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news aus Forschung und Umwelt |
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| 29.10.2004 |
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Klimawandel durch Hollywood begreifen?
Studie zur Wirkung des Kinofilms "The
Day After Tomorrow"
Ende Mai 2004 kam in rund 80 Ländern
der Klimaschocker "The Day After Tomorrow"
des Hollywood-Starregisseurs Roland Emmerich
in die Kinos. Würde dieser Film die
Klimadebatte neu entfachen und den Klimaschutz
fördern? Oder würde er dem Klimathema
letztlich schaden, weil die Darstellung
einer menschgemachten neuen Eiszeit auf
der Nordhalbkugel mehr auf Fiktion als auf
Wissenschaft beruht? Wissenschaftler des
Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung
untersuchten die Wirkung des Films. Die
Ergebnisse der Studie liegen jetzt im aktuellen
PIK-Report vor.
Die Soziologen Fritz Reusswig und Julia
Schwarzkopf vom Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung (PIK) sowie Philipp
Pohlenz von der Universität Potsdam
führten die sozialwissenschaftliche
Wirkungsstudie zum Film durch, die vom European
Climate Forum (ECF) und vom Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
(BMU) unterstützt wurde.
Die Ergebnisse zeigen: Durch Werbung, Interviews
und Medienberichte hat der Film zu einer
kleinen Konjunktur des Klimathemas geführt
und Menschen erreicht, die sich ansonsten
für das Thema nicht oder kaum interessieren.
Dem Film gelang es auch, dem Kinobesucher
ein größeres Bewusstsein für
die Komplexität und Verwundbarkeit
des Weltklimas zu vermitteln. So war zum
Beispiel die Rolle der Ozeane den meisten
Befragten vor dem Film nicht bekannt. Die
"Special Effects" einer hereinbrechenden
Klimakatastrophe führten bei den Zuschauern
jedoch keineswegs zu Fatalismus oder Fluchtgefühlen
- wie vielleicht zu erwarten wäre.
Im Gegenteil: Nur knapp zehn Prozent der
Befragten nahmen die Botschaft
"Wir können ohnehin nichts tun"
mit nach Hause, 82 Prozent wählten
nach dem Film die Botschaft "Wir müssen
den Klimawandel unbedingt aufhalten"
als ihr Motto. Die meisten glauben auch,
dass es noch möglich sowie auch wirtschaftlich
vernünftig ist, Klimaschutzpolitik
zu betreiben. Die deutsche Klimapolitik,
die speziell wegen der Ökosteuer keine
allzu guten Noten vor dem Film erhalten
hatte, wird nachher deutlich besser bewertet
- angesichts der kritischen Haltung des
Films gegenüber der Klimapolitik der
US-Regierung nicht besonders verwunderlich.
Deutschland wird aufgefordert, auch international
seine Anstrengungen zu verstärken.
Neben dem PIK haben sich vier andere Forschungsteams
aus den USA, Großbritannien und Japan
mit der Wirkung des Films auf das Publikum
beschäftigt. Diese Teams trafen sich
am 21. und 22. Oktober am PIK, um ihre Ergebnisse
auszutauschen. Dabei wurde deutlich: Die
unterschiedlichen kulturellen und politischen
Hintergründe in diesen Ländern
führen dazu, dass ein und derselbe
Film ganz unterschiedliche Wirkungen beim
Kinobesucher hervorruft. In den USA etwa,
wo Klima und Klimaschutz eine deutlich geringere
Rolle in der Öffentlichkeit spielen
als in Europa, hat der Film deutlich zur
Sensibilisierung des Themas und der Notwendigkeit
von Klimapolitik beigetragen. Und: Wer den
Film gesehen hat, ist deutlich stärker
bereit, John Kerry zu wählen als George
W. Bush.
Für die PIK-Studie wurden 1.118 Kinobesucher
aus sechs deutschen Städten befragt
(Berlin, Bremen, Magdeburg, Marburg, München,
Potsdam). In einem schriftlichen Interview
beantworteten sie unmittelbar vor und nach
dem Kinobesuch Fragen zum Klimawandel und
Klimaschutz. Eine weitere Gruppe von 150
Personen wurde vier Wochen später noch
einmal telefonisch interviewt, um die Langzeitwirkung
des Films zu überprüfen.
Die Ergebnisse der Studie liegen als PIK-Report
Nr. 92 vor. Die Studie ist im Internet abrufbar:
http://www.pik-potsdam.de/pik_web/publications/pik_reports/reports/pr.9-
2/pr92.pdf
Global
Fishing Trade Takes Jobs and Food From Poor,
Says U.N.
Governments must do more to protect their
fishers from being crowded out of the water
by industrial fleets that export their catch
rather than feed locals and take away jobs,
a U.N. human rights investigator said this
week.
www.enn.com/today.html?id=267 |
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| 27.10.2004 |
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Norddeutsches Hafenkonzept
einzige vernünftige Lösung
Aus Anlass der heutigen Veranstaltung des
Wirtschaftverbandes Weser zu "Hinterlandanbindung
deutscher Seehäfen – Straße,
Wasser, Schiene" in Bremen fordert
die Umweltorganisation Aktionskonferenz
Nordsee (AKN) ein norddeutsches Hafenkonzept,
um drastischere Schäden für Mensch
und Umwelt zu verhindern.
"Bei der Betrachtung der in Planung
befindlichen Vorhaben wird klar, dass sowohl
aus ökologischer als auch wirtschaftlicher
Sicht ein Norddeutsches Hafenkonzept längst
überfällig ist", so AKN-Sprecherin
Nadja Ziebarth.
- Bremen will die Außen- und Unterweser
weiter vertiefen und hat bereits mit dem
Ausbau des Containerterminals CT IV in Bremerhaven
begonnen.
- Hamburg will die Elbe um einen weiteren
Meter vertiefen und hält gleichzeitig
die Option für eine Hafenerweiterung
in Hamburg-Moorburg aufrecht. Die Hamburger
Lagerhaus Gesellschaft wünscht weiterhin
die Option für Cuxhaven als Tiefwasserhafen.
- Niedersachsen und Bremen planen in Wilhelmshaven
den JadeWeserPort.
- Parallel werden in Norddeutschland neue
Autobahnen (Küstenautobahn),
Elbquerung usw. geplant.
"Ein weiterer Ausbau der Flüsse
und ihrer Ästuare (Flussmündungen)
würde größere Gefahren bei
Sturmfluten mit sich bringen. Uferbereiche
würden verschlicken und flusstypische
Tier- und Pflanzenarten wie Bodenbrüter
und Röhrichtbewohner würden verdrängt
werden", warnt die AKN. Hiervon wären
23 schutzwürdige Gebiete allein an
der Unterweser betroffen. In Europa hat
ohnehin kein Flussunterlauf so extreme Ausbaumaßnahmen
in seiner Geschichte hinnehmen müssen
wie die Weser. Selbst der Gewässergüteatlas
der Bundesregierung von 2001 hat der Unterweser
die schlechteste Note gegeben. Das heißt:
Bereits jetzt ist die Weser in ihrer Struktur
"sehr stark verändert". "Ein
weiterer Ausbau würde sie vollends
zum Kanal degradieren." Selbst Bundesumweltminister
Trittin hat mehrfach die niedersächsische
Regierung darauf hingewiesen, das die Flussmündung
(Ästuar) der Weser als FFH-Schutzgebiet
gemeldet werden müsste.
