T I E F S E E |
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| Ewige Nacht, hoher Druck und gleichbleibende Kälte
sind die wenig einladenden Bedingungen der Tiefsee.
Die Tiefsee galt daher früher als lebensfeindlich.
Doch diese Bedingungen haben einen Vorteil: sie
bleiben stets gleich. Die Dunkelheit ist so vollständig,
der Druck so gewaltig, dass die Geschöpfe,
die sich dem Leben in der Tiefe angepasst haben,
in einer Weise spezialisiert sind, die sich im Flachwasser
kaum findet. Und die Tiefsee hat eine ungeheure
Flächenausdehnung: Mehr als die Hälfte
der Erdoberfläche (53,6 Prozent ) besitzt Tiefen
zwischen 3000 und 6000 Meter, und 1 % entällt
auf Tiefen über 6000 Meter. Der Rest von 0
bis 3000 Meter nimmt 16,2 % ein, daran ist der Schelf
allein mit 5,5 % beteiligt. Die mittlere Tiefe des
Weltmeeres beträgt 3790 Meter. Die Tiefsee
ist der größte Lebensraum unseres Planeten
- ein riesiges Reich faszinierender Spezialisten. |
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| Struktur und
Aufbau |
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| Die Tiefsee ist ein weltweit
umspannendes System. Der größte
Lebensraum unserer Erde (62,3 Prozent
der Erdoberfläche liegen unterhalb
1 000 Meter) beginnt am Kontinentalschelf
in etwa 500 Meter Wassertiefe. Die Tiefsee
umfasst den Bereich des Kontinentalhanges
(Archibenthal, Bathyal: 500 bis 2 000
m Tiefe), der Tiefseetafel (Abyssal:
2 000 bis 6 000 m Tiefe) und der Tiefseegräben
(Hadal: 6 000 bis 11 000 m Tiefe). |
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| Archibenthal,
Bathyal |
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| Die Obergrenze der Tiefsee
unterliegt auch heute noch unterschiedlichen
Definitionen. Noch im 19. Jahrhundert
postulierte Edward Forbes etwa eine
leblose, "azooische" Zone
unterhalb von 500 Meter Wassertiefe.
Erst mit der weiteren Erkundung der
Meerestiefen und dem Fang von Seelilien
an einem Telegrafenkabel aus mehr als1
000 Meter Tiefe, reifte die Einsicht,
dass die dunkle und kalte Tiefsee voller
Leben ist. |
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| Zeitungen
machen den Tiefseebergbau schmackhaft.
Foto: Hamburger Abendblatt 4.2.03 |
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| Wann beginnt
der Goldrausch in der Tiefe? |
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Schwarze Raucher an so genannten
"Back-Arc"-Inselbögen der Südsee
sind besonders mineralhaltig,
haben deutsche Forscher der
Universität Freiberg herausgefunden.
Mit dem Forschungsschiff "Sonne"
entdeckten die Meeresgeologen
1998 zum ersten Mal solche reichhaltigen
Lagerstätten auf dem Tiefseeboden,
die für eine zukünftige Exploration
in Frage kommen. An den hydrothermalen
Zonen trifft mineralreiches
kochendes Wasser aus dem Erdinneren
auf das kalte Tiefseewasser,
wodurch sich Sulfate, Schwermetalle,
Buntmetalle, Silber und Gold
an Schloten in größeren Mengen
ablagern.
Die reichsten Vorkommen liegen
innerhalb der Hoheitszone des
Inselstaates Papua Neuguinea
(PNG) und der Staat hat in der
Bismarcksee schon einige Schürflizenzen
vergeben. Die drei Firmen "Neptune",
"Deepsea Mining" und "Nautilus"
sind derzeit bei der Planung,
die Tiefsee-Erzstätten wirtschaftlich
zu nutzen. Während die Ingenieure
an der technischen Umsetzung
arbeiten, fordern Wissenschaftler
und Naturschützer eine industrielle
Pilotstudie, um mehr über die
Auswirkungen des Mineralienabbaus
auf die Umwelt zu erfahren.
"Die bald explorierten Tiefsee-Goldvorkommen
unweit der existierenden Goldmine
auf der Insel Lihir wären dafür
eine gute Gelegenheit", sagt
der Mineraloge Peter Herzig
von der Universität Freiberg.
"Nur durch eine Pilot-Umweltstudie
können wir alle Auswirkungen
auf die Meeresumwelt abschätzen.
Ähnlich wie bei der Manganknollenforschung
geschehen, brauchen wir eine
wissenschaftliche Studie auch
für den Golderzabbau."
Eile tut Not, denn die Firma
"Nautilus" wird vielleicht schon
2003 mit dem Tiefseebergbau
beginnen. Aber noch ist über
die Tiefseefauna auf den Basaltlagen
zu wenig bekannt. Auf einigen
Fotos sind gestielte Seelilien
und andere seltene größere Tiefseeorganismen
zu erkennen. Vor einem Eingriff
in das bisher völlig ungestörte
Ökosystem muss aber unbedingt
eine umfangreiche biologische
Untersuchung stattfinden, fordert
DEEPWAVE.
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| Die Übergangszone zwischen den küstennahen
Kontinentalrändern zu den weiten Tiefseeflächen
bezeichnet man als Archibenthal. Es reicht von dem
Restlicht-Sublitoral der Schelfmeere bis etwa zur
Mitte des Kontinentalhangs. Das Archibenthal wird
noch stark von sich ändernden Umweltfaktoren
beeinflusst, insbesondere Lichtabnahme, Erscheinungen
der Wasserbewegungen, mechanische Beanspruchung
durch Hangabrutschungen, Nahrungstransport und Sedimentverteilung.
Im Bathyal gehen die reduzierten, organisch reichen
Schlamme in die oxidierten, pelagischen Sedimente
(Oozes) des unteren Kontinentalhangs über.
Für die Verteilung der Tierwelt ist allerdings
die Grenze zur Tiefsee hin fließend. Während
die Schelffauna teilweise bis in mehr als 1 000
Meter Tiefe vorkommt, können manche charakteristischen
Tiefseearten in den polaren Meeren bis auf 100 Meter
Wassertiefe vordringen (polare Emergenz). |
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| Abyssal |
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| Am unteren Ende des Kontinentalhangs, dem Kontinentalfuß,
beginnt das Abyssal. Es beinhaltet die Tiefsee-Ebenen
und Mittelozeanischen Rücken und reicht von
2 000 bis 6 000 Meter Wassertiefe. Das Abyssal entspricht
58,3 % der Erdoberfläche, davon entfallen auf
die Tiefenstufen 2-3 km 4,8 %, 3-4 km 13,9 %, 4-5
km 23,2 % und 5-6 km 16,4 %. Während der Druck
und die niedrige Temperatur meist gleich bleibend
sind, können sich lokal die Bedingungen stark
ändern. Am unteren Kontinentalabhang herrschen
zeitweise starke Strömungen und Sedimentumlagerungen.
