarbeit:
Hannington, M. J. Jamieson, T. Monecke, S. Petersen and S. Beaulieu, 2011: The abundance of seafloor massive sulfide deposits. Geology, 39, 1155-1158, doi: 10.1130/G32468.1

http://www.ifm-geomar.de

Volkszählung der Arten nun per App

Zum Beginn der UN-Dekade der biologischen Vielfalt in Deutschland im
November gibt es zur Erfassung der biologischen Vielfalt der Erde eine neue Entwicklung als App. Geht das auch unter Wasser?

Ob das sinnvoll ist oder nicht – es hilft vielleicht der Natur zu mehr Aufmerksamkeit!

Mit „anymals“ kann jeder alle (jemals gesichteten) Tiere und Pflanzen in
seiner Umgebung dynamisch abfragen und gleichzeitig selbst gesichtete
Lebewesen eintragen. Damit ist „anymals“ einerseits als Naturführer z.B.
beim Wandern nützlich, andererseits könnte das der Durchbruch für die
Biodiversitäts-Forschung werden.

Forscher alleine könnten alle Lebewesen auf dem Planeten niemals zählen
– mit der App ginge das: anymals macht normale Leute – Wanderer,
Hobby-Ornithologen oder Naturschutz-Aktivisten – zu „Citizen
Scientists“. Durch die Anbindung an die wissenschaftliche GBIF-Datenbank
haben anymals-Nutzer bereits heute Zugriff auf knapp 1,3 Millionen Arten
sowie mehr als 200 Millionen Beobachtungsdaten weltweit.

http://www.anymals.org/

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