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Großes Kaltwasserkorallen-Ökosystem im Golf von Mexiko entdeckt

Fliegenfänger-Seeanemone im Korallendickicht; Wassertiefe 500 – 600 Meter. Foto: MARUM, Universität Bremen

Großes Kaltwasserkorallen-Ökosystem im Golf von Mexiko entdeckt

Auf einer Expedition mit dem Forschungsschiff MARIA S. MERIAN entdeckte ein internationales Wissenschaftler-Team im südlichen Golf von Mexiko eines der weltweit größten bislang bekannten Kaltwasserkorallenriffe. Mit Hilfe eines unbemannten Tauchfahrzeugs stießen die Forscher in 500 bis 600 Metern Wassertiefe auf zahlreiche, zwanzig bis fünfzig Meter hohe Korallenhügel, die eine Fläche von mehr als vierzig Quadratkilometern bedecken. Das Team unter Leitung von Prof. Dierk Hebbeln berichtet in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Biogeosciences über seine Entdeckungen.

In kühlen tieferen Ozeanstockwerken lebende Kaltwasserkorallen stehen seit mehr als einem Jahrzehnt im Fokus der Meeresforschung. Auf Schiffsexpeditionen wurden etliche derartige Ökosysteme entdeckt: Von Norwegen entlang Europas und Nordafrikas bis Mauretanien und in verschiedenen Regionen des Mittelmeers, aber auch auf der anderen Seite des Atlantiks vor North-Carolina oder den Bahamas. Hinsichtlich der Biodiversität können es diese Tiefwasserkorallensysteme durchaus mit ihren Verwandten in tropisch-subtropischen Flachwasserzonen aufnehmen. Im südlichen Golf von Mexiko waren Kaltwasserkorallenfunde bislang indes eher selten. „Aus Echolot-Untersuchungen wussten wir allerdings, dass es von Mexiko hügelartige Strukturen gibt, die den Kaltwasserkorallen-Hügeln in anderen Regionen sehr ähneln.“ sagt Expeditionsleiter Prof. Dierk Hebbeln. Eine Ausfahrt mit der MARIA S. MERIAN im Frühjahr 2012 sollte genauere Aufschlüsse bringen.

Am 21. März erreichte das 95 Meter lange Forschungsschiff die Campeche-Bank etwa 140 Seemeilen nördlich der mexikanischen Halbinsel Yucatan. In den folgenden Tagen untersuchten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen rund 180 Quadratkilometer Meeresboden mit dem bordeigenen Fächerecholot; sie nahmen u.a. Wasser- und Bodenproben und ließen den mit Kamerasystemen und Greifarmen ausgerüsteten Tauchroboter MARUM-CHEROKEE zu Wasser. „Wir stießen auf bis zu 50 Meter hohe, längliche Hügel“, sagt Korallenexpertin Dr. Claudia Wienberg. Manche dieser Hügel erstrecken sich über eine Länge von mehr als tausend Meter. „Lebende Korallenkolonien besiedeln insbesondere die oberen Bereiche der Hügel“, sagt die MARUM-Forscherin. „Dort entdeckten wir regelrechte Korallendickichte. Die unteren Hangbereiche waren zumeist mit Korallenschutt oder weichem Sediment bedeckt.“

Videoaufzeichnungen belegen die Vielfalt und Schönheit dieses Ökosystems (siehe https://www.youtube.com/watch?v=mS6oV5pTeGc&list=UUAukXJMjnokP-n17GV80Jpg). In den lebenden Korallendickichten im oberen Bereich der Hügel tummeln sich Dornenkrabben, Seeigel, Seesterne, Schnecken und Seelilien. Unterhalb der Kammlagen prägen abgestorbene Korallenskelette das Bild. Sie sind Lebensraum für Glasschwämme und gelbe Seeanemonen.

„Das Korallenökosystem auf der Campeche-Bank ist in seiner Ausdehnung mit den großen norwegischen Riffen vergleichbar und zählt damit zu den größten Vorkommen weltweit“, sagt Prof. André Freiwald vom Forschungsinstitut Senckenberg am Meer, Wilhelmshaven. Kaltwasserkorallen ernähren sich von tierischem und pflanzlichem Plankton, das als winzige Partikel aus dem obersten, lichtdurchfluteten Meeresstockwerken in die Tiefe sinkt. „Die Versorgungslage im südlichen Golf ist geradezu perfekt: Hohe Produktion an der Meeresoberfläche und starke Bodenströmungen, die herabsinkende Nahrungspartikel in Richtung der Korallenhügel transportieren“, sagt Expeditionsteilnehmer Freiwald. „Zudem fanden wir in 520 Meter Wassertiefe, also genau dort, wo die Korallen leben, Dichtesprünge. Diese unsichtbare Grenze zwischen den Wassermassen verlangsamt das Absinken von Nahrungspartikeln aus dem obersten Ozeanstockwerk und verbessert die Chance der Korallen, diese Nahrung mit ihren Tentakeln zu fangen.“

Unklar bleibt, seit wann die Kaltwasserkorallen die Campeche-Bank besiedeln. Vergleichbar hohe Korallenhügel vor Irland entstanden bereits vor mehr als zwei Millionen Jahren während Korallenhügel vor Norwegen seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren anwuchsen. „Aus der Höhe der Hügel auf das Alter zu schließen, wäre allzu spekulativ“, sagt Dierk Hebbeln, Erstautor des jetzt erschienen Papers. „Dazu bedarf es weiter gehender Untersuchungen.“

Wissenschaftlicher Artikel:
D. Hebbeln, C. Wienberg, P. Wintersteller, A. Freiwald, M. Becker, L. Beuck, C. Dullo, G. P. Eberli, S. Glogowski, L. Matos, N. Forster, H. Reyes-Bonilla, M. Taviani, and the MSM 20-4 shipboard scientific party:
Environmental forcing of the Campeche cold-water coral province, southern Gulf of Mexico
In: Biogeosciences, 11, 1799–1815, 2014; doi:10.5194/bg-11-1799-2014

Quelle Marum:
http://www.marum.de/Groszes_Kaltwasserkorallen-Oekosystem_im_Golf_von_Mexiko_entdeckt.html

Kaltwasserkorallen dokumentieren Umweltveränderungen

Kaltwasserkorallen dokumentieren Umweltveränderungen

Korallen bauen ihre Skelette aus Kalk und reagieren daher besonders sensibel auf die zunehmende Versauerung der Ozeane. Mit Hilfe von präzisen Messungen haben Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel jetzt herausgefunden, dass Kaltwasserkorallen bestimmte Elemente in Abhängigkeit vom pH-Wert ihrer Umgebung in ihre Skelette einbauen. Diese Entdeckung kann zur Rekonstruktion vergangener pH-Werte genutzt werden. Die Studie erscheint jetzt in der Fachzeitschrift Biogeosciences.