An und vor den Canons bilden sich mächtige
Trübströme und bilden reiche Schwemmkegel
mit terrigenen (von Land angeschwemmtem) Sedimenten
und viel organischem Material. Die tieferen Ebenen
sind meist mit pelagischen Sedimenten bedeckt, die
unterhalb der Kalkauflösungsschicht, der Lysokline,
in endlose reliefarme Wüsten mit rotem Tiefseeton
übergehen. In manchen Arealen lagern die Manganknollenfelder.
An den Kämmen der Spreizungsachsen der Ozeane
und an untermeerischen Bergkämmen, den Seamounts,
befinden sich auch Hartböden aus Basalt. |
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| Hadal |
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| Die Grabengebiete unterhalb von 6 000 Meter Wassertiefe
bezeichnet man als Hadal (1 % der Erdoberfläche).
Bisher ist wenig über diesen Lebensraum bekannt
und die Tierwelt der Tiefseegräben ist noch
wenig erforscht. Einige Charakteristika der Hadal-Fauna,
wie das Fehlen der Dekapoden und Turbellarien, die
Seltenheit von Fischen, Schwämmen, Tunikaten,
die vermehrte Häufigkeit auch anderer Tiergruppen
(Pogonophoren, Holothurien, Echiuriden), die hohe
Zahl von endemischen Formen, Gigantismus und die
Dominanz einzelner Arten, sind vermutlich ein Resultat
der geringen Kenntnis dieser Lebensregion. |
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| Temperatur |
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| Ab einer Tiefe von 2 000 m ist es zwischen 3,6°
und 0,6°C kalt. Einzige Ausnahme sind die Thermalquellen,
deren Umfeldtemperatur 20-25°C beträgt.
Den Bewohnern der Tiefsee fehlen Licht- und Temperaturschwankungen
als Zeitgeber für Lebensrhythmen (z. B. Fortpflanzungsperioden).
Der Ablauf der Stoffwechselprozesse ist bei konstant
niedriger Temperatur erheblich verlangsamt. Temperatur
und Nahrungsbedingungen zwischen den polaren Küstengewässern
und der Tiefsee sind sich so ähnlich, dass
sich auch die biologischen Funktionen einiger ihrer
Bewohner gleichen, z. B. das geringe Nahrungsbedürfnis
und die Anpassung an sehr niedrige Temperaturen.
Das erklärt, warum manche Organismen sowohl
in Küstengewässern der Arktis und Antarktis
als auch in der Tiefsee vorkommen. |
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| Wasserdruck |
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| Der hydrostatische Druck nimmt alle 10 Meter um
etwa 1 atm zu und weist somit in der Tiefsee Werte
von 100 bis 1 100 atm auf. Das Meerwasser wird jedoch
wenig komprimiert: in 4 000 m Tiefe um 1,8 %, in
6 000 m um 2,6 % und in 10 000 m etwas über
4 %. Die Auswirkungen im subzellularen Bereich des
Protoplasmas sind da schon beträchtlicher.
Die Viskosität des Plasmas nimmt mit steigendem
Druck ab, das festere Gel geht in einen dünneren
Sollzustand über. Die Tiere der Tiefsee sind
durch Erhöhung ihres Innendrucks an die Situation
angepasst. Am druckresistentesten sind Seerosen
und Seesterne, gefolgt von Seeigeln, Medusen, Schnecken,
Würmern, Krebsen und Fischen. Fische mit Schwimmblase,
die plötzlich aus der Tiefe nach oben kommen,
sterben, weil sich das Gas bei geringem Druck ausdehnt
und die Blase zum Platzen bringt. |
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| Licht |
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| In Tiefen unter 600 m herrscht fast vollständige
Dunkelheit. Daher fehlen in der Tiefsee jegliche
Pflanzen. Die pflanzenähnlichen Formen mit
Zweigen, die man auf Fotos der Tiefseeböden
sieht, sind ausschließlich Tiere, wie Korallen
oder Anemonen, und keine Pflanzen. Da jedes Ökosystem
auf das Vorhandensein von Primärproduzenten,
d. h., auf autotrophe, Nahrung schaffende Lebewesen
angewiesen ist, lebt der Großteil der Tiefseelebewesen
von sedimentierenden abgestorbenen Algen. Nur an
den Thermalquellen der Tiefsee wird neue Biomasse
generiert: Statt Photosynthese findet hier Chemosynthese
statt. |
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| Leben in der Tiefsee |
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| Mehr als zehn Millionen unentdeckte Arten vermuten
Meeresforscher in den dunklen Tiefen der Ozeane.
Jede Expedition in diesen aquatischen Weltraum endet
mit neuen Artenfunden. Erst 1977 entdeckten Forscher
heiße Quellen, so genannte "Black Smoker",
an den untermeerischen Bergrücken. Aus diesen
hydrothermalen Erdspalten strömen Mineralien,
vor allem schwarze Schwefelverbindungen heraus und
lagern sich zu Schornsteinen ab. Gespeist durch
die Verwertung von chemischer Energie haben sich
unabhängig vom Sonnenlicht um die hydrothermalen
Quellen Oasen der Biodiversität gebildet. Seit
3,2 Milliarden Jahren präsent, stellen die
Quellen die ältesten Lebensräume auf der
Erde dar. Und theoretisch sind sie auch anderswo
im Weltraum vorstellbar. |
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| Scheinbar lebensfeindliche Biotope werden hier
von Tieren besiedelt, vom "Eiswurm" an
den Methanhydraten bis zum "Pompeiji-Wurm"
an 300 Grad Celsius heißen unterseeischen
Thermalquellen. Solch reiche Tiergemeinschaften
fanden Tiefseebiologen nicht nur an den Thermalquellen
der tektonisch aktiven Plattengrenzen, sondern auch
in den sauerstofffreien Zonen von Methanlagerstätten,
kalten Quellen oder an alten Walskeletten. |
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| Die Artenvielfalt der Tiefsee ist auch andernorts
beeindruckend. Etwa 350 bis 500 verschiedene Seesterne,
Seegurken, Schwämme, Seeanemonen und Krebse
fanden Forscher allein in einem Gebiet vor der Küste
von Peru in 4 100 Meter Tiefe. Mit der "Ventana",
einem Tauchroboter des Monterey Bay Instituts in
Kalifornien gelingt es erst seit wenigen Jahren
auch die delikaten Planktonorganismen des Meso-
und Bathypelagial zu fotografieren und zu identifizieren. |
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Diese Tiefseekrake leuchtet
blau. Foto Edith Widder |
Biolumineszens
Biolumineszens ist die Produktion von Licht
von Organismen. Die katalytische Wirkung
des Enzyms Luziferase oxidiert das instabile
Protein Luziferin mit Hilfe von Sauerstoff,
durch diese Reaktion entsteht Licht ohne
Energieverluste durch Wärmeabstrahlung.