Die Aktionskonferenz Nordsee fordert daher
beim Ausbau des seewärtigen Zuganges
sowie der Hinterlandanbindungen ein abgestimmtes
Gesamtkonzept für die deutschen Nordseehäfen
unter Berücksichtigung der Auswirkungen
auf die Ökologie und den Küstenschutz.
Der Umwelt zerstörende Konkurrenzkampf
zwischen den deutschen Hafenstandorten muss
aufhören!
www.akn.de
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| 23.10.2004 |
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WWF entsetzt über
drei Havarien binnen drei Wochen
WWF, die globale Umweltschutzorganisation,
fordert die Ostsee- Anrainerstaaten dringend
auf, angesichts der Havarie des norwegischen
Öltankers "Bergitta", der
gestern Abend am Großen Belt mit 100.000
Tonnen Rohöl an Bord mit einem Containerschiff
kollidierte, die Tagesordnung für ihr
morgiges Treffen zu erweitern und schnellstmöglich
umfassende Schutzmaßnahmen für
die Ostsee zu verabschieden.
"Bei einer Leckage des Tankers "Bergitta"
wäre das Leben der dänischen Inselwelt
in der Ostsee innerhalb weniger Tage auf
Jahrzehnte zerstört worden", sagt
Jochen Lamp, Leiter des WWF- Projektbüros
Ostsee, und ergänzt: "Der WWF
fordert die Anrainerstaaten daher auf, bei
ihrem morgen in Kopenhagen startenden Treffen
des entsprechenden HELCOM Komitees eine
Lotsenpflicht für die stark befahrenen
Routen der Ostsee zu verabschieden."
Für die Ostsee, die von den Anrainerstaaten
im April diesen Jahres "im Prinzip"
als "Besonders Empfindliches Meeresgebiet"
(Particularly Sensitive Sea Area , PSSA),
anerkannt wurde, ist seither ein umfassender
Katalog an Schutzmaßnahmen möglich.
Zentrale Maßnahmen des WWF-Forderungskataloges,
die für alle Gewässer der Ostsee
gelten sollten, sind ein Verkehrsmelde-
und -Lenkungssystem wie in der Luftfahrt
bereits üblich, ein gemeinsames Havariekommando
im Falle von Schiffsunfällen und die
unverzügliche Einrichtung von Notliegeplätzen,
auf die havarierte Schiffe sofort nach einem
Unfall verbracht werden können.
Für 10 besonders gefährdete Seegebiete
schlägt der WWF maßgeschneiderte
Einzelmaßnahmen vor. Unter ihnen sind
das Kattegat, die dänischen Belte und
der Öresund, die Kadetrinne, die Gewässer
um Gotland, der Finnische Meerbusen und
die Inselwelt um die Alandinseln. Vorgeschlagen
werden Maßnahmen von Schutzvorkehrungen
für die Fahrt unter Eisverhältnissen
und Geschwindigkeitsbegrenzungen bis hin
zur Ausweisung von Gebieten, die gar nicht
mit bestimmten Frachten befahren werden
dürfen.
Bei den besonders stark befahrenen Gebieten
fordert der WWF Lotsenpflicht, Verkehrstrennungsgebiete
sowie eine Pflichteskortierung besonders
gefährlicher Schiffe durch Schlepper.
Für Deutschland sind auf dem Hauptschifffahrtsweg
durch die Ostsee der Fehmarnbelt und die
Kadetrinne besonders betroffen, wegen der
ökologischen Bedeutung zudem das Gebiet
zwischen Rügen, Bornholm und dem polnischen
Festland. Der Schiffsverkehr in der Ostsee
hat sich von 1997 bis heute mehr als verdoppelt
und wird sich innerhalb der nächsten
Jahre noch verdreifachen. Gleichzeitig wurde
jedoch sehr wenig getan, um den einzigartigen
Lebensraum Ostsee vor Tankerunfällen
besser zu schützen.
www.wwf.de |
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| 22.10.2004 |
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Computer erweckt
Spinnenfossil zum Leben
Asselspinnen leben im Meer, bestehen fast
nur aus Beinen und saugen wirbellose Tiere
aus. Ob sie mit "echten" Spinnen
verwandt sind, war lange umstritten - bis
Forscher einem Fossil mit Schleifer und
Digicam zu Leibe rückten und es virtuell
zum Leben erweckten.
Der Oxford-Professor David Siveter hatte
keine Wahl: Wenn er etwas über das
Asselspinnen-Fossil erfahren wollte, musste
er es zerstören. Denn das vor 425 Millionen
Jahren verendete Tier steckte in einem kalkhaltigen
Stein, so dass chemische oder mechanische
Techniken keinen Erfolg versprachen. "Die
Zusammensetzung des Fossils und die des
Gesteins, in dem es steckt, sind gleich",
erklärte Siveter gegenüber "BBC
News Online".
Also trug das englisch-amerikanische Forscherteam
mit einem Präzisionsschleifer den Stein
Schicht für Schicht ab. Nach jedem
Schleifvorgang schossen die Wissenschaftler
ein Digitalfoto. Das Gerät arbeitete
sich in kleinen Schritten durch das Gestein:
Es holte pro Schicht nur etwa einen Fünfzigstel
Millimeter herunter, schreiben die Wissenschaftler
um Siveter im Magazin "Nature"
(Bd. 431, S. 978).
Dass von der Asselspinne überhaupt
ein Fossil existiert, verdanken die Forscher
einem Vulkanausbruch. Das Tier mit dem Namen
Haliestes dasos lebte in einem See, der
die heutige Region Herefordshire in England
in der Epoche des Silurs bedeckte. Durch
den Ausbruch wurde die Gegend mit einem
Teppich vulkanischer Asche überzogen
- die Asselspinne wurde perfekt konserviert.
Aus den Digitalfotos erstellten die Wissenschaftler
ein 3D-Modell des Tieres am Computer. "Obwohl
man das Wort Rekonstruieren verwenden könnte,
haben wir hier ein richtiges Tier vor uns",
sagte Siveter. "Es handelt sich keinesfalls
um eine Fantasie." Bei der Auswertung
des 3D-Modells erlebten die Forscher eine
Überraschung: Zwei Beine entsprangen
eindeutig am zweiten Kopfsegment - ein charakteristisches
Merkmal der Familie der Kiefernklauenträger,
zu denen Spinnen, Skorpione, Weberknechte
und Milben zählen. Diese als Cheliceren
bezeichneten Extremitäten geben den
Kiefernklauenträger auch ihren lateinischen
Namen: Chelicerata. Das per Feinschliff
erstellte Modell konnte somit zeigen, dass
die Asselspinnen zur Familie der Spinnentiere
gehören. Damit wissen die rund 1200
in den Weltmeeren lebenden Arten endlich,
wer ihre nächsten Verwandten sind.
www.spiegel.de
Pinguine
tauchen taktisch
Wer auf Tauchstation geht, muss mit seiner
Luft haushalten. Das beherzigen auch Pinguine,
berichten japanische und französische
Polarforscher im "Journal of Experimental
Biology". Je nachdem, wie ertragreich
ihre momentanen Jagdgründe sind, nehmen
die Tiere den kürzesten Rückweg
zur Wasseroberfläche oder nutzen den
verbliebenen Atem, um sich nach Alternativen
umzusehen.
www.scienceticker.info/news/EpAluVZEpVETGsCyvY.shtml
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| 17.10.2004 |
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Startschuss für
Geoforschungsprojekt im Schwarzen Meer
Am 16. Oktober 2004 startete das Forschungsschiff
Poseidon von Istanbul ins östliche
Schwarze Meer, um dort Methanvorkommen zu
untersuchen. Damit ist es das erste deutsche
Schiff, das vor Georgien arbeiten darf.