Ansteigende Konzentrationen von Kohlenstoffdioxid (CO2) in den Ozeanen können eine Bedrohung für marine Lebewesen sein. Denn ein erhöhter CO2-Gehalt des Wassers lässt den sogenannten pH-Wert des Wassers sinken; das Wasser wird saurer. Dies bedeutet eine Beeinträchtigung von marinen Lebewesen die ihre Schalen oder Skelette aus Karbonat bauen, weil versauerte Ozeane Karbonate auflösen können. Ein besseres Verständnis der Meerwasserchemie soll dabei helfen, Steuerungsprozesse im Karbonatsystem der Ozeane aus der Vergangenheit und für die Zukunft besser zu verstehen. Dr. Jacek Raddatz vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel hat zusammen mit Kollegen vom GEOMAR und aus Belgien untersucht, wie der pH-Wert des Meerwassers und der Aufbau der Korallen zusammenhängen. Die Ergebnisse wurden jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Biogeosciences veröffentlicht.

Für ihre Studie entnahmen die Forscher lebende Korallen der Art Lophelia pertusa sowie Wasserproben im nordöstlichen Atlantik und im Mittelmeer. An den Wasserproben wurde der pH-Wert bestimmt, so dass ein genaues Bild des Lebensraums der Korallen entstand. Aus den Korallen wurden Proben gebohrt, die anschließend im Labor genauer untersucht wurden. Dabei interessierte die Wissenschaftler vor allem der Gehalt der Elemente Uran und Kalzium, das so genannte U/Ca Verhältnis. Durch einen Vergleich beider Analysen kamen die Forscher etwas Interessantem auf die Spur. „Die Beziehung zwischen dem U/Ca Verhältnis und dem pH-Wert ist sehr eng“, berichtet Dr. Raddatz, Erstautor der aktuellen Studie. „Folglich könnten wir aufgrund dieser Erkenntnisse Korallenproben analysieren und aus dem U/Ca Verhältnis den pH-Wert der Vergangenheit berechnen. Das ist eine neue Methode für Kaltwasserkorallen und könnte eine Alternative zur Bor-Isotopie sein, die in der Analyse extrem zeitaufwändig ist. Die Kombination beider Verfahren (U/Ca-Verhältnisse und Bor-Isotopie) wird uns zukünftig ein detaillierteres Verständnis der Meerwasserchemie erlauben“, sagt der Wissenschaftler. Aktuell ist es schwer, die Folgen der bereits messbaren Ozeanversauerung abzuschätzen. Ein Blick in die Vergangenheit könnte dabei helfen. Wie haben sich diese Systeme in der Vergangenheit verändert und welchen Einfluss hatte das auf Kaltwasserkorallen? Diesen Fragestellungen wollen Dr. Raddatz und seine Kollegen weiter nachgehen.

Die jetzt veröffentlichte Studie baut auf einer Arbeit vom GEOMAR Kollegen Dr. Sascha Flögel auf, die bereits Anfang des Jahres in der Fachzeitschrift Deep-Sea Research veröffentlicht wurde. Darin untersuchte Dr. Flögel zusammen mit Kollegen aus Großbritannien und Belgien, welche Umweltbedingungen für rezente Kaltwasserkorallen ideal sind. Dabei untersuchten die Forscher Proben aus Norwegen, Schottland, Irland, Frankreich, Spanien, Mauretanien und dem Mittelmeerraum. Ihre Ergebnisse geben einen Überblick, welches die bevorzugten physikalischen und chemischen Bedingungen für das Wachsen und Auftreten von Kaltwasserkorallen in den Arbeitsgebieten sind. „Ein entscheidender Parameter für das Wachstum von Kaltwasserkorallen im östlichen Atlantik und im Mittelmeer ist die Konzentration von anorganischem Kohlenstoff im Bodenwasser“, berichtet Dr. Flögel. Der Begriff anorganischer Kohlenstoff fasst verschiedene Kohlenstoff-Arten zusammen. „Dieser Gehalt ist regional verschieden und definiert daher, wo Kaltwasserkorallen wachsen können“, berichtet Dr. Flögel weiter. Neben dem Gehalt von anorganischem Kohlenstoff bestimmten die Wissenschaftler auch den pH-Wert des Wassers an den verschiedenen Lokationen. Diese Ergebnisse bildeten die Grundlage für die neu erschienene Studie in der Fachzeitschrift Biogeosciences.

Der Zusammenhang zwischen dem pH-Wert des Meerwassers als Maß für die zunehmende Ozeanversauerung und der Verbreitung von Kaltwasserkorallen bleibt ein spannendes Arbeitsgebiet. Als Teil des Gesamtprojekts hat Dr. Raddatz zusammen mit Kollegen mehrere Korallen vom Challenger Mound im nordöstlichen Atlantik untersucht. Der Challenger Mound wird von zahlreichen Kaltwasserkorallen bedeckt, die zusammen genommen die vergangenen drei Millionen Jahre abdecken. „Eine Untersuchung dieses Archivs im Hinblick auf pH-Veränderungen des Meerwassers wäre eine spannende Aufgabe“, fasst Dr. Raddatz zusammen. „Unsere neu entwickelte Methode um pH-Werte der Vergangenheit zu rekonstruieren, bietet dafür eine einzigartige Möglichkeit“.

