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DEEPWAVE
Initiative zum
Schutz der Tiefsee
 
Zeitbalken
   
P R E S S E S P I E G E L 
__________________________________________________________
 
Juli 2007
 
Meeresschutz: Goldrausch in der Tiefe
 

In Jules Vernes' 1870 erschienenem Roman "20.000 Meilen unter dem Meer" trifft Professor Pierre Arronax auf Nemo, den mysteriösen Kapitän des Unterseeboots Nautilus. Nemo versorgt sich und seine Mannschaft ausschließlich mit den Schätzen des Meeres und beutet unter dem Meeresboden liegende Kohlenflöze aus. Aus der Fiktion, Rohstoffe vom Meeresboden zu nutzen, wird heute Realität: Mit steigenden Metallpreisen lohnt sich zunehmend auch der Bergbau im tiefen Ozean.

 
Welche Folgen dies für die Umwelt haben kann, erläutert Onno Groß in Heft 7/2007 des Infodienstes punkt.um.
 
 
September 2006
 
Öko-Reisen: Wale und Robben in Nord- und Ostsee besuchen
 

Nord- und Ostsee haben weit mehr zu bieten als Badeurlaub: Meeressäuger, wie das Wildtier des Jahres, den Seehund, Kegelrobben und sogar Wale.

 
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Tödliche Tristesse in der Tiefsee
 
Von Franziska Badenschier

Auch in der Tiefsee kann das Treibhausgas Kohlendioxid schaden. Deutsche Forscher filmten eine lebensfeindliche Einöde über einem CO2-See. Umweltschützer warnen bereits davor, Abgase aus der Industrie voreilig zu versenken. Doch Pläne und Versuche gibt es bereits.

Den ganzen Artikel können Sie bei Spiegel-Online nachlesen
oder hier als PDF-Datei ( Größe 34 KB) einsehen.
 
 
 
Juli 2006
 
Gegen die Vernichtung von Mangrovenwäldern
 
Umweltorganisationen machen aufmerksam

Umweltproteste in Stralsund.
Während Greenpeace-Aktivisten zur Bushvisite mit spektakulären Antikriegs-Transparenten die übertriebenen Sicherheitsmassnahmen ad absurdum führten, lag ein Tag später ein Schiff fast unbemerkt im Hafen.

 
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Besuchen Sie dazu auch die Website www.proteinpirates.org
 
 
Dezember 2005
 
Buddel im Gold der Nordsee

Naturschützer kritisieren großflächigen Abbau von Kies
Von Axel Bojanowski
Süddeutsche Zeitung Nr. 294, Seite 9, Mittwoch, 21. Dezember 2005

 

Seit zwei Jahren kreuzt das größte Saugbaggerschiff der Welt die Nordsee. Die "Charlemagne" fördert Sand und Kies von der Weißen Bank, einem Gebiet etwa 60 Kilometer nordwestlich von Helgoland. Ihr Rüssel schlürft alles vom Meeresgrund, was dort zu finden ist. Eine fischig riechende Lawine aus Geröll, Pflanzen und Tieren ergießt sich aus dem oberen Ende des Saugrohrs in den hausgroßen Schiffsbunker. Steinriffe auf dem Meeresgrund, die ein Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen sind, muss die "Charlemagne" 500 Meter weit umfahren. Da niemand genau weiß, wo diese Schutzgebiete liegen, musste die Betreiberfirma OAM-Deme Karten des Meeresgrundes anfertigen, um die Fördergenehmigung zu bekommen.

"Unschätzbarer Schaden"

Doch diese Karten sind offenbar falsch. Diverse Steinfelder seien auf den Karten viel zu klein dargestellt, manche gar nicht eingezeichnet, sagt Henning von Nordheim vom Bundesamt für Naturschutz (BfN). "Auch in Schutzzonen wurde gebaggert und unschätzbarer Schaden angerichtet". Das zeigten Filmaufnahmen von Tauchern, die im Auftrag des BfN den Nordseegrund inspiziert haben. Womöglich seien zahlreiche Biotope zugrunde gegangen, sagt von Nordheim.

"Wir gehen der Sache nach", erklärt das Landesbergamt Clausthal-Zellerfeld, das die Fördergenehmigung erteilt hat. Der Schutz der Steinbiotope solle auf jeden Fall gewährleistet werden. Auf den kilometerlangen Wällen und Inseln aus Fels, Kies und Sand finden Seeigel, Muscheln, Seelilien und Würmer Halt und Unterschlupf. Viele dieser Lebewesen stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Um sie zu schädigen, reicht es schon, dass die "Charlemagne" den erforderlichen Sicherheitsabstand nicht einhält. Denn wenn an Bord des Förderschiffes die nicht erwünschten Sandkorngrößen ausgesiebt werden, entsteht eine trübe Fahne, die wochenlang im Wasser treibt. Die Körnchen verstopfen die Filterorgane vieler Lebewesen, die dann zugrunde gehen, warnt Hans-Jörg Lüth vom Bund für Umwelt und Naturschutz.