Die Expedition markiert den Start des vierjährigen
Verbundprojektes METRO, welches das Bundesforschungsministerium
innerhalb des Programms GEOTECHNOLOGIEN
"Methan im Geo-/Biosystem" finanziert.
Im Rahmen des mit 2,6-Millionen Euro geförderten
Projektes erforschen deutsche, türkische,
russische, ukrainische und georgische Geowissenschaftler
unter Leitung der Universität Bremen
Methanvorkommen und deren Austauschprozesse
zwischen Wasser und Atmosphäre.
Am Grund des Schwarzen Meeres lagern große
Mengen an Methanhydrat – ein gefrorenes
Gemisch aus Wasser und Methangas. Methan
ist von Interesse, da es als Treibhausgas
zwanzigmal wirksamer ist als Kohlendioxid
und damit möglicherweise eine große
Rolle für unser Klima spielt. Wie viel
Methanhydrat weltweit am Meeresboden lagert,
wissen wir nicht. Aber Experten schätzen,
dass die Methanhydrate zusammen etwa 10.000
Gigatonnen Kohlenstoff enthalten. Diese
Schätzungen zu präzisieren, ist
eine der Aufgaben des METRO-Projektes.
Insgesamt führen die Forscher drei
Fahrten im Schwarzen Meer durch. Die Poseidon
fungiert dabei sozusagen als Voraustrupp
des Projektes, erklärt der Bremer Fahrtleiter
der Expedition Dr. Heiko Sahling: "Um
während der beiden Hauptexpeditionen
des Projektes gezielt und effizient arbeiten
zu können, müssen wir wissen,
wo es sich besonders lohnt, unsere Geräte
einzusetzen. Daher erkunden wir während
der nächsten drei Wochen mit der Poseidon
u.a. mit Seitensichtsonar-Echoloten den
relativ unbekannten östlichen Teil
des Schwarzen Meeres." Diese Stellen
untersuchen dann die Forschungsschiffe Professor
Logachev im Juni 2005 und Meteor im Frühjahr
2007 mit modernsten Geräten besonders
genau. Dabei helfen so genannte Autoklavgeräte,
die Proben unter dem am Meeresboden herrschenden
Druck an die Oberfläche bringen können.
Die Druck-Behälter werden dann mitsamt
der Probe mit einem Computer-Tomographen
gescannt. Nur so können die Wissenschaftler
sicher sein, dass sie wirklich alles Methanhydrat
aus einer Probe erfassen, da es nur unter
bestimmten Druck- und Temperaturbedingungen
stabil ist. Außerdem kommt auf FS
Meteor auch der Bremer Tieftauchroboter
QUEST zum Einsatz.
Am Grund des Schwarzen Meeres treten große
Mengen Methan aus verschiedenartigen Quellen
aus. Da nur wenig Sauerstoff vorhanden ist,
kann das Gas nur langsam abgebaut werden.
Im Schwarzen Meer ist Methan deutlich höher
konzentriert als in anderen Ozeanen. Bis
zu 1.000-fach höhere Werte sind keine
Seltenheit."Vor der Küste des
georgischen Ochamchira steigt so viel Methan
auf, dass die Luft über dem Meer zeitweise
zu brennen beginnt", erklärt Projektkoordinator
Prof. Gerhard Bohrmann. "Gerade das
östliche Schwarze Meer, das vom Kaukasus
begrenzt wird, ist geologisch sehr aktiv.
Daher ist auch die Möglichkeit vor
der georgischen Küste arbeiten zu dürfen,
so wichtig für uns." Hier bieten
sich ideale Bedingungen, um herauszufinden,
wie Methan vom Meeresboden in die Atmosphäre
gelangt und so unser Klima beeinflusst.
Im Jahre 1971 hatten russische Wissenschaftler
im Schwarzen Meer erstmals so genannte Methanhydrate
geborgen und damit ihre bis dahin nur vermute
Existenz im Meeresboden nachgewiesen. Mittlerweile
haben Forscher auf der ganzen Welt Methanhydrate
gefunden. Doch noch immer ist das Schwarze
Meer eine der ersten Adressen, wenn es um
die Erforschung der Prozesse geht, die zu
Bildung, Abbau und Verteilung von Methan
und Methanhydraten geht.
Am Verbundprojekt METRO, das von der Universität
Bremen koordiniert wird, sind auch das IFM-GEOMAR
Leibniz Institut für Meereswissenschaften
in Kiel, das Alfred-Wegener-Institut für
Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven,
sowie Universitäten in Berlin, Hamburg
und Göttingen beteiligt.
http://www.gashydrat.de
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| 15.10.2004 |
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Tiefsee in Not -
Gefahr für Unterwasserwildnis
Greenpeace fordert, dass sich die UN-Generalversammlung
im November 2004 fuer ein vorlaeufiges Ende
(Moratorium) der Tiefseefischerei ausspricht.
Die Grundschleppnetzfischerei auf hoher
See zerstoert unwiederbringlich einzigartige
Unterwasser- Oekosysteme an den ozeanischen
Tiefseebergen, den "Seamounts".
Diese Unterwassergebirge sind die am wenigsten
erforschten Gebiete unseres Planeten. Mindestens
1000 Meter erheben sich die Tiefseeberge
vom Meeresboden. An ihnen leben viele seltene
Arten, unter anderem Granatbarsche, Kaltwasser-Korallen
und Tiefseekalmare.
"Die Verwuestungen, die die Trawler
mit ihren Schleppnetzen an den 'Seamounts?
anrichten, sind vergleichbar mit dem Kahlschlag
in den Regenwaeldern. Hier werden die letzten
Schatzkammern der Meere vernichtet. Binnen
Minuten zerstoeren die Fischer die gerade
erst entdeckten Tiefsee-Korallen, die in
Jahrtausenden voellig ungestoert herangewachsen
sind", sagt Thomas Henningsen, Meeresexperte
von Greenpeace. "Jeder Tag, der mit
endlosen Diskussionen ueber Massnahmen vergeht,
bedeutet den Verlust eines weiteren einzigartigen
Lebensraumes."
Auf der Jagd nach Fisch durchpfluegen die
Fangflotten den Meeresboden mit Schleppnetzen,
die durch moderne Technik bis zu 1500 Meter
tief ueber den Grund gezogen werden. Dabei
ist ihr Einsatz auf Hoher See rein wirtschaftlich
gesehen nicht von Bedeutung. Der Anteil
der Tiefseefischerei mit Grundschleppnetzen
betraegt weniger als ein Prozent am weltweiten
Fischfang. Doch der Schaden, den sie anrichtet,
ist unabsehbar, denn "Seamounts"
beherbergen aussergewoehnliche Lebensformen.