Originalarbeiten:
Raddatz, J., Rüggeberg, A., Flögel, S., Hathorne, E. C., Liebetrau, V., Eisenhauer, A., and Dullo, W.-Chr. (2014): The influence of seawater pH on U / Ca ratios in the scleractinian cold-water coral Lophelia pertusa, Biogeosciences, 11, 1-9, 1863-1871, http://dx.doi.org/10.5194/bg-11-1863-2014

Flögel, S., Dullo – W.-Chr., Pfannkuche ,O., Kiriakoulakis, and Rüggeberg, A. (2014): Geochemical and physical constraints for the occurrence of living cold-water corals. Deep-Sea Research II: Topical Studies in Oceanography, 99, 19-26, http://dx.doi.org/10.1016/j.dsr2.2013.06.006

Raddatz, J., Rüggeberg, A., Liebetrau, V., Foubert, A., Hathorne, E. C., Fietzke, J., Eisenhauer, A., and Dullo, W.-Chr. (2014): Environmental boundary conditions of cold-water coral mound growth over the last 3 million years in the Porcupine Seabight, Northeast Atlantic, Deep Sea Research Part II: Topical Studies in Oceanography, 99, 227-236, http://dx.doi.org/10.1016/j.dsr2.2013.06.009

Links:
http://www.rcmg.ugent.be/ Renard Zentrum für Marine Geologie, Universität Genf
http://www.unifr.ch/geoscience/geology/ Fachbereich Geowissenschaften, Universität Freiburg
https://ees.kuleuven.be/ Fachbereich Erd- und Umweltwissenschaften, KU Löwen

Ozeanversauerung macht Ostsee-Foraminiferen im Experiment wenig aus

Im Schutz des Meeresbodens: Einzeller tolerieren Ozeanversauerung

GEOMAR-Forscher simulieren zukünftige Klimaszenarien

Der Gehalt von atmosphärischen Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid (CO2) steigt kontinuierlich an. Durch die Aufnahme von CO2 aus der Atmosphäre versauern die Ozeane zunehmend. Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigen in einer aktuellen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie, dass kalkbildende Einzeller, sogenannte Foraminiferen, unter bestimmten Bedingungen auch mit sehr hohen CO2-Werten gut umgehen können. Die Ergebnisse sind jüngst in der internationalen Fachzeitschrift Biogeosciences erschienen.

Die Meere werden immer saurer. Diese Tatsache ist auf einen stetig steigenden, atmosphärischen CO2-Gehalt zurückzuführen. Durch den permanenten Gasaustausch zwischen Atmosphäre und Ozean führt das auch zu einer erhöhten CO2-Konzentration im Meer. Hier reagiert das gelöste CO2 mit dem Wasser zu Kohlensäure. Als Folgen dieser Reaktion sinkt der pH-Wert im Meer und die Konzentration von Karbonat nimmt ab. Diese Veränderung der Meereschemie trifft besonders Organismen, welche Karbonat zum Aufbau ihrer Kalkschalen und -skelette benötigen. Daher wird erwartet, dass auch die sogenannten Foraminiferen, Einzeller die ihre Schalen aus Karbonat aufbauen, besonders stark betroffen sind. So wurde in früheren Studien ein verringertes Wachstum beobachtet, im schlimmsten Fall löste sich die komplette Schale der Foraminiferen auf. Dr. Kristin Haynert vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel konnte jetzt jedoch, zusammen mit ihren GEOMAR-Kollegen Dr. Jörn Thomsen und Dr. Joachim Schönfeld (Projektleiter), sowie weiteren Kollegen aus Frankreich und Trinidad in einer Studie zeigen, dass Foraminiferen unter bestimmten Voraussetzungen sehr gut mit den erhöhten CO2 Bedingungen zurechtkommen. Die Studie erschien jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Biogeosciences.

Dr. Haynert und ihre Kollegen haben sich mit den Effekten erhöhter CO2-Werte auf Foraminiferen in der Ostsee beschäftigt. In diesem Randmeer leben die Einzeller auf oder im Meeresboden. „In einer früheren Feldstudie konnten wir bereits beobachten, dass die Foraminiferen am Boden der Ostsee schon heute höheren CO2 Gehalten ausgesetzt sind, als es für die Ozeane für das Jahr 2100 erwartet wird. Nach dem bisherigen Kenntnisstand müssten diese Bedingungen dazu führen, dass sich ihre Schalen auflösen“, berichtet Dr. Haynert.

Um die Langzeitfolgen der Ozeanversauerung im Labor zu untersuchen, wählten Dr. Haynert und ihre Kollegen einen bisher einmaligen experimentellen Ansatz. Im Gegensatz zu früheren Laborstudien entfernten sie die Foraminiferen nicht aus dem Sediment, sondern hielten sie erstmals über sechs Monate in ihrem weitgehend naturgetreuen Lebensraum unter erhöhten CO2-Werten. Die gewählten CO2-Level entsprachen den gegenwärtig beobachteten CO2-Werten sowie Bedingungen, die zukünftig in der Ostsee erwartet werden. Das überraschende Ergebnis: Umgeben und geschützt vom Sediment tolerieren die Einzeller sehr hohe CO2-Werte.

Für die anpassungsfähigen Foraminiferen ist eine entscheidende Voraussetzung notwendig: In den obersten Zentimetern des Meeresbodens muss eine hohe Konzentration an Karbonat vorhanden sein. Entscheidend hierfür ist der Umstand, dass Abbauprozesse im Sediment sowohl Sauerstoff verbrauchen, gleichzeitig aber auch Karbonat erzeugen. Deshalb ist die Konzentration von Karbonat im sogenannten Porenwasser deutlich höher als im darüber liegenden Wasser. Die Folge: Der Lebensraum der Foraminiferen ist nur selten untersättigt in Bezug auf Karbonat. „Auf diese Weise sind die Schalen vor starker Auflösung geschützt und die Foraminiferen besiedeln einen Lebensraum, der es ihnen erlaubt auch unter hohen CO2 Konzentrationen zu überleben. Ein entscheidender Umstand, der in früheren Studien übersehen wurde“, so Dr. Haynert.

Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die Notwendigkeit, die natürlichen Prozesse im Lebensraum bodenlebender Organismen zu verstehen, um die Folgen des Klimawandels besser abschätzen zu können.

