Die nachfolgende erste Meldung von Greenpeace ist schon vom 26.08.10. Ich bringe sie trotzdem, weil die riskante Öl- und Gasförderung in der Tiefsee allgemein und in der Arktis speziell durch DEEPWAVE e.V. sehr kritisch gesehen wird und wir dieses Thema auch hier im Blog ständig im Focus behalten wollen.

Augenwischerei: BP verzichtet auf Grönland-Bohrungen

BP will keine Ölbohr-Lizenzen vor der grönländischen Küste erwerben, so die neueste PR-Meldung des Katastrophen-Konzerns. Genau dort protestiert seit einigen Tagen das Greenpeace-Schiff Esperanza gegen die riskanten Tiefseepläne der Ölindustrie. Einsichtig kann man BP allerdings kaum nennen: In der Arktis sind die Bohrungen des Ölmultis längst im Gange.

„BP versucht jetzt alles, um nach dem Desaster im Golf von Mexiko von seiner unverantwortlichen Geschäftspolitik abzulenken. Die heutige Ankündigung ist lediglich billige Augenwischerei“, sagt Christoph von Lieven, Energie-Experte bei Greenpeace. Der Grund: im Osten der Prudhoe Bay, einige Kilometer vor der Nordküste Alaskas, dicht an der Grenze zu Kanada, bereitet BP längst weitere Bohrungen vor. Um an die knapp 3000 Meter tiefen Erdgasvorräte – etwa doppelt so tief wie die gescheiterte Bohrung im Golf von Mexiko – heranzukommen, hat der Konzern eine künstliche Insel mit einer Bohrplattform in der Prudhoe Bay aufgeschüttet. Jetzt soll von dort aus auch nach Erdöl gebohrt werden. „Wäre BP konsequent, würde man die vor Alaska und in der libyschen Tiefsee geplanten sowie die anderen weltweit bereits laufenden Bohrungen ebenfalls einstellen“, betont von Lieven.
Der Run auf die Arktis.

Greenpeace macht aktuell mit einer Protestaktion auf die riskanten Probebohrungen von „Cairn Energy“ vor der Westküste Grönlands aufmerksam. Die britische Firma bohrt seit Juli 2010 in der Baffin Bay in 300 bis 500 Meter Tiefe nach Öl. Wie Cairn am 25. August verkündete, sei man bisher lediglich auf Erdgas gestoßen. Das scheint der Goldgräberstimmung in der Ölindustrie jedoch keinen Abbruch zu tun: Der Run auf die Tiefsee hat mittlerweile auch das sensible Ökosystem der tauenden Arktis erreicht. Neben Cairn verfügen unter anderem auch Exxon und Chevron über Explorationsgenehmigungen in der Arktis. In Grönland hofft man derweil, mit der wirtschaftlich rentablen Vergabe von Lizenzen der Unabhängigkeit von Dänemark ein Stück näher zu kommen. Ein gefährliches Spiel für ein Land, dessen Einkommen zu einem großen Teil von intakten Gewässern und der Fischerei abhängt.
Die Arktis – kein Spielplatz für die Ölindustrie
Vor der Westküste Grönlands. Die Ölfirmen strömen in die tauende Arktis. Neben Cairn verfügen auch Exxon und Chevron über Explorations-Genehmigungen in dieser Region.

Greenpeace warnt eindrindlich vor den Folgen eines Ölunfalls in der sensiblen Arktis. Vergangene Ölkatastrophen haben deutlich gezeigt, dass Bohrungen ab 200 Metern Tiefe zu hohe technische Risiken bergen. Strömt erst einmal das Öl, wo es nicht soll, ist es buchstäblich kaum mehr einzuholen. Der arktische Winter, dickes Eis und die kalte Temperatur lassen jegliche Versuche, einen Ölunfall schnell einzudämmen, scheitern.

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Quelle: Meldung Greenpeace Deutschland 26.08.10

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Cairn mischt beim Run auf die arktischen Ölreserven in erster Reihe mit und sucht mit Lizenz der grönländischen Regierung seit Juli 2010 in der Baffin Bay nach Öl.

Greenpeace befürchtet für den Fall eines Fundes, einen Wettlauf der Branche um die arktischen Ölfelder. Die Katastrophen der Vermilion und der Deepwater Horizon im Golf zeigen deutlich, dass es keine ausreichenden Sicherheitsstandards in der Ölindustrie gibt. Ein ähnlicher Unfall in der Arktis wäre kaum zu händeln: Der lange arktische Winter würde jegliche Aufräumarbeiten unmöglich machen.

Auch wenn die Protestaktionen in der Arktis für den Moment gestoppt sind, wird Greenpeace weiterhin weltweit gegen Tiefseebohrungen protestieren und sich für den Schutz der Meere einsetzen. Burgwald bestätigt: „Wir konnten die gefährlichen Bohrungen für den Moment stilllegen, aber um das riskante Tiefseegeschäft wirklich zu stoppen, müssen wir weltweit handeln. Die Politik muss unsere Abhängigkeit vom Öl beenden und in saubere, erneuerbare Energien investieren, um den Klimawandel aufzuhalten und wertvolle Gebiete wie die Arktis zu schützen.“

Die Chance für die heimischen Gewässer bietet sich vom 20. bis 24. September im norwegischen Bergen: Dort tagt die OSPAR-Konferenz zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks. Der deutsche Umweltminister Röttgen hat bereits das Thema Tiefseebohrungen als Diskussionsthema für die baldige Konferenz beantragt – für Greenpeace kaum ausreichend. Aktivisten haben deshalb heute vor einer Wahlkampfveranstaltung des Ministers in Paderborn protestiert. Röttgen hatte zuvor versprochen, sich für ein Moratorium einzusetzen, dieses Anliegen jedoch äußerst abgeschwächt bei der OSPAR eingereicht. Nun liegt es in der Hand der anderen Mitgliedsstaaten, ein Moratorium auf Tiefseebohrungen für den Nordost-Atlantik durchzusetzen.

Quelle und weiterführende Informationen: Meldung Greenpeace Deutschland 04.09.10

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