Außer Bakterien können auch andere
Bewohner der Tiefsee diesen Prozess ablaufen
lassen, wie z. B. Algen und Fische. In einem
Leben in ewiger Dunkelheit kann die Fähigkeit,
Licht zu erzeugen, einen großen Bonus
bedeuten. Das künstlich erzeugte Licht
wird auf verschiedene Arten genutzt. Es
dient dazu einen Geschlechtspartner zu finden,
Beute anzulocken oder Feinde abzuschrecken. |
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| Oft leben Bakterien, die die Fähigkeit zur
Biolumineszens besitzen, in Symbiosen mit anderen
Tieren, z. B. mit Fischen. So sitzen Millionen von
Bakterien in besonderen Drüsenzellen der Wirtstiere,
den Photophoren. Hier werden die Bakterien über
das Blut mit Stärke und Sauerstoff versorgt.
Zum Ausgleich dafür stellen sie ihre Biolumineszens
zur Verfügung, um z.B. dem Anglerfisch seine
Raubzüge zu ermöglichen. Mittlerweile
haben Forscher herausgefunden, dass nicht verwandte
Bakterienarten in ein und der selben Zelle des Wirtes
nebeneinander leben und beide Arten Symbiosen mit
dem Wirt eingegangen sind. Dieser Aspekt bringt
dem Wirt wohl noch weitere Überlebensvorteile. |
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Chemosysnthese
Lange Zeit dachte man, dass sich die Lebewesen
der Tiefsee ausschließlich von den
herabsinkenden Algen und Bakterienflocken
ernähren würden. Mit der Entdeckung
der hydrothermalen Schlote wissen wir heute;
dass in der Tiefsee Bakterien auch als Produzenten
auftreten, und somit am Anfang einer langen
Nahrungskette stehen. Die an den Quellen
lebenden Bakterien nutzen dabei die Oxidation
von Schwefelwasserstoff für die Kohlenstoffassimilation.
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An schwarzen Rauchern bilden
sich Zonen hoher Artenvielfalt.
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| An den Quellen leben die Bakterien oft in Symbiose
mit anderen Tieren. Das beste Beispiel hierfür
ist der Röhrenwurm Riftia. Seine Nahrung bezieht
er ausschließlich durch die in seinem Körper
lebenden Schwefelbakterien - der Bartenwurm hat
noch nicht mal einen Mund oder Verdauungsorgane.
Er versorgt seine Symbionten mit Rohstoffen, die
sie für ihre Chemosynthese benötigen.
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| Auch die Muschelart Calyptogena beherbergt diese
speziellen Bakterien in ihren Kiemen. Sauerstoff
und Kohlendioxid erhalten die Bakterien über
das Wasser. Mit Sulfid versorgt die Muschel die
Bakterien über eine Art Fuß, der direkt
in die hydrothermalen Schlote oder schwefelreichen
Sedimente ragt. Dort nimmt er Sulfid auf, der dann
über den Kreislauf zu den Kiemen gelangt. Die
Symbiosen sind für beide Seiten lebenswichtig:
Die Bakterien erhalten Schutz und der Wirt Nahrung.
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| Bedrohungen für die Tiefsee |
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Der Kaiserbarsch oder Orange
Roghy wird intensiv an Seamounts befischt. |
Tiefseefischerei
Der Druck auf die Bestände im Meer
ist in den letzten Jahren so gewaltig gewachsen,
dass die sechs Milliarden zählende
Erdbevölkerung die um ein mehrfaches
höhere Anzahl Fische vermutlich bis
zur letzten Flosse ausrotten wird. Übersubventionierte
Fischerflotten ziehen mit moderner Sonartechnik
und Satellitennavigation zum großen
letzten Raubzug ins Meer. Nach Angaben der
Welternährungsorganisation (FAO) der
Vereinten Nationen sind heute mindestens
60 Prozent der weltweit 200 häufigsten
genutzten Fischarten entweder überfischt
oder werden bis zum Limit genutzt. Und 13
der 17 Hauptfanggebiete der Welt sind mittlerweile
praktisch leer. |
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| Fische sind heutzutage selbst für Fischer
Mangelware geworden. Überfischung, unangepasstes
Management und Zerstörung der küstennahen
Habitate haben die Populationen von Seezunge, Scholle,
Lachs, Thunfisch und Schwertfisch auf so niedrigen
Stand gebracht, dass sich die Befischung kaum mehr
lohnt. Die letzten Fanggründe liegen fernab
der bekannten Hoheitsgewässer an untermeerischen
Hügeln, den so genannten Seamounts. Dort an
den Oasen der Ozeane findet zur Zeit der letzte
unreglementierte "Goldrausch" statt. |
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| Die Fischerei an den Seamounts
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| So kommt der Rote Thun, einer der teuersten Fische
der Welt, vor allem in der Nähe der Seamounts,
untermeerischer Bergkuppen, vor. Die Ursache für
den Fischreichtum an diesen Untiefen liegt an Auftriebsphänomenen
im Ozean: An den untermeerischen Kuppen werden langsam
strömende Wassermassen durch die Bodentopographie
bedingt abgelenkt und bis auf 40 Zentimeter in der
Sekunde beschleunigt. In der Folge bilden sich Wirbel
(Eddies) und Ringströmungen (Taylor-Säulen)
an den Seamounts, die kaltes und nährstoffreiches
Wasser zur Oberfläche treiben. Das pflanzliche
und tierische Plankton kann so gedeihen, kleine
Fische ernähren sich von diesen mikroskopischen
Lebewesen und diese wiederum sind die attraktive
Beute für die größeren Räuber
wie den Thunfischen. Aber auch in Wassertiefen bis
2000 Meter finden sich noch größere Ansammlungen
von Fischen. |
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| Seit den sechziger Jahren suchen die Fischflotten
gezielt nach den untermeerischen Hügeln in
den weiten Ozeanen bis hin zur Antarktis. Etwa 30
000 Seamounts im Pazifischen Ozean und noch einmal
circa 1000 im Atlantik und Indischen Ozean verzeichnen
derzeit die Seekarten. Russische Fischtrawler waren
die ersten, die entlang der unterseeischen Vulkanhügel
vor Hawaii mit Grundschleppnetzen die Fischgründe
leerten. Auch vor Neuseeland wurden die gewaltigen
Fischschwärme erbeutet, im Jahre 1990 allein
41 000 Tonnen und vor Tasmanien 34 000 Tonnen. Manchmal
waren 50 Tonnen Fisch in der Stunde keine Seltenheit.
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Während anfangs volle Netze Erfolg
versprachen, wurde schnell klar, dass einmal
aufgesuchte Gebiete nicht wieder erfolgreich
befischt werden können: die Fischgründe
blieben leer. Untersuchungen der Fischereibiologen
fanden dafür eine einfache Erklärung.
Zwei der hauptsächlich an den Steilhängen
der Kuppen vorkommenden Fischarten, der
Granatbarsch oder Orange Roughy (Hoplostethus
atlanticus) und der Oreo, sind ausgesprochene
Schwarmfische: Sie versammeln sich im Strömungsschatten
der Seamounts zu großen Laichschwärmen.
Durch die intensive Fischerei war der Bestand
der größeren laichbereiten Fische
bald nahezu verschwunden. Die engen Maschen
der verwendeten Netze waren zudem auch für
die wenigen entwischenden Jungfische schädigend.