Originalarbeit:
Haynert, K., Schönfeld, J., Schiebel, R., Wilson, B., and Thomsen, J. (2014): Response of benthic foraminifera to ocean acidification in their natural sediment environment: a long-term culturing experiment, Biogeosciences, 11, 1581-1597, http://dx.doi.org/10.5194/bg-11-1581-2014

Klimawandel: Erwärmung führt bereits zu deutlichen Veränderungen der Weltmeere

Klimawandel: Erwärmung führt bereits zu deutlichen Veränderungen der Weltmeere

Der aktuelle und projizierte Klimawandel verändert die Lebensbedingungen in den Ozeanen schneller als während vergleichbarer Ereignisse in den zurückliegenden 65 Millionen Jahren. Zu dieser Einschätzung kommt AWI-Biologe Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, der ab morgen an der Abstimmungsrunde zum zweiten Teil des fünften Weltklimaberichtes im japanischen Yokohama teilnehmen wird. Der Experte vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), hat gemeinsam mit seinem US-amerikanischen Kollegen David Karl die Arbeiten zum Kapitel „Ozeanische Systeme“ geleitet. Es fasst das Wissen über die bereits beobachteten und künftigen Folgen des Klimawandels für das Leben in den Weltmeeren zusammen.

„Es ist das erste Mal, dass der Weltklimarat IPCC dem Thema Ozeane so viel Beachtung schenkt. Gleich zwei Kapitel des fünften Sachstandsberichtes, Teil zwei, widmen sich den klimabedingten Veränderungen der Weltmeere und deren Folgen. Das von uns koordinierte Kapitel 6 betrachtet den Wandel und mögliche Anpassungsoptionen aus der globalen Perspektive, Kapitel 30 beschreibt die Veränderungen in ausgewählten Ozeanregionen“, sagt Hans-Otto Pörtner.

Fast dreieinhalb Jahre lang haben er und ein internationales Autorenteam die gesamte Forschungsliteratur zum Thema gesichtet. Sie haben Datensätze, Methoden und Ergebnisse miteinander verglichen, die Aussagekraft der wissenschaftlichen Argumente und Prognosen überprüft und bewertet, Risiken definiert sowie Unsicherheiten und Wissenslücken herausgearbeitet.

„Infolge des Klimawandels wirken drei Faktoren, welche die Lebensbedingungen für Fische, Säugetiere, Algen und andere Meeresbewohner verändern. Der stärkste Treiber ist momentan die Meereserwärmung. Sie führt schon jetzt zu deutlichen Veränderungen. So beobachten wir zum Beispiel, dass Fischarten wie der Kabeljau ihren Lebensraum polwärts verlagern. Der zweite Faktor, die Ozeanversauerung, wird den Prognosen zufolge in den nächsten Jahrzehnten an Bedeutung gewinnen und deutliche Auswirkungen auf globaler Ebene und in einzelnen Ökosystemen haben. An dritter Stelle folgt die zunehmende Sauerstoffarmut. Ihre Folgen spüren wir zum Beispiel in den Küstenregionen, wo die Zahl extrem sauerstoffarmer Zonen deutlich zugenommen hat“, sagt Hans-Otto Pörtner.

Im 5. IPCC-Sachstandsbericht, der am 31. März 2014 um 9 Uhr Ortszeit in Yokohama veröffentlicht wird, werden die Wissenschaftler Zahlen und Fakten für diese Veränderungen nennen, Prognosen abgeben und aufzeigen, welche Risiken und Kosten der Wandel mit sich bringen wird. Zuvor aber geht es für die führenden IPCC-Autoren in der morgen beginnenden Abstimmungsrunde darum, die von ihnen geschriebene „Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger“ gemeinsam mit Regierungsvertretern Zeile für Zeile abzustimmen. „Wir streben in der Diskussion einen Konsens zwischen Regierungen und Wissenschaft an“, so Hans-Otto Pörtner.

AWI-Hintergrundmaterial:
Verständlich aufbereitetes Hintergrundmaterial zu den Folgen des Klimawandels für die Weltmeere allgemein sowie für den Arktischen Ozean, das Südpolarmeer und die Nordsee im Speziellen finden Sie in unseren AWI-Fact Sheets unter: http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/hintergrund/ipcc/

Dem Tiefseefisch tief in die Augen geschaut

Dem Tiefseefisch tief in die Augen geschaut

Eberhard Karls Universität Tübingen

Anatom der Universität Tübingen entdeckt bisher unbekannten Typ von Spiegelaugen bei dem Gespensterfisch Rhynchohyalus natalensis

Wissenschaftler haben einen Tiefseefisch mit einer einzigartigen und neuen Augenform entdeckt: Der Rhynchohyalus natalensis, ein Gespensterfisch, lebt in 800 bis 1000 Metern Tiefe und besitzt als Erweiterung seiner nach oben gerichteten Röhrenaugen sogenannte „Spiegelaugen“, wie Professor Hans-Joachim Wagner vom Anatomischen Institut der Universität Tübingen berichtet. Der Wissenschaftler hatte das 18 Zentimeter lange Exemplar aus der südlichen Tasmanischen See zwischen Australien und Neuseeland im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts untersucht.

Sein Befund war unerwartet: Spiegelaugen sind sonst nur bei Wirbellosen wie Muscheln oder Krebstieren bekannt ‒ und bisher bei einem einzigen Wirbeltier, dem Tiefseefisch Dolichopteryx longipes. Durch eine Art „Spiegeloptik“ aus Guaninkristallen ermöglichen sie diesen Tiefseebewohnern ein fokussiertes Bild auf einer Nebenretina abzubilden und auf diesem Wege das eingeschränkte Gesichtsfeld der „Röhrenaugen“ wesentlich zu erweitern.

Der neu untersuchte Rhynchohyalus natalensis ist somit das zweite bekannte Wirbeltier überhaupt, das Spiegelaugen besitzt. Doch als Wagner dem Gespensterfisch noch tiefer in die Augen schaute, erwartete ihn eine weitere Überraschung: Obwohl die Fische eng miteinander verwandt sind, sind die Spiegelstrukturen in den Augen völlig unterschiedlich aufgebaut und haben sich aus verschiedenen Geweben entwickelt. Demnach hat sich bei zwei verwandten Arten auf verschiedenen Wegen eine ähnliche Lösung gefunden, um die Funktion der „Röhrenaugen“ zu ergänzen und das Gesichtsfeld der Tiefseebewohner zu erweitern.

