H O C H S E E |
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| Die Ozeane sind das größte Ökosystem
auf der Erde: 70,8 % der Fläche entfallen auf
die Meere und mit einer Masse von ungefähr
1,4 Milliarden Kubikkilometern stellt das Weltmeer
99 % der Biosphäre auf unserem Planeten. Doch
die Gefahren für die offene Hochsee sind vielfältig.
So wurde seit dem Beginn des kommerziellen Walfangs
zirka 80 % der weltweiten Walbiomasse eliminiert.
Auch werden seit Jahren die Größenskalen
der Fischereianlandungen immer kleiner: Ein sicheres
Zeichen dafür, dass die Netze notgedrungen
immer kleinere Fische fangen. Ganz zu schweigen
von dem Kollaps der Bestände durch die Überfischung
- mit bisher nicht genau bekannten Folgen für
die Struktur der Nahrungsketten im Ozean. |
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| Die zunehmende Anzahl von Krankheiten und Seuchen
bei Meeresorganismen, der weiterhin hohe Anteil
von chemischen Giftstoffen wie PCB und DDT im Ozean,
die tagtägliche Verseuchung mit Erdöl
und anderen Kohlenwasserstoffen und das vermehrte
Vorkommen von giftigen Algenarten an den Küsten
sind nur einige weitere Anzeichen für den desaströsen
Zustand im Meer. Wenn ein solch riesiges Ökosystem
solch vielfältige Beeinträchtigungen zeigt,
dann ist dies ein Zeichen für die drastischen
Auswirkungen der globalen Umweltverschmutzung und
Verschwendung. Und es zeigt, dass der Zeitpunkt
für sofortige Gegenmaßnahmen gekommen
ist. |
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| Struktur und
Aufbau |
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| Die Hochsee bezeichnet
das Meer außerhalb der Schelfgebiete,
dort wo die Wassertiefe mehr als 200
Meter beträgt. 93 Prozent des Weltmeers
gehören zur landfernen Hochsee,
8 % davon entfallen auf die Nebenmeere.
Jeweils zur Hälfte liegt die Hochsee
in den kalten und kaltgemäßigten
Klimaregionen und in den tropischen
und warmgemäßigten Klimaregionen.
Für den Juristen beginnt die Hohe
See (High Sea) dagegen zwölf Meilen
vom Land entfernt (1 Seemeile = 1,852
km), dort wo die Hoheitsgewalt der Küstenstaaten
endet. |
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| Die Hochsee schließt
sich an die flachen Regionen über
dem Kontinentalschelf (Flachseeregionen)
an. Unabhängig von der Tiefe bezeichnet
man den freien Wasserkörper im
Ozean als die pelagische Zone oder als
das Pelagial (den Meeresgrund als benthische
Zone oder auch Benthal). Diese Zonen
werden nochmals in verschiedene horizontale
Schichten eingeteilt: Das Epipelagial
ist die Zone bis 200 Meter Wassertiefe,
das Mesopelagial reicht von 200 bis
1 000 Meter, das Bathypelagial von 1000
bis 3 000 Meter Wassertiefe, das Abyssopelagial
bis 8000 Meter und Hadopelagial bis
11 000 m. Das Benthopelagial ist die
etwa 200 Meter hohe Wasserschicht oberhalb
des Meeresbodens. |
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| Das Epipelagial |
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| Das Licht der Sonne und
die kristallene Bläue kennzeichnen
die epipelagische Zone der Hochsee.
Diese Zone reicht bis etwa 200 Meter
Wassertiefe unterhalb der Meeresoberfläche.
Im offenen Ozean dringt das Sonnenlicht
etwa bis 600 Meter vor, erlaubt aber
dem Phytoplankton, den meist mikroskopisch
kleinen Pflanzen, nur bis etwa 150 Meter
Tiefe das Wachstum. Kleinere Tiere,
das Zooplankton, ernährt sich hiervon
und wird wiederum von größeren
Organismen gefressen. Diese Region,
die fernab des Küsteneinflusses
liegt, ist die artenreichste Region
der Hochsee. |
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| Lederschildkröten
sind vom Aussterben bedroht. Foto:
G. McFall OAR/National Undersea
Research Program |
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| Wo sind
sie geblieben? |
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Wer heute den Zustand der Ozeane
betrachtet, kann sich kaum vorstellen,
wie artenreich diese Gewässer
einmal waren. Noch vor 100 Jahren
bevölkerten Millionen Schildkröten
die Meere. Doch Verschmutzung,
Habitatverlust, Klimaveränderung
und besonders die Überfischung
durch den Menschen ließ
diese Meeresreptilien nahezu
verschwinden.
Der Reptilienstamm, der in
der Urzeit so viele gewaltige
Meerestiere hervorbrachte, stellt
heute nur noch wenige Riesen,
allen voran die Seeschildkröten.
Je nach der Ausbildung des Panzers
unterteilt man sie in Meer-
und Lederschildkröten.
Bei ersteren ist noch ein verknöcherter,
mit Hornplatten gedeckter Panzer
vorhanden, in den allerdings
die Füße gar nicht
mehr, Kopf und Hals nur noch
zum Teil eingezogen werden können.
Die Lederschildkröten haben
einen Panzer, der aus mosaikartigen
Knochenplatten gebildet ist,
die keine Hornschilder überziehen.
Eine einzige Art ist uns heute
noch bekannt, die fast zwei
Meter lange und über 500
Kilogramm schwere Lederrücken-Schildkröte
(Dermochelys coriacea). Obwohl
sie dramatische Klimaschwankungen
und Asteroideneinschläge
überlebten, könnten
sie in den nächsten 10
bis 20 Jahren ausgerottet sein,
warnten kürzlich amerikanische
Meeresforscher. Es sei denn,
die Schutzmaßnahmen werden
verstärkt. Todesbringer
Nr. 1 sind die Haken der Langleinenfischer.
Geschätzte vier Millionen
Köderhaken werden den bis
zu 1000 Meter tief tauchenden
Schildkröten zum Verhängnis.
Nur internationale Fischereiabkommen,
die diesen Zusammenhang berücksichtigen,
könnten die seltene Art
noch wirksam schützen und
vor dem Aussterben bewahren.
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| Das Mesopelagial |
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| Unterhalb der Phytoplanktonschicht reicht von
200 bis 1000 Meter das Mesopelagial. In dieser dunklen
Zone lebt tagsüber eine große Anzahl
von Organismen und Fische versteckt, um dann des
Nachts zur Oberfläche aufzusteigen und das
Plankton zu fressen - ein Phänomen, das Vertikalwanderung
genannt wird. |
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| Das Bathypelagial |
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| Das Bathypelagial reicht von etwa 1 000 bis 3
000 Meter Wassertiefe. Diese artenärmere und
spärlicher besiedelte Zone ist der Lebensraum
ausgesprochener Spezialisten. Nur noch ein Prozent
der Nahrungsbrocken der oberen Schichten treiben
durch diese ständig dunkeln und kalten Wassermassen.