Die meisten Tiefseefische haben eine sehr
empfindliche Haut, die durch die Netze zerstört
wird.
Dass Fische bis in die größten
Wassertiefen der Ozeane vorkommen, vermutete
schon der Schweizer Meeresbiologe Jacques
Picard. Zusammen mit dem Marineoffizier
Don Walsh stellten beide im Jahr 1960 in
dem Tauchboot Trieste den Tiefenrekord auf.
Auf ihrer Tauchfahrt bis auf fast elf Kilometer
Wassertiefe entdeckten sie am Boden angekommen
durch das Panzerglas ihrer Tauchkugel einen
unbekannten Fisch mit Augen (manche Wissenschaftler
behaupten allerdings, es handelte sich vermutlich
um eine Seegurke). Doch auf einer anderen
Expedition zum Puerto Rico Graben des Südatlantiks,
ging tatsächlich in solch großen
Meerestiefen einmal ein Fisch ins Netz.
Der in 9 006 Metern gefangene Fisch trägt
den abenteuerlichen Namen Abyssobrotula
galathea. |
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Drei wichtige Fischarten
der untermeerischen Bergkuppen a) Orange
Roughy, b) Armourhead und c) Alfonsin.
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| Die Tiefsee ist der größte Lebensraum
unseres Planeten, 53,6 Prozent des Weltozeans sind
tiefer als 3000 m. Daher ist die Anzahl der Fischarten
in der Tiefsee hoch: Schätzungsweise 1280 verschiede
Arten leben am Kontinentalhang und in Bodennähe.
Und noch einmal mehr als 1000 Arten kommen in den
pelagischen Tiefen unterhalb 200 Meter vor. Diese
Zahlen erhöhen sich aber mit jeder Forschungsreise.
Auch was die Anzahl der Individuen anbelangt, übertrifft
die Tiefsee die Lebensräume an Land. Hans-Jürgen
Wagner, Spezialist für Tiefseefische an der
Universität Tübingen, hat errechnet, dass
Fische der Gattung Cyclotone die häufigsten
Wirbeltiere der Erde sind. |
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| Trotz dieses Arten- und Bestandsreichtums sind
Tiefseefische keine unbegrenzte Ressource. So erreicht
der Granatbarsch Lebenspannen von 77 bis 149 Jahren.
Geschlechtsreif wird diese Art erst mit einem Alter
zwischen 20 und 40 Jahren. Für viele andere
genutzte Tiefseefische ist das Alter noch nicht
einmal bekannt. Das oberste Prinzip der Fischerei,
nur soviel zu fangen, bis die entnommenen Bestände
wieder nachgewachsen sind, wird damit zu einem Generationsproblem.
Und das widerspricht den ökonomischen Grundsätzen
vom schnellen Profit. |
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| Während die Bestände schrumpfen, rüstet
die Fischerei auf. Rund 3,5 Millionen Fangschiffe
sind heute auf den Ozeanen unterwegs. Und mit immer
größer werdenden Motoren, größeren
Netzen und immer kleineren Maschenweiten sind Fabrikschiffe,
auch Hochseefroster genannt, Tausende Kilometer
von ihrem Heimathafen entfernt unterwegs. Zumal
die technischen Entwicklungen wie GPS (Global Positioning
System) oder verbesserte Seekarten die entlegensten
Tiefseegebiete in die Reichweite der weltweit operierenden
Fischnationen gebracht haben. Ausgesetzte Bojen
mit kilometerlangen Fangleinen mit tausend beköderten
Haken auf der Suche nach Tiefseehaien werden satellitengesteuert
wiedergefunden. |
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| Das Fischauge oder Echolot liefert scharfe 3D-Bilder
der potentiellen Beute in der dunklen Finsternis.
Die elektronische Steuerung bewegt metergenau die
zwei Kilometer langen Fischnetze. Am Boden entfalten
sich diese mit fast 110 Meter hohen und 170 Meter
weiten Öffnungen - genug Platz für ein
Dutzend Jumbo-Jets. Da die Fischgründe dicht
in Bodennähe der untermeerischen Kuppen liegen,
werden sogenannte "Rock-Hooping"-Geräte
eingesetzt, um die Netze vor dem möglichen
Verlust zu retten. Schwere Vorlaufketten und Eisenrollen
pflügen dabei die oberen Bodenschichten um
und zermalmen alles tierische Leben. |
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| Vor der amerikanischen Küste haben Wissenschaftler
belegen können, dass durch diese Praxis nicht
nur die Nahrungsgrundlage der Fische zerstört
wird. Auch die spezielle Fauna aus Tiefseekorallen,
Schwämmen und anderen Weichtieren, die entlang
der Seamounts vorkommt, verschwindet durch diese
Form des Fangs. Können nämlich die Fischschwärme
nicht geortet werden, wird mit Hilfe der Bodennetze
nach den roten und schwarzen Tiefseekorallen für
die Schmuckindustrie getrawlt. So kamen 1983 fast
70 Prozent (140 000 kg) des Weltmarktes der roten
Korallen von den Seamounts. |
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 Kaltwasserriffe
aus Lophelia-Korallen sind Plätze erhöhter
Artenvielfalt. Foto: Florian Graner/Sealife
Productions |
Heilbutt, Blauer Leng und Rotbarsch sind
die bekannteren Tiefseefische unserer Märkte.
Vor hundert Jahren war der Rotbarsch jedoch
noch kein Konsumfisch - große Fänge
wurden über Bord geworfen. In einem
europäischen Forschungsprojekt wird
heute versucht, die letzten Bestände
von Bankrotbarsch (Sebastes marinus) und
Tiefenrotbarsch (S. mentella) in den Nordmeeren
auszuloten.
Aber die einst als unerschöpflich
angesehenen Fischgründe sind leer und
sogenannte “neue” Arten kommen
auf den Verbraucher zu. Der Rundnasen-Grenadierfisch
(Coryphaenoides rupestris) zum Beispiel
kann nach Bestandsschätzungen des Schottischen
Fischereinstituts von 1996 mit jährlichen
Erträgen von 13 000 bis 17 000 Tonnen
befischt werden. |
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| Die Franzosen fischten früher bevorzugt nach
dem Blauen Leng (Molva dypterygia), aber jetzt stärker
nach "Grenadier" und Granatbarsch. Espada,
der Tiefseefisch, den Touristen traditionell von
den Fischern auf Madeira serviert bekommen, heißt
eigentlich Aphanopus carbo und wird mittlerweile
in viel größerer Mengen vor den britischen
Inseln gefangen. Tiefseehaie sind einerseits kostbar
wegen ihres Öls, das aus der Leber gewonnen
wird, und ersetzen andererseits den fast verschwundenen
Dornhai bei der Herstellung von "Schillerlocken".