Die Abbaufirma bestreitet die Vorfälle. "Für eine Überprüfung der Karten gibt es keinen Grund", sagt Klaus Bäätjer, Geschäftsführer von OAM-Deme. Henning von Nordheim hingegen erklärt, das Unternehmen habe Misstrauen erregt, weil die Sonarkarten nicht die erforderliche Genauigkeit aufwiesen. Neue Karten habe OAM-Deme trotz mehrfacher Aufforderung nicht vorgelegt. Deshalb sei das Abbaugebiet schließlich kontrolliert worden.

Das Gesetz sieht bei Verstößen gegen die Auflagen neben einer Verwarnung auch Strafe und gar ein Verbot der Rohstoffförderung vor. Das käme OAM-Deme äußerst ungelegen, denn auf dem Grund der Nordsee liegen riesige Mengen Kiessand. Die Nachfrage nach dem "Gold der Nordsee" ist groß, vor allem als Schotter für den Straßen- und Bahnbau und als Grundstoff für Beton. 460 Tonnen Sand und Kies verbraucht ein Deutscher durchschnittlich in seinem Leben - das ist weitaus mehr als von je dem anderen Rohstoff. Bei Erdöl, das an zweiter Stelle steht, ist es nur ein Drittel der Menge.

Das Landesbergamt genehmigte den Kiesabbau in der Weißen Bank erst nach jahrelanger Prüfung. Beschlossen wurde schließlich, dass OAM-Deme zum Ausgleich für den angerichteten Schaden neben der obligatorischen Pachtabgabe Ersatzzahlungen von fünf Cent pro Kubikmeter Sand oder Kies für Umweltschutzmaßnahmen leisten muss. Uwe Johannsen von der Umweltstiftung WWF ist dennoch der Meinung, dass die Vergabe von Nutzungsrechten in der Nordsee zu leichtfertig erfolgt. Vor kurzem hat OAM Deme die Genehmigung erhalten, 45 Jahre lang in dem Gebiet OAM3 Kies zu fördern, das neben der Weißen Bank liegt. Von dieser Region gebe es nicht einmal Sonarkarten, sagt Johannsen. Die Fördererlaubnis sei allein auf Grundlage von Stichproben des Meeresgrundes erteilt worden. "Wie will man schädliche Eingriffe verhindern, ohne zu wissen, wo die Biotope liegen?", fragt der Umweltschützer. Derzeit wird über die Vergabe einer Fördererlaubnis für ein drittes Feld namens BSKI verhandelt.

Wettlauf um Meeres-Claims

Naturschutzverbände sehen den Kiesabbau grundsätzlich skeptisch. Denn in den genehmigten Fördergebieten leben Sandaale, von denen sich wiederum Kegelrobben, mehrere Vogelarten und der Schweinswal ernähren. Zudem überwintern dort verschiedene Vögel, unter anderem der Seetaucher. Das Abbauareal OAM3 liegt großteils in einem Vogelschutzgebiet. Die EU überlegt, alle Kiesfelder zu so genannten "Fauna-Flora-Habitat-Gebieten" zu erklären. In solchen Regionen werden menschliche Eingriffe nur mit Sondergenehmigung und nur unter Auflagen erlaubt.

Eine vernünftige Interessenabwägung zwischen Wirtschaft und Naturschutz habe beim Kiesabbau in der Nordsee nicht stattgefunden, sagt Onno Groß von der Meeresschutzorganisation DEEPWAVE. Verschärft werde der Konflikt, weil sich diverse Firmen einen Wettlauf um die besten Claims auf dem Meeresgrund lieferten. Denn zwischen Schifffahrtsstraßen, Fischereigründen und militärischen Übungsgebieten werden Windkraftan-lagen errichtet, Telekommunikationskabel und Ölpipelines verlegt sowie Rohstoffe abgebaut.