Erst in Meeresbodennähe steigt die Artenvielfalt
wieder an. |
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| Das Benthopelagial |
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| Am Meeresboden sorgen die Meeresströme für
ein Aufwirbeln von Sedimentpartikeln und organischem
Material. Diese Trübströme reichen bis
einige hundert Meter über den Boden und kennzeichnen
das Benthopelagial. In dieser Schicht leben teils
Spezialisten, die als erste sich an herabsinkende
Nahrung heranmachen, teils verdriftete oder Schutz
suchende Lebewesen der Benthosgemeinschaft am Boden. |
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| Das Abyssopelagial und Hadalpelagial |
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| Je tiefer die Wassermassen liegen, desto spärlicher
wird die Anzahl der Organismen. In der freien Wassersäule
von 3 000 bis zu 10 000 Meter Wassertiefe kommen
nur noch sehr wenige Tierarten vor. Allerdings ist
unser Kenntnisstand über die Artenvielfalt
und Lebensweise der Organismen dieser Zonen noch
sehr gering, da es bisher nur wenigen Expeditionen
technisch gelungen ist dort Proben zu nehmen. |
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| Temperatur und Strömungen |
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| Das Oberflächenwasser unterscheidet sich
je nach geographischer Breite, Jahreszeit und Wasserströmung
in seiner Temperatur. Je nach Wasserkörper
variieren dabei zusätzlich die physikalischen
(z. B. Salzgehalt) oder biotischen (z. B. Nahrungsketten)
Bedingungen. In der Hochsee schwanken die Temperaturen
zwischen 1,9 Grad Celsius an den Polarmeeren bis
zu mehr als 30 Grad Celsius in den tropischen Regionen.
Die Temperaturunterschiede führen zu den weltweiten
Meeresströmungen, wie dem Nordatlantikstrom
oder zu Phänomenen wie den Auftriebsgebieten
vor den Kontinenten. |
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| In den kalten Regionen führt die Abkühlung
zu einem Absinken der Wassermassen: Tiefenwasser
der Antarktis gelangt so nach Hunderten von Jahren
fast bis zur Arktis; arktisches Tiefenwasser bis
in den Indischen Ozean. Das Meerwasser strömt
in den polaren Gebieten langsam in großen
Schichten in die Tiefe - gleichzeitig steigen andere
Strömungen auf - aber nahe der Oberfläche
bewegt es sich immer aufgrund des Windes. Bläst
der Wind tagelang in derselben Richtung reißt
er das Wasser der Oberfläche mit sich. Die
Bewegungen der Wassermassen der Ozeane sind auch
durch die Erdrotation beeinflusst. Wie die Winde
bilden die Strömungen beiderseits des Äquators
an der Wasseroberfläche große Wirbel,
die sich in der nördlichen Hemisphäre
im Uhrzeigersinn, in der südlichen Hemisphäre
gegen den Uhrzeigersinn drehen. |
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| Das Wasser, das durch die Winde von der Oberfläche
gerissen wird, muss an anderen Orten wieder nachgeliefert
werden. Das geschieht meist durch das aufsteigende,
nähstoffreiche Tiefenwasser, das durch die
Strömungen angesaugt wird. Dieses Hinaufsteigen
des Wassers findet im allgemeinen entlang der Westküsten
der Kontinente statt, in so genannten Auftriebsgebieten,
die biologisch besonders produktiv sind (Anchovis-Fischerei). |
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| Das Leben der Hochsee |
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| Die Organismengemeinschaften der Hochsee lassen
sich nach ihrer Lebensweise und ihrem Lebensraum
in das Pleuston/Neuston (Tiere und Pflanzen an der
Meeresoberfläche), das Plankton (umhertreibende
Organismen) und Nekton (aktiv sich bewegende Organismen)
unterscheiden. |
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| Pleuston und Neuston |
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| Im Oberflächenhäutchen des Meeres konzentrieren
sich organische Verbindungen, Bakterien, Einzeller
und festgeklebte Planktonorganismen. In dieser nahrungsreichen
Schicht lebt eine Organismengemeinschaft, die als
Pleuston bezeichnet wird. Für diese Lebensweise
an der Wasser/Luft- Grenzschicht haben die Tiere
besondere Anpassungen entwickelt. |
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| So findet sich mitten im Ozean das einzige Hochsee-Insekt:
der flügellose Wasserläufer der Gattung
Halobates. Diese Wasserwanzen haben es mittels beharrter
Beine geschafft auf der Meeresoberfläche zu
laufen. Ein weiterer typischer Vertreter des Pleustons
ist die Schnecke Janthina. Sie schwimmt mit einem
Schaumfloß an der Meeresoberfläche und
ernährt sich räuberisch von den Segelquallen.
Es gibt zwei Formen von Segelquallen: Velella aus
der Gruppe der Chondrophorida und die 20 bis 30
cm große Physalia aus der Gruppe der Staatsquallen
(Siphonophora). Beide erbeuten mit Ihren Nesseltentakeln
Fische, Fischlarven und Krebse. |
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| Charakteristisch für das Neuston, der Tierwelt
unterhalb der Meeresoberfläche, ist der räuberische
Ruderfußkrebs Pontella. Er kann 15 cm hoch
und ebenso weit aus dem Wasser springen. Am schwimmenden
Müll und an Holzstämmen und Ästen
siedeln sich verschiedene Tiere an. Häufig
sind dies "Entenmuscheln" der Gattung
Lepas, einem gestielten Verwandten der Seepocke.
Als Cypris-Larve heften sie sich an die treibenden
Gegenstände an, bleiben dann zeitlebens daran
festgewachsen und ernähren sich vom Plankton,
welches sie mit den Rankenfüßen aus dem
Wasser sieben. |
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Die pelagische Larvenform
der Langustenart Phyllosoma ist komplett durchsichtig.
Foto: Larry Madin |
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Plankton
50-60 Prozent des globalen Sauerstoffs
in der Atmosphäre entstammt aus der
Photosynthese des pflanzlichen Planktons
der Hochsee. Die mikroskopisch kleinen Cyanobakterien,
Prochlorophyten und Algen verwenden Sonnenlicht
und Kohlendioxid zur Synthese von Biomasse
und stellen den Grundbaustein für das
ozeanische Nahrungsnetz. Von dem treibenden
Phytoplankton lebt das Zooplankton, diejenigen
Kleinsttiere, vom Einzeller bis zur Qualle,
die mit der Meeresströmung driften.
