Deepwave e.V. - Die Meeresschutzorganisation

 
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H O C H S E E ______________________________________________________


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Die Ozeane sind das größte Ökosystem auf der Erde: 70,8 % der Fläche entfallen auf die Meere und mit einer Masse von ungefähr 1,4 Milliarden Kubikkilometern stellt das Weltmeer 99 % der Biosphäre auf unserem Planeten. Doch die Gefahren für die offene Hochsee sind vielfältig. So wurde seit dem Beginn des kommerziellen Walfangs zirka 80 % der weltweiten Walbiomasse eliminiert. Auch werden seit Jahren die Größenskalen der Fischereianlandungen immer kleiner: Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Netze notgedrungen immer kleinere Fische fangen. Ganz zu schweigen von dem Kollaps der Bestände durch die Überfischung - mit bisher nicht genau bekannten Folgen für die Struktur der Nahrungsketten im Ozean.
 
Die zunehmende Anzahl von Krankheiten und Seuchen bei Meeresorganismen, der weiterhin hohe Anteil von chemischen Giftstoffen wie PCB und DDT im Ozean, die tagtägliche Verseuchung mit Erdöl und anderen Kohlenwasserstoffen und das vermehrte Vorkommen von giftigen Algenarten an den Küsten sind nur einige weitere Anzeichen für den desaströsen Zustand im Meer. Wenn ein solch riesiges Ökosystem solch vielfältige Beeinträchtigungen zeigt, dann ist dies ein Zeichen für die drastischen Auswirkungen der globalen Umweltverschmutzung und Verschwendung. Und es zeigt, dass der Zeitpunkt für sofortige Gegenmaßnahmen gekommen ist.
 
 
   
  Struktur und Aufbau
  Pelagial
  Temperatur und Strömungen
  Leben in der Hochsee
  Fliegen fliegende Fische?
  Das Sargasso-Kraut
   
  Bedrohungen für die Hochsee
  Gifte an der Wasseroberfläche
  Schwimmender Müll
  Ozeanerwärmung
  Erhöhter Kohlendioxidgehalt
  Die Schwertfisch-Industrie
  Der weltweite Zierfisch-Handel
   
 
Struktur und Aufbau
 
Die Hochsee bezeichnet das Meer außerhalb der Schelfgebiete, dort wo die Wassertiefe mehr als 200 Meter beträgt. 93 Prozent des Weltmeers gehören zur landfernen Hochsee, 8 % davon entfallen auf die Nebenmeere. Jeweils zur Hälfte liegt die Hochsee in den kalten und kaltgemäßigten Klimaregionen und in den tropischen und warmgemäßigten Klimaregionen. Für den Juristen beginnt die Hohe See (High Sea) dagegen zwölf Meilen vom Land entfernt (1 Seemeile = 1,852 km), dort wo die Hoheitsgewalt der Küstenstaaten endet.
 
Die Hochsee schließt sich an die flachen Regionen über dem Kontinentalschelf (Flachseeregionen) an. Unabhängig von der Tiefe bezeichnet man den freien Wasserkörper im Ozean als die pelagische Zone oder als das Pelagial (den Meeresgrund als benthische Zone oder auch Benthal). Diese Zonen werden nochmals in verschiedene horizontale Schichten eingeteilt: Das Epipelagial ist die Zone bis 200 Meter Wassertiefe, das Mesopelagial reicht von 200 bis 1 000 Meter, das Bathypelagial von 1000 bis 3 000 Meter Wassertiefe, das Abyssopelagial bis 8000 Meter und Hadopelagial bis 11 000 m. Das Benthopelagial ist die etwa 200 Meter hohe Wasserschicht oberhalb des Meeresbodens.
 
Das Epipelagial
 
Das Licht der Sonne und die kristallene Bläue kennzeichnen die epipelagische Zone der Hochsee. Diese Zone reicht bis etwa 200 Meter Wassertiefe unterhalb der Meeresoberfläche. Im offenen Ozean dringt das Sonnenlicht etwa bis 600 Meter vor, erlaubt aber dem Phytoplankton, den meist mikroskopisch kleinen Pflanzen, nur bis etwa 150 Meter Tiefe das Wachstum. Kleinere Tiere, das Zooplankton, ernährt sich hiervon und wird wiederum von größeren Organismen gefressen. Diese Region, die fernab des Küsteneinflusses liegt, ist die artenreichste Region der Hochsee.
 
 
Lederschildkröten sind vom Aussterben bedroht. Foto: G. McFall OAR/National Undersea Research Program
 
Wo sind sie geblieben?

 

Wer heute den Zustand der Ozeane betrachtet, kann sich kaum vorstellen, wie artenreich diese Gewässer einmal waren. Noch vor 100 Jahren bevölkerten Millionen Schildkröten die Meere. Doch Verschmutzung, Habitatverlust, Klimaveränderung und besonders die Überfischung durch den Menschen ließ diese Meeresreptilien nahezu verschwinden.

Der Reptilienstamm, der in der Urzeit so viele gewaltige Meerestiere hervorbrachte, stellt heute nur noch wenige Riesen, allen voran die Seeschildkröten. Je nach der Ausbildung des Panzers unterteilt man sie in Meer- und Lederschildkröten. Bei ersteren ist noch ein verknöcherter, mit Hornplatten gedeckter Panzer vorhanden, in den allerdings die Füße gar nicht mehr, Kopf und Hals nur noch zum Teil eingezogen werden können. Die Lederschildkröten haben einen Panzer, der aus mosaikartigen Knochenplatten gebildet ist, die keine Hornschilder überziehen.

Eine einzige Art ist uns heute noch bekannt, die fast zwei Meter lange und über 500 Kilogramm schwere Lederrücken-Schildkröte (Dermochelys coriacea). Obwohl sie dramatische Klimaschwankungen und Asteroideneinschläge überlebten, könnten sie in den nächsten 10 bis 20 Jahren ausgerottet sein, warnten kürzlich amerikanische Meeresforscher. Es sei denn, die Schutzmaßnahmen werden verstärkt. Todesbringer Nr. 1 sind die Haken der Langleinenfischer. Geschätzte vier Millionen Köderhaken werden den bis zu 1000 Meter tief tauchenden Schildkröten zum Verhängnis. Nur internationale Fischereiabkommen, die diesen Zusammenhang berücksichtigen, könnten die seltene Art noch wirksam schützen und vor dem Aussterben bewahren.