 
 
 
November 2004
Leer gefischt, verdreckt und zunehmend industriell genutzt
Von Philip Banse
Umwelt & Landwirtschaft 5.11.2004
 

Er wird zugebaut, mit Schadstoffen belastet und von Wasser und Wind abgetragen - der Boden ist eines der Sorgenkinder der Umweltfachleute. Genau wie das Land leiden aber auch die Meere unter einer übermäßigen Nutzung durch den Menschen: Sie werden leer gefischt, voll gepumpt mit belastetem Abwasser und zunehmend genutzt für die Schifffahrt, als Standort für Windkraftanlagen oder für den Abbau von Rohstoffen. Wie kommen Tiere und Pflanzen im Meer damit zurecht? Und was kann und muss für ihren Schutz getan werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Experten auf einer Veranstaltung in Berlin - eingeladen vom NABU, dem Naturschutzbund Deutschland.

Was vor rund 20 Jahren der Regenwald war, ist in den Augen der Naturschützer auf dem NABU-Seminar heute das Meer: Von Verschmutzung und Raubbau geschunden, vom Menschen vergessen - auch von vielen Naturschutzverbänden. Ralf Schulte vom Naturschutzbund NABU erklärt das lange Schweigen vieler Umweltschützer zum ökologischen Drama Meer so:

Es ist dort niemand, der hautnah betroffen wird von diesen Ereignissen. Und selbst, wenn wir als Touristen oder als Urlauber uns im Sommer am Meer aufhalten, dann nehmen wir das so unmittelbar nicht wahr. Wir erfahren mal von einer Lagenplage, vielleicht von toxischen Algen, die wir nicht berühren sollten, aber das ist dann auch alles.

Dass vor allem Nord- und Ostsee von viel weitreichenderen Problemen bedroht sind, versuchte der NABU auf dem Seminar deutlich zu machen: Ölförderung, Fernmeldekabel, Off-Shore- Windkraftanlagen, Kiesabbau, Fischerei - die industrielle Nutzung des Ökosystems Meer nimmt stetig zu - mit zum Teil drastischen Folgen für die Pflanzen und Tiere. Petra Deimer, Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere, kritisierte unter anderem die Windkraftanlagen im Meer. Diese verursachten großen Lärm, der Fischen und Meeressäugern sehr zu schaffen macht. Schweinswale zum Beispiel verlören die Fähigkeit, einander zu hören - ein oft tödlicher Defekt. Die größte Bedrohung für Fische und Meeressäuger seien jedoch die Fischer, sagte Petra Deimer: Hunderdtausende von Fischen verenden jedes Jahr als so genannter Beifang in den Netzen. Der Schweinswal sei deswegen in der Ostsee vom Aussterben bedroht. Deimer forderte, ganze Gebiete für den Fischfang zu sperren und schlicht weniger Fische zu fangen:

Die Fischerei ist in der ganzen Welt nicht nachhaltig. Wir können nicht fischen, was wir fangen können. Die Subventionen sind schuld, weil es sich für Fischer auch lohnt rauszufahren, auch wenn sie mit ganz wenig Fisch zurückkommen. Es wird zu viel gefischt, die meisten Fische werden schon gefischt, bevor sie geschlechtsreif sind. Wo soll denn da der Nachwuchs herkommen?

 
Für Wale ist kaum Platz mehr in der Nordsee. Foto: BSH
 

Auf eine bisher kaum beachtete Nutzung des Meeres machte Onno Groß, Meeresbiologe von DEEPWAVE aufmerksam, einer Initiative zum Schutz der Hoch- und Tiefsee. Obwohl es an Land große ungenutzte Vorräte gebe, werde in Nord- und Ostsee immer mehr Sand und Kies abgebaut. Eine Hand voll Unternehmen habe sich umfassende Rechte gesichert und darf in zum Teil ökologisch hoch sensiblen Gebieten den kompletten Meeresboden absaugen. Beispielsweise wird eine Hamburger Firma 40 km westlich von Sylt jedes Jahr eine Millionen Tonnen Sand und Kies fördern - das füllt einen Güterzug von Hamburg bis München und zurück. In nächsten 50 Jahren werden nur in diesem Gebiet vor Sylt 25.000 Fußballfelder Meeresboden abgesaugt, sagte Onno Groß von DEEPWAVE - und Meeresboden ist nicht nur Sand:

Es sind Millionen von Tieren, auch seltene Tiere, es ist ein Abbau der obersten Schicht des Meeresbodens von 2 bis 3 Meter Tiefe, da gibt Fischlaich, Meeressäuger wie Schweinswale sind betroffen. Insofern ist es ein gewaltiger Eingriff in das Ökosystem der Nordsee und sollte eigentlich verboten werden.