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| Die meisten Planktonorganismen schwimmen nicht
schnell genug, um ihren Räubern zu entfliehen.
Ihr Überlebenstrick besteht in dem Versuch
unsichtbar zu werden. Manche sind durchsichtig bläulich
gefärbt und andere sind komplett transparent,
so dass sie ähnlich schwer auszumachen sind
wie ein Stück Glas im Wasser. Die planktischen
Larvenstadien der bodenlebenden Organismen wie Krebse,
sind zumeist komplett durchsichtig. Dadurch ist
eine bessere Tarnung auf ihrem Weg zurück zum
Meeresboden gegeben. |
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| Andere Planktonorganismen haben jedoch auffällig
gefärbte Körperanhänge. Meersbiologen
vermuten, dass es sich dabei um die Nachahmungen
(Mimikry) der Körperform anderer Tierarten
handelt. Eine weitere Erklärung wäre,
dass sich die Räuber zuerst auf solche sichtbaren
Strukturen stürzen, und der restliche Organismus
dadurch verschont bleibt und überlebt. |
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| Da die Wassermassen der warmen Ozeane wie des
Pazifischen Ozeans und des Indischen Ozeans miteinander
in breiter Verbindung stehen, sind viele Arten des
Pelagials kosmopolitisch in allen warmen Ozeanen
verbreitet. Das gilt für manche Radiolarien
und pelagische Foraminiferen aus der Gruppe der
Globigerinen, für Staatsquallen (Siphonophora),
für pelagische Muschelkrebse (Ostracoda), für
viele pelagische Copepoden (Ruderfußkrebse)
aus der Gruppe der Calanoidea, für die meisten
Euphausiaceen (Krill) und für die Hyperiidae
unter den Amphipoden (Flohkrebse), ferner für
viele Flügelschnecken (Pteropoda), Copelaten
und Salpen (Manteltiere). Die Artenzahl des Planktons
ist immens. Erst in den letzen Jahren ist es Forschern
etwas gelungen, diese Tier- und Pflanzenwelt zu
beschreiben. |
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Nekton
Die sich aktiv fortbewegenden Tierorganismen
zählen zum so genannten Nekton - vom
Fliegenden Fisch bis zum Delphin. Lebten
früher einmal gewaltige Thunfischschwärme
und Walschulen in den offenen Weiten der
Hochsee, finden sich heutzutage nur noch
wenige Großtiere im offenen Meer.
Die meisten Räuber im Ozean suchen
ihre Beute mit den Augen. Somit ist für
das Überleben der Beute entweder eine
schnelle Fluchtreaktion oder eine gute Tarnung
(Mimikry) wichtig. Denn während es
in den trüben Flachmeergebieten oder
in Riffen zahlreiche Versteckmöglichkeiten
gibt, fehlen diese im offenen Ozean. Die
Meeresorganismen versuchen daher, mit ihren
Körperfarben und -formen, sich unsichtbar
zu machen. |
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Der Thunfisch zeigt eine
deutliche Konterschattierung. Foto: Larry
Madin
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| Die meisten Wirbeltiere im Epipelagial - Fische,
Haie, Delphine und Wale - zeigen eine Färbung,
die als Konterschattierung oder "Counter Shading"
bezeichnet wird. Die Bauchseite ist hell oder weiß,
damit mögliche Feinde in tieferen Wasserschichten
sie schwer gegen die helle Wasseroberfläche
ausmachen können. Die Oberseite ist dagegen
dunkel, von grau bis schwarz, so dass sie von oben
aus gesehen schwer gegen die dunkle Bläue der
Tiefe zu erkennen sind. Einige Tiere haben silbrige
Körperseiten, die dadurch die Wasserfärbung
und Lichtverhältnisse um sie herum reflektieren.
Ein durch Konterschattierung gefärbter Fisch
hat somit eine erhöhte Chance, einem Räuber
zu entkommen. |
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| Die offene Hochsee der wärmeren Meere, die
so genannte Warmwassersphäre, ist aufgrund
der geringen Nährstoffversorgung der Algen
biologisch nicht sehr produktiv - man spricht daher
von den "blauen Wüsten". Für
den Fischfang ist dieses Gebiet nur durch die wandernden
Arten wie etwa den Thunfisch lohnend: Die gesamte
Anlandung beträgt etwa 3-4 % (1989: 4 Millionen
Tonnen ) des weltweiten Fischereiertrags. Mit dem
Wegfall der nutzbaren Bestände könnten
aber auch kleinere Fischarten zukünftig interessant
werden. So gibt es große Bestände von
Tintenfischen, die jedoch schnell den Netzen entweichen
können. Die Leuchtsardinen (Myctophidae) der
tieferen Schichten sind nur wenige Zentimeter lang
und lassen sich schlecht vermarkten. Nichtsdestotrotz
ist die Gefahr der Überfischung auch der ozeanischen
Provinzen sehr hoch. |
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| Fliegen fliegende
Fische?
Im Dezember des Jahres 1903 gelang den Gebrüdern Wright eine ungeheure
Sensation: ihr "Wright Flyer"
flog zuerst 50 Meter, im vierten Flugversuch
sogar stolze 260 Meter weit über die
Erde. Damit nahm die Geschichte des menschlichen
Fliegens ihren Anfang. Doch bereits viel
früher hatten andere Lebewesen den
Luftraum erobert und das Fliegen erlernt.
Selbst bei so luftscheuen und eher im kühlen
Nass beheimateten Tieren wie den Fischen
im Meer finden sich solche Luftkünstler.
Bezeichnenderweise heißen sie Fliegende
Fische. |
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| Den Flugzeugkonstrukteuren der ersten Stunde,
Lilienthal, Lanchaster und anderen, waren sie bekannt
und so dienten die fliegenden Fische als Vorbild
und Modell für den Flugzeugbau. Man untersuchte
aufs Genaueste die Art der "Tragflächen"
und das Flugverhalten im Experiment: Dazu wurden
die ausgestopften (?) Fische aufgespannt in einen
Windtunnel gesteckt, um Zug, Auftrieb, Stabilität
und Elastizität der Flossen bei verschiedenen
Windstellungen zu analysieren. Das Interesse ging
in den 30er Jahren so weit, dass das französische
Luftfahrtministerium mehrere biologische Untersuchungen
bezahlte, um die genaue Art und Weise der Fortbewegung
und des Fluges bei Fischen zu erfahren. |
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| Dabei waren am Anfang die Meinungen über
den Charakter des Fluges höchst unterschiedlich
und man fragte sich, ob sie wirklich fliegen oder
nicht. Dem Reisenden, der die tropischen Weltmeere
befuhr, waren die Schwärme dieser Tiere aufgefallen,
die wie Raketen vor dem Schiffsbug aus dem Wasser
herausschießen, mit ausgebreiteten Flossen
über die Oberfläche hinschweben und nach
kurzem oder längerem Fluge abtauchen oder sich
sofort von neuem in die Luft erheben. |
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| Beobachtet man einen Flugfisch genauer, so sieht
man, dass er mit seiner stark gegabelten Schwanzflosse
zuerst große Geschwindigkeit unter Wasser
aufnimmt, aus tieferen Wasserschichten empor schnellt
und sich über die Oberfläche hinausschiebt.