Da nur wenig Sonnenlicht in den Tiefen des Ozeans ankommt, haben manche Tiefseefische die nach oben gerichteten Röhrenaugen entwickelt. So sehen sie in Richtung Wasseroberfläche und nehmen zum Beispiel andere Tiere als Silhouetten gegen das restliche Sonnenlicht wahr. Bis in einige Hundert Meter tief unter die Wasseroberfläche dringt nur noch sehr wenig Sonnenlicht vor – allerdings ist es dort nicht so dunkel, wie man lange angenommen hat, weil viele Organismen in der Tiefe selbst Licht erzeugen (Biolumineszenz). Wie Wagner bereits erforscht hatte, sind die Augen des Gespensterfischs Dolichopteryx longipes optimal an diese Bedingungen angepasst: Mit den konventionellen Röhrenaugen werden Objekte oberhalb wahrgenommen, während in seitlichen Aussackungen der Röhrenaugen mit den Spiegeln zusätzlich auch das gesehen werden kann, was seitlich und unterhalb von ihm passiert.

Beim dem neu untersuchten Gespensterfisch ähnelten die Augen nur oberflächlich denen seines Verwandten: Bei Dolichopteryx longipes entstammen die Kristalle des Spiegels aus einer Pigmentschicht der Netzhaut. Sie haben abhängig von ihrer Position im Spiegel verschiedene Reflexionswinkel; im seitlichen Querschnitt besitzt der Spiegel mehrere Stufen. Bei Rhynchohyalus natalensis hingegen sind die Kristalle anders angeordnet. „Hier bildet sich der Spiegel aus der Silberhaut des Auges, die Kristalle im Spiegel sind fast parallel zur Spiegeloberfläche orientiert“, beschreibt Anatom Wagner. Mithilfe von Modellen konnte er feststellen, dass diese Art Spiegel ein helles, recht scharfes Bild auf der Netzhaut des Fisches erzeugt. „Offenbar ist ein weites Gesichtsfeld auch in der Tiefsee von Vorteil, wenn sich ähnliche Strukturen unabhängig voneinander entwickeln.“

Publikation:
Julian Partridge, Ron Douglas, Justin Marshall, Wen-Sung Chung, Thomas Jordan, Hans-Joachim Wagner: “Reflecting optics in the diverticular eye of a deep-sea barreleye fish (Rhynchohyalus natalensis).” Proceedings of the Royal Society B, 19. März 2014.

Spuren des Klimawandels im Agulhasstrom

Spuren des Klimawandels im Agulhasstrom
– GEOMAR-Forscher nutzen Korallen als hochauflösende Temperaturarchive –

18.03.2014/Kiel. Korallen sind sehr gut geeignet, um Meeresoberflächentemperaturen aus der Vergangenheit mit hoher Genauigkeit zu rekonstruieren und so auch Veränderungen von Meeresströmungen nachzuvollziehen. Mit Hilfe von besonders präzisen Messungen an Korallen aus dem südwestlichen Indischen Ozean konnten Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel jetzt nachweisen, dass der Agulhasstrom vor der Ostküste Südafrikas in den vergangenen drei Jahrzehnten wärmer war, als in den 300 Jahren zuvor. Die Studie erscheint jetzt in der Fachzeitschrift Nature Scientific Reports.

Der Agulhasstrom im westlichen Indischen Ozean ist ein wichtiger Kontrollmechanismus für Wetter und Klima, sowohl regional als auch global. Der Strom transportiert Wärme in den südlichen Indischen Ozean und in den Südatlantik und beeinflusst so auch die globale thermohaline Zirkulation, zu der auch der für Europa wichtige Golfstrom gehört. Prof. Dr. Christian Dullo vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel hat sich zusammen mit Kollegen aus Australien, Südafrika und Großbritannien mit den Steuerungsmechanismen des Agulhasstroms beschäftigt. Mit Hilfe von Korallen konnten sie nachweisen, wie sich die Temperaturen im Agulhasstrom in den vergangenen 300 Jahren verändert haben. Gleichzeitig ist die Studie ein Beleg dafür, dass Korallen zuverlässige Datenarchive für Oberflächentemperaturen des Meeres sind. Denn die aus den Korallen ermittelten Oberflächentemperaturen der vergangenen Jahrzehnte stimmen sehr gut mit direkt gemessenen Temperaturen in der Region überein. Die Ergebnisse der Studie erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift Nature Scientific Reports.

Professor Dullo und sein ehemaliger Doktorand Dr. Jens Zinke von der University of Western Australia entnahmen 1995 vor der Südküste Madagaskars und vor der Ostküste von Südafrika gezielt Proben aus Korallenriffen. Ähnlich wie die Jahresringe von Bäumen bilden Korallen je nach Umweltbedingungen Wachstumsringe, die den Wissenschaftlern eine gezielte Analyse ermöglichen. Die Wachstumsgeschwindigkeiten der Korallen variieren dort zwischen einem und anderthalb Zentimetern pro Jahr. „Diese hohen Wachstumsgeschwindigkeiten bedeuten eine sehr gute zeitliche Auflösung. Somit konnten wir Temperaturveränderungen im Jahresgang beobachten und gut mit den instrumentellen Aufzeichnungen der jüngsten Zeit vergleichen“, erklärt der Geologe Dullo. Die Korallen zeigen eine Abkühlung während der so genannten Kleinen Eiszeit (1670-1720), folglich war die Intensität des Agulhasstroms zu dieser Zeit deutlich geringer und es wurde weniger Wärme in den südlichen Indischen Ozean und in den Südatlantik transportiert. Außerdem zeigen die Korallen eine Verstärkung des Agulhasstroms im 19. und 20. Jahrhundert, verbunden mit einer Erwärmung in der Region.