Einig waren sich die Meeres-Experten, dass die Europäische Union wichtige Schritte zum Schutz der Nord- und Ostsee unternommen hat. Mit der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, die den Lebensraum Europa nachhaltig schützen soll, habe die EU eine zentrale Grundlage auch zum Schutz der Meere gelegt. Auch das EU-Programm Natura 2000 wurde gelobt. Alle EU-Staaten müssen danach mindestens 10 Prozent ihrer Hoheitsgewässer als Schutzgebiete ausweisen. Deutschland hat das als erstes Land gerade getan. Onno Groß, Meeresbiologe von DEEPWAVE, bemängelte jedoch, in Brüsseler Fischerei- und Umweltpolitik gegensätzliche Ziele verfolgen. Der Umweltschutz müsse zu oft hinter die wirtschaftlichen Interessen der Fischereiländer zurücktreten. So seien Schleppnetze erst 2008 verboten - für viele Schweinswale das Todesurteil. EU-Richtlinien müssten viel stärker auf eine nachhaltige Bewirtschaftung der Meere abzielen:

Wenn wir das nicht tun, dann überrennt uns die Problematik, durch Fischerei, Klimawandel, zunehmende Nutzung, man denke an die Offshore-Windkraftanlagen und zunehmende Schifffahrt, und wir sind nicht mehr in der Lage, diese Artenvielfalt in den europäischen Gewässern zu bewahren.

 
 
 
Oktober 2004
Das Hamburger Straßenmagazin - Oktober 2004
 
RAT UND TAT
 

Um Umweltschutz vor der Haustür kümmern sich schon viele - um den Schutz der Ozeane nur sehr wenige. Dabei besteht die Erde zu 60 Prozent aus Hoch- und Tiefsee. Doch dieser Lebensraum für Millionen Tier- und Pflanzenarten, für Nahrung und Rohstoffe wird vernachlässigt, verschmutzt und ausgebeutet. Ein Zustand, der den Hamburger Meeresbiologen Dr. Onno Groß veranlasste, die "Intitiative zum Schutz der Hochund Tiefsee Deepwave e.v." zu gründen.

"Die Tiefsee ist ein Jahrmillionen alter Lebensraum und so artenreich wie die Regenwälder. Aber es gibt keinen wirksamen Schutz. Keine Umweltinitiative hat sich speziell diesem Ökosystem gewidmet", so der Vorsitzende der jungen Naturschutzorganisation, die inzwischen auf internationaler Ebene arbeitet und auch mit anderen Organisationen kooperiert. Mit Öffentlichkeitsarbeit, wissenschaftlichen Projekten und politischem Druck kämpft "Deepwave" für den Schutz dieses gewaltigen Ökosystems - und für seine Erforschung.

Denn: "Von dieser riesigen Fläche mit Tiefen von mehr als 5000 Metern sind gerade mal zwei Quadratkilometer Meeresboden erforscht. Wir haben noch lange nicht die komplexen Vorgänge, die dort ablaufen, durchschaut - ob sie nun für das Weltklima oder für die Fischbestände wichtig sind", so Groß. Nur ein größeres Bewusstsein und Wissen über diesen Lebensraum könne helfen, dass die Menschen mehr Respekt für die Tiefsee aufbringen und zum Schutz des labilen Ökosytems ihr Verhalten ändern.

Wer die Intiative unterstützen oder sich informieren will:
Deepwave, Hegestraße 46d,
20251 Hamburg,
Tel.: 46856262,
Internet: www.deepwave.org
Spendenkonto: 1208 116713,
Hamburger Sparkasse 20050550.

 
 
 
März 2004
Stern - 26. März 2004
 
Interessenskonflikt - Kies oder Schweinswale?
Umweltschützer schlagen Alarm. Der Kiesabbau in einem der bedeutendsten Naturschutzgebiete Europas hätte katastrophale Folgen.
 

Vor der deutschen Nordseeküste wollen zwei Unternehmen in einem der bedeutendsten Naturschutzgebiete Europas Millionen Tonnen Sand und Kies fördern. Umweltschützer schlagen Alarm: Angesichts der Schneisen, die riesige Saugbagger in den Boden reißen würden, könnte es zu katastrophalen Folgen für seltene Tiere wie den bedrohten Schweinswal, die Kegelrobbe, unzählige Bodenlebewesen und damit für die gesamte Nordsee kommen. Die Behörden müssen zwischen Naturschutz- und wirtschaftlichen Interessen abwägen.