Dann breitet er die Brustflossen, die im Wasser
dem Körper dicht anliegen, weit aus und schwebt
so eine Strecke weit dahin. Kommen sie auf die Wasseroberfläche
zurück, fliegen die Fische erneut hoch und
segeln ein weiteres Stück davon. |
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| Erst mit der Verfeinerung der Aufnahmetechnik
mittels Elektronenblitz wurde es schließlich
möglich festzustellen, ob sich die Brustflossen
beim "Fliegen" tatsächlich aktiv
bewegen, oder nur inaktiv und flugzeuggleich als
Tragflächen dienen. Letzteres ist der Fall
und es handelt sich somit genau genommen bei den
fliegenden Fischen um "Gleitflieger",
ähnlich wie die Gleithörnchen und Flugdrachen
oder "fliegenden" Echsen, die dem Prinzip
eines Papierfliegers folgen. Wirkliches vogelartiges
Schlagen von Flossen findet sich dagegen bei zwei
Fischarten, die im Süßwasser leben: dem
südamerikanischen Beilbauchfisch und, weniger
deutlich ausgeprägt, beim afrikanischen Schmetterlingsfisch. |
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| Der Flugfisch breitet nach der Startphase seine
zwei oder vier, äußerst dünnen,
wie papierenen Brustflossen aus und stellt seinen
Körper in einen Winkel von fünfzehn Grad
zur Waagerechten, so dass Kopf und Brustflossen
außerhalb des Wassers sind, seine verlängerte
Schwanzflosse aber noch untergetaucht bleibt und
den Antrieb fortsetzen kann. Stark beschleunigt
verlässt der Fisch so das Wasser meist in Richtung
zum Wind (die er durch die Wellenströmungen
schon unter Wasser erkennt), und die Brustflossenstellung,
die während des Fluges bewegungslos verharrt,
trägt ihn einige hundert Meter weit. |
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| Das erneute "Hochfliegen" während
des Fluges erweist sich dabei als ein schnelles
Ein- und Auftauchen: Durch ein rasches, zirka fünfzigfaches
Schlagen der unteren Schwanzflosse pro Sekunde,
steigern die Fische ihre Geschwindigkeit wieder
so weit, um einen neuen Gleitflug zu starten. Dieses
schnelle Vibrieren des Schwanzes und Fischkörpers
ist es, was die Fische wie einen echten Flieger
aussehen lässt. Mit bis zu 55 km/h jagen die
Fische dann dicht über die Wellen: Der längste
gemessene Einzelflug dauerte erstaunliche 13 Sekunden,
und entfernte die Fische über 200 Meter, die
Strecke eines Fußballstadions, weit. |
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| Die Flugfische und andere Vertreter der Familie
Exocoetidae - es gibt um die 65 Arten - leben allesamt
pelagisch, das heißt sie sind Bewohner der
offenen Hochsee. Zwei Gruppen lassen sich aufgrund
der zwei oder vier Brustflossen unterscheiden: die
mit zwei "Flügeln" besitzen große
Brustflossen, aber nur kleine Bauchflossen, während
bei den "vierflügeligen" Arten die
Bauchflossen fast ebenso groß sind wie die
Brustflossen. Letztere sind durch ihre oft wunderschönen
Farbmuster auf den großen Flossen bekannt. |
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| Die einzelnen Arten werden, ähnlich wie bei
Insekten, anhand der Verzweigungen der Flossenstrahlen
der Brustflossen unterschieden. Sie haben in etwa
die Größe (einige werden maximal 65 Zentimeter
lang) und das Aussehen von Heringen; Matrosen nennen
sie daher gerne schlicht "fliegende Heringe",
"Seeschwalben" oder auch "Bang bangs"
(wenn sie gegen die Bordwand knallen). Anders als
die Heringe besiedeln die Flugfische nur die alleroberste
Wasserschicht der warmen Ozeane; nur eine Art (Cypselurus
heterurus) schwimmt als Irrgast manchmal bis vor
die Küste Südnorwegens bis in den Oslo
Fjord. An der Wasseroberfläche ernähren
sie sich von Plankton und anderen kleinen Schwebeorganismen,
die sie selektiv aus dem Meer filtern. |
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| Aber Fische in der offenen Hochsee leben gefährlich:
Sie sind begehrte Jagdobjekte der räuberischen
Haie, Thunfische, Delphine und Kalmare. So zeigt
der lang gestreckte Körper an der Oberseite
eine tiefe blaue Farbe und glitzert an der Unterseite
silbrig weiß. Dadurch können räuberische
Vögel die Konturen der Fische von oben kaum
vom offenen Meer unterscheiden, so wie jagende Fische
von unten ihre Schwierigkeiten haben, die silbrige
Bauchseite gegen die helle Oberfläche auszumachen.
Und sie zeigen noch eine Besonderheit: ein zweigeteiltes
Auge, dessen eine Hälfte nach oben schaut oder
über Wasser, die andere Hälfte nach unten
unter Wasser. So erkennen sie frühzeitig mögliche
Gefahren. |
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| Und dann ist da ja noch das Fliegen, der schnelle
Ortswechsel, um Schutz zu finden in der ansonsten
leeren blauen Weite. Meist landen die Gejagten in
sicherer Entfernung zum Räuber. Aber manchmal
endet der Segelflug eines Exoceotus volitans, dem
häufigsten fliegenden Fisch im Atlantik, oder
anderer Arten an falscher Stelle. Aufgeschreckte
Schwärme regnen bei günstigen Steigwinden
dann auf das Bootsdeck von Schiffen. Auf den Yachten
schüren solche Fischschwärme die Angst
und rufen grusige Geschichten hervor, wie von jenem
Segler, der durch die golfballähnliche Wucht
des Aufpralls eines heranfliegenden Fisches ohnmächtig
getroffen ins Meer fällt und für immer
verschwindet. Einige seien, vom Licht der Kabinendampfer
angelockt, tatsächlich durch die Fenster in
die Kajüten hineingeflogen und sollen es sogar
bis zur Kommandobrücke in 12 Meter Höhe
geschafft haben. |
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| Andere Fische wiederum enden in den Netzen der
karibischen Fischer. Die Fischer nutzen dabei das
spezielle Fortpflanzungsverhalten dieser Tiere aus:
indem sie schwimmende Flöße aus Zuckerrohrblättern
im Ozean auslegen, werden die weiblichen Fische
angelockt, da diese die Gewohnheit haben, ihre Eier
an schwimmenden Algen und dergleichen abzulegen.