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| Die meisten Tiefseefische werden als "Nicht-Quoten"-Fische
gar nicht erfasst, außerhalb der kontrollierbaren
EEZ (Exclusive Economic Zone, 200 Seemeilen-Territorium
der Nationen) befischt und zudem von den Fischern
nicht richtig artlich bestimmt. Für Fischereibiologen
und Naturschützer ein Dilemma. Ohne diese Daten
nämlich ergeben sich enorme Schwierigkeiten
bei einer möglichen Bestandsregulierung und
bei der Festsetzung der zulässigen Gesamtfangmenge
(TAC, Total Allowable Catch). Schottische Biologen
verteilen daher schon Bestimmungstafeln an die Fischer,
um wenigstens auf diesem Wege Abschätzungen
über die Fangmengen und Anlandungen der verschiedenen
Tiefseefischarten zu gewinnen. |
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Der Fang an den fernen, tiefen Fischgründen
ist für die aus ihren Hoheitsgewässern
vertriebenen Fischer meist die einzige Möglichkeit,
die hohen Investitionskosten ihrer Boote
wieder einzufahren. Und zum Teil wird die
Tiefseefischerei staatlich gefördert.
Doch Umweltschützer sind zunehmend
über die ökologischen Folgen der
Fischerei besorgt. Die Fauna an den tieferen
Kontinentalrändern und den Seamounts
- insbesondere die seltenen Tiefseekorallen
- und die fischereilich übergenutzten
Tiefseefische werden als besonders schützenswert
angesehen.
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 Durch
Fischgerät zerstörtes Korallenriff.
Foto: Jan Helge Fosså/ http://www.imr.no/coral
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| Seamounts zeichnen sich durch hohen Endemismus,
dass heißt, einmalige lokale Artenvielfalt,
aus. Vorsichtige Schätzungen gehen von 20-30
Prozent an neuen Tierarten je Bergkuppe aus. Tony
Koslow von der australischen Forschungsgesellschaft
CSIRO fand innerhalb weniger Expeditionen an erloschenen
Vulkanen vor Tasmanien 850 verschiedene Tierarten.
Über ein Drittel dieser Spezies sind der Wissenschaft
noch unbekannt. |
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| Die geographische Isolierung in den fernen Tiefseebecken,
die Spezialisierung der Arten und Isolierung der
Larven durch die besonderen Strömungen macht
die Fisch- und Bodenfauna an den Oasen der Ozeane
einzigartig. Die internationale Naturschutzvereinigung
(IUCN) und der WWF erstellen derzeit die Rahmenbedingungen
zur Unterschutzstellung dieser einmaligen bedrohten
Lebensräume in der Hochsee. Neben vielen Seamounts
sollen dabei auch andere von Zerstörung bedrohte
Tiefseegebiete, wie die unterseeischen Hydrothermalquellen,
als Biosphärenreservate für die Zukunft
gesichert werden. Die Tasmanische Regierung machte
1997 den Anfang und sperrte erstmals zwölf
unterseeische Bergkuppen für den Fischfang. |
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| Hydrothermale Quellen |
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An schwarzen Rauchern lagern
sich Gold und Platin ab. |
Die heißen Quellen am Meeresboden
in 1 000-2 500 Meter Tiefe sind völlig
vom Sonnenlicht unabhängige Ökosysteme.
Es war eine Sensation, als Biologen 1976
diese Strukturen im Nordpazifik entdeckten.
Was sind das für Lebewesen, die im
heißen Mineralwasser vermutlich seit
Äonen in der Tiefsee der Ozeane überdauern?
Sollten sich hier Beispiele für Lebensformen
auf fremden Planeten finden lassen?
Die so genannten Schwarzen Raucher entstehen,
wenn Meerwasser durch Risse in der Erdkruste
ins Erdinnere sickert. Dort wird es aufgeheizt,
vermischt sich mit Mineralien sowie Schwefelwasserstoff
und schießt wieder nach oben. An diesen
Hot Spots sammelt sich nicht nur die Urfauna
des Weltozeans. Im Kontakt mit dem nur 2
bis 4 Grad Celsius kalten Tiefseewasser
entlädt sich an den schwarzen oder
weißen Rauchern auch der mineralische
Schatz der Erde: Schwefel, Kupfer, Eisen,
Silber und Gold fallen dabei in größeren
Mengen an. Geschäftshungrige Firmen
schielen schon nach den ersten Schürflizenzen
zum Abbau dieses wertvollen ozeanischen
Cocktail. Die ersten Lizenzen zum Goldabbau
vor Papua Neuguinea sind an australischen
Firmen vergeben. Der Goldrausch im Ozean
wir vermutlich bald beginnen. |
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| Das Beispiel der Azoren |
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Sie liegen wirklich weit weg von jeder
Zivilisation. Nur wenige Menschen haben
sie je gesehen und eine Reise dorthin gleicht
einem Flug ins Weltall. Sie stehen in einem
Gebiet mit extremen Bedingungen, in einer
kalten Landschaft aus Lavakissen 1700 Meter
tief im pechschwarzen Dunkel des Nordatlantiks:
Die 21 größeren Schlote im "Lucky
Strike"-Hydrothermalfeld bei den Azoren
sind die größte bekannte Ansammlung
an untermeerischen Quellen.
Erst im Jahre 1993 wurden diese Hot Vents
entdeckt. Superkochendes Wasser schießt
hier mit 333 Grad Celsius aus dem Boden.
Wo das heiße mineralhaltige Quellwasser
austritt, bilden sich die schornsteinartigen
Röhren, die als so genannte schwarze
Raucher im Scheinwerferlicht von U-Booten
erstrahlen.
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Europas größtes
Hydrothermalfeld liegt bei den Azoren.
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| In diesem knapp 150 Quadratkilometer großen
Gebiet lebt eine einzigartige Fauna aus Muscheln
und mindestens 65 weiteren hochspezialisierten Tierarten.
Auch "Menez Gwen", ein Quellenfeld entlang
eines untermeerischen Vulkans in der Nähe der
Azoren und seine 278 Grad heißen Ozeangeysire
in 850 Meter Tiefe sind eine Rarität. Hier
leben gewaltige Schwärme seltener Krebse und
weitere 33 lokale Arten. |
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| Am 20. Juni 2002 hat nun die Regierung der Azorenrepublik
die beiden Thermalquellenfelder "Lucky Strike"
und "Menez Gwen" zu einem nationalen Meeresschutzgebiet
(MPA, Marine protected Area) ausgerufen. Es ist
das erste europäische Tiefsee-Schutzgebiet
und soll diese einmalige Unterwasserlandschaft vor
der Zerstörung retten. Denn die Fauna an den
Tiefsee-Schloten ist biogeographisch einmalig und
unterscheidet sich von anderen Hydrothermalquellen
am Mittelatlantischen Ozean. |
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| Aber dieses Naturwunder im Dunkel ist auch vielfältig
bedroht. Rohstoffjäger könnten die mineralienreichen
schwarzen Raucher in Zukunft ausbeuten wollen. Andere
Gründe für das Schutzgebiet sind der zunehmende
Tauchtourismus, die Tiefseefischerei und das immer
stärkere Interesse der Wissenschaftler an den
heißen Quellen, die diese biologischen Oasen
bedrängen. Der WWF hat die Unterschutzstellung
der Azoren-Hydrothermalfelder als "Gift to
the Earth" bezeichnet, als eine wünschenswerte
globale Aktion für den zukünftigen Naturschutz.