Von dem Interessenkonflikt sind das Sylter Außenriff (5317 Quadratkilometer) und das Vogelschutzgebiet Östliche Deutsche Bucht (3142 Quadratkilometer) betroffen. Beide Regionen liegen westlich vor der Ferieninsel Sylt. Aus Sicht des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zählen sie im europäischen Maßstab zu den besonders schützenswerten Regionen und sind aussichtsreiche Kandidaten für das Projekt "NATURA 2000" der Europäischen Union. Dieses hat zum Ziel, ein Netz von Schutzarealen über den Kontinent zu legen, um "die biologische Vielfalt in allen Bereichen" zu erhalten. Zurzeit diskutieren die Ministerien für Umwelt, Landwirtschaft, Verkehr und Wirtschaft in Berlin, welche Regionen nach Brüssel gemeldet werden.

Förderung von jährlich drei Millionen Tonnen Kies geplant Ob und wann Unternehmen mit dem Kiesabbau beginnen dürfen, ist zurzeit noch unklar. Die geplante Förderung von jährlich etwa drei Millionen Tonnen sei noch nicht genehmigt, sagt Klaus Söntgerath vom zuständigen Landesbergamt in Clausthal-Zellerfeld. Das Amt prüfe derzeit, ob der Abbau "die vorgesehenen Schutzgebiete und deren Erhaltungs- und Entwicklungsziele erheblich beeinflussen" würde. Wäre dies der Fall, bleibt der Kies, wo er ist. Man gehe im Amt schon jetzt davon aus, dass eingesaugte Organismen "überwiegend getötet" und Meeressäuger zeitweise gestört oder vertrieben werden können.

Umweltschützer wie die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäuger (GSM) oder der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnen, dass im Falle eines Abbaus wertvoller Lebensraum für seltene Arten weit über die Förderfläche hinaus verloren gingen. Die Bagger würden eine etwa drei Meter breite und rund zwei Meter tiefe Schneise in den Boden saugen. An Bord des Schiffes wird der Kies gleich gelagert oder zuvor gesiebt. Die Reste - feiner Sand, zertrümmerte Muscheln, Seeigel sowie andere Tier- und Pflanzenreste - sollen wieder ins Meer gelangen. Dieser Niederschlag würde weite Gebiete mitsamt seiner Tier- und Pflanzenwelt bedecken.

"Zerstörung der artenreichsten Lebensräume der Nordsee" "Die Kiesentnahme zerstört einen der artenreichsten Lebensräume der Nordsee, in denen viele seltene Meerestiere leben wie beispielsweise essbare Seeigel, Seescheiden, Moostierchen, Nesseltiere und Krebse", erklärt der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Deepwave zum Schutz der Hoch- und Tiefsee, Onno Groß. Einige der betroffenen Organismengruppen stünden auf der Roten Liste der bedrohten Arten. "Der umgepflügte Meeresgrund benötigt viele Jahre, um sich wieder zu regenerieren", ergänzt der Kieler BUND-Experte Martin Marquardt. Gisbert Jäger von der regionalen Umweltorganisation "Hohe Tied" betont, der Kies wirke am Meeresboden wie eine Kläranlage für belastetes Wasser. "Wollten wir diese Reinigungswirkung mit Maschinen erzielen, müssten wir jährlich 500 Millionen Euro aufwenden."

Eine der Firmen, die in der Nordsee Kies gewinnen möchten, ist das Hamburger Unternehmen OAM-Deme Mineralien. Geschäftsführer Klaus Bätjer räumt ein, dass es eine Restschädigung geben könne. "Absurd" sei hingegen die Annahme, dass es "erhebliche Schäden" geben werde. Bätjer weist darauf hin, dass sein Unternehmen überhaupt nur eine Fläche von zehn Quadratkilometern als "kieshöffig" ansieht.

Nicht der EU überlassen Der bis zum Jahr 2039 vorgesehene Kiesabbau ist ein Teil der vielfältigen Belastung der Nordsee. Es gibt militärische Übungsgebiete, Ölförderplattformen, Telekommunikationskabel und Pipelines. Künftig sollen große Windräder hinzukommen. Die Naturschutzorganisationen fordern die Bundesregierung daher auf, die Ausweisung von Schutzgebieten voranzutreiben. Dies solle nicht der EU überlassen werden.

(dpa, Thilo Resenhoeft)
http://www.stern.de/wissenschaft/natur/?id=521989&nv=cp_L2_tt

 
 
 
Februar 2004
 
Kies nicht wie Sand im Meer
 

Rohstoffabbau in potenziellen EU-Schutzgebieten westlich von Sylt beantragt. Umweltschützer warnen: Bodenlebensgemeinschaften würden auf Jahre hinaus zerstört. Der geschützte Schweinswal hätte nichts mehr zu fressen

von GERNOT KNÖDLER

In der Nordsee wird es eng: Zwischen Schifffahrtsstraßen, Offshore-Windkraftanlagen, militärischen Übungsgebieten und Rohstoffabbau-Feldern haben es die Bewohner des Meeres immer schwerer, sich zu behaupten. Jetzt will die Firma OAM Deme Mineralien in potenziellen EU-Naturschutzgebieten 40 Kilometer westlich von Sylt Sand und Kies abbauen. Umweltschützer halten das für absurd. Die vorgelegte Umweltverträglichkeitsstudie sei "unter aller Kanone", schimpft Onno Gross von der Umweltinitiative Deepwave.