Auch mit starken Lichtlampen werden die Fische nachts
in die Netze gelockt. Aus diesem Fang wird eine
leckere Delikatesse: die Japaner essen den Rogen
als Tobiki, einer Form von Sushi, oder in der Surimi-Fischpaste.
In Sri Lanka gibt es sie vakuumverpackt mit Tomaten
und Chillipfeffer zu kaufen. Auf Barbados dagegen
werden die muskulösen Fische, die etwas ölig
schmecken und voller kleiner Gräten sind, gerne
mit gewürzten Brotkrumen gebraten. Die kreolische
Küche bevorzugt sie gefüllt mit Ananas,
Mango und Kokosnuß. Und die Skipper der Yachten
filetieren sie und marinieren sie in Zitronensauce.
Wo sonst, außer im Paradies, fallen schon
mal die Fische direkt vom Himmel. |
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Das Sargasso-Kraut
Die Sargassosee wird ein vier Millionen
Quadratkilometer großes Gebiet zwischen
den Bahamas, den Azoren und den Kanarischen
Inseln genannt, wo regelmäßig
große Tange im Wasser treiben, vor
allem Sargassum natans und Sargassum hystrix
var. jiuitans. Diese Großalgen wachsen
an den Küsten der Karibik. Sie werden
während der Hurrikan-Zeit losgerissen,
treiben dann mit dem Florida-Strom und mit
dem Golfstrom und gelangen schließlich
in den großen Stromkreisel der Sargassosee.
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Die Küstenalge Sargassum
überlebt auch in der Hochsee. Foto:
www.sandiego.edu/~pkemp
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| Im Wasser treibend vermehren sich die Tange zwar
nur ungeschlechtlich, dabei können sie aber
viele Meter lang werden. Durch ihre geringe Dichte
und durch Luftblasen erhalten sie den Auftrieb,
der sie direkt unter der Meeresoberfläche treiben
lässt. Die Biomasse der in der Sargassosee
treibenden Tange wird auf vier bis elf Millionen
Tonnen Feuchtgewicht geschätzt (entsprechend
25 bis 225 mg Kohlenstoff pro Quadratmeter). Auf
den treibenden Sargassum-Tangen siedeln sich andere
Algen, Hydropolypen, Aktinien, Bryozoen und Entenmuscheln
an, dazu verschiedene Garnelen. Die Seenadel Syngnathus
pelagicus und der Sargassofisch Pterophryne histrio
kommen nur im Lebensraum des Sargasso-Krauts vor. |
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| Bedrohungen für die Hochsee |
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| Gifte an der Wasseroberfläche |
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| Im Oberflächenhäutchen reichern sich
nicht nur ganz allgemein organische Substanzen an,
sondern auch Chlorierte Kohlenwasserstoffe (zum
Beispiel DDT und PCBs), die aus der Luftverschmutzung
stammen, ebenso Blei und andere Schwermetalle. Deshalb
sind alle Tiere besonders hoch belastet, die an
der Meeresoberfläche leben oder dort ihre Nahrung
suchen. Beim Wasserläufer Halobates beträgt
die Cadmium-Konzentration 33 mg pro kg Trockengewicht,
in der Leber von nordatlantischen Sturmvögeln
wurden 49 mg/kg gemessen. Viele Argumente sprechen
dafür, dass diese Cadmium-Belastung nicht nur
vom Menschen verursacht wurde, denn Cadmium kommt
auch naturgegeben im Meerwasser vor. |
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Millionen Plastikstricke bedrohen
die Meereslebewesen. |
Schwimmender Müll
Heute treiben enorme Mengen Flaschen, Plastikbehälter
und Teerballen an der Meeresoberfläche,
wo einst Kokusnüsse, Holzstämme
und Äste den Tieren im Meer einen Halt
boten. Während Algen und verschiedene
Tiere sich nichtsdestotrotz an diese Treibsel
anheften und einen Lebensraum erhalten,
stellen diese Gegenstände für
andere Tiere eine große Gefahr dar.
Jedes Jahr kosten die entsorgten Überbleibsel
Tausenden von Organismen das Leben, indem
sie daran ersticken oder darin verwickelt
werden. Der Müll beeinträchtigt
auch wichtige marine Lebensräume als
Ganzes, wie die Korallenriffe und Seegrasbänke.
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| Das Problem ist viel zu wenig beachtet: Es muss
aber gegen diese schleichende Vergiftung mehr getan
werden, um diese Rückstände der Zivilisationen
aus dem Ozean fernzuhalten. |
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UV-Belastung
Das Ozonschild beschützt das Leben
auf der Erde vor den gefährlichen UV-Strahlungen
der Sonne. Doch im Falle einer beschädigten
Ozonhülle nimmt die Strahlung zu und
zerstört alle Lebewesen. Die Folgen
sind Augenerkrankungen und Hautkrebs bei
Menschen und Tieren. Auch das ozeanische
Plankton, die Lebewesen an der Basis der
Nahrungsketten im Ozean, werden durch den
zunehmenden UV-Stress geschädigt.
Die Meeresorganismen, die immer an der
Wasseroberfläche der Ozeane leben und
der sengenden tropischen Sonne ausgesetzt
sind, haben im Laufe der Evolution besondere
Schutzstrategien gegen erhöhter UV-Strahlung
entwickelt. Wissenschaftler und Pharmazeuten
suchen daher derzeit verstärkt in diesen
Organismen nach Wirkstoffen. Überlebenskünstler
unter der Sonne sind zum Beispiel staatenbildende
Quallen, wie die Portugiesische Galeere
(Physalia physalia) oder "Der Segler
vor dem Wind" (Velella vellela). Sie
verwenden als Sonnenschutzmittel unter anderem
das dunkelblaue Melanin, ein Molekül,
das sich wie ein Schutzschild um die empfindlichen
Zellkerne legt. Die Quallen sind daher blau
gefärbt.
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Das Ozonloch über der
Antarktis war am 6. Oktober 1987 besonders
groß. Foto: NASA
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| Auch ein besonderes Enzym, die Photolyase, welches
Erbsubstanzen nach UV-Bestrahlung reparieren kann,
kommt im ozeanischen Plankton gehäuft vor.
Solche Reparatur-Enzyme, die dann in sonnengeschädigte
Hautzellen geschleust würden und den Sonnenbrand
wieder rückgängig machen würden,
sind die idealen Substanzen für die Kosmetikindustrie.