Fischer aus Daenemark (Faroeer-Inseln),
Island, Litauen, Lettland, Estland, Russland,
Spanien und Portugal sind fuer den Grossteil
der Grundschleppnetzfischerei im Nordwest-Atlantik
verantwortlich.
Vereinte
Nationen müssen Tiefsee-Fischerei noch
im Jahr 2004 verbieten
London/New York/Wien - Greenpeace und 25
weitere internationale Umwelt- und Naturschutzorganisationen
forderten heute die UN-Generalversammlung
auf, sich im November 2004 für ein
Moratorium (befristetes Verbot) für
die Tiefseefischerei auszusprechen.
Die Vereinten Nationen starten diese Woche
die Verhandlungen zu Meeresthemen. Durch
die so genannte Grundschleppnetz-Fischerei
an den Tiefseebergen werden diese einzigartigen
Unterwasser-Ökosysteme unwiederbringlich
zerstört. Unterwassergebirge sind die
am wenigsten erforschten Gebiete unseres
Planeten. Sie beherbergen viele seltene
Arten, u. a. Schwarze Korallen, die international
unter strengem Schutz stehen.
"Wie ein Kahlschlag im Regenwald wirken
die Verwüstungen, die die Trawler mit
ihren tonnenschweren Schleppnetz-Geschirren
an den Tiefseebergen anrichten. Hier werden
die letzten Schatzkammern der Meere vernichtet.
Bei einem einzigen Fang werden Kaltwasser-Korallenriffe
zerstört, die Jahrtausende brauchten,
um heran zu wachsen", schildert Antje
Helms, Meeresexpertin von Greenpeace, den
Ernst der Lage. "Jeder Tag, der mit
endlosen Diskussionen über Maßnahmen
vergeht, bedeutet möglicherweise den
Verlust eines weiteren einzigartigen Lebensraumes."
Auf der Jagd nach Fisch durchpflügen
die Fangflotten den Meeresboden mit Schleppnetzen,
die über den Meeresgrund gezogen werden.
Dabei werden die Netze von Tonnen schweren
und etliche Metern großen Metallplatten,
so genannten "Scherbrettern",
offen gehalten. Diese Metallplatten zerstören
alles, was sich ihnen in den Weg stellt
und dringen tief in den Meeresboden ein.
Man schätzt, dass bei einem Schleppnetzeinsatz
95 bis 98 Prozent der Korallenbedeckung
zerstört wird. Jedes Jahr wird so die
doppelte Fläche der USA am Meeresboden
zerpflügt. Der angerichtete Schaden,
ist unabsehbar. Tiefseeberge weisen häufig
ganz spezielle Lebensformen auf, so dass
jeder Tiefseeberg zugleich ein einzigartiges
Ökosystem darstellen kann.
Dabei ist der Einsatz der Grundschleppnetze
auf Hoher See rein wirtschaftlich gesehen
nicht von Bedeutung. Der Anteil der Tiefseefischerei
mit Grundschleppnetzen beträgt weniger
als ein Prozent am weltweiten Fischfang:
Von den ca. 3,1 Millionen Fischereischiffen
weltweit fangen nur wenige hundert Fischtrawler
in der Tiefsee. Nur 11 Industrienationen
sind beteiligt, Nicht-Industrieländer
sind aufgrund der hohen technologischen
Anforderungen an der Fischerei in der Tiefsee
fast unbeteiligt. 60 Prozent aller Fänge
machen EU-Fischtrawler.
www.greenpeace.de |
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| 14. 10.2004 |
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Pharma-Cocktails
elbabwärts voraus
In Deutschland sind ca. 3000 pharmazeutische
Präparate zur medizinischen Anwendung
zugelassen. Der jährliche Verkauf bewegt
sich im Tausende-Tonnen-Bereich. Doch was
wird aus diesen Medikamenten nach der Einnahme,
wenn ihre Heilwirkungen schon lange abgeklungen
sind?
Ökotoxikologische Effekte von Pharmaka
auf die Umwelt erfreuen sich wachsenden
Interesses in der Öffentlichkeit (vgl.
Briten total entspannt [1]). Die derzeit
vorliegenden Daten erlauben jedoch keine
adäquate Risikoabschätzung hinsichtlich
des Auftretens pharmakologischer Produkte
in Gewässern.
Eine Gruppe deutscher Wissenschaftler verschiedener
einschlägiger Institutionen (Bundesamt
für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit,
GKSS Forschungszentrum, Umweltbundesamt,
Universität Hamburg, Wassergütestelle
Elbe, UFZ Leipzig/Halle, Staatliche Umweltbetriebsgesellschaft
Sachsen) stellte in der Oktober-Ausgabe
von Chemosphere [2] die Ergebnisse einer
gemeinschaftlichen Untersuchung zur Arzneimittellast
der Elbe und ihrer Nebenarme vor.
Die Verteilung verschiedener Pharmaka zwischen
der Elb-Quelle und Hamburg wurde untersucht
und ein in Richtung Nordsee fließender
Potpourri aus diversen Schmerzmitteln, Antibiotika,
Lipidsenkern, Antirheuma-Mitteln, Antiepileptika,
Schleimlösern und Industriechemikalien
gefunden.
Weltweit existieren mittlerweile einige
Studien, die sich mit der Verteilung von
Pharmaka und deren Metaboliten in oberirdischen
Gewässern befassen. Dorthin gelangen
sie hauptsächlich über die kommunalen
Abwassereinleitungen. Reste pharmazeutischer
Produktion bilden eine zusätzliche
Quelle. Außerdem gibt es Fälle,
in denen Pharmaka im Grundwasser gefunden
werden - eine Folge ungenügend gesicherter
Mülldeponien. Wird Gülle auf die
Böden ausgebracht, ist die Landwirtschaft
eine ebenfalls bedeutende Kontaminationsquelle.
Selbst modernste Wasserbehandlungsmethoden
können Pharmaka nicht vollständig
entfernen - sie wurden des öfteren
im Trinkwasser nachgewiesen [3]. Die für
pharmakologische Effekte im Menschen nötigen
Konzentrationen liegen dabei zwar um Größenordnungen
über den gefundenen Konzentrationen,
jedoch deutet ihre Nachweisbarkeit zumindest
auf ein gesundheitliches Problem hin.
Mengen konsumierter Pharmaka
In Deutschland gibt es ca. 3.000 verschiedene,
zur medizinischen Nutzung zugelassene Substanzen
(Rote Liste, 2002). Das Umweltbundesamt
schätzt, dass im Jahre 2000 ungefähr
7.000 Tonnen synthetischer Arzneimittel
an die Bevölkerung verkauft wurden
(immerhin beinahe 100 Gramm pro Kopf der
Bevölkerung). Die jährliche Menge
an verkauften Tierarzneimitteln beläuft
sich auf 2.320 Tonnen (Vista Verde, 2002).
Eine andere Studie rechnet den Verbrauch
im Land Brandenburg im Jahre 1999 auf die
gesamte Bundesrepublik hoch und kommt auf
einen Gesamtverbrauch an Pharmaka für
die Humanmedizin von 3.200 Tonnen. Davon
sind allein ca. ein Drittel Analgetika.