Das Mesopelagial
 
Unterhalb der Phytoplanktonschicht reicht von 200 bis 1000 Meter das Mesopelagial. In dieser dunklen Zone lebt tagsüber eine große Anzahl von Organismen und Fische versteckt, um dann des Nachts zur Oberfläche aufzusteigen und das Plankton zu fressen - ein Phänomen, das Vertikalwanderung genannt wird.
 
Das Bathypelagial
 
Das Bathypelagial reicht von etwa 1 000 bis 3 000 Meter Wassertiefe. Diese artenärmere und spärlicher besiedelte Zone ist der Lebensraum ausgesprochener Spezialisten. Nur noch ein Prozent der Nahrungsbrocken der oberen Schichten treiben durch diese ständig dunkeln und kalten Wassermassen. Erst in Meeresbodennähe steigt die Artenvielfalt wieder an.
 
Das Benthopelagial
 
Am Meeresboden sorgen die Meeresströme für ein Aufwirbeln von Sedimentpartikeln und organischem Material. Diese Trübströme reichen bis einige hundert Meter über den Boden und kennzeichnen das Benthopelagial. In dieser Schicht leben teils Spezialisten, die als erste sich an herabsinkende Nahrung heranmachen, teils verdriftete oder Schutz suchende Lebewesen der Benthosgemeinschaft am Boden.
 
Das Abyssopelagial und Hadalpelagial
 
Je tiefer die Wassermassen liegen, desto spärlicher wird die Anzahl der Organismen. In der freien Wassersäule von 3 000 bis zu 10 000 Meter Wassertiefe kommen nur noch sehr wenige Tierarten vor. Allerdings ist unser Kenntnisstand über die Artenvielfalt und Lebensweise der Organismen dieser Zonen noch sehr gering, da es bisher nur wenigen Expeditionen technisch gelungen ist dort Proben zu nehmen.
 
Temperatur und Strömungen
 
Das Oberflächenwasser unterscheidet sich je nach geographischer Breite, Jahreszeit und Wasserströmung in seiner Temperatur. Je nach Wasserkörper variieren dabei zusätzlich die physikalischen (z. B. Salzgehalt) oder biotischen (z. B. Nahrungsketten) Bedingungen. In der Hochsee schwanken die Temperaturen zwischen 1,9 Grad Celsius an den Polarmeeren bis zu mehr als 30 Grad Celsius in den tropischen Regionen. Die Temperaturunterschiede führen zu den weltweiten Meeresströmungen, wie dem Nordatlantikstrom oder zu Phänomenen wie den Auftriebsgebieten vor den Kontinenten.
 
In den kalten Regionen führt die Abkühlung zu einem Absinken der Wassermassen: Tiefenwasser der Antarktis gelangt so nach Hunderten von Jahren fast bis zur Arktis; arktisches Tiefenwasser bis in den Indischen Ozean. Das Meerwasser strömt in den polaren Gebieten langsam in großen Schichten in die Tiefe - gleichzeitig steigen andere Strömungen auf - aber nahe der Oberfläche bewegt es sich immer aufgrund des Windes. Bläst der Wind tagelang in derselben Richtung reißt er das Wasser der Oberfläche mit sich. Die Bewegungen der Wassermassen der Ozeane sind auch durch die Erdrotation beeinflusst. Wie die Winde bilden die Strömungen beiderseits des Äquators an der Wasseroberfläche große Wirbel, die sich in der nördlichen Hemisphäre im Uhrzeigersinn, in der südlichen Hemisphäre gegen den Uhrzeigersinn drehen.
 
Das Wasser, das durch die Winde von der Oberfläche gerissen wird, muss an anderen Orten wieder nachgeliefert werden. Das geschieht meist durch das aufsteigende, nähstoffreiche Tiefenwasser, das durch die Strömungen angesaugt wird. Dieses Hinaufsteigen des Wassers findet im allgemeinen entlang der Westküsten der Kontinente statt, in so genannten Auftriebsgebieten, die biologisch besonders produktiv sind (Anchovis-Fischerei).
 
Das Leben der Hochsee
 
Die Organismengemeinschaften der Hochsee lassen sich nach ihrer Lebensweise und ihrem Lebensraum in das Pleuston/Neuston (Tiere und Pflanzen an der Meeresoberfläche), das Plankton (umhertreibende Organismen) und Nekton (aktiv sich bewegende Organismen) unterscheiden.
 
Pleuston und Neuston
 
Im Oberflächenhäutchen des Meeres konzentrieren sich organische Verbindungen, Bakterien, Einzeller und festgeklebte Planktonorganismen. In dieser nahrungsreichen Schicht lebt eine Organismengemeinschaft, die als Pleuston bezeichnet wird. Für diese Lebensweise an der Wasser/Luft- Grenzschicht haben die Tiere besondere Anpassungen entwickelt.
 
So findet sich mitten im Ozean das einzige Hochsee-Insekt: der flügellose Wasserläufer der Gattung Halobates. Diese Wasserwanzen haben es mittels beharrter Beine geschafft auf der Meeresoberfläche zu laufen. Ein weiterer typischer Vertreter des Pleustons ist die Schnecke Janthina. Sie schwimmt mit einem Schaumfloß an der Meeresoberfläche und ernährt sich räuberisch von den Segelquallen. Es gibt zwei Formen von Segelquallen: Velella aus der Gruppe der Chondrophorida und die 20 bis 30 cm große Physalia aus der Gruppe der Staatsquallen (Siphonophora). Beide erbeuten mit Ihren Nesseltentakeln Fische, Fischlarven und Krebse.
 
Charakteristisch für das Neuston, der Tierwelt unterhalb der Meeresoberfläche, ist der räuberische Ruderfußkrebs Pontella. Er kann 15 cm hoch und ebenso weit aus dem Wasser springen. Am schwimmenden Müll und an Holzstämmen und Ästen siedeln sich verschiedene Tiere an. Häufig sind dies "Entenmuscheln" der Gattung Lepas, einem gestielten Verwandten der Seepocke. Als Cypris-Larve heften sie sich an die treibenden Gegenstände an, bleiben dann zeitlebens daran festgewachsen und ernähren sich vom Plankton, welches sie mit den Rankenfüßen aus dem Wasser sieben.
 
 

Die pelagische Larvenform der Langustenart Phyllosoma ist komplett durchsichtig. Foto: Larry Madin
 

Plankton

50-60 Prozent des globalen Sauerstoffs in der Atmosphäre entstammt aus der Photosynthese des pflanzlichen Planktons der Hochsee. Die mikroskopisch kleinen Cyanobakterien, Prochlorophyten und Algen verwenden Sonnenlicht und Kohlendioxid zur Synthese von Biomasse und stellen den Grundbaustein für das ozeanische Nahrungsnetz. Von dem treibenden Phytoplankton lebt das Zooplankton, diejenigen Kleinsttiere, vom Einzeller bis zur Qualle, die mit der Meeresströmung driften.