Derzeit läuft ein Planfeststellungsverfahren, bei dem zwischen den Interessen des Bergbaus und des Naturschutzes abgewogen wird.OAM Deme hat beim Oberbergamt in Claustahl-Zellerfeld die Genehmigung beantragt, auf zwei 85 und 100 Quadratkilometer großen Feldern Sand und Kies abbauen zu dürfen. Dabei würde sie eine bis zu 2,60 Meter dicke Schicht des Meeresbodens mit den darin lebenden Pflanzen und Tieren absaugen - bis zu einer Million Kubikmeter im Jahr. Um diese Menge zu transportieren, wäre eine Sattelschlepper-Schlange von Hamburg nach München und zurück nötig, hat Gross ausgerechnet.

Für Karl Bätjer von OAM geht es um die "langfristige Versorgung mit Sand". Während Gross auf die schwächelnden Preise für den Rohstoff verweist, die sich auf dem Niveau der 80er Jahre bewegten, verweist Bätjer auf den Bedarf der Bauindustrie: Um einen Kubikmeter Beton herzustellen, seien eine Tonne Sand und eine Tonne Kies nötig. Diese Mengen ließen sich auch an Land gewinnen, findet Gross. In den vergangenen Jahren seien neue Kiesfelder, etwa in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt worden. Stattdessen die seltenen Kiesbänke auf dem Grund der Nordsee anzugreifen, hält er für falsch, denn das würde die ohnehin schon stark beeinträchtigte Nordsee als Lebensraum auf vielfältige Weise schädigen. "Man zerstört die Bodenlebensgemeinschaften auf Jahre hinaus", warnt Gross.

In Kiessanden leben nach Auskunft von Gross Trogmuscheln, Seeigel, Borstenwürmer, Lanzetttierchen und Sandaale, die dem gefährdeten Schweinswal als Nahrung dienen. Über die aus der Eiszeit stammenden Kiesbänke verstreut liegen Findlinge, die weiteren Arten als Trittsteine für ihre Verbreitung und den Austausch von Genen dienen: Seescheiden, Moos- und Nesseltierchen, Seenelken sowie die Rote-Liste-Arten Tote Manneshand und Essbarer Seeigel. "Der Kies am Meeresboden wirkt wie eine Kläranlage für belastetes Wasser", sagt Gisbert Jäger von der Umweltgruppe Hohe Tied. "Wollten wir diese Reinigungswirkung mit Maschinen erzielen, müssten wir jährlich 500 Millionen Euro aufwenden", rechnet er vor.

Bätjer verweist darauf, dass es seine Firma gewohnt sei, unter Umweltschutzauflagen zu arbeiten: "Wir sind ja nicht das erste Mal beim Baggern." Für den Küstenschutz werde aus küstennahen Meeresgebieten Kies entnommen, ohne auf das Ökosystem Rücksicht zu nehmen. Da sei es doch besser, das an wenigen Stellen unter Überwachung zu tun. Im übrigen gehe es OAM in erster Linie um Kies, "ungefähr so groß wie eine Walnuss". Sandaale lebten hier nicht. "Es heißt ja nicht Kiesaal." Allerdings, räumt Bätjer ein, werde man auch Sand abbauen. Das sei aber nicht von Belang, weil der Nordseeboden vor allem aus Sand bestehe.
taz Nord Nr. 7279 vom 9.2.2004, Seite 24, 111 Zeilen (TAZ-Bericht), GERNOT KNÖDLER
http://www.taz.de/pt/2004/02/09/a0304.nf/text.ges,1


Quelle: Spiegel, Ausgabe 07/2004
 

 
 
 
Februar 2004
Quelle: Welt am Sonntag, 15. Februar 2004
 
 
Eldorado in der Elbmündung
 

In der deutschen Bucht lagern riesige Mengen Kies. Das "Gold der Nordsee" soll nun geborgen werden

von Axel Bojanowski

Ob Gold, Silber oder Diamanten - wertvolle Rohstoffe werden aus den Weltmeeren gefördert. Kies erscheint dagegen zunächst nicht bergungswürdig. Dabei ist er zusammen mit Sand der wichtigste Bodenschatz für uns.