In einer zweiten, bereits Anfang Februar in der Fachzeitschrift Climate Dynamics erschienenen Studie untersuchten Dr. Zinke und Prof. Dullo zusammen mit dem GEOMAR-Klimaforscher Dr. Wonsun Park und weiteren Kollegen von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, aus Australien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, ob und in wieweit sich die von den Korallen aufgezeichneten Temperaturen zwischen den Sommermonaten und den Wintermonaten unterscheidet. „Starke Unterschiede zwischen Sommer- und Wintertemperaturen zeugen von großen Schwankungen in der Monsunaktivität“, erklärt Professor Dullo, „und der Monsun spielt für das Klima des Indischen Ozeans eine zentrale Rolle“. Vor 5.000-6.000 Jahren zeigen die Korallen nur geringe Unterschiede zwischen Sommer und Winter, dieses Phänomen wiederholt sich vor 2.000 Jahren. Extreme saisonale Unterschiede beobachteten die Forscher hingegen vor 4.600 Jahren und zwischen 1990 und 2003. In diesen 13 Jahren war die Saisonalität am höchsten im gesamten Datensatz für die letzten 6.200 Jahre. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich in den Ergebnissen das verstärkte Auftreten von natürlichen Klimaschwankungen wie El Niño niederschlägt.

„Dank der Korallenanalysen haben wir jetzt ein gutes, sehr fein aufgelöstes Bild vom Wetter- und Klimageschehen im Südwest-Indik während der vergangenen 300 Jahre“, fasst Professor Dullo die Ergebnisse der Studien zusammen. Die Ergebnisse der Studie von den Seychellen deuten darüber hinaus an, dass Klimaschwankungen wie El Niño in ihrer Häufigkeit zunehmen und diese Signale auch von den Korallen aufgezeichnet werden.“ Professor. Dullo warnt: „Die in den Korallen aufgezeichneten erhöhten Temperaturen deuten klar auf die globale Erwärmung hin. Wir können also in dieser Hinsicht auf Grundlage unserer Daten keine Entwarnung geben.“

Originalarbeiten:
Zinke, J., Loveday, B. R., Reason, C.J.C., Dullo, W.-C. Dullo und Kroon, D.: Madagaskar corals track sea surface temperature variability in the Agulhas Current core region over the past 334 years. Nature Scientific Reports.
http://dx.doi.org/10.1038/srep04393

Zinke, J., Pfeiffer, M., Park, W., Schneider, B., Reuning, L., Dullo, W.-Chr., Camoin, G.F., Mangini, A., Schroeder-Ritzrau, A., Garbe-Schönberg, D. und Davies, G.R. (2014): Seychelles coral record of changes in sea surface temperature bimodality in the western Indian Ocean from the Mid-Holocene to the present. Climate Dynamics, Springer-Verlag Berlin Heidelberg.
http://dx.doi.org/10.1007/s00382-014-2082-z

Links:
www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Schweinswale und Seevögel: Opfer verheerender grüner Umweltpolitik

Schweinswale und Seevögel: Opfer verheerender grüner Umweltpolitik

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) und der NABU Schleswig-Holstein warnen vor massiven Verlusten von Schweinswalen und Seevögeln in Stellnetzen entlang der Küsten Schleswig-Holsteins in diesem Jahr. Der Grund: Die Vereinbarung über eine freiwillige Netzreduktion, die der grüne Umweltminister Robert Habeck mit dem Landesfischereiverband und dem Fischereischutzverband im vergangenen Jahr getroffen hat, geht an den Schutzbedürfnissen völlig vorbei.

Wiederholt hatten Umwelt- und Naturschutzorganisationen Umweltminister Robert Habeck scharf wegen der Vereinbarung angegriffen und sie als „umweltpolitische Bankrotterklärung eines grünen Umweltministers“ bezeichnet.

Die Beobachtung auf einer Wasservogelzählung Mitte März zwischen Neuland und Hohwacht bestätigt die Befürchtungen der Umweltschützer. Vom Hohwachter Steilufer aus waren ca. 7.000 Eiderenten, 11.700 Trauerenten, 19 Sterntaucher und 4 Gruppen mit Schweinswalen zu beobachten. Die seltenen Kleinen Tümmler waren im flachen Wasser etwa 100m bis 1500m vor der Küste auf der Jagd nach Fischen.

Doch ausgerechnet in diesem Gebiet, wo sich von Oktober bis Anfang April zahlreiche Wasservögel und aktuell auch Schweinswale aufhielten, hatten Fischer 7 Stellnetze ausgebracht, 3 davon im Bereich von Lippe bis Hohwacht, wo die Schweinswale jagten.

Bereits diese eine Wasservogelzählung hat gezeigt, dass die Rahmenbedingungen, die in der freiwilligen Vereinbarung festgehalten sind, nicht ausreichen, um das Ertrinken von Walen und Wasservögeln zu reduzieren, solange Zeiten mit großen Wasservogelbeständen und größeren Schweinswalvorkommen nicht unter ein umfassendes Stellnetzverbot fallen. „Stellnetze dürften derzeit auf der Gesamtstrecke von Neuland über Hohwacht bis Weißenhaus gar nicht stehen“, fordert Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer des NABU Schleswig-Holstein.

So endet die die Vereinbarung zwischen Umweltministerium und Fischereierbänden für den Schutz von Seevögeln einerseits bereits am 1. März, zu einer Zeit, in der rastende Wasservögel ihr Maximum erst erreichen, während sie andererseits für Schweinswale offenbar willkürlich nur auf die Sommermonate Juli und August beschränkt ist.

„Es ist erschütternd, dass ausgerechnet ein grüner Umweltminister eine für Meerestiere derart fatale Entscheidung getroffen hat. Die freiwillige Vereinbarung zur Reduktion von Tierverlusten in Stellnetzen ist eine umweltpolitische Katastrophe. Sie wird unweigerlich zu massiven Verlusten an Seevögeln und Schweinswalen führen. Ein CDU-Minister hätte das auch nicht schlechter hinbekommen“, meint der Biologe Ulrich Karlowski von der GRD.

http://www.delphinschutz.org/delfine/gefahren-f%C3%BCr-delfine/fischerei/nachrichten-uebersicht/722-warnung-vor-massiven-verlusten-von-schweinswalen-und-seev%C3%B6geln-in-der-ostsee

Weitere Infromationen:
– Grüner Umweltminister setzt Schweinswal-Schutz auf Null
– Schweinswalschützerin erhält Yves Rocher-Umweltpreis für Frauen
– Strategien zur Vermeidung von Beifang von Seevögeln und Meeressäugetieren in der Ostseefischerei (pdf)