Die selbe Studie beschäftigt sich mit
dem Verbrauch von Antibiotika - allein 9,5
Tonnen wurden im hauptsächlich landwirtschaftlich
geprägten Brandenburg in der Tierproduktion
eingesetzt - gegenüber 2,1 Tonnen im
selben Zeitraum in der Humanmedizin. Die
Nutzung von Antibiotika als Wachstumsfördermittel
in der Tierproduktion ist in Deutschland
noch erlaubt, während sie in anderen
Ländern wie z.B. der Schweiz für
diesen Zweck nicht mehr zugelassen sind.
Pharmaka und deren Metabolite werden mit
dem behandelten Wasser der kommunalen Klärwerke
in die Wasserläufe eingeleitet. Mikrobieller
Abbau oder Adsorption am Bodensatz verringert
deren Konzentrationen - sie werden aber
nicht vollständig eliminiert. Vorherrschend
anzutreffende Pharmaka sind die am häufigsten
verschriebenen (Paracetamol, Acetylsalicylsäure,
Ibuprofen, Diclofenac) und die am beständigsten
(Bezafibrat, zu Clofibrinsäure metabolisiertes
Clofibrat, Carbamazepin, Metoprolol). Sie
können in Konzentrationen über
1 Mikrogramm pro Liter im behandelten Abwasser
gefunden werden. Ein weiterer bedeutender
Anteil der pharmazeutischen Fracht wird
von Metaboliten gestellt; deren Konzentrationen
können die der Ursprungssubstanzen
weit übersteigen.
Die Elbe und ihre Seitenarme
Die Elbe als einer der großen Ströme
Europas fließt von der Quelle im Riesengebirge
in Tschechien bis zur Mündung in die
Nordsee nahe Cuxhaven über eine Strecke
von 1.091 km und entwässert dabei ein
Einzugsgebiet von 148.268 Quadratkilometern,
zwei Drittel davon gehören zur BRD.
Die drei Haupt-Nebenflüsse sind die
Moldau (Vltava), die Mulde und die Saale.
Kürzlich noch galt die Elbe als einer
der meistverschmutzten Flüsse Europas
mit schwer gebeutelten Zuflüssen wie
der Mulde, die im Mündungsgebiet die
Gewässer"güte" einer
"abiotischen Flüssigkeit"
erreichte. Seit der Stillegung der DDR haben
sich die ökologischen Bedingungen soweit
verbessert, dass z.B. der Lachs wieder angesiedelt
werden konnte.
Die umfangreichen Probenahmen erfolgten
zwischen 1998-2002 (vgl. Abbildung). Die
Zielsubstanzen der Analysen ergaben sich
hauptsächlich aus dem oben erwähnten
Verbrauchsmuster und einem Konzept des Bund-Länder-Ausschusses
für Chemikaliensicherheit zu einer
bundesweit koordinierten Überwachung.
1999 erfolgten außerdem Analysen auf
Bisphenol A und einige Steroidhormone. Bisphenol
A ist eine typische Industriechemikalie,
die in Deutschland in großen Mengen
als Zwischenprodukt für Polycarbonat
und Epoxidharz hergestellt wird (1995: schätzungsweise
210.000 Tonnen). Mittlerweile wurden Anzeichen
ökotoxikologischer Effekte von Bisphenol
A auf aquatische Organismen gefunden.
Die erhaltenen umfangreichen Daten wurden
mittels multivariater Datenanalyse ausgewertet,
um Zusammenhänge zwischen der untersuchten
Substanz zu deren Konzentrations-Verteilungsprofil
entlang der Elbe und ihrer Nebenflüsse
zu finden und Aussagen zur Abbaubarkeit
treffen zu können.
Durch Faktorenanalyse konnten einzelne
Substanzgruppen in ihrem örtlichen
Vorkommen gewichtet werden - so wurden verschiedene
"hot spots" mit erhöhter
Pharmaka-Last an Analgetika gefunden, z.B.
die Mündungen von Saale und Mulde.
Weiter flussabwärts nahm diese Belastung
ab, überschritt aber trotzdem noch
die vor der Mulde-Mündung ermittelten
Werte. Das zeigt einerseits die Bedeutung
der Nebenarme als Eintragsquellen und andererseits
die Beständigkeit der eingebrachten
Pharmaka.
Die Konzentrationsmessungen an der Mündung
der Bílina wurden bei der Faktorenanalyse
nicht berücksichtigt, da die gefundenen
Konzentrationen so hoch waren, dass sie
aus statistischem Blickwinkel als "Ausreißer"
betrachtet werden müssen.
Die hierarchische Cluster-Analyse dient
als Methode, um Probe-Entnahmeorte mit ähnlichen
Konzentrations-Verteilungsprofilen hinsichtlich
der untersuchten Substanz zu identifizieren.
Die Mündung der Bílina (kommunale
Abwässer vom "Investorenzentrum"
Ustí, Chemiewerk Spolchemie) wurde
wegen der gefundenen hohen Konzentrationen
von allen anderen Probe-Entnahmeorten separiert
- die nächste Gruppe bilden die Mündungen
von Saale und Mulde sowie die Probe-Entnahmestelle
Wittenberg. Die Ohre-Mündung konnte
als wenig kontaminiert eingestuft werden.
Hohe Konzentrationen von Pharmaka und deren
Metaboliten in oberirdischen Gewässern
werden hauptsächlich durch die Einleitung
kommunaler Abwässer von Klärwerken
in die Elbe und ihre Nebenflüsse verursacht
- überwiegend durch die Klärwerke
größerer Städte (so schlägt
das Klärwerk Dresden-Kaditz mit einem
täglichen Eintrag des Antiepilektikums
Carbamazepin von 2,75 Kilogramm zu Buche).
Der diffuse Antibiotika-Eintrag als Folge
landwirtschaftlicher Gülleausbringung
ist nicht zu unterschätzen.
Dabei kann die Effektivität der Klärwerke
durchaus unterschiedlich sein, z.B. wurden
durch die Datenanalyse Hinweise zu ungenügend
effektiv arbeitenden Klärwerken in
der Tschechei gefunden. Für die Elbe
und ihre einzelnen Nebenflüsse konnten
ganz gezielte Aussagen zu Besonderheiten
der jeweiligen regionalen Belastungen einzelner
Flussabschnitte mit Pharmaka getroffen werden.
Die Bewertung der ermittelten Konzentrationsdaten
ist schwierig, weil Informationen hinsichtlich
ökotoxikologischer Effekte von Pharmaka
und ihrer Stoffwechselprodukte schlicht
fehlen, da Untersuchungen dazu bei den Genehmigungsverfahren
zur Einführung neuer Medikamente nicht
erforderlich sind. Hier muss innerhalb der
Gesetzgebung hinsichtlich des erforderlichen
Kenntnisstands zu Abbaubarkeit sowie chronischen
und akuten Effekten von aktiven Agenzien
nachgebessert werden, auch auf EU-Ebene.
Bernd Schröder
www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/18559/1.html
[1] www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/lis/18080/1.html
[2] www.elsevier.com/wps/find/journaldescription.cws_home
/362/description#description
[3] www.vistaverde.de/news/Wissenschaft/0206/27_arznei-wasser.htm
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| 13. 10.2004 |
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Korallen der Azoren
vorerst gerettet
Wie erst heute bekannt wurde, hat der Europäische
Rat bereits am Montag beschlossen, die Kaltwasserkorallen
rund um die Azoren, die Kanaren und Madeira
unter einstweiligen Schutz zu stellen, bis,
voraussichtlich Ende 2004, langfristige
Schutzbestimmungen in Kraft treten können.