 
Die meisten Planktonorganismen schwimmen nicht schnell genug, um ihren Räubern zu entfliehen. Ihr Überlebenstrick besteht in dem Versuch unsichtbar zu werden. Manche sind durchsichtig bläulich gefärbt und andere sind komplett transparent, so dass sie ähnlich schwer auszumachen sind wie ein Stück Glas im Wasser. Die planktischen Larvenstadien der bodenlebenden Organismen wie Krebse, sind zumeist komplett durchsichtig. Dadurch ist eine bessere Tarnung auf ihrem Weg zurück zum Meeresboden gegeben.
 
Andere Planktonorganismen haben jedoch auffällig gefärbte Körperanhänge. Meersbiologen vermuten, dass es sich dabei um die Nachahmungen (Mimikry) der Körperform anderer Tierarten handelt. Eine weitere Erklärung wäre, dass sich die Räuber zuerst auf solche sichtbaren Strukturen stürzen, und der restliche Organismus dadurch verschont bleibt und überlebt.
 
Da die Wassermassen der warmen Ozeane wie des Pazifischen Ozeans und des Indischen Ozeans miteinander in breiter Verbindung stehen, sind viele Arten des Pelagials kosmopolitisch in allen warmen Ozeanen verbreitet. Das gilt für manche Radiolarien und pelagische Foraminiferen aus der Gruppe der Globigerinen, für Staatsquallen (Siphonophora), für pelagische Muschelkrebse (Ostracoda), für viele pelagische Copepoden (Ruderfußkrebse) aus der Gruppe der Calanoidea, für die meisten Euphausiaceen (Krill) und für die Hyperiidae unter den Amphipoden (Flohkrebse), ferner für viele Flügelschnecken (Pteropoda), Copelaten und Salpen (Manteltiere). Die Artenzahl des Planktons ist immens. Erst in den letzen Jahren ist es Forschern etwas gelungen, diese Tier- und Pflanzenwelt zu beschreiben.
 
 
 

Nekton

Die sich aktiv fortbewegenden Tierorganismen zählen zum so genannten Nekton - vom Fliegenden Fisch bis zum Delphin. Lebten früher einmal gewaltige Thunfischschwärme und Walschulen in den offenen Weiten der Hochsee, finden sich heutzutage nur noch wenige Großtiere im offenen Meer.

Die meisten Räuber im Ozean suchen ihre Beute mit den Augen. Somit ist für das Überleben der Beute entweder eine schnelle Fluchtreaktion oder eine gute Tarnung (Mimikry) wichtig. Denn während es in den trüben Flachmeergebieten oder in Riffen zahlreiche Versteckmöglichkeiten gibt, fehlen diese im offenen Ozean. Die Meeresorganismen versuchen daher, mit ihren Körperfarben und -formen, sich unsichtbar zu machen.

 


Der Thunfisch zeigt eine deutliche Konterschattierung. Foto: Larry Madin

 
Die meisten Wirbeltiere im Epipelagial - Fische, Haie, Delphine und Wale - zeigen eine Färbung, die als Konterschattierung oder "Counter Shading" bezeichnet wird. Die Bauchseite ist hell oder weiß, damit mögliche Feinde in tieferen Wasserschichten sie schwer gegen die helle Wasseroberfläche ausmachen können. Die Oberseite ist dagegen dunkel, von grau bis schwarz, so dass sie von oben aus gesehen schwer gegen die dunkle Bläue der Tiefe zu erkennen sind. Einige Tiere haben silbrige Körperseiten, die dadurch die Wasserfärbung und Lichtverhältnisse um sie herum reflektieren. Ein durch Konterschattierung gefärbter Fisch hat somit eine erhöhte Chance, einem Räuber zu entkommen.
 
Die offene Hochsee der wärmeren Meere, die so genannte Warmwassersphäre, ist aufgrund der geringen Nährstoffversorgung der Algen biologisch nicht sehr produktiv - man spricht daher von den "blauen Wüsten". Für den Fischfang ist dieses Gebiet nur durch die wandernden Arten wie etwa den Thunfisch lohnend: Die gesamte Anlandung beträgt etwa 3-4 % (1989: 4 Millionen Tonnen ) des weltweiten Fischereiertrags. Mit dem Wegfall der nutzbaren Bestände könnten aber auch kleinere Fischarten zukünftig interessant werden. So gibt es große Bestände von Tintenfischen, die jedoch schnell den Netzen entweichen können. Die Leuchtsardinen (Myctophidae) der tieferen Schichten sind nur wenige Zentimeter lang und lassen sich schlecht vermarkten. Nichtsdestotrotz ist die Gefahr der Überfischung auch der ozeanischen Provinzen sehr hoch.
 
 
 
Fliegen fliegende Fische?

Im Dezember des Jahres 1903 gelang den Gebrüdern Wright eine ungeheure Sensation: ihr "Wright Flyer" flog zuerst 50 Meter, im vierten Flugversuch sogar stolze 260 Meter weit über die Erde. Damit nahm die Geschichte des menschlichen Fliegens ihren Anfang. Doch bereits viel früher hatten andere Lebewesen den Luftraum erobert und das Fliegen erlernt. Selbst bei so luftscheuen und eher im kühlen Nass beheimateten Tieren wie den Fischen im Meer finden sich solche Luftkünstler. Bezeichnenderweise heißen sie Fliegende Fische.

 
Den Flugzeugkonstrukteuren der ersten Stunde, Lilienthal, Lanchaster und anderen, waren sie bekannt und so dienten die fliegenden Fische als Vorbild und Modell für den Flugzeugbau. Man untersuchte aufs Genaueste die Art der "Tragflächen" und das Flugverhalten im Experiment: Dazu wurden die ausgestopften (?) Fische aufgespannt in einen Windtunnel gesteckt, um Zug, Auftrieb, Stabilität und Elastizität der Flossen bei verschiedenen Windstellungen zu analysieren. Das Interesse ging in den 30er Jahren so weit, dass das französische Luftfahrtministerium mehrere biologische Untersuchungen bezahlte, um die genaue Art und Weise der Fortbewegung und des Fluges bei Fischen zu erfahren.
 