Schon jetzt gibt es erste Sonnenschutzmittel, wie
das "Ocean Secret Formula" von der amerikanischen
Firma Applied Genetics: Das Planktonextrakt enthält
geringe Mengen an Photolyase zur DNA-Reparatur und
Stoffe, die die Melaninproduktion in menschlichen
Hautzellen anregen sollen. |
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| Die Tiere der Tropen sind effektiv geschützt.
Im Gegensatz zum Plankton der kalten Polarregionen:
dort, wo die UV-Belastung eigentlich minimal ausfällt,
ist nur geringer Schutz ausgebildet worden. Erste
Untersuchungen zeigen eine verminderte Anzahl und
verringerte Dichte der Planktonorganismen. Zu welchen
Folgen das Ozon-Loch im Ozean langfristig führt,
müssen jedoch noch weitere Forschungen klären.
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Der Wirbelsturm Fran am 4. September 1996
vor der Karibik. |
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Klimaerwärmung
Vor etwa 7 000 Jahren ereignete sich vor
der Norwegischen Küste eine riesige
Schlammflut. Riesige Partikelmengen waren
in Bewegung geraten, bedeckten unzählige
Quadratkilometer im Meer und überfluteten
alles Leben am Boden. Bis nach Schottland
und Island waren die Auswirkungen dieser
unterseeischen Rutschung zu spüren.
Tsunamis, Riesenwellen, überspülten
dort die Küstenabschnitte. Unter den
Geologen ist dieses Ereignis als Storegga-Rutschung
bekannt. Wissenschaftler vermuten, dass
die damals zur Hangstabilität in der
Tiefsee benötigten Methanhydrate sich
durch die Temperaturerwärmung im Ozean
nach der Eiszeit gelockert hatten. Das Schlamm-Eis-Gemisch
war geschmolzen und der unterseeische Abhang
in Rutschen geraten. |
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Flutwellen durch Hangabrutschungen, Zerstörung
von Küstenökosystemen, Veränderungen
der Meeresströmungen: für viele Forscher
werden sich die Auswirkungen der globalen Erwärmung
nicht nur an Land abspielen. Die Ozeane bedecken
71 Prozent der Erdoberfläche und eine globale
Temperaturzunahme bringt auch das größte
Ökosystem der Erde ins "Schwitzen".
Auch wenn die Folgen nur grob geschätzt werden
können, zeigen die Daten bedrohliche Tendenzen:
• Der Ozean nimmt in den ersten drei
Metern der Wassersäule derzeit noch etwa 50
Prozent der anthropogenen Treibhausgase (vor allem
CO2 aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe und aus
Waldbränden) auf. Doch diese Pufferkapazität
könnte begrenzt sein. |
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- Die Temperaturerhöhung führt
zu einer thermischen Ausdehnung der Wassermassen.
In den letzten 100 Jahren stieg der Meeresspiegel
um rund 15 Zentimeter. Klimastudien gehen von
weiteren 50 Zentimeter in den nächsten
50 Jahren aus. Ganze Küstenländer
drohen zu versinken
- Ein vermehrter Energieeintrag in die
tieferen Wassermassen könnte die derzeitigen
Strömungsmuster drastisch verändern.
Die Fernheizung Europas, der Golf- oder Nordatlantikstrom,
könnte ausklingen.
- Das Ozonloch, UV-Strahlung und Erderwärmung
beeinträchtigen die Tier- und Pflanzenwelt.
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| Ob Barrakudas oder der Mondfisch Mola mola in
den Netzen der Nordseefischer, oder die Mittelmeerassel
Idothea metallica am Meeresboden vor Helgoland:
Zunehmend verzeichnen Experten auch neue eingewanderte
wärmeliebende, so genannte lusitanische Spezies
in deutschen Gewässern. |
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| Die Folgen für die einheimischen Tierarten
sind noch unbekannt. Andernorts bedrohen die hohen
Wassertemperaturen die Mangroven und Korallenriffe.
Noch sind die Folgen der globalen Temperaturerhöhung
nicht alle voraussehbar. Trotzdem: Es wird die Sache
der Politiker sein, dem Klimawandel entgegenzusteuern.
Welche auch zerstörerischen Kräfte im
Wasser stecken, war ja zum Leidwesen vieler beim
Hochwasser der Elbe eindeutig zu sehen. |
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Erhöhter Kohlendioxidgehalt
Ozeanströmungen wirken als gigantische
Klimamaschinen. Allein die obersten drei
Meter der Wassersäule können so
viel Wärme speichern wie die gesamte
Atmosphäre darüber. Jedoch: Bis
zum Jahr 2100 soll die globale Mitteltemperatur
zwischen einem und 3,5 Grad Celsius ansteigen,
ergaben Berechnungen des internationalen
Wissenschaftlergremiums IPCC (Intergovernmental
Panel on Climate Change). Gleichzeitig steigt
der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre
ungeändert an. Wie reagieren die Ozeane?
Bei erhöhten Temperaturen infolge
der globalen Erwärmung bildet das Phytoplankton
mehr Chlorophyll ("Blattgrün")
und es speichert der Theorie nach beim Wachstum
mehr Kohlendioxid. Noch ist aber der Kohlenstoff-Kreislauf
im Ozean zu wenig bekannt. Seit der letzten
Eiszeit vor 11 000 Jahren konnte der Ozean
mit dem Anstieg des Co2-Gehalts mithalten.
Ursache dafür ist die "Thermohaline
Zirkulation", bei der die Tiefen(Kalt)-Wassermassen
und die Warmwassersphäre voneinander
entkoppelt wirken. So bleiben die Auswirkungen
eine Ozeanerwärmung regional begrenzt.
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Das Plankton produziert
50 Prozent des Sauerstoffs in der Atmosphäre.
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| So bekannt dieser Prozess ist, so unklar sind
die genauen Vorgänge innerhalb der Nahrungskette
und der weitere Verbleib der Algen nach deren Absterben.
Große Mengen an Kohlendioxid könnten
dauerhaft gespeichert werden, wenn die Mikroalgen
auf den Grund der Ozeane sinken, bevor sie bei ihrem
Zerfall das Treibhausgas wieder freisetzen. Solange
der Ablauf dieser "Biologischen Pumpe"
nicht eindeutig geklärt ist, bleiben die Ozeane
ein unsicherer Faktor in Klimamodellen, die die
Auswirkungen der globalen Erwärmung vorhersagen
sollen. |
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| Andererseits könnte der erhöhte Eintag
von Co2 im Meer den Kalkhaushalt vieler Organismen
beeinträchtigen. Das gilt nicht nur für
die Korallenorganismen im Flachmeer, sondern auch
für das ozeanische Plankton. Wenn die Atmosphäre
viel Kohlendioxid enthält, steht dem Meeresplankton
weniger Kohlenstoff zur Verfügung, um seine
Kalkschalen aufzubauen. Denn je mehr Co2 die Atmosphäre
enthält, desto saurer wird das Oberflächenwasser
im Meer. Bei niedrigerem pH-Wert sinkt die Konzentration
der Karbonat-Ionen, die Korallen, Foraminiferen
und andere Tiere für den Aufbau ihrer Kalkschalen
brauchen. Die biologische Pumpe wirkt dann also
schwächer. |
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| Noch ist zu wenig über diese Vorgänge
bekannt. Völlig fehl am Platz ist jedoch die
Überlegung, durch eine Düngung der Meeres
mit Eisensulfat das Wachstum der Grünalgen
zu steigern, um das industrielle Co2 so aus der
Atmosphäre zu entfernen. Der Verursacher an
Land sind für den Treibhauseffekt verantwortlich
- und nicht der Weltozean. |
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| Die Schwertfisch-Industrie |
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| Wussten Sie, dass Schwertfische
über 25 Jahre alt werden können?