Die Entscheidung beinhaltet, dass ab sofort
keinerlei zerstörerische Bodenschleppnetze
für den Fischfang in den sensiblen
und ökologisch wertvollen Korallenriffgebieten
eingesetzt werden dürfen.
"WWF hat sich in intensiver Lobbyarbeit
für diese EU-Entscheidung eingesetzt.
Wir sind nun natürlich stolz und erleichtert,
dass diese prächtige Unterwasserwelt
mit ihrem Fischreichtum erhalten bleibt.
Das ist die EU nicht nur sich selbst und
den nachfolgenden Generationen schuldig,
sondern auch den
azorianischen Fischern, die seit jeher mit
kleinen Booten und selbstverständlich
ohne Bodenschleppnetze schonend und rücksichtsvoll
gearbeitet haben, sagt Stephan Lutter, WWF-Experte
für Internationalen Meeresschutz.
Die Kaltwasserkorallenriffe rund um die
Azoren, die Kanaren und Madeira waren seit
dem 1.8.2004 in Gefahr geraten, binnen weniger
Monate komplett überfischt und durch
schwere Bodenschleppnetze dem Meeresboden
gleich gemacht zu werden. Ursache hierfür
war die Entscheidung der EU- Kommission
gewesen, der EU-Fischereiflotte den Zugang
in das Areal zwischen 100 und 200 Seemeilen
rund um das jeweilige Hoheitsgebiet zu gestatten.
In 3000 Metern Tiefe rund um die Azoren
befinden sich neben Kaltwasserkorallenriffen
auch Seeberge und Schwarze Raucher. Diese
Formationen sind für das Weltnaturerbe
nominiert, weil sie in europäischen
Gewässern selten vorkommen. Sie beherbergen
vielfältige Organismen und sind durch
intensive Fischereipraktiken wie Bodenschleppnetzfischerei
besonders gefährdet. Die kommerziell
nutzbaren Tiefseefischarten dieser Region
sind langlebig und vermehren sich daher
erst in fortgeschrittenem Alter. Dies macht
sie besonders anfällig für Überfischung.
http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02152/index.html
New Fodder Gives Bigger Fish
It's cheaper, and it enables quicker growth
and bigger fish. These are the key characteristics
of a new fodder in fish farming, which will
replace the traditional dry fodder. The
raw material is simple: Fish waste.
www.AlphaGalileo.org/index.cfm?fuseaction=readRelease&Releaseid=20298
European Shipyards Can Become Competitive
and More Environmentally Friendly
Shipyards throughout Europe could become
more competitive, and help the environment,
by moving away from welding and using adhesive
bonding for joining lightweight materials.
That is the result of BONDSHIP, a major
initiative to funded with € 4.6 million
(euros) under the Sustainable Surface Transport
programme of the EU’s Framework Programme.
www.AlphaGalileo.org/index.cfm?fuseaction=readRelease&Releaseid=20276
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| 12.10.2004 |
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Fischereilobby setzt
sich bei Weißen Haien wider Erwarten
nicht durch
Die Staaten, die zurzeit auf der Weltartenschutzkonferenz
CITES in Bangkok tagen, konnten sich heute
nach zähen Debatten auf Handelsbeschränkungen
für die Weißen Haie einigen.
Der gemeinsame Antrag Madagaskars und Australiens
für eine strikte Kontrolle des Handels
mit diesen Fischen und ihren Produkten wurde
trotz des Gegendrucks von Fischereinationen
wie China, Japan und Norwegen mit deutlicher
Mehrheit angenommen. Die genannten Länder
richten sich erfahrungsgemäß
gegen alles, was ihre nationale Souveränität
in allen Fischereiaktivitäten einschränken
könnte. "Wir haben überhaupt
nicht damit gerechnet, dass die Unterstützung
für die Weißen Haie so groß
ist. Die starke Fischereilobby konnte sich
hier in Bangkok wider Erwarten nicht durchsetzen",
freut sich WWF-Artenschützer Volker
Homes. Homes hofft nun, dass die heutige
Vor-Entscheidung bei den endgültigen
Abstimmungen am Mittwoch und Donnerstag
auch tatsächlich besiegelt wird.
Der WWF schätzt, dass jedes Jahr bis
zu 100 Millionen Haie aller Arten durch
menschliche Einflüsse wie gezielte
Fischerei und ungewollten Beifang sterben.
Daneben gehört die Jagd für den
Souvenirhandel und für den Lebensmittelmarkt
zu den größten Gefahren. Homes:
"Für Zähne der Weißen
Haie werden unglaublich hohe Preise gezahlt
– für ganze Gebisse sogar bis
zu mehrere zehntausend Euro. Viele Gourmets
in Asien schätzen ihre Flossen als
Delikatesse. Kein Wunder, dass sich Jäger
auf die Suche nach den Haien machen."
Niemand weiß genau, wie viele Weiße
Haie noch in den Meeren leben. Da sie erst
in hohem Alter und nur wenig Nachwuchs bekommen,
können sie die großen Verluste,
die ihnen durch Jagd und Beifang zugefügt
werden, kaum noch ausgleichen. Haie spielen
an der Spitze der Nahrungskette eine wichtige
Rolle im Ökosystem Meer.
Volker Homes hofft, dass sich das Blatt
für die Weißen Haie auf der Artenschutzkonferenz
nicht doch noch wendet – im umgekehrten
Fall war dies bei der letzten CITES-Konferenz
2002 in Santiago de Chile geschehen: Damals
wurde der Schutz der Riesen- und Walhaie
zunächst abgelehnt und erst am letzten
Tag völlig unerwartet doch noch vom
Plenum akzeptiert. Seither wird der Handel
mit diesen Haiarten streng kontrolliert.
Haie gehören zu den ältesten Wirbeltieren
der Erde: Die "lebenden Fossilien"
tauchten bereits vor etwa 400 Millionen
Jahren auf. Man unterscheidet mehr als 400
Arten, darunter der größte Fisch
der Welt: Der Walhai wird so groß
wie ein Omnibus und kann schätzungsweise
bis zu 100 Jahre alt werden.
http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02144/index.html
Denmark
to Claim North Pole, Hopes to Strike Oil
Denmark aims to claim the North Pole and
hunt for oil in high Arctic regions that
may become more accessible because of global
warming, the Science Ministry said recently.
www.enn.com/today.html?id=159 |
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| 10. 10.2004 |
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EU muss die Pluenderung
der Meere stoppen
15 Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace
protestieren seit heute Vormittag am Brandenburger
Tor gegen die Pluenderung von Nord- und
Ostsee. Sie haben ein riesiges 20 Meter
langes und sieben Meter breites Original-Schleppnetz
aufgebaut, in dem ein gedeckter Esstisch
mit Beifang steht - sinnlos getoetete Meerestiere.
Ein Marktschreier proklamiert den Ausverkauf
der Meere und fordert zu einem umfassenden
Meeresschutz auf.
Rund 1000 derartige Grundschleppnetze durchpfluegen
und zerstoeren mit ihren schweren Eisenketten
regelmaessig den Meeresboden der Nordsee.