Dabei waren am Anfang die Meinungen über den Charakter des Fluges höchst unterschiedlich und man fragte sich, ob sie wirklich fliegen oder nicht. Dem Reisenden, der die tropischen Weltmeere befuhr, waren die Schwärme dieser Tiere aufgefallen, die wie Raketen vor dem Schiffsbug aus dem Wasser herausschießen, mit ausgebreiteten Flossen über die Oberfläche hinschweben und nach kurzem oder längerem Fluge abtauchen oder sich sofort von neuem in die Luft erheben.
 
Beobachtet man einen Flugfisch genauer, so sieht man, dass er mit seiner stark gegabelten Schwanzflosse zuerst große Geschwindigkeit unter Wasser aufnimmt, aus tieferen Wasserschichten empor schnellt und sich über die Oberfläche hinausschiebt. Dann breitet er die Brustflossen, die im Wasser dem Körper dicht anliegen, weit aus und schwebt so eine Strecke weit dahin. Kommen sie auf die Wasseroberfläche zurück, fliegen die Fische erneut hoch und segeln ein weiteres Stück davon.
 
Erst mit der Verfeinerung der Aufnahmetechnik mittels Elektronenblitz wurde es schließlich möglich festzustellen, ob sich die Brustflossen beim "Fliegen" tatsächlich aktiv bewegen, oder nur inaktiv und flugzeuggleich als Tragflächen dienen. Letzteres ist der Fall und es handelt sich somit genau genommen bei den fliegenden Fischen um "Gleitflieger", ähnlich wie die Gleithörnchen und Flugdrachen oder "fliegenden" Echsen, die dem Prinzip eines Papierfliegers folgen. Wirkliches vogelartiges Schlagen von Flossen findet sich dagegen bei zwei Fischarten, die im Süßwasser leben: dem südamerikanischen Beilbauchfisch und, weniger deutlich ausgeprägt, beim afrikanischen Schmetterlingsfisch.
 
Der Flugfisch breitet nach der Startphase seine zwei oder vier, äußerst dünnen, wie papierenen Brustflossen aus und stellt seinen Körper in einen Winkel von fünfzehn Grad zur Waagerechten, so dass Kopf und Brustflossen außerhalb des Wassers sind, seine verlängerte Schwanzflosse aber noch untergetaucht bleibt und den Antrieb fortsetzen kann. Stark beschleunigt verlässt der Fisch so das Wasser meist in Richtung zum Wind (die er durch die Wellenströmungen schon unter Wasser erkennt), und die Brustflossenstellung, die während des Fluges bewegungslos verharrt, trägt ihn einige hundert Meter weit.
 
Das erneute "Hochfliegen" während des Fluges erweist sich dabei als ein schnelles Ein- und Auftauchen: Durch ein rasches, zirka fünfzigfaches Schlagen der unteren Schwanzflosse pro Sekunde, steigern die Fische ihre Geschwindigkeit wieder so weit, um einen neuen Gleitflug zu starten. Dieses schnelle Vibrieren des Schwanzes und Fischkörpers ist es, was die Fische wie einen echten Flieger aussehen lässt. Mit bis zu 55 km/h jagen die Fische dann dicht über die Wellen: Der längste gemessene Einzelflug dauerte erstaunliche 13 Sekunden, und entfernte die Fische über 200 Meter, die Strecke eines Fußballstadions, weit.
 
Die Flugfische und andere Vertreter der Familie Exocoetidae - es gibt um die 65 Arten - leben allesamt pelagisch, das heißt sie sind Bewohner der offenen Hochsee. Zwei Gruppen lassen sich aufgrund der zwei oder vier Brustflossen unterscheiden: die mit zwei "Flügeln" besitzen große Brustflossen, aber nur kleine Bauchflossen, während bei den "vierflügeligen" Arten die Bauchflossen fast ebenso groß sind wie die Brustflossen. Letztere sind durch ihre oft wunderschönen Farbmuster auf den großen Flossen bekannt.
 
Die einzelnen Arten werden, ähnlich wie bei Insekten, anhand der Verzweigungen der Flossenstrahlen der Brustflossen unterschieden. Sie haben in etwa die Größe (einige werden maximal 65 Zentimeter lang) und das Aussehen von Heringen; Matrosen nennen sie daher gerne schlicht "fliegende Heringe", "Seeschwalben" oder auch "Bang bangs" (wenn sie gegen die Bordwand knallen). Anders als die Heringe besiedeln die Flugfische nur die alleroberste Wasserschicht der warmen Ozeane; nur eine Art (Cypselurus heterurus) schwimmt als Irrgast manchmal bis vor die Küste Südnorwegens bis in den Oslo Fjord. An der Wasseroberfläche ernähren sie sich von Plankton und anderen kleinen Schwebeorganismen, die sie selektiv aus dem Meer filtern.
 
Aber Fische in der offenen Hochsee leben gefährlich: Sie sind begehrte Jagdobjekte der räuberischen Haie, Thunfische, Delphine und Kalmare. So zeigt der lang gestreckte Körper an der Oberseite eine tiefe blaue Farbe und glitzert an der Unterseite silbrig weiß. Dadurch können räuberische Vögel die Konturen der Fische von oben kaum vom offenen Meer unterscheiden, so wie jagende Fische von unten ihre Schwierigkeiten haben, die silbrige Bauchseite gegen die helle Oberfläche auszumachen. Und sie zeigen noch eine Besonderheit: ein zweigeteiltes Auge, dessen eine Hälfte nach oben schaut oder über Wasser, die andere Hälfte nach unten unter Wasser. So erkennen sie frühzeitig mögliche Gefahren.
 
Und dann ist da ja noch das Fliegen, der schnelle Ortswechsel, um Schutz zu finden in der ansonsten leeren blauen Weite. Meist landen die Gejagten in sicherer Entfernung zum Räuber. Aber manchmal endet der Segelflug eines Exoceotus volitans, dem häufigsten fliegenden Fisch im Atlantik, oder anderer Arten an falscher Stelle. Aufgeschreckte Schwärme regnen bei günstigen Steigwinden dann auf das Bootsdeck von Schiffen. Auf den Yachten schüren solche Fischschwärme die Angst und rufen grusige Geschichten hervor, wie von jenem Segler, der durch die golfballähnliche Wucht des Aufpralls eines heranfliegenden Fisches ohnmächtig getroffen ins Meer fällt und für immer verschwindet. Einige seien, vom Licht der Kabinendampfer angelockt, tatsächlich durch die Fenster in die Kajüten hineingeflogen und sollen es sogar bis zur Kommandobrücke in 12 Meter Höhe geschafft haben.
 