Und dabei erreichen sie stattliche Größen
von 600 Kilogramm. Diese spindelförmigen
Kolosse gelten als schnellste Schwimmer der
Erde: mit dokumentierten 96,5 Stundenkilometern
jagen sie durch die Weltmeere, wenn sie wollen,
tauchen sie auch mal eben 1 000 Meter tief.
Auf der Jagd nach Makrelen und Tintenfischen
brauchen diese Raubfische keine Zähne,
dazu dient ihnen der lange Mundstachel,
den sie als tödliches, um sich peitschendes
Schwert einsetzen. Ihre Haut hat auch keine
Schuppen, daher gilt für manche Juden
das Filet als nicht koscher. Dafür
macht die raue Haut den Sprint im Meer schneller.
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| Wussten sie, dass geschätzte 250 000 Kilo
tote junge Schwertfische jährlich vor den Küsten
wegen ihrer geringen Größe einfach ins
Meer gekippt werden? Seit den 80er Jahren wird mit
erbarmungsloser Kraft ein letzter Raubzug auf die
Schwertfischbestände im Ozean geführt.
Dadurch kommt es an den Köderfischen der Langleinen
eben auch zu den sehr kleinen gefangenen Jungtieren.
Da es illegal ist, zu kleine Fische an Land zu bringen,
werden die jungen, untermaßigen Fische einfach
im "blauen Regal", das heißt über
Bord und damit aus dem Blick, im Meer versenkt.
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| Der Druck auf die Bestände im Meer ist in
den letzten Jahren so gewaltig gewachsen, dass die
sechsmilliardengroße Erdbevölkerung die
um ein mehrfaches höhere Anzahl Fische bis
zur letzten Flosse ausrotten wird. So lassen moderne
Sonartechniken und Satellitennavigation immer noch
übersubventionierte Fischerflotten ins Meer
zum großen letzten Raubzug ausziehen. Nach
Angaben der Food and Agriculture Organization (FAO)
der Vereinten Nationen sind mindestens 60 Prozent
der weltweit 200 häufigsten genutzten Fischarten
entweder überfischt oder werden bis zum Limit
befischt. Und 13 der 17 Hauptfangebiete der Welt
sind mittlerweile praktisch leer! |
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| Überfischung, unangepasstes Management und
Zerstörung der küstennahen Habitate haben
die Populationen von Seezunge, Scholle, Atlantischem
Lachs, Thunfisch und Schwertfisch auf so niedrigen
Stand gebracht, dass sich die Befischung kaum mehr
lohnt. Fische sind heutzutage selbst für Fischer
Mangelware geworden. Die letzten Fanggründe
für die Fischerei liegen fernab der bekannten
Hoheitsgewässer an unterseeischen Seehügeln
(engl. Seamounts) - dort findet zur Zeit der letzte
unreglementierte Raubbau statt. |
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| Bevor die Schwertfische (Xiphidae), Mitglied der
Makrelenfamilie, ihre majestätische Größe
von fünf Metern erreichen, müssen die
Jungen einige Veränderungen vollziehen. Die
Larven bevorzugen warmes Wasser, mindestens 24 Grad,
und leben vermutlich hauptsächlich in Küstennähe.
Genaueres wissen selbst die Forscher nicht, da die
Schwertfische im weiten Ozean ausgedehnte Wanderungen
unternehmen. Erst ab einem Alter von fünf Jahren
bei Weibchen (ca. 70 Kilo) und drei Jahren bei Männchen
(ca. 30 Kilo) werden die Tiere geschlechtsreif.
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| Genau dieser lange und späte Entwicklungszyklus
ist ein Dilemma. Schon heute sind 83 Prozent der
Fänge nur noch unreife Weibchen. Keine Nachkommen
sind also in Sicht. Konkret bedeutet dies: Die Ostatlantischen
Bestände der Schwertfische werden im Jahre
2005 ausgestorben sein, wie Umweltschützer
befürchten. Darauf deuten auch andere Daten.
So ging das Durchschnittsgewicht der Fänge
seit Erfindung der Langleinenfischerei von 130 auf
45 Kilogramm zurück. Alles, was da heute noch
gefangen wird, ist Kleinvieh. |
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| Umweltschützer haben in den letzten Jahren
ein weit gehendes Verbot der unselektiven Treibnetzfischerei
im Mittelmeer und zumindest in Teilen des Atlantiks
und Pazifiks durchsetzen können. Aber vor allem
im asiatischen Raum sind bisher die Kontrollen bei
den Fischern nicht vollständig. Gerade dorther
stammt aber ein Großteil unser Thunfischkonserven
- oft noch zynisch versehen mit dem nicht prüfbaren
Stempel "Delphinsicherer Fang". Auch das
"Marine Stewartship Council" (MSC)-Siegel,
eingeführt von der Fischindustrie, ist noch
kein Garant für eine wirklich nachhaltige Fischerei
(wie das Beispiel der Tiefsee-Fischfangquoten zeigt,
bei denen ohne jedwede wissenschaftliche Erkenntnisse
von einer nachhaltigen Bewirtschaftung gesprochen
wird). Zu viele Fischer suchen derzeit mit Ringwaden
und Langleinen die letzten "Büffel"
der Ozeane. |
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| Langleinenfischerei: das sind 20-45 Kilometer
lange Hakenleinen und tausend Köder versteckt
im Meer. Die Haken ziehen von Thunfisch bis zum
mittlerweile gefährdeten Albatross gnadenlos
alles Essbare aus dem Meer. Die Fischer allein können
nichts dafür: Wäre der Bedarf nach der
Sushi-Delikatesse etwas geringer, könnten eventuell
Schutzmassnahmen greifen. Vielleicht, indem die
Bestände einfach für zehn Jahre in Ruhe
nachwachsen könnten. |
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| Der weltweite Handel mit tropischen Fischen bedroht die Vielfalt der Korallenriffe |
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Welchen Fisch hätten
Sie denn gern? Ob Falter- oder Kaiserfische,
Schmetterlings- oder Kofferfische,
giftige Rotfeuerfische, seltene Seepferdchen
oder gar räuberische Haie: in
jeder Größe und aus den
entlegensten Gegenden der Welt sind
heute Zierfische für das Seewasseraquarium
bei Zoohändlern zu bekommen.