Greenpeace wendet sich mit der Protestaktion
an europaeische Wissenschaftler und Politiker,
die seit heute beim Umweltrat der Bundesregierung
im Wissenschaftszentrum Berlin tagen, um
auf europäischer EU-Ebene eine politische
Strategie zum ganzheitlichen Meeresschutz
zu erarbeiten. Mitte August hatte die Umweltorganisation
bereits 11.000 tote Meerestiere - das Ergebnis
eines zweistuendigen Fangs mit einem solchen
Schleppnetz - auf dem Pariser Platz gezeigt,
um auf die Dringlichkeit des Problems aufmerksam
zu machen.
"Dieser mit Beifang gedeckte Tisch
im Netz hier ist ein Beispiel dafuer, wie
es in den Restaurants eigentlich aussehen
muesste. Zu jeder servierten Seezunge oder
Scholle muessten Ihnen neun weitere Teller
mit den Meerestieren serviert werden, die
vollkommen sinnlos als Beifang dabei gestorben
sind", sagt Thomas Henningsen, Meeresbiologeexperte
von Greenpeace. "Wenn wir die einzigartigen
Lebensraeume der Nord- und Ostsee erhalten
und die Fischer auch morgen noch volle gefuellte
Netze haben wollen, brauchen wir dringend
grossflaechige Schutzgebiete", so Henningsen.
In den Schutzgebieten sollen Fischerei,
Oel- und Gasfoerderung ausgeschlossen sein.
Nur so haben die zerstoerten Lebensraeume
eine Chance, sich wieder zu erholen.
Greenpeace Deutschland arbeitet gemeinsam
mit Greenpeace Schweden, Daenemark, Finnland,
Norwegen, Grossbritannien und Holland fuer
den Schutz von Nord- und Ostsee. Dabei markierte
das Greenpeace-Schiff "Esperanza"
mit dem "Schutzgebiet Doggerbank"
eines der von Greenpeace vorgeschlagenen
Schutzgebiete in der Nordsee. Die "Esperanza"
in der Nordsee und die "Beluga II"
in der Ostsee informierten Fischer und protestierten
gegen die zerstoererische Grundschleppnetz-Fischerei.
Auch die EU-Umweltminister und die EU-Fischereiminister,
die sich in den kommenden Tagen in Luxemburg
treffen, sind aufgefordert, sich mit der
Pluenderung der Meere zu befassen. "Die
EU blockiert sich mit dem Kompetenzgerangel
der verschiedenen Ministerien selbst. Die
Politiker sind offensichtlich nicht in der
Lage, Nord- und Ostsee wirklich zu schuetzen",
sagt Thomas Henningsen. "Ein einziges
Meeresschutzgremium auf europaeischer Ebene,
das die noetigen Kompetenzen besitzt, die
Meere ganzheitlich umfassend zu schuetzen
und strikte Schutzgebiete zu etablieren,
ist dringend notwendig." |
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| 06. 10.2004 |
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Climate Change Affecting
Plankton Distribution in Atlantic
"Not only do plankton provide food
for marine mammals and commercially important
fish, they also play a fundamental role
in the functioning of marine ecosystems
by providing half the global primary production
and contributing substantially to biogeochemical
cycling. How global climate change might
affect biological communities such as marine
plankton is therefore a matter for concern.
There is evidence of climate-mediated biogeographical
shifts among some groups of marine plankton
such as the calanoid copepods, but the overall
response of phytoplankton and zooplankton
communities, which is likely to depend on
the form and strength of the linkages between
successive trophic levels, is not known.
Until we understand these processes, we
will not know how resilient such food webs
are to global-scale impacts, such as climate
change, eutrophication, pollution, or over-fishing,
and it will be difficult to manage marine
resources sustainably." So begins a
recent paper in the journal Science.
Using a considerable data set of 115,322
samples collected in the North Atlantic
between 1958 and 2002 by a system known
as the Continuous Plankton Recorder (CPR),
the paper's authors sought to establish
a correlation between phytoplankton abundance
and sea surface temperature, and changes
as a result of warming temperatures. They
found that phytoplankton abundance increases
as cooler regions of the North Atlantic
warm, but decreases in already-warm regions
that become warmer still.
By way of explanation, the authors hypothesize:
"In cooler waters with relatively strong
turbulence and plentiful nutrients, it is
likely that warming will boost phytoplankton
metabolic rates as well as increase stratification,
both processes leading to increased phytoplankton
abundance. In warmer, more stratified waters
with limited nutrients, it is likely that
warming may reduce total phytoplankton abundance
(at least of large cells), because increased
heating can enhance existing stratification,
reducing the availability of nutrients to
phytoplankton and leading to a microbial-dominated
community."
The study also noted an increase of approximately
one degree Fahrenheit in sea surface temperature
in southern regions of the research area
since 1958, which is between one quarter
and one eighth of the total increase in
the Northeast Atlantic predicted by the
Intergovernmental Panel on Climate Change
(IPCC) by 2100. The paper concludes: "Our
findings suggest that any effects of such
climate change will have an impact on phytoplankton,
copepod herbivores, and zooplankton carnivores,
thereby affecting ecosystem services, such
as oxygen production, carbon sequestration,
and biogeochemical cycling. Although the
direct consequences of these changes for
fisheries are not clear, it seems inevitable
that fish, seabirds, and marine mammals
will need to adapt to a changing spatial
distribution of primary and secondary production
within pelagic marine ecosystems."
Source: Richardson, A.J., and D.S. Schoeman.
2004. Climate impact on
plankton ecosystems in the Northeast Atlantic.
Science 305: 1609-1612. |
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| 04. 10.2004 |
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Neue Datenbank über
deutsche Fischereiliteratur
Die Bundesforschungsanstalt für Fischerei
gibt ab heute die Datenbank "Bluefish"
für die Öffentlichkeit frei. Die
Datenbank enthält deutsche Fischereiliteratur
seit 1925, die in den Jahresberichten des
für die Fischerei zuständigen
Ministeriums – heute das Ministerium
für Verbraucherschutz, Ernährung
und Landwirtschaft – im jährlichen
Fortschrittsbericht über die Fischereiforschung
aufgelistet wurde.
Die Datenbank dürfte für alle
an fischereilichen Fragen interessierten
Personen, also Fischereipraktiker, Angler,
aber auch für Fischereiforschung und
-verwaltung von Interesse sein. Sie gibt
u. a. viele Hinweise zu Vorkommen von Arten
in bestimmten Binnengewässern früherer
Jahre.
Die Datenbank enthält 40 000 Literaturstellen,
die die Geschichte der deutschen, z. T.
auch der europäischen Fischerei und
der Fischereiforschung widerspiegeln.
Die Besonderheiten dieser Datenbank sind,
dass sie z. B. viel lokalbezogene Literatur
enthält, zu deutschen Flüssen
und Seen oder zur Entwicklung des Lebensmittels
"Fisch" über die Jahrzehnte,
Literatur die zum großen Teil in keiner
anderen Datenbank erfasst ist.
Eine Recherche ist möglich nach Autoren,
nach Titelstichworten, nach Publikationsjahr
und nach Quellen. Insoweit ist dies eine
von der Struktur her sehr einfache Datenbank.
Sie entstand dadurch, dass die in den Jahresberichten
abgedruckten Literaturstellen eingescannt,
mit Leseprogrammen in elektronische Form
gebracht und bibliographisch normiert wurden.