Kontakt NABU S-H:
Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer NABU Schleswig-Holstein, Tel. 04321-953073

Gratis-App misst globale Planktonbestände

Gratis-App misst globale Planktonbestände

Forschungsprojekt setzt auf Seefahrer zur Datensammlung

Plymouth: Wissenschaftler des Marine Institute der
Plymouth University (http://plymouth.ac.uk/marine)haben eine neuartige App namens „Secchi“ entwickelt, mit der die weltweiten Bestände an Phytoplankton neu vermessen werden sollen. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, setzen die
Forscher auf das gebündelte Engagement seefahrender Handy- und Tablet-User.
Diese können selbst Teil des globalen wissenschaftlichen Projekts werden, indem sie kostenlos das entsprechende Programm herunterladen, auf ihren iOS- oder Android-Geräten installieren und damit auf ihren Reisen über die Weltmeere wertvolle Daten über die winzigen Planktonteilchen und die Effekte des Klimawandels sammeln.

http://www.youtube.com/watch?v=UclDzVAxfSQ
Showing how to use the Secchi App from Plymouth University. See www.secchidisk.org for more details.

Weiterlesen…
Pressetext Austria (pte)
http://www.pressetext.com/news/20140313004

Ressourcen aus dem Meer: Löst der Ozean die Rohstoffprobleme der Zukunft?

Ressourcen aus dem Meer: Löst der Ozean die Rohstoffprobleme der Zukunft?

Resources from the Sea: Can the ocean solve the resource problems of the future?

maribus veröffentlicht mit dem »World Ocean Review 3« eine profunde Analyse über die Chancen und Risiken einer Nutzung der Ozeane

Der Hunger der Menschheit nach Rohstoffen hält unvermindert an. Der Ölverbrauch hat sich seit Anfang der 1970er Jahre verdoppelt, und auch die Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen steigt mit dem zunehmenden Einsatz von Metallen wie Kupfer, Nickel oder Kobalt in elektronischen Produkten wie Smartphones, Solarzellen oder Hybridautos. Die Rohstoff- Vorkommen in den Tiefen der Ozeane rücken dabei immer mehr in den Fokus des Interesses. Doch wann ist ein Abbau wirtschaftlich? Welche Umweltrisiken müssen bedacht werden? Und wer darf die Lagerstätten in internationalen Gewässern für sich beanspruchen?

Der »World Ocean Review 3 – Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken« (WOR 3), herausgegeben von der gemeinnützigen Organisation maribus gGmbH und mit Unterstützung der Zeitschrift »mare«, des International Ocean Instituts (IOI) und des Exzellenzclusters »Ozean der Zukunft«, beschreibt ausführlich die bekannten metallischen und energetischen Rohstoffe in den Ozeanen und beleuchtet – wissenschaftlich fundiert und für Laien verständlich geschrieben – die Chancen und Risiken des Abbaus und der Nutzung von Rohstoffen. Der neue Report liefert Fakten über die Menge an bekannten Öl- und Gasvorkommen und der festen Gashydratvorkommen unterhalb des Meeresbodens. Ferner geht es um das Potenzial von mineralischen Rohstoffen wie Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden. Darüber hinaus thematisiert der WOR 3 die Verantwortung der internationalen Staatengemeinschaft für einen umweltverträglichen Abbau und die völkerrechtliche Herausforderung, für eine sozial gerechte Verteilung der Ressourcen in internationalen Gewässern zu sorgen.

»Die Nutzung des Ozeans wird in der Zukunft zunehmen. Für eine umweltverträgliche Ressourcengewinnung aus dem Meer und aus dem Küstenraum gilt es, dass alle Akteure gemeinsam an möglichst nachhaltigen Lösungswegen arbeiten«, sagt Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Sprecher des Kieler Exzellenzclusters »Ozean der Zukunft«.

Im Gegensatz zu schnell nachwachsenden Ressourcen wie etwa Fischen oder Muscheln entstehen mineralische und energetische Ressourcen aber nur im Laufe von vielen Millionen Jahren. Es gibt eine endliche Menge dieser Ressourcen, die nur mit hohem technischen Aufwand gefördert werden können.

»Wenn abseits unserer Wahrnehmung riesige Geschäfte locken, dann gerät nicht nur die Umwelt in Gefahr, sondern auch elementare Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Insbesondere Großkonzerne, die seit Jahren in Westafrika Öl fördern, sahen in der Vergangenheit weder im Schutz der Natur noch in einer fairen Teilhabe der Bevölkerung an den Erlösen aus dem Ölgeschäft eine Notwendigkeit«, sagt Nikolaus Gelpke, mare-Verleger und Gründer von maribus gGmbH.

Hintergrund

Die maribus gGmbH wurde 2008 von mare-Verleger Nikolaus Gelpke ins Leben gerufen. Sie dient als gemeinnützige Organisation dem Zweck, die Öffentlichkeit für meereswissenschaftliche Zusammenhänge zu sensibilisieren und zu einem wirkungsvolleren Meeresschutz beizutragen. Bereits mit der ersten maribus-Veröffentlichung, dem »World Ocean Review 1« (WOR 1), ist ein umfassender und einzigartiger Bericht gelungen, der den Zustand der Weltmeere und die Zusammenhänge zwischen dem Ozean und den ökologischen, ökonomischen und gesellschaftspolitischen Beziehungen aufzeigt. Bis heute wurden rund 70.000 Exemplare dieser Gesamtübersicht in deutscher und englischer Sprache weltweit nachgefragt.

Auch bei der dritten maribus-Publikation »Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken« konnte die Zusammenarbeit mit den Partnern des WOR weitergeführt werden; sie stehen für jahrelanges Engagement für die Meere und höchstes wissenschaftliches Niveau:

– das International Ocean Institut (IOI), 1972 von Elisabeth Mann-Borgese gegründet,
– der Kieler Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft«, ein Verbund von mehr als 200 Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen, getragen von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) und der Muthesius Kunsthochschule, und gefördert von Bund und Ländern im Rahmen der Exzellenzinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), sowie – mare – Die Zeitschrift der Meere.