Andere Fische wiederum enden in den Netzen der karibischen Fischer. Die Fischer nutzen dabei das spezielle Fortpflanzungsverhalten dieser Tiere aus: indem sie schwimmende Flöße aus Zuckerrohrblättern im Ozean auslegen, werden die weiblichen Fische angelockt, da diese die Gewohnheit haben, ihre Eier an schwimmenden Algen und dergleichen abzulegen. Auch mit starken Lichtlampen werden die Fische nachts in die Netze gelockt. Aus diesem Fang wird eine leckere Delikatesse: die Japaner essen den Rogen als Tobiki, einer Form von Sushi, oder in der Surimi-Fischpaste. In Sri Lanka gibt es sie vakuumverpackt mit Tomaten und Chillipfeffer zu kaufen. Auf Barbados dagegen werden die muskulösen Fische, die etwas ölig schmecken und voller kleiner Gräten sind, gerne mit gewürzten Brotkrumen gebraten. Die kreolische Küche bevorzugt sie gefüllt mit Ananas, Mango und Kokosnuß. Und die Skipper der Yachten filetieren sie und marinieren sie in Zitronensauce. Wo sonst, außer im Paradies, fallen schon mal die Fische direkt vom Himmel.
 
 

Das Sargasso-Kraut

Die Sargassosee wird ein vier Millionen Quadratkilometer großes Gebiet zwischen den Bahamas, den Azoren und den Kanarischen Inseln genannt, wo regelmäßig große Tange im Wasser treiben, vor allem Sargassum natans und Sargassum hystrix var. jiuitans. Diese Großalgen wachsen an den Küsten der Karibik. Sie werden während der Hurrikan-Zeit losgerissen, treiben dann mit dem Florida-Strom und mit dem Golfstrom und gelangen schließlich in den großen Stromkreisel der Sargassosee.

 


Die Küstenalge Sargassum überlebt auch in der Hochsee. Foto: www.sandiego.edu/~pkemp

 
Im Wasser treibend vermehren sich die Tange zwar nur ungeschlechtlich, dabei können sie aber viele Meter lang werden. Durch ihre geringe Dichte und durch Luftblasen erhalten sie den Auftrieb, der sie direkt unter der Meeresoberfläche treiben lässt. Die Biomasse der in der Sargassosee treibenden Tange wird auf vier bis elf Millionen Tonnen Feuchtgewicht geschätzt (entsprechend 25 bis 225 mg Kohlenstoff pro Quadratmeter). Auf den treibenden Sargassum-Tangen siedeln sich andere Algen, Hydropolypen, Aktinien, Bryozoen und Entenmuscheln an, dazu verschiedene Garnelen. Die Seenadel Syngnathus pelagicus und der Sargassofisch Pterophryne histrio kommen nur im Lebensraum des Sargasso-Krauts vor.
 
 
Bedrohungen für die Hochsee
 
Gifte an der Wasseroberfläche
 
Im Oberflächenhäutchen reichern sich nicht nur ganz allgemein organische Substanzen an, sondern auch Chlorierte Kohlenwasserstoffe (zum Beispiel DDT und PCBs), die aus der Luftverschmutzung stammen, ebenso Blei und andere Schwermetalle. Deshalb sind alle Tiere besonders hoch belastet, die an der Meeresoberfläche leben oder dort ihre Nahrung suchen. Beim Wasserläufer Halobates beträgt die Cadmium-Konzentration 33 mg pro kg Trockengewicht, in der Leber von nordatlantischen Sturmvögeln wurden 49 mg/kg gemessen. Viele Argumente sprechen dafür, dass diese Cadmium-Belastung nicht nur vom Menschen verursacht wurde, denn Cadmium kommt auch naturgegeben im Meerwasser vor.
 
 

Millionen Plastikstricke bedrohen die Meereslebewesen.

Schwimmender Müll

Heute treiben enorme Mengen Flaschen, Plastikbehälter und Teerballen an der Meeresoberfläche, wo einst Kokusnüsse, Holzstämme und Äste den Tieren im Meer einen Halt boten. Während Algen und verschiedene Tiere sich nichtsdestotrotz an diese Treibsel anheften und einen Lebensraum erhalten, stellen diese Gegenstände für andere Tiere eine große Gefahr dar. Jedes Jahr kosten die entsorgten Überbleibsel Tausenden von Organismen das Leben, indem sie daran ersticken oder darin verwickelt werden. Der Müll beeinträchtigt auch wichtige marine Lebensräume als Ganzes, wie die Korallenriffe und Seegrasbänke.

 
Das Problem ist viel zu wenig beachtet: Es muss aber gegen diese schleichende Vergiftung mehr getan werden, um diese Rückstände der Zivilisationen aus dem Ozean fernzuhalten.
 
 

UV-Belastung

Das Ozonschild beschützt das Leben auf der Erde vor den gefährlichen UV-Strahlungen der Sonne. Doch im Falle einer beschädigten Ozonhülle nimmt die Strahlung zu und zerstört alle Lebewesen. Die Folgen sind Augenerkrankungen und Hautkrebs bei Menschen und Tieren. Auch das ozeanische Plankton, die Lebewesen an der Basis der Nahrungsketten im Ozean, werden durch den zunehmenden UV-Stress geschädigt.

Die Meeresorganismen, die immer an der Wasseroberfläche der Ozeane leben und der sengenden tropischen Sonne ausgesetzt sind, haben im Laufe der Evolution besondere Schutzstrategien gegen erhöhter UV-Strahlung entwickelt. Wissenschaftler und Pharmazeuten suchen daher derzeit verstärkt in diesen Organismen nach Wirkstoffen. Überlebenskünstler unter der Sonne sind zum Beispiel staatenbildende Quallen, wie die Portugiesische Galeere (Physalia physalia) oder "Der Segler vor dem Wind" (Velella vellela). Sie verwenden als Sonnenschutzmittel unter anderem das dunkelblaue Melanin, ein Molekül, das sich wie ein Schutzschild um die empfindlichen Zellkerne legt. Die Quallen sind daher blau gefärbt.