Wenn man den Gesamtverbrauch an Kies und Sand durch die Bevölkerungszahl dividiert, benötigt jeder Deutsche in seinem Leben 460 Tonnen Kies und Sand - das ist weitaus mehr als von jedem anderen Rohstoff. Bei Öl, das an zweiter Stelle rangiert, sind es 166 Tonnen. Steinchen und Minerale in der Größe zwischen zwei und 63 Millimeter werden als Kies bezeichnet, kleineres Material heißt Sand.

Jetzt, da die Kiesvorräte an Land langsam zur Neige gehen, werden manch Firmen im Meer "kieshöffig" - ein Begriff, der von dem Wort Hoffnung stammt.

Es herrscht Aufbruchstimmung an der Küste. Zwischen Schifffahrtstraßen, Fischereigründen und militärischen Übungsgebieten versuchen immer mehr Unternehmen, sich Areale in der Nordsee zu sichern: Windkraftanlagen sollen errichtet, Rohstoffe abgebaut, Telekommunikationskabel und Ölpipelines verlegt werden. Die Kieslagerstätten versprechen geradezu eine Bonanza. Denn während der Eiszeit transportierten Schmelzwasserflüsse große Mengen des Lockermaterials in das damals großenteils ausgetrocknete Nordseegebiet.

Vor einem Jahr wurde erstmals Kiesabbau in der Nordsee genehmigt: Westlich der Insel Sylt auf dem Gebiet der Weißen Bank, das mit einer Fläche von 440 Quadratkilometern etwa so groß ist wie die Stadt München, dürfen die Schiffbagger der Firma OAM-Deme Mineralien GmbH 40 Jahre lang ihre Saugrüssel zu Wasser lassen.

Dasselbe Unternehmen buhlt jetzt um ein ähnlich großes Kiesfeld ganz in der Nähe. Das Gebiet trägt bereits den Namen der Firma: "OAM 3". Jedes Jahr sollen dort in etwa 20 Meter tiefem Wasser bis zu eine Million Kubikmeter Kies und Sand geschürft werden. Um diese Menge zu transportieren, wäre eine Sattelschlepper-Kolonne von Hamburg nach München und zurück nötig. Die Firma OAM-Deme verfügt mit dem Saugbagger "Charlemagne" über das größte derartige Schiff der Welt. Es kann 10 000 Tonnen Kies aufnehmen, das 350fache eines Lastwagens - das senkt die Stückkosten. Um die gewünschte Kiesfraktion zu erhalten, wird das geförderte Material noch an Bord durch Siebe geleitet. Im Hamburger Hafen wird der Kies schließlich angelandet und in Züge und LKW verladen. Vor allem als Schotter für den Straßen- und Bahnbau und als Grundstoff für Beton ist die Nachfrage nach Kies seit langem groß. Um eine Kubikmeter Beton herzustellen, ist jeweils eine Tonne Sand und eine Tonne Kies nötig. Pro Tonne Kies werden etwa drei Euro bezahlt. Maximal ein Zehntel davon darf der Staat als Förderzins kassieren.

Der Preis, den die Wasserwelt für den Abbau bezahlt, ist nicht so leicht zu bestimmen. Nicht nur, dass der Meeresboden beim Abbau metertief abgetragen wird, wobei auch Tiere und Pflanzen mit eingesogen werden. Dabei werden bisweilen auch Schadstoffe aufgewirbelt, die normalerweise der Kies am Meeresboden als natürliche Kläranlage für belastetes Wasser herausfiltert. Hinzu kommt, dass die Schwimmbagger Lärm machen und eine Hunderte Meter lange und breite Sedimentfahne hinter sich lassen. Und: Ausgerechnet das nun beantragte Kiesfeld sollte der Europäischen Union demnächst als Naturschutzgebiet vorgeschlagen werden.

Die Lebensgemeinschaften am Meeresboden würden zerstört, fürchtet deshalb Onno Gross von der Umweltinitiative Deepwave. In Kiessanden leben beispielsweise Seeigel, Sandaale, Muscheln, Würmer und Moos- und Nesseltierchen. Einige der Tiere sind eingetragen in der roten Liste der bedrohten Arten. Andere dienen dem ebenfalls dezimierten Schweinswal als Nahrung. Zudem ist das Gebiet ein Winterrevier für Vögel namens Seetaucher. Die Lebensräume für diese Arten seien begrenzt, erklärt Gross. Kiesareale sind in der Nordsee viel seltener als Sandböden - das "Gold der Nordsee" sei deshalb auch für die Meeresbewohner kostbar.

