Liebe Leserinnen und Leser,

weil sich bei DEEPWAVE e.V. trotz einer mehr oder minder höflichen Nachfrage von mir „keiner um das Thema IWC kümmert“ (O-Ton), werde ich hier noch einmal als Co-Autor aktiv. Ich hatte die letzten Jahre über die IWC-Tagungen berichtet und fände es schade, wenn hier nichts dazu geschrieben würde.

Eine gute Zusammenfassung der wenigen Ergebnisse und des Ablaufes gibt es bei cetacea.de unter „63. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in St. Helier (Kanalinsel Jersey), 11. – 14. Juli 2011: Überblick und Ergebnisse“ . Eine gute Ergänzung dazu gibt das Radio-Interview von Nicolas Entrup von der WDCS „Plastikmüll Und Killerschiffe: Nix Neues Für Wale“ bei freie-radios.net

Vom WWF gibt es eine im Titel auf den Punkt bringende Bewertung im Artikel „Walschutz gescheitert – mal wieder, WWF: Politische Ränkespiele auf dem Rücken bedrohter Meeressäuger“. Greenpeace Deutschland vermeldet Erfolge: „IWC beschließt Reformen„.

Pro Wildlife hat sich in einer ständigen Berichterstattung zum Verlauf der 63. IWC geäußert, eine Zusammenfassung kenne ich nicht.

Eine gute englischsprachige Zusammenfassung finde ich den BBC-Artikel „Whaling meeting ‚ignores needs of whales‘“ vom 14. Juli 2011.

Allen oben genannten großen Organisationen ist leider gemeinsam, dass sie sich aus meiner Wahrnehmung erst sehr kurz vor der Tagung auf das Thema aufgeschaltet haben, einige natürlich dann mit dem üblichen Spendenaufruf.

Sehr positiv davon abweichend Andreas Morlok von ProWal, der sehr frühzeitig das Thema aufgegriffen hat, eine Aktion geplant hatte und dann vor Ort war. Dass er bzw. ProWal jetzt auf vielen Fotos ist, teilweise mit Paul Watson von den Sea Shepherds, bzw. in Internetveröffentlichungen, ist ein schöner Nebenerfolg. Bei ProWal gibt es einen schönen Fotobericht und zwei Videos:

Paul Watson und einige Sea Shepherds waren auch vor Ort auf Jersey aktiv, siehe z.B. „Japan benutzt Sea Shepherd bei IWC-Treffen um Korruptionsvorwürfe abzuwehren“ und „Die Maus, die brüllte„.

Persönlicher Kommentar:
Die 63. IWC-Tagung war eine typische internationale Konferenz, getrieben durch politische Spielchen und politische Winkelzüge bei der Bearbeitung der Tagesordnung. In der Sache wurde m.E. nichts erreicht. Dänemark hat dabei eine für einen mitteleuropäischen Staat besonders unrühmliche Position bezogen und Rolle gespielt. Die von lateinamerikanischen Staaten versuchte Abstimmung über ein Schutzgebiet im Südatlantik wurde durch eine völlig undemokratische Verhaltensweise der Pro Whaling-Staaten verhindert, indem durch Verlassen der Konferenz die Beschlussfähigkeit verhindert wurde und der Tagungsablauf zum Kippen gebracht wurde. Soweit eine Kurzzusammenfassung der oben genannten Beiträge.

Wie konnte es dazu kommen? Die großen NGOs verweisen teilweise darauf, dass sie nicht überall mitreden durften. Ich sage: Selbst schuld und zugleich eklatantes Versagen dieser Organisationen im Vorfeld der Konferenz. Die Sea Shepherds waren nicht zugelassen und sind insofern „entschuldigt“. Es war seit letztem Jahr bekannt, wann die 63. IWC-Tagung stattfindet und welche Themen voraussichtlich auf der Agenda stehen. Ein Jahr war durch die großen NGOs nichts geschehen, um deutschen und europäischen Politikern entsprechende Forderungen vorzulegen und den notwendigen medialen Druck aufzubauen. Jetzt das Ergebnis zu bejammern, ist scheinheilig. Ich bin mir sicher, dass seitens der „Großen“ Kalkül dahintersteckt. Man hat früh erkannt, dass die Politiker weltweit mehr auf äußeren Frieden mit Japan setzen und die EU-Staaten wieder einmal absehbar nicht in der Lage sein werden, bzgl.Norwegen und Island zu einer klaren Haltung zu kommen. Die extreme Position Dänemarks kam wohl für einige überraschend, hätte man aber auch bei vorherigen Aktivitäten herausfinden können.

Der WWF hat aktuell ein anderes Problem, okay, aber das hat er erst seit kurzer Zeit. Dass Greepeace das Thema Waljagd nicht offensiv angehen würde, war leider seit Februar zu vermuten. Man hätte vermutlich wieder einige kritische Kommentare bzgl. der eigenen Nichtaktivitäten zu hören bekommen und im übrigen lief noch , gut zeitlich gesetzt von den japanischen Behörden, der inzwischen abgelehnte Antrag auf Aussetzen der Strafe der Tokyo Two.

//