 

 


Das Ozonloch über der Antarktis war am 6. Oktober 1987 besonders groß. Foto: NASA

 
Auch ein besonderes Enzym, die Photolyase, welches Erbsubstanzen nach UV-Bestrahlung reparieren kann, kommt im ozeanischen Plankton gehäuft vor. Solche Reparatur-Enzyme, die dann in sonnengeschädigte Hautzellen geschleust würden und den Sonnenbrand wieder rückgängig machen würden, sind die idealen Substanzen für die Kosmetikindustrie. Schon jetzt gibt es erste Sonnenschutzmittel, wie das "Ocean Secret Formula" von der amerikanischen Firma Applied Genetics: Das Planktonextrakt enthält geringe Mengen an Photolyase zur DNA-Reparatur und Stoffe, die die Melaninproduktion in menschlichen Hautzellen anregen sollen.
 
Die Tiere der Tropen sind effektiv geschützt. Im Gegensatz zum Plankton der kalten Polarregionen: dort, wo die UV-Belastung eigentlich minimal ausfällt, ist nur geringer Schutz ausgebildet worden. Erste Untersuchungen zeigen eine verminderte Anzahl und verringerte Dichte der Planktonorganismen. Zu welchen Folgen das Ozon-Loch im Ozean langfristig führt, müssen jedoch noch weitere Forschungen klären.
 
 
 

Der Wirbelsturm Fran am 4. September 1996 vor der Karibik.
 

Klimaerwärmung

Vor etwa 7 000 Jahren ereignete sich vor der Norwegischen Küste eine riesige Schlammflut. Riesige Partikelmengen waren in Bewegung geraten, bedeckten unzählige Quadratkilometer im Meer und überfluteten alles Leben am Boden. Bis nach Schottland und Island waren die Auswirkungen dieser unterseeischen Rutschung zu spüren. Tsunamis, Riesenwellen, überspülten dort die Küstenabschnitte. Unter den Geologen ist dieses Ereignis als Storegga-Rutschung bekannt. Wissenschaftler vermuten, dass die damals zur Hangstabilität in der Tiefsee benötigten Methanhydrate sich durch die Temperaturerwärmung im Ozean nach der Eiszeit gelockert hatten. Das Schlamm-Eis-Gemisch war geschmolzen und der unterseeische Abhang in Rutschen geraten.

 
Flutwellen durch Hangabrutschungen, Zerstörung von Küstenökosystemen, Veränderungen der Meeresströmungen: für viele Forscher werden sich die Auswirkungen der globalen Erwärmung nicht nur an Land abspielen. Die Ozeane bedecken 71 Prozent der Erdoberfläche und eine globale Temperaturzunahme bringt auch das größte Ökosystem der Erde ins "Schwitzen". Auch wenn die Folgen nur grob geschätzt werden können, zeigen die Daten bedrohliche Tendenzen:
• Der Ozean nimmt in den ersten drei Metern der Wassersäule derzeit noch etwa 50 Prozent der anthropogenen Treibhausgase (vor allem CO2 aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe und aus Waldbränden) auf. Doch diese Pufferkapazität könnte begrenzt sein.
 
  • Die Temperaturerhöhung führt zu einer thermischen Ausdehnung der Wassermassen. In den letzten 100 Jahren stieg der Meeresspiegel um rund 15 Zentimeter. Klimastudien gehen von weiteren 50 Zentimeter in den nächsten 50 Jahren aus. Ganze Küstenländer drohen zu versinken
  • Ein vermehrter Energieeintrag in die tieferen Wassermassen könnte die derzeitigen Strömungsmuster drastisch verändern. Die Fernheizung Europas, der Golf- oder Nordatlantikstrom, könnte ausklingen.
  • Das Ozonloch, UV-Strahlung und Erderwärmung beeinträchtigen die Tier- und Pflanzenwelt. .
 
Ob Barrakudas oder der Mondfisch Mola mola in den Netzen der Nordseefischer, oder die Mittelmeerassel Idothea metallica am Meeresboden vor Helgoland: Zunehmend verzeichnen Experten auch neue eingewanderte wärmeliebende, so genannte lusitanische Spezies in deutschen Gewässern.
 
Die Folgen für die einheimischen Tierarten sind noch unbekannt. Andernorts bedrohen die hohen Wassertemperaturen die Mangroven und Korallenriffe. Noch sind die Folgen der globalen Temperaturerhöhung nicht alle voraussehbar. Trotzdem: Es wird die Sache der Politiker sein, dem Klimawandel entgegenzusteuern. Welche auch zerstörerischen Kräfte im Wasser stecken, war ja zum Leidwesen vieler beim Hochwasser der Elbe eindeutig zu sehen.
 
 

Erhöhter Kohlendioxidgehalt

Ozeanströmungen wirken als gigantische Klimamaschinen. Allein die obersten drei Meter der Wassersäule können so viel Wärme speichern wie die gesamte Atmosphäre darüber. Jedoch: Bis zum Jahr 2100 soll die globale Mitteltemperatur zwischen einem und 3,5 Grad Celsius ansteigen, ergaben Berechnungen des internationalen Wissenschaftlergremiums IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). Gleichzeitig steigt der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre ungeändert an. Wie reagieren die Ozeane?

Bei erhöhten Temperaturen infolge der globalen Erwärmung bildet das Phytoplankton mehr Chlorophyll ("Blattgrün") und es speichert der Theorie nach beim Wachstum mehr Kohlendioxid. Noch ist aber der Kohlenstoff-Kreislauf im Ozean zu wenig bekannt. Seit der letzten Eiszeit vor 11 000 Jahren konnte der Ozean mit dem Anstieg des Co2-Gehalts mithalten. Ursache dafür ist die "Thermohaline Zirkulation", bei der die Tiefen(Kalt)-Wassermassen und die Warmwassersphäre voneinander entkoppelt wirken. So bleiben die Auswirkungen eine Ozeanerwärmung regional begrenzt.

 

 


Das Plankton produziert 50 Prozent des Sauerstoffs in der Atmosphäre.

 
So bekannt dieser Prozess ist, so unklar sind die genauen Vorgänge innerhalb der Nahrungskette und der weitere Verbleib der Algen nach deren Absterben. Große Mengen an Kohlendioxid könnten dauerhaft gespeichert werden, wenn die Mikroalgen auf den Grund der Ozeane sinken, bevor sie bei ihrem Zerfall das Treibhausgas wieder freisetzen. Solange der Ablauf dieser "Biologischen Pumpe" nicht eindeutig geklärt ist, bleiben die Ozeane ein unsicherer Faktor in Klimamodellen, die die Auswirkungen der globalen Erwärmung vorhersagen sollen.
 