Die kleine Inselrepublik ist diesem Antrag gefolgt
und hat die Schwarzen Raucher unter Schutz gestellt.
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| Mit diesem ersten tieferen Meerespark wird ein
wichtiges Zeichen gesetzt. Es ist somit möglich,
Schutzgebiete auch in der Hoch- und Tiefsee einzurichten.
Andere fragile Ökosystem wie die besonderen
Seamounts oder die artenreichen Tiefwasserkorallenriffe
sollten, dem Beispiel folgend, so bald wie möglich
geschützt werden. |
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| Wichtige Science Hot Spots der Tiefsee |
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| Der Europäische Deepsea Transect
(EDT), eine Region wichtiger Forschungsorte im Nordostatlantik,
sollte vor anthropogenen Einflüssen geschützt
werde. Karte: H. Thiel |
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| Unser Wissen um die Tiefsee ist marginal: Weniger
als ein paar Quadratkilometer sind von Biologen
und Geologen bisher erforscht worden. Die Tauchfahrten
sind zählbar, die erkundete Fläche ist
weniger als ein Prozent des Ozeans. Um so dringlicher
sind daher wissenschaftliche Referenzgebiete, die
Auskunft über die Veränderung und Prozesse
der Tiefsee über längere Zeiträume
geben. Der Tiefseeökologe Hjalmar Thiel und
weitere Forscher haben daher den Vorschlag gemacht,
die bisher vorhandenen europäischen Tiefseeforschungsstätten
als "Unique Science Priority Areas", als
Schutzgebiete, auszuweisen. |
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| Ein solches USPA wird für den Europäischen
Deepsea Transect (EDT) im Nordostatlantik vorgeschlagen.
Der EDT entwickelte sich während der achtziger
und neunziger Jahre und schließt drei Kernregionen
ein, in denen das Benthos und die benthischen Prozesse
intensiv studiert worden sind: |
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| Die Porcubine Seabight, eine
breite und tiefe Einbuchtung im südwestlichen
irischen Schelfbereich (51 ° N, 13° W, Kontinentalhangtiefen
bis > 3 000 m). Hier wurde zum ersten Mal der
Eintrag von größeren Mengen Phytodetritus
aus der Frühlingsblüte in die Tiefsee
entdeckt. |
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| Die Porcupine Abyssal Plain Tiefsee-Ebene
im Nordostatlantik (- 48° 50 ' N 16° 30'
W, Wassertiefe um 4 850 m), in denen britische und
EU-Studien konzentriert wurden. |
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| Die Biotrans-Region, zentriert
um 47°N, 21°W, zwischen 3 800 m und 4 600
m Tiefe, wo die deutschen BIOTRANS- und Bio-C-Flux-
Programme ihre Tätigkeiten zwischen 1984 und
1993 konzentrierten und das JGOFS-Programm stattfand.
BIOTRANS und Bio-C-Flux erforschten zum ersten Mal
einen zentralen Tiefseebereich im Mittelozean und
untersuchten den biologischen Transport- und Carbonfluß
in der bodennahen Wasserschicht, die saisonalen
Veränderungen der ökologischen Parameter
und die Prozesse und Bestandszahlen des Benthos
in den unterschiedlichen Größenklassen. |
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| Die wissenschaftlichen Daten dieser drei "Science
Hot Spots" führten zu grundlegenden Kenntnissen
der Tiergemeinschaften und der ökologischen
Prozesse in der Tiefsee. Sie liegen nah an Europa
und werden auch in Zukunft wichtige Gebiete der
Grundlagenforschung sein. Insbesondere für
die Untersuchung möglicher Auswirkungen der
Klimaerwärmung auf das Tiefseeökosystem
sind diese Gebiete gut geeignet. Denn längere
Datenreihen für den tiefen Ozean sind selten
und es ist daher wesentlich, dass diese Gebiete
von anthropogenen Auswirkungen unbeeinträchtigt
bleiben. |
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| Der Schutz ozeanischer Gebiete findet bisher meist
innerhalb der staatlichen Hoheitsgewalt der Nationen,
der EEZ, statt. So gibt es bisher Schutzgebiete
bei den Hawaii-Inseln zum Management der kostbaren
roten Korallen, geschützte Seamounts gegen
die Piratenfischerei vor Australien, geschützte
Tiefwasserkorallenriffe von Lophelia pertusa vor
Norwegen und demnächst auch bei den Darwin
Mounds vor Großbritannien und einen Schutz
der Hhydrothermalquellen bei den Azoren. Für
den Naturschutz in der Hochsee und auf dem Meeresgrund
hat das UNO-Seerecht (UNCLOS) die allgemeine Verantwortung,
wenn auch die Internationale Meeresbodenbehörde
eher für die Regulierung des Meeresbergbaus
zuständig ist. Im Moment ist keine nationale
oder internationale Gesetzgebung für die Errichtung
geschützter Bereiche in internationalen Gewässern
vorhanden. Doch die Diskussionen sind derzeit in
Gang und sollten vorangetrieben werden. Die wissenschaftlich
wertvollen "Unique Science Priority Areas"
wären ideale Objekte, den internationalen Naturschutz
endlich auch auf die Hohe See auszuweiten. |
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| Meeresbergbau |
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| Geologen kartieren die globale
Schatzkarte der Ozeane. Foto: Financial Times Deutschland/Science. |
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| Auf dem Grund der Weltmeere lagern gewaltige Mengen
an verlockenden Kostbarkeiten: Mangan, Gold, Silber
und andere seltene Buntmetalle vermuten die Forscher
in der Tiefsee. Manche Staaten erhoffen sich aus
dieser Rohstoffquelle der Zukunft ein lohnendes
Geschäft. Zwar steckt die Exploration der Meeresschätze
weitestgehend noch in den Anfängen, aber viele
Forscher fürchten bereits jetzt eine Vernachlässigung
der Umweltaspekte. Jede mögliche Ausbeutung
der marinen Lagerstätten bedarf daher im Vorfeld
einer sorgfältigen Umweltverträglichkeitsprüfung. |
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| Manganknollen und -krusten |
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Manganknollen mit Tierbewuchs:
Die Ernte der kartoffelgroßen Mineralienquellen
könnte diese Tiere beschädigen.
Foto: TUSCH |
Zu den größten und wichtigsten
Erzvorkommen in der Tiefsee gehören
die polymetallischen Manganknollen, die
auf dem Meeresboden vieler Regionen der
Erde in Wassertiefen von 4 000 bis 5 000
m auftreten. Die reichsten Manganknollenfelder
finden sich im Bereich des nordöstlichen
äquatorialen Pazifiks, im Perubecken
(südöstlicher Pazifik) und im
Indischen Ozean. Sie sind Ausfällungsprodukte
(ca. 1 bis 20 cm Durchmesser), die sich
auf konzentrische Weise um einen Ausgangskern
herum angelagert haben und verschiedene
Metalle enthalten.