Der »World Ocean Review 3« erscheint in einer Auflage von 45.000 Exemplaren (deutsch/englisch). Die Publikation wird nicht verkauft, sondern gratis abgegeben. Eine Gewinnerzielungsabsicht gibt es nicht. Er ist zu beziehen über www.worldoceanreview.com. Neben der deutschen Fassung ist in Kürze auch eine englischsprachige Ausgabe erhältlich. Die gesamte Publikation wird zeitgleich im Internet unter www.worldoceanreview.com erscheinen.

»World Ocean Review 3 – Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken«, hrsg. v. , Hamburg 2014, 164 Seiten, mit zahlreichen Grafiken und Fotografien, broschiert.

Links:
www.worldoceanreview.de
www.mare.de
www.ozean-der-zukunft.de
www.geomar.de

Resources from the Sea: Can the ocean solve the resource problems of the future?

In »World Ocean Review 3«, maribus has published a profound analysis of the opportunities and risks associated with the use of the oceans.

The hunger of mankind for raw materials continues unabated. Oil consumption has doubled since the early 1970s, and the demand for mineral resources is increasing with the ever growing use of metals, such as copper, nickel or cobalt, in electronic products like smart phones, solar panels or hybrid cars. The raw material deposits at the bottom of the oceans are coming more and more into the focus of interest. But when will mining become economically feasible? Which environmental risks must be considered? And who then may claim the deposits located in international waters?

The »World Ocean Review 3 – Raw materials from the Sea – Opportunities and Risks« (WOR 3), published by the non-profit organization maribus gGmbH with the support of the magazine »mare«, the International Ocean Institute (IOI) and the Cluster of Excellence »The Future Ocean«, describes in detail the known metal and energy commodities in the oceans and illuminates in a scientifically sound and for the layman comprehensible manner the opportunities and risks of mining operations and the use of raw materials in the sea. The new report provides facts about the amount of known oil and gas reserves and the solid gas hydrate deposits below the seafloor. Furthermore, it elaborates on the potential of mineral resources such as manganese nodules, cobalt crusts and massive sulfides. In addition, the report focuses on the responsibility of the international community for environmentally sound exploitation and the international legal challenge for socially just distribution of resources in international waters.

»The use of the oceans will increase in the future. In order to have environmentally sustainable resource extraction from the sea and from the coastal areas, all stakeholders must work together on achieving sustainable solutions,« says Martin Visbeck from GEOMAR Helmholtz Centre for Ocean Research Kiel and speaker of the Cluster of Excellence »The Future Ocean«.

In contrast to rapidly renewable resources, such as fish or shellfish, mineral and energy resources are formed only over the course of many millions of years. There is a finite amount of resources that can be extracted only with great technical effort.

»When huge business opportunities lurk beyond our perception, there is a risk not only to the environment but also to basic human rights and social justice. In particular, large corporations – which have produced oil in West Africa for many years – saw no need in the past to protect nature or to give the local population a fair shot at participating in the oil-related revenues,« says Nicholas Gelpke, publisher of »mare« and founder of maribus gGmbH.

Background Information

The maribus gGmbH was founded by »mare«-publisher Nikolaus Gelpke in 2008. It serves as a non-profit organization with the objective of raising public awareness of marine scientific relationships and contributing to a more effective marine conservation campaign. Already the first maribus publication, the »World Ocean Review 1« (WOR 1), succeeded in delivering a comprehensive and unique report that showed the state of the oceans and the relationships between the ocean and the ecological, economic and socio-political conditions. To date, approximately 70,000 copies of this overview in German and English were in demand worldwide.

The third maribus-publication, »Raw materials from the Sea – Opportunities and Risks«, has continued the cooperation with the partners of the WOR who represent years of commitment to the oceans and top-level academic standards:

– the International Ocean Institute (IOI), founded in 1972 by
Elisabeth Mann Borgese,
– the Cluster of Excellence »The Future Ocean«, an association of more than 200 scientists from different disciplines, supported by Kiel University, the GEOMAR Helmholtz Centre for Ocean Research Kiel, the Kiel Institute for the World Economy, and the Muthesius Academy of Fine Arts and Design, and funded by federal and state governments within the framework of the Excellence Initiative of the German Research Foundation (DFG), and – mare – The Magazine of the Sea

The »World Ocean Review 3« has a circulation of 45,000 copies (in German/English). The publication is not sold but distributed free of charge, without any profit-making objectives. In addition to the German version, an English edition will be available soon. The entire publication is published simultaneously on the Internet under www.worldoceanreview.com.

»World Ocean Review 3 – Raw materials from the Sea – Opportunities and Risks«, ed. maribus gGmbH, Hamburg, 2014, 164 pages, with numerous illustrations and photographs, paperback.

Links:
www.worldoceanreview.com
www.mare.de
www.futureocean.org
www.geomar.de

Wal mit Überraschungseffekt: Mesoplodon hotaula – eine neue Art

Wal mit Überraschungseffekt: Mesoplodon hotaula – eine neue Art

Veröffentlicht von Bettina Wurche am Februar 11, 2014
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Eigentlich ist es keine Neu- sondern eine Wiederentdeckung.
Der Zweizahnwal Mesoplodon hotaula war nämlich 1963 schon einmal beschrieben worden!

Das allererste Exemplar strandete vor über 50 Jahren an der Küste Sri Lankas: Am 26. Januar 1963 war der 4,5 Meter lange Schnabelwal bei Ratmalana nahe Colombo angespült worden. Ein Weibchen, mit spitzer Schnauze und blaugrauer Haut. Der Direktor des National Museums von Ceylon, P.E.P (Paulus) Deraniyagala, beschrieb den Wal als seine neue Art und nannte ihn Mesoplodon hotaula – „hotaula“ bedeutet auf Singhala „spitzer Schnabel“.

1965 nahmen sich andere Wissenschaftler den Schädel noch einmal vor und entschieden, dass es doch keine neue Art sei, sondern das gestrandete Tier zu der bereits bekannten Art M. ginkgodens gehöre. M. gingkodens (mit gingkoförmigen Zähnen) ist der Japanischen Schnabelwal – ebenfalls ein sehr seltener Meeresbewohner und erst 1958 beschrieben.

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Weiterlesen bei Meertext:

http://scienceblogs.de/meertext/2014/02/11/wal-mit-ueberraschungseffekt-mesoplodon-hotaula-eine-neue-art/

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