Andererseits könnte der erhöhte Eintag von Co2 im Meer den Kalkhaushalt vieler Organismen beeinträchtigen. Das gilt nicht nur für die Korallenorganismen im Flachmeer, sondern auch für das ozeanische Plankton. Wenn die Atmosphäre viel Kohlendioxid enthält, steht dem Meeresplankton weniger Kohlenstoff zur Verfügung, um seine Kalkschalen aufzubauen. Denn je mehr Co2 die Atmosphäre enthält, desto saurer wird das Oberflächenwasser im Meer. Bei niedrigerem pH-Wert sinkt die Konzentration der Karbonat-Ionen, die Korallen, Foraminiferen und andere Tiere für den Aufbau ihrer Kalkschalen brauchen. Die biologische Pumpe wirkt dann also schwächer.
 
Noch ist zu wenig über diese Vorgänge bekannt. Völlig fehl am Platz ist jedoch die Überlegung, durch eine Düngung der Meeres mit Eisensulfat das Wachstum der Grünalgen zu steigern, um das industrielle Co2 so aus der Atmosphäre zu entfernen. Der Verursacher an Land sind für den Treibhauseffekt verantwortlich - und nicht der Weltozean.
 
Die Schwertfisch-Industrie
 
Wussten Sie, dass Schwertfische über 25 Jahre alt werden können? Und dabei erreichen sie stattliche Größen von 600 Kilogramm. Diese spindelförmigen Kolosse gelten als schnellste Schwimmer der Erde: mit dokumentierten 96,5 Stundenkilometern jagen sie durch die Weltmeere, wenn sie wollen, tauchen sie auch mal eben 1 000 Meter tief.

Auf der Jagd nach Makrelen und Tintenfischen brauchen diese Raubfische keine Zähne, dazu dient ihnen der lange Mundstachel, den sie als tödliches, um sich peitschendes Schwert einsetzen. Ihre Haut hat auch keine Schuppen, daher gilt für manche Juden das Filet als nicht koscher. Dafür macht die raue Haut den Sprint im Meer schneller.

 
Wussten sie, dass geschätzte 250 000 Kilo tote junge Schwertfische jährlich vor den Küsten wegen ihrer geringen Größe einfach ins Meer gekippt werden? Seit den 80er Jahren wird mit erbarmungsloser Kraft ein letzter Raubzug auf die Schwertfischbestände im Ozean geführt. Dadurch kommt es an den Köderfischen der Langleinen eben auch zu den sehr kleinen gefangenen Jungtieren. Da es illegal ist, zu kleine Fische an Land zu bringen, werden die jungen, untermaßigen Fische einfach im "blauen Regal", das heißt über Bord und damit aus dem Blick, im Meer versenkt.
 
Der Druck auf die Bestände im Meer ist in den letzten Jahren so gewaltig gewachsen, dass die sechsmilliardengroße Erdbevölkerung die um ein mehrfaches höhere Anzahl Fische bis zur letzten Flosse ausrotten wird. So lassen moderne Sonartechniken und Satellitennavigation immer noch übersubventionierte Fischerflotten ins Meer zum großen letzten Raubzug ausziehen. Nach Angaben der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen sind mindestens 60 Prozent der weltweit 200 häufigsten genutzten Fischarten entweder überfischt oder werden bis zum Limit befischt. Und 13 der 17 Hauptfangebiete der Welt sind mittlerweile praktisch leer!
 
Überfischung, unangepasstes Management und Zerstörung der küstennahen Habitate haben die Populationen von Seezunge, Scholle, Atlantischem Lachs, Thunfisch und Schwertfisch auf so niedrigen Stand gebracht, dass sich die Befischung kaum mehr lohnt. Fische sind heutzutage selbst für Fischer Mangelware geworden. Die letzten Fanggründe für die Fischerei liegen fernab der bekannten Hoheitsgewässer an unterseeischen Seehügeln (engl. Seamounts) - dort findet zur Zeit der letzte unreglementierte Raubbau statt.
 
Bevor die Schwertfische (Xiphidae), Mitglied der Makrelenfamilie, ihre majestätische Größe von fünf Metern erreichen, müssen die Jungen einige Veränderungen vollziehen. Die Larven bevorzugen warmes Wasser, mindestens 24 Grad, und leben vermutlich hauptsächlich in Küstennähe. Genaueres wissen selbst die Forscher nicht, da die Schwertfische im weiten Ozean ausgedehnte Wanderungen unternehmen. Erst ab einem Alter von fünf Jahren bei Weibchen (ca. 70 Kilo) und drei Jahren bei Männchen (ca. 30 Kilo) werden die Tiere geschlechtsreif.
 
Genau dieser lange und späte Entwicklungszyklus ist ein Dilemma. Schon heute sind 83 Prozent der Fänge nur noch unreife Weibchen. Keine Nachkommen sind also in Sicht. Konkret bedeutet dies: Die Ostatlantischen Bestände der Schwertfische werden im Jahre 2005 ausgestorben sein, wie Umweltschützer befürchten. Darauf deuten auch andere Daten. So ging das Durchschnittsgewicht der Fänge seit Erfindung der Langleinenfischerei von 130 auf 45 Kilogramm zurück. Alles, was da heute noch gefangen wird, ist Kleinvieh.
 
Umweltschützer haben in den letzten Jahren ein weit gehendes Verbot der unselektiven Treibnetzfischerei im Mittelmeer und zumindest in Teilen des Atlantiks und Pazifiks durchsetzen können. Aber vor allem im asiatischen Raum sind bisher die Kontrollen bei den Fischern nicht vollständig. Gerade dorther stammt aber ein Großteil unser Thunfischkonserven - oft noch zynisch versehen mit dem nicht prüfbaren Stempel "Delphinsicherer Fang". Auch das "Marine Stewartship Council" (MSC)-Siegel, eingeführt von der Fischindustrie, ist noch kein Garant für eine wirklich nachhaltige Fischerei (wie das Beispiel der Tiefsee-Fischfangquoten zeigt, bei denen ohne jedwede wissenschaftliche Erkenntnisse von einer nachhaltigen Bewirtschaftung gesprochen wird). Zu viele Fischer suchen derzeit mit Ringwaden und Langleinen die letzten "Büffel" der Ozeane.
 
Langleinenfischerei: das sind 20-45 Kilometer lange Hakenleinen und tausend Köder versteckt im Meer. Die Haken ziehen von Thunfisch bis zum mittlerweile gefährdeten Albatross gnadenlos alles Essbare aus dem Meer. Die Fischer allein können nichts dafür: Wäre der Bedarf nach der Sushi-Delikatesse etwas geringer, könnten eventuell Schutzmassnahmen greifen. Vielleicht, indem die Bestände einfach für zehn Jahre in Ruhe nachwachsen könnten.
 
