Illegales Treiben: Japanisches Walfangschiff im Südmeer , Foto: Australian Customs and Border Protection Service

Rund um das Thema Walfang wird es im Oktober 2016 wieder brisant. Dann trifft sich in Slowenien die 66. Internationale Walfangkommission (IWC für „International Whaling Commission“) zu ihrer alle zwei Jahre stattfindenden Tagung. Die IWC wurde 1946 im Rahmen des Internationalen Übereinkommens zur Regulierung des Walfangs gegründet, mit der Aufgabe die Walfangindustrie zu kontrollieren. Bereits damals war klar, dass man dringend etwas für den Schutz der Wale tun müsste, allerdings ging es dem größten Teil der Mitgliedsstaaten anfangs eher um den Erhalt der Walfangindustrie.

Über die Jahre gab es einen Wandel in der Auffassung der Bevölkerung zum Thema Walfang und viele Meereschutzorganisation und Personen setzen sich für den Schutz der Wale ein. Diesem Engagement ist die Erholung der Walbestände heute zu verdanken. Nichts desto trotz gibt es noch immer Nationen die kommerziellen Walfang betreiben oder dies unter dem Deckmantel der Wissenschaft tun. Hierzu gehören hauptsächlich die Seefahrernationen Norwegen, Island und Japan.

Ausbeutung unter dem „Deckmantel“ der Wissenschaft

Japan gilt als Drahtzieher hinter der weltweiten Jagd auf Wale durch seinen Absatzmarkt für Walfleisch. Der sogenannte „wissenschaftliche“ Walfang der Japaner und der Umgang damit wird im Oktober erneut Thema des IWC sein. Es ist erlaubt aus Forschungsgründen Wale zu fangen. Allerdings nutzen die Japaner diese Gesetzeslücke schamlos aus. Das speziell für die Beratung der Delegierten verantwortliche Wissenschaftskommittee, bestehend aus den weltweit führenden Experten, beklagt schon seit Jahren dieses Schlupfloch. Allerdings treffen die Empfehlungen des Wissenschaftskomittees bei Japan auf eine völlige Gleichgültigkeit.  Damit stehen sie einer guten Schutzpolitik für Wale im Weg. Dies ist schon vom Internationalen Gerichtshof in Den Hag gerügt worden.

Aber nicht nur Japan steht in der Kritik. Auch der sogenannte indigene Subsistenzwalfang wird ebenfalls eine Schlüsselrolle auf der diesjährigen Tagung sein. Es ist trotz internationalem Walfangverbot nämlich bestimmten indigenen Gruppen, wie den Inuit auf Grönland, noch erlaubt Wale zu jagen, um ihre Tradition und ihre selbständige Lebensgrundlage zu sichern. Allerdings wurden hier seitens des IWC-Abkommens keine Fangquoten festgelegt, die vorschreiben in welchem Ausmaß solch eine Nutzung der Wale als Ressource stattfinden darf. Es wird höchste Zeit, dass diesbezüglich undefinierte Begrifflichkeiten mit klaren Zahlen ersetzt werden. Es handelt sich ganz klar um einen Missbrauch der Regelung. Aus der anfangs nachhaltigen Nutzung hat sich eine kommerzielle Industrie entwickelt, welche überhaupt keinen Bezug mehr zum Erhalt der Lebensgrundlage irgendwelcher indigener Gruppen hat. So wird heutzutage das Walfleisch, das aufgrund dieses Schlupflochs gefangen wird, nicht anders vermarktet, als das kommerziell gefangene Walfleisch der Norweger oder Isländer.

Aber warum gibt es überhaupt noch eine Walfangindustrie heutzutage? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Zu den Hauptgründen zählen traditionelle Faktoren: gerade in der japanischen Kultur in der schon immer viel Fisch aus dem Meer gegessen wird. Auf der anderen Seite spielt natürlich auch der Erhalt des Wirtschaftszweigs in Ländern wie Island und Norwegen eine große Rolle, auch wenn es für das Produkt gar keinen Absatzmarkt mehr gibt. Auf Island ist die gesamte „Industrie“ nur noch eine One-Man-Show in der Hand des einflussreichen Hvalur-Fischers Kristján Loftsson, die hoffentlich bald vollends zu Grunde geht.

Von den Nationen werden absurde Behauptungen aufgestellt, um den Walfang zu rechtfertigen. Ihre Argumente stimmen dabei gar nicht mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen überein. So wird beispielsweise behauptet, dass die Wale die kommerziellen Fischpopulationen stark dezimieren würden, wenn man ihre Anzahl nicht reguliert. Die Wale werden als eine Art Plage dargestellt, welche eine ersthafte Bedrohung für die internationale Fischindustrie ist. Dabei ist die Fischereiindustrie natürlich für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich.

Es wird jedenfalls irrwitzig spannend sein zu sehen, welche Argumente die Walfangbranche diesmal bei der IWC-Tagung machen wird. Auch politisch wird der Walfang zum heiklen Thema. So überschattet Korruption schon lange die jährlichen Treffen der Mitgliedstaaten. Es ist fragwürdig warum afrikanische und karibische Staaten, wie St. Kitts & Nevis, Kiribati oder Kamerun, sich immer wieder für die Interessen der Japaner einsetzten. Vermutlich werden die Japaner weiterhin großzügige „Spenden“ an diese Länder tätigen, damit auch weiterhin ihre Interessen vertreten sein werden.

Aber vielleicht sollten wir uns erstmal an die eigene Nase fassen. Deutschland macht sich zwar insgesamt stark für den Schutz der Wale und spielt auch international eine wichtige Fürsprecher Rolle gegen die Walfangindustrie. Allerdings wäre es für die Durchsetzung  der Schutzpolitik weitaus vorteilhafter auch einen Delegierten vom Artenschutz bzw. vom des Bundesamts für Naturschutz (BfN) in dem Kommitee zu sehen. Bisher liegt historisch bedingt die Leitung einzig beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Fischerei (kurz: BMEL) – auch wenn Herr Walter Dübner ein langjähriger Kenner der politischen Materie ist.  Für den Erfolg des Artenschutzes wäre jedoch eine noch breitere Aufstellung an Fachexpertise sicher wünschenswert.

Der Walfang ist ein heutzutage unnötiges Überbleibsel alter Tradition und  wird gestärkt durch das Festhalten sturer Politiker an einer Industrie die keinen Absatzmarkt mehr findet. Im Klartext: Eine völlig unnötige Sache, die eine moderne Weltgesellschaft nicht braucht und nicht unterstützt. Es wird höchste Zeit auch dieses veraltete Regime lahmzulegen. Ein erster Schritt könnte im Oktober durch das IWC gemacht werden. Mit Aufmerksamkeit werden wir nach Slowenien schauen und die weitere Entwicklung beobachten.

Autor Martin Koenig

Links:

Homepage der International Whaling Comission

Mehr Informationen bei der Whale und Dolphin Conservation WDC

Artikel zum Den Haag Urteil und der Verurteilung Japans beim Internationalen Gerichtshof

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