Bildung und Wachstum der Manganknollen
sind eng verbunden mit den biogeochemischen
Kreisläufen im bodennahen Wasserkörper
und an der Grenzfläche zwischen Meeresboden
und Wasser. Nach einer Theorie lagern sich
die im Wasser gelösten Mineralien mit
der Zeit um einen wie auch immer gearteten
Kern ab. Dieser Kern kann zum Beispiel ein
winziger Felsbrocken, ein Knochenstück,
aber auch eine achtlos ins Meer geworfene
Bierdose sein. Ging man früher davon
aus, dass Manganknollen viele Millionen
Jahre zur Entstehung benötigen, lassen
die entdeckten Bierdosenkerne auf einen
viel kürzeren Bildungszeitraum schließen.
Entscheidend für das Wachstumstempo
scheint insbesondere der Mineraliengehalt
des Wassers zu sein. |
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| Das weltweite Vorkommen von Manganknollen wird
auf etwa 10 Milliarden Tonnen geschätzt. Es
wird angenommen, dass die Menge und Qualität
dieser Ressourcen den Weltbedarf an Nickel, Kobalt,
Kupfer und Mangan decken könnte. In manchen
Meeresgebieten kommt es zur Bildung von polymetallischen
Mangankrusten, aufgrund ihres Kobaltgehalts auch
als Kobaltkrusten bezeichnet, die meist 1 bis 15
cm stark werden und eine andere Metallzusammensetzung
als die Manganknollen aufweisen. |
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| Viel haben sich die Forscher einfallen lassen,
um diese Vorkommen auszubeuten. Aber weder Schleppkörbe,
die von Schiffen aus über den Meeresboden gezogen
und dann nach oben gehievt werden, noch staubsaugerähnliche
Roboter, die die Manganknollen einsammeln und dann
über ein Rohrleitungssystem an Bord der Spezialschiffe
pumpen, konnten kostendeckend arbeiten. Die großen
Wassertiefen und die große Entfernung der
Manganknollen- und Mangankrustenfelder von der Küste
erfordern die Entwicklung spezieller und relativ
teurer Technologien, so dass die Förderung
dieser Rohstoffe zur Zeit wirtschaftlich noch nicht
interessant ist. Hinzu kommt, dass aufgrund neuer
Funde von Nickel in Australien und im Norden Kanadas
derzeit ausreichende Landreserven zur Verfügung
stehen, deren Abbau wesentlich billiger ist. |
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Umweltauswirkungen des Tiefseebergbaus
Wann auch immer der Tiefseebergbau beginnt,
bei technischen Eingriffen zur Rohstoffgewinnung
ist sicher mit störenden Beeinträchtigungen
für die Tiefseeumwelt zu rechnen. Im
folgenden sei dazu eine Analyse der Umweltauswirkungen
des Manganknollen-Bergbaus von Prof. H.
Thiel und dem Forschungsverbund TUSCH wiedergegeben
(Quelle Umweltbundesamt):
Um wirtschaftlich zu arbeiten, muss der
Tiefseebergbau größere Erzmengen
fördern. Die Wirtschaftlichkeit sollte
nach heutigen Schätzungen etwa bei
einem Abbau von 1,5x106 t Manganknollen
(trocken) pro Jahr bzw. bei 5 000 t Manganknollen
(nass) pro Tag und pro Unternehmer gegeben
sein. Diese Menge kann bereits sogar von
einer größeren, effizienten Abbaueinheit
(eine Förderplattform und ein am Meeresboden
arbeitendes Kollektorsystem) erreicht werden.
Von einer solchen Einheit ist täglich,
bei einem Abbau von 5 000 t Manganknollen
und einer Belegungsdichte von mindestens
5 kg Manganknollen/qm, ca. 1 qkm des Meeresbodens
direkt betroffen. Dabei werden nach Jankowski
& Zielke (1997) 2x104 m3 (ca.5,4x104
t) Tiefseesedimente aufgewirbelt.
Zu Umweltauswirkungen kann es dabei insbesondere
kommen durch:
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Mit dem Manganknollen kommt
zäher Tiefseeton an die Meeresoberfläche
- die Trübstoffe könnten das Planktonwachstum
stören. Foto: TUSCHl
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- Umweltschäden auf und im Meeresboden
als Folge der direkten Arbeiten der Abbaugeräte
(lokale Zerstörung der Lebensgemeinschaft
und des Lebensraums im direkten Arbeitsbereich
der Kollektoren);
- Ausbildung einer Trübungswolke,
die sich durch die beim Einsatz der Kollektorsysteme
direkt aufgewirbelten Sedimente bildet, im bodennahen
Bereich verdriftet und weiter in Strömungsrichtung
sedimentiert, wobei bodenlebende Organismen
(z. B. Schwämme) durch plötzliche
Sedimentation zugedeckt werden; weiterhin sind
vermehrte geo- und biochemische Stoffumsetzungen
und eine erhöhte Sauerstoffzehrung zu erwarten;
- Entstehung einer zusätzlichen
Trübungswolke an der Oberfläche oder
in einer mittleren Wassertiefe, die durch Einleitungen
der zusammen mit den Manganknollen geförderten
Sedimente und kaltem Bodenwasser (sogenannte
Bergbautailings) entsteht.
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| Die Schäden auf und im Meeresboden als Folge
der direkten Arbeiten der Kollektorsysteme sind
während der Gewinnung praktisch unvermeidbar.
Die Beeinträchtigung des benthischen Ökosystems
hängt wesentlich von der Konstruktion des Kollektors,
seines Trägerfahrzeuges und der Eindringtiefe
des Gesamtsystems in den Meeresboden ab. Die Bodensedimente
werden zerwühlt, zerquetscht und umgelagert,
wobei gleichzeitig ein gewisser Anteil in der Wassersäule
resuspendiert. Auf der Spurbreite des Kollektors
werden die Organismen am schwersten beeinträchtigt.
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| Da bekanntlich die größte Organismendichte
in den ersten Zentimetern des Tiefseebodens erreicht
wird, ist auch bei geringen Eindringtiefen der Kollektoren
die Störung der Lebensgemeinschaft im direkten
Einflussbereich der Abbausysteme gravierend. Die
Veränderungen am Boden beeinflussen auch das
chemische Milieu, ein neues Redox-System stellt
sich ein und eine zusätzliche Adsorption und
Mobilisierung von Spurenelementen oder Schwermetallen
ist möglich. Die generell sehr geringen Sedimentationsraten
und die relativ kleinen Strömungsgeschwindigkeiten
haben zur Folge, dass die Spuren der Kollektoren
lange Jahre nach der Gewinnung sichtbar bleiben.
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| Der für eine Wiederbesiedlung erforderliche
Zeitraum hängt stark von der Größe
des gestörten Gebiets ab. Die möglichen
Auswirkungen der Trübungswolke, die durch Rückleitung
der zusammen mit den Knollen geförderten Sedimente,
kaltem Tiefenwasser und Organismen von der Förderplattform
zurück ins Meer entsteht, auf das Zoo- und
Phytoplankton sowie auf andere Meeresorganismen
in der oberflächennahen Wasserzone sind bislang
kaum untersucht. Es kann nicht ausgeschlossen werden,
dass es im Pelagial zu Beeinträchtigungen von
Planktonorganismen, Fischen, Walen und Delphinen
kommt, insbesondere bei Einleitung in Oberflächennähe.