 
Der weltweite Handel mit tropischen Fischen bedroht die Vielfalt der Korallenriffe
 

Welchen Fisch hätten Sie denn gern? Ob Falter- oder Kaiserfische, Schmetterlings- oder Kofferfische, giftige Rotfeuerfische, seltene Seepferdchen oder gar räuberische Haie: in jeder Größe und aus den entlegensten Gegenden der Welt sind heute Zierfische für das Seewasseraquarium bei Zoohändlern zu bekommen. Zu fast 100 Prozent werden dabei Wildtiere gehandelt.

Der Handel mit marinen Zierarten, wie Zierfischen, Korallen und anderen Wirbellosen, wie Mollusken, Garnelen und Seeanemonen, umfasst einen jährlichen Umsatz von geschätzten 170 bis 280 Millionen Euro. Weltweit werden etwa 1500 marine Zierfischarten, mit jährlich um die 20 bis 24 Millionen Individuen gehandelt, berichtet die UNEP (Report “From Ocean to Aquarium: The Global Trade In Marine Ornamentals”). In Amerika werden jährlich rund 100 Millionen Dollar mit Aquarienfischen umgesetzt, hierzulande erwirtschaftet der Handel geschätzte fünf bis zehn Millionen Euro.

 


Der Disney-Film "Findet Nemo" sorgt für eine rege Nachfrage nach tropischen Fischen.

 
Seit den 80er-Jahren erfreut sich die Seewasseraquaristik zunehmender Beliebtheit. Durch Verwendung von besseren Salzen für das künstliche Meerwasser, neue Methoden zur Wassersäuberung und zur Instandhaltung gelingt das Halten von Meerwassertieren selbst ungeübten Neulingen. Die Becken werden dann mit so genannten "Lebenden Steinen", Meeresalgen und bunten Fischen besetzt. Am begehrtesten sind die besonders farbigen Korallenfische.
 
Also fangen Einheimische in den tropischen Gewässern die bunten Korallenfische mit Netzen, Reusen oder Betäubungsmitteln. Insbesondere das billige Natriumcyanid - verdünnte Blausäure - wird von den Tauchern zum Sammeln eingesetzt. Dabei werden nicht nur viele Fische getötet. Auch die Korallenstöcke und andere Riffbewohner werden durch das Gift geschädigt. 30 bis 50 Prozent der gefangenen Fische sterben in den ersten Wochen an der schleichenden Vergiftung.
 
Über Zwischenhändler, so genannte Transshippers, werden die Sammelbestellungen der Zoohändler importiert. Per Luftfracht werden die Fischboxen je nach Art mit Stückzahlen von bis zu 500 Fischen in alle Welt vertrieben. Verdient der Exporteur nur zehn Cent pro Anemonenfisch, steigert sich der Preis durch die Importeure und Frachtkosten auf fünf bis acht Euro im Zoohandel.
 
BGenaue Angaben über die Menge eingeführter Zierfische in Deutschland sind kaum zu finden. Wöchentlich wurden im Jahr 1999 in der EU allein zirka 45 000 Anemonenfische und Chromis-Riffbarsche importiert, schätzte Robert Brons vom holländischen Großhändler DeJong. Selbst beim Bundesamt für Naturschutz oder Amt für fachgerechten Natur- und Artenschutz liegen keine genaue Daten vor, da diese Tiere nicht erfasst werden müssen.
 
Dabei war Deutschland einmal Vorreiter in der Kennzeichnung und im Schutz von Korallenfischen. Für acht Jahre unterlagen Kaiser- und Falterfische strengen Einfuhrbestimmungen. Was zuerst bei deutschen Aquarianern dazu führte, dass seltenere Fische eben in der Schweiz oder in Holland eingekauft wurden, führte letztendlich auch zum Ende des Gesetzes: Aus Wettbewerbsgründen war das nationale Gesetz angeblich nicht mehr tauglich.
 
Seit Juni 1997 gilt nun die EU-Rechtslage, wonach - bis auf den Stör, einige Schneckenarten, Riesenmuscheln, Steinkorallen und einige wenige andere Exoten aus der Washingtoner Artenliste - kein tropischer Fisch vor umfangreichem Handel geschützt ist. Die Steinkorallen sind mittlerweile bei den Malediven und Seychellen fast verschwunden. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die majestätischen Preußenfische, putzigen Riffbarsche und regenbogenfarbenen Drückerfische aussterben werden.
 
Je seltener ein Fisch nämlich ist, desto mehr reizt er manche Hobbyisten zu einem Versuch im heimischen Aquarium. So kursieren Gerüchte von Auftragsjägern, die nach Australien oder auf die Fidschi-Inseln fliegen, für Kunden, die bereit sind, tausende Euro für seltene Tiefwasser-Kaiserfische oder Leopardendrückerfische zu bezahlen.

Fairerweise muss man den deutschen Aquarianern aber ein gehobenes Umweltbewusstsein attestieren. Im Gegensatz nämlich zu Nordamerika wird einiges zur Aufklärung geleistet. Viele Hobbyaquarianer haben sich notgedrungen um die Nachzucht von Steinkorallen verdient gemacht, da diese heutzutage nicht mehr importiert werden dürfen. Und auch die Zoohändler handeln vermehrt mit Fischen aus Fangstationen ohne Cyanid oder bieten Fische aus Nachzuchten an.

Damit dies für die begehrten Fische auch anwendbar ist, bedarf es weiterer Anstrengungen. Denn die Aufzucht von Korallenfischen gilt als äußerst schwierig: Die Larven wechseln die Nahrungsgewohnheiten je nach Alter, angefangen von Einzellern und Wimperntierchen über kleine Rädertierchen hin zu mittelgroßen Kleinkrebsen. Manche Jungtiere bevorzugen zudem nur sich bewegendes Plankton und keine auf den Boden fallende Planktontiere. Auch die speziellen Futtermixturen der Händler helfen da nicht weiter. Und dazu kommen die nicht immer bekannten komplizierten Paarungsgewohnheiten, wobei manche in Einehe leben, andere wiederum in Haremsrudeln.

"Verantwortungsbewusste Zoohändler sollten auf die Nachzuchten hinweisen. Auch der Verbraucher ist hier gefragt: er sollte die an Gefangenschaft besser angepassten Fische wählen" so Dr. Onno Groß. Für viele Tropenfische ist aber der beste Schutz ein völliger Verzicht.

Hintergrundinfo: "Der Handel mit marinen Zierfischen", http://www.wwf.de