Zu fast 100 Prozent werden dabei Wildtiere
gehandelt.
Der Handel mit marinen Zierarten,
wie Zierfischen, Korallen und anderen
Wirbellosen, wie Mollusken, Garnelen
und Seeanemonen, umfasst einen jährlichen
Umsatz von geschätzten 170 bis
280 Millionen Euro. Weltweit werden
etwa 1500 marine Zierfischarten, mit
jährlich um die 20 bis 24 Millionen
Individuen gehandelt, berichtet die
UNEP
(Report “From Ocean to Aquarium:
The Global Trade In Marine Ornamentals”).
In Amerika werden jährlich rund
100 Millionen Dollar mit Aquarienfischen
umgesetzt, hierzulande erwirtschaftet
der Handel geschätzte fünf
bis zehn Millionen Euro.
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Der Disney-Film "Findet
Nemo" sorgt für eine rege Nachfrage
nach tropischen Fischen.
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| Seit den 80er-Jahren erfreut sich die Seewasseraquaristik
zunehmender Beliebtheit. Durch Verwendung von besseren
Salzen für das künstliche Meerwasser,
neue Methoden zur Wassersäuberung und zur Instandhaltung
gelingt das Halten von Meerwassertieren selbst ungeübten
Neulingen. Die Becken werden dann mit so genannten
"Lebenden Steinen", Meeresalgen und bunten
Fischen besetzt. Am begehrtesten sind die besonders
farbigen Korallenfische. |
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| Also fangen Einheimische in den tropischen Gewässern
die bunten Korallenfische mit Netzen, Reusen oder
Betäubungsmitteln. Insbesondere das billige
Natriumcyanid - verdünnte Blausäure -
wird von den Tauchern zum Sammeln eingesetzt. Dabei
werden nicht nur viele Fische getötet. Auch
die Korallenstöcke und andere Riffbewohner
werden durch das Gift geschädigt. 30 bis 50
Prozent der gefangenen Fische sterben in den ersten
Wochen an der schleichenden Vergiftung. |
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| Über Zwischenhändler, so genannte Transshippers,
werden die Sammelbestellungen der Zoohändler
importiert. Per Luftfracht werden die Fischboxen
je nach Art mit Stückzahlen von bis zu 500
Fischen in alle Welt vertrieben. Verdient der Exporteur
nur zehn Cent pro Anemonenfisch, steigert sich der
Preis durch die Importeure und Frachtkosten auf
fünf bis acht Euro im Zoohandel. |
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| BGenaue Angaben über die Menge eingeführter
Zierfische in Deutschland sind kaum zu finden. Wöchentlich
wurden im Jahr 1999 in der EU allein zirka 45 000
Anemonenfische und Chromis-Riffbarsche importiert,
schätzte Robert Brons vom holländischen
Großhändler DeJong. Selbst beim Bundesamt
für Naturschutz oder Amt für fachgerechten
Natur- und Artenschutz liegen keine genaue Daten
vor, da diese Tiere nicht erfasst werden müssen. |
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| Dabei war Deutschland einmal Vorreiter in der
Kennzeichnung und im Schutz von Korallenfischen.
Für acht Jahre unterlagen Kaiser- und Falterfische
strengen Einfuhrbestimmungen. Was zuerst bei deutschen
Aquarianern dazu führte, dass seltenere Fische
eben in der Schweiz oder in Holland eingekauft wurden,
führte letztendlich auch zum Ende des Gesetzes:
Aus Wettbewerbsgründen war das nationale Gesetz
angeblich nicht mehr tauglich. |
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| Seit Juni 1997 gilt nun die EU-Rechtslage, wonach
- bis auf den Stör, einige Schneckenarten,
Riesenmuscheln, Steinkorallen und einige wenige
andere Exoten aus der Washingtoner Artenliste -
kein tropischer Fisch vor umfangreichem Handel geschützt
ist. Die Steinkorallen sind mittlerweile bei den
Malediven und Seychellen fast verschwunden. Und
es ist nur eine Frage der Zeit, wann die majestätischen
Preußenfische, putzigen Riffbarsche und regenbogenfarbenen
Drückerfische aussterben werden. |
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| Je seltener ein Fisch nämlich ist, desto
mehr reizt er manche Hobbyisten zu einem Versuch
im heimischen Aquarium. So kursieren Gerüchte
von Auftragsjägern, die nach Australien oder
auf die Fidschi-Inseln fliegen, für Kunden,
die bereit sind, tausende Euro für seltene
Tiefwasser-Kaiserfische oder Leopardendrückerfische
zu bezahlen.
Fairerweise muss man den deutschen Aquarianern
aber ein gehobenes Umweltbewusstsein attestieren.
Im Gegensatz nämlich zu Nordamerika wird
einiges zur Aufklärung geleistet. Viele Hobbyaquarianer
haben sich notgedrungen um die Nachzucht von Steinkorallen
verdient gemacht, da diese heutzutage nicht mehr
importiert werden dürfen. Und auch die Zoohändler
handeln vermehrt mit Fischen aus Fangstationen
ohne Cyanid oder bieten Fische aus Nachzuchten
an.
Damit dies für die begehrten Fische auch
anwendbar ist, bedarf es weiterer Anstrengungen.
Denn die Aufzucht von Korallenfischen gilt als
äußerst schwierig: Die Larven wechseln
die Nahrungsgewohnheiten je nach Alter, angefangen
von Einzellern und Wimperntierchen über kleine
Rädertierchen hin zu mittelgroßen Kleinkrebsen.
Manche Jungtiere bevorzugen zudem nur sich bewegendes
Plankton und keine auf den Boden fallende Planktontiere.
Auch die speziellen Futtermixturen der Händler
helfen da nicht weiter. Und dazu kommen die nicht
immer bekannten komplizierten Paarungsgewohnheiten,
wobei manche in Einehe leben, andere wiederum
in Haremsrudeln.
"Verantwortungsbewusste Zoohändler
sollten auf die Nachzuchten hinweisen. Auch der
Verbraucher ist hier gefragt: er sollte die an
Gefangenschaft besser angepassten Fische wählen"
so Dr. Onno Groß. Für viele Tropenfische
ist aber der beste Schutz ein völliger Verzicht.
Hintergrundinfo: "Der Handel mit marinen
Zierfischen", http://www.wwf.de |
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