Bestünde die Nordsee nicht aus Wasser, müsste man sie großenteils als
juristisches Neuland bezeichnen, denn es gibt keine abgestimmte Raumplanung: Nutzungsrechte überlagern sich. Bei der vor einigen Tagen abgehalten Anhörung der an dem Kiesfeld OAM 3 interessierten Firma durch das Schleswig-Holsteinischen Wirtschaftsministerium gab es denn auch einige Verwirrung. Vertreter von Umweltschutzverbänden wurde die Teilnahme verweigert, weil sie ihren Stammsitz nicht in Schleswig-Holstein haben. Der einzige bei der Anhörung zugelassene Teilnehmer eines Umweltvereins, Martin Marquardt vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), hält die Abbaupläne der Firma für "unausgegoren". Man wisse nicht genau, was das Unternehmen vorhabe, sagt Marquardt. Würde nicht aller Kies geschürft, könnten sich einige Lebewesen nach einigen Jahren womöglich wieder ansiedeln.

Naturschützer drängen darauf, Pläne zu machen, um die Interessen zwischen Wirtschaft und Naturschutz abzuwägen. "Die Behörden hinken den Fakten hinterher, die da draußen geschaffen werden", erklärt Marquardt. Zudem seien an Land neue Kiesfelder gefunden worden, etwa in Mecklenburg-Vorpommern sowie zwischen Wiehengebirge und Emsland.
Artikel erschienen am 15. Feb 2004
Welt am Sonntag

 
 
 
 
Januar 2004
 
Meeresschutz: Neue Initiative mit Tiefgang - DEEPWAVE in NATIONAL GEOGRAPHIC
 

Mit dem Löcherkraken als Logo schmückt sich eine von Onno Groß, Meeresbiologe und ehemaliger Redakteur von NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND, ins Leben gerufene ungewöhnliche Umweltorganisation: Deepwave - die Initiative zum Schutz der Hoch- und Tiefsee. "Auf einer Expedition im Mittelmeer sah ich Bilder eines Tiefseevideoschlittens: Hunderte von Plastiktüten schwammen in 2000 Meter Tiefe vorbei", erinnert sich der Biologe, "auch Orangenschalen, Kreditkarten und anderer Müll." Unfassbar für Groß, denn die Tiefsee ist ein viele Millionen Jahre alter Lebensraum und so artenreich wie die Regenwälder an Land.

Obwohl die Hoch- und Tiefsee 60 Prozent unseres Planeten ausmacht, gibt es bisher keine Umweltinitiative speziell zum Schutz der Tiefsee. Deshalb wurden Groß und seine Mitstreiter aktiv und gründeten Deepwave. Auf ihrer Website im Internet informieren sie über die bedrohte Artenvielfalt an den Seebergen, die Zerstörung der Kaltwasserriffe vor Europas Küsten und über weltweite Forschungsprojekte. Auch ein Online-Forum zum Meinungsaustausch
und einen Newsletter bieten die Hamburger an. Denn eins möchte Groß
verhindern: "dass uns die Juwelen der Tiefsee verloren gehen" - und Arten
wie beispielsweise der hochentwickelte, äußerst seltene und im Freiwasser der Ozeane lebende Löcherkrake. Noch wissen wir wenig über diese geheimnisvollen Tiere und über die Ökosysteme der Tiefsee. Informationen bietet fortan Deepwave unter www.deepwave.org. mehr...

 
 
 
November 2003
 
DEEPWAVE.org zur "Homepage der Woche" ernannt
 
Hamburg, den 11.11.2003. Die Webseite von DEEPWAVE e.V. erfreut sich zunehmender Beliebtheit und steigender Nutzerzahlen. Folgerichtig wurde am 11.11.2003 unsere Website im Digatrend, dem wöchentlichen Supplement der Hamburger Morgenpost zur "Homepage der Woche" ernannt.
 

Besonders freut uns nicht nur das Kompliment eines "sehr schön gestalteten Netzauftritts", und der Hinweis auf den "umfangreichen" Informationsgehalt, sondern auch die richtige Einschätzung der Zeitung, mit der Wahl zur "Homepage der Woche" dem Schutz der Ozeane in der Öffentlichkeit insgesamt mehr Aufmerksamkeit geben zu wollen. Wir bedanken uns für diesen Sevice und hoffen in Zukunft bei dieser Aufgabe noch viele weitere Mitstreiter gewinnen zu können.
Zur Original-Meldung in der Mopo.

 
 
 
 
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