Eine anhaltende Trübung des Wassers aufgrund
der nur sehr langsam absinkenden, feinen Partikel
könnte die Primärproduktion des Phytoplanktons
hemmen, und die Partikel selbst beeinträchtigen
vermutlich die Funktion der Fischkiemen oder der
Filtrationsapparate anderer Organismen. |
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| Als Fazit des Forschungsverbunds Tiefsee-Umweltschutz
(TUSCH) lässt sich demnach eine berechtigte
Sorge um die marine Umwelt im Falle eines Manganknollenbergbaus
postulieren. |
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Lösung für die Energiekrise?
Gashydrate setzten jedoch Treibhausgase frei.
Foto GEOMAR. |
Gashydrate
Seit etwa 30 Jahren beschäftigen sich
Wissenschaftler weltweit mit der Erforschung
von Gashydraten. Mittlerweile hat man zahlreiche
Vorkommen erforscht und die physikalisch-chemische
Struktur der Gashydrate (fast) vollständig
aufgeklärt: Gashydrate sind feste,
kristalline Substanzen, die sich bei niedrigen
Temperaturen und hohem Druck aus einer Mischung
von Gas und Wasser bilden. Ändert sich
einer der beiden Parameter Druck oder Temperatur
entscheidend, zerfällt das Gashydrat
schnell in seine Bestandteile. 90 Prozent
der natürlich vorkommenden Hydrate
enthalten das Erdgas Methan als zentrales
Molekül, um das sich die Wassermoleküle
käfigartig herumgruppieren. Die Begriffe
Gashydrate und Methanhydrate werden deshalb
häufig - nicht ganz korrekt - synonym
verwendet. Denn es gibt durchaus noch andere
hydratbildende Gase wie Kohlenstoffdioxid,
Schwefelwasserstoff und verschiedene andere
Kohlenwasserstoffe. |
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| Außer in den tieferen Bodenschichten der
Permafrostgebiete - 200 bis 1000 Meter unter der
Erdoberfläche - werden Gashydrate an den Kontinentalhängen
der Ozeane im Meeresboden in 500 bis 3 000 Metern
Wassertiefe gefunden. Sie wurden in den Porenräumen
des Meeresbodens entdeckt. Wissenschaftler haben
mittlerweile aber auch ganze Schichten und "Klumpen"
aus reinem Methanhydrat gefunden. Eine Dicke der
Gashydratvorkommen von mehreren hundert Metern ist
dabei keine Seltenheit. Die Änderung von Druck
und Temperatur bei einem eventuellen zukünftigen
Abbau oder bei den Untersuchungen an Bord der Forschungsschiffe
und im Labor erschweren die Gewinnung und Untersuchung
stark und machen spezielle Geräte erforderlich. |
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| Die Bedeutung der Gashydrate als Energiequelle
der Zukunft wird diskutiert. Aufgrund der methodischen
Schwierigkeiten und erforderlichen technologischen
Entwicklungen wird es vermutlich noch einige Jahre
oder Jahrzehnte dauern, bevor die industrielle Gewinnung
von Gashydraten aus dem Meer Realität werden
kann. |
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| Das verlockende Feuer in der Tiefe |
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| In den eisigen Erdgasvorkommen auf dem Grund der
Ozeane ruhen die Träume der Wirtschaft. Doch
Vorsicht ist geboten: Der Abbau der Gashydratvorkommen
könnte das Weltklima beeinflussen |
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| Unweigerlich wird man an die Geschichte der fantastischen,
bisher aber unnutzbaren Manganknollen erinnert,
jenen kartoffelgroßen Erzknollen auf dem Meeresgrund
der Ozeane: Nach vorsichtigen Schätzungen soll
in den untermeerischen Gashydratvorräten doppelt
so viel Kohlenstoff gebunden sein wie in allen anderen
derzeit bekannten fossilen Lagerstätten (Erdöl,
Erdgas, Kohle) zusammen. Da mag nun jemand noch
behaupten können, die Energieversorgung der
Zukunft sei gefährdet. |
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| Fossile Brennstoffe sind nach wie vor im Trend.
Es sind derzeit die wichtigsten Energieträger
für die Strom- und Wärmeerzeugung. Vor
allem der Anteil von Erdgas wächst dabei stetig.
Falls der Weltverbrauch konstant bleibt, reichen
die nachgewiesenen Vorräte noch bis zum Jahr
2040, errechnete der Träger des Alternativen
Nobelpreises, der Solarexperte und Politiker Hermann
Scheer. Bei den Verteilungskämpfen um die verbleibenden
Ressourcen wird das "größte Gemetzel
der Menschheit" anfangen, so Scheer. |
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| Oder aber es helfen ab Mitte unseres neuen Jahrhunderts
die gigantischen Mengen auf dem Meeresgrund weiter.
Tausend Billionen Kubikmeter Gashydrat können
es schon sein, die für ein paar Jahrhunderte
reichten. Wenn es eine Fördertechnik gäbe.
Aber wie im Falle der Manganknollen befinden sich
die Gashydratvorkommen auf dem Grund des Ozeans:
Technisch können sie derzeit noch nicht gewonnen
werden. |
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| Das "Tiefseegas" ist das Produkt bakterieller
Zersetzung von abgestorbenem und auf den Meeresboden
gesunkenem Plankton. Unter den besonderen Bedingungen
von Kälte und hohem Druck werden die Gasmoleküle
in einem Eis-Wasser-Gitter festgehalten –
so genannte "Clathrate". Die Mikroblasen
aus der Zersetzung lagern dabei im Schlamm Wasser
an und bilden so die mächtigen Hydratlagen.
Die meisten Sedimente der Kontinentalränder
werden durch solche Eiskristalle zementiert. |
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| Als 1997 das Forschungsschiff "Sonne"
erstmals größere Mengen Gashydrate aufsammeln
konnte, die wie Brausepulver schäumten und
an Deck geholt dabei zusehends schmolzen, war die
Sensation groß. Heute suchen die Wissenschaftler
weltweit nach den Lagervorkommen, wobei die meisten
an den Kontinentalrändern liegen, denn nur
dort treffen Druck, geringe Temperaturen und ein
hoher organischer Gehalt im Sediment zusammen. |
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| Aber auch an den aktiven Subduktionszonen der
Kontinentalplatten, dort wo die Platten zusammendrücken,
kommen Gashydratfelder vor. Seit Jahren forschen
Wissenschaftler vor der Küste Oregons in Amerika
an dem entdeckten "Hydratrücken",
einem Unterwassergebirge von der Größe
des Harzes. Für Gerhard Bohrmann und die Arbeitsgruppe
Umweltgeologie vom Geomar Institut in Kiel verlief
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