Der Zugang zur Datenbank (Internetadresse:
http://bluefish.bfa-fish.de)
ist kostenlos. |
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| 01.10.2004 |
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Helfen
Gensequenzen gegen sauren Regen ? |
Gensequenz der Kieselalge Thalassiosira
pseudonana entziffert
Zum ersten Mal ist es gelungen, das Erbgut
einer Planktonalge der Meere zu sequenzieren.
Dabei ist ein Team internationaler Wissenschaftler
auf unerwartete Stoffwechselwege in der
Kieselalge Thalassiosira pseudonana gestoßen.
Die Ergebnisse werden diese Woche in der
Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht.
Eine besondere Entdeckung ist das Vorhandensein
des Harnstoffzyklus in Thalassiosira pseudonana.
Bisher war dieser Stoffwechselweg zur Ammoniakentgiftung
nur aus den Leberzellen von Tieren und Menschen
bekannt. Noch ist unklar, wie der Zyklus
in der Alge abläuft. Ebenfalls ungewöhnlich
ist, dass die Kieselalge über zwei
Möglichkeiten verfügt, Fett abzubauen.
In den Mitochondrien, den Kraftwerken der
Zelle, findet sich der Abbauweg, wie er
auch bei Tieren abläuft. In den der
Entgiftung dienenden Peroxysomen hingegen
werden Fettsäuren auf die in Pflanzen
übliche Weise zerlegt. Die Grenzen
zwischen Tieren und Pflanzen scheinen sich
bei Kieselalgen also zu verwischen.
Die Sequenzierung des Genoms von Thalassiosira
pseudonana ist auch für die Evolutionsbiologie
von großem Interesse. Die Wissenschaftler
sind auf Gene gestoßen, die aus dem
Zellkern einer Rotalge stammen. Dieser Gentransfer
stützt die Theorie der sekundären
Endosymbiose. Eukaryoten wie Kieselalgen
sind komplex aufgebaute Zellen mit abgegrenztem
Zellkern und Zellorganellen. Jedes Lebewesen
außer dem Bakterium besteht aus eukaryotischen
Zellen. Fast alle eukaryotischen Zellen,
so auch die des Menschen, besitzen Mitochondrien.
Bei Pflanzen und Algen kommen noch die Plastiden
hinzu, die die Photosynthese bewerkstelligen.
Beide Organellen-Typen waren ursprünglich
einmal frei lebende Bakterien die von eukaryotischen
Zellen einverleibt wurden. Sie werden deshalb
auch als primäre Endosymbionten bezeichnet.
In einigen Fällen kam es zu einer sekundären
Endosymbiose, bei der eine eukaryotische
Zelle von einer weiteren aufgenommen wurde
und zu einem nun sekundären Organell
reduziert wurde. Kieselalgen haben nun offensichtlich
eine einzellige Rotalge aufgenommen und
zu einem sekundären Plastiden umgewandelt.
"Die Kieselalge ist also eine Art Chimäre
aus mehreren Organismen", sagt Dr.
Klaus Valentin vom Alfred-Wegener-Institut
für Polar- und Meeresforschung. Damit
erkläre sich das Vorhandensein von
Rotalgen-Genen in T. pseudonana, so Klaus
Valentin, der in diesem Projekt unter anderem
an der Identifizierung von Genen mitgewirkt
hat.
Kieselalgen wie Thalassiosira sind von
besonderer ökologischer Bedeutung,
da sie mit geschätzten 20 Prozent zur
globalen Primärproduktion beitragen.
Ihre Rolle im Kohlenstoffkreislauf ist somit
derjenigen der Regenwälder vergleichbar.
Die einzelligen Algen sind überall
auf der Erde in den Meeren oder im Süßwasser
zu Hause und sie kommen sogar in Flüssigkeitsfilmen
auf Böden, Steinen oder Bäumen
vor. Sie bilden die Basis eines äußerst
effizienten Nahrungsnetzes und sind deshalb
auch maßgeblich für den kommerziellen
Fischfang. So sind beispielsweise die roten
Farbstoffe aus Kieselalgen letztlich für
die rote Farbe des Lachses verantwortlich.
Ihren Namen haben Kieselalgen von der Schicht
aus Kieselsäure (Siliziumdioxid), die
die Zelle umgibt und die wunderschön
ornamentiert sein kann.
Das Projekt zur Sequenzierung des Erbguts
von Thalassiosira pseudonana wurde von den
U.S.A. koordiniert und vom U.S. Energieministerium
finanziert. Aus Deutschland ist neben Dr.
Klaus Valentin vom Alfred-Wegener-Institut
Dr. Nils Kröger vom Lehrstuhl Biochemie
I der Universität Regensburg an dem
Projekt beteiligt.
Der Artikel "The Genome of the Diatom
Thalassiosira pseudonana: Ecology, Evolution
and Metabolism wurde am 1. Oktober 2004
in Science veröffentlicht.
Öltanker
ohne Lotse an Bord im Kattegatt auf Riff
aufgelaufen
Wie heute bekannt wurde, ist der unter
liberianischer Flagge fahrenden Öltanker
"Fotini Lady" aufgrund eines Navigationsfehlers
gestern auf dem berüchtigten Hatters
Riff im Kattegat auf Grund gelaufen. Seither
bemühen sich dänische Behörden,
den Tanker zu untersuchen und wieder flott
zu bekommen. Der mit 63.000 Tonnen Dieselöl
beladene Frachter ist das größte
Schiff, das jemals an der Untiefe am Ausgang
des Dänischen Großen Beltes in
der Ostsee havarierte. Diese Stelle gehört
zu den größten Gefahrenpunkten
in der gesamten Ostsee. Die "Fotini
Lady" war auf dem Weg von Litauen
nach Malta. Sie hatte keinen Lotsen an Bord.
"Wir können von Glück sagen",
so Jochen Lamp vom WWF-Projektbüro
Ostsee in Stralsund, "dass es sich
um einen Neubau von 2004 mit einer Doppelhülle
handelt und das Wetter ruhig ist."
Der WWF fordert die Ostseeanrainer und die
Staaten der EU auf, nun endlich verschärfte
Sicherheitsmaßnahmen für die
Hauptwasserstraße der Ostsee bei der
Weltschifffahrtsorganisation IMO einzufordern.
Jochen Lamp: "Hierzu fordert der WWF
eine verbindliche Lotsenpflicht für
alle Tanker, insbesondere in den engen dänischen
Ostseegewässern und der Kadetrinne
sowie dem Finnischen Meerbusen. Die Transitroute
durch die Ostsee, die für die großen
Öltanker von Russland in die Nordsee
führt, muss dafür als Verkehrstrennungsgebiet
ausgewiesen werden, das heißt mit
verbindlichen Richtungsbahnen wie auf einer
Autobahn. Außerdem fordert der WWF,
diese Transitroute mit einem Verkehrsleitsystem
auszurüsten so dass, ähnlich wie
beim Flugverkehr, die Schiffsführer
sofort auf Fehlverhalten aufmerksam gemacht
werden können."
Gegenwärtig legen die Ostseeanrainerstaaten
ihre Maßnahmenvorschläge fest,
die sie im kommenden Jahr der Internationalen
Schifffahrtsorganisation IMO präsentieren
wollen. In zwei Wochen wird das Umweltgremium
in London unter anderem darüber zu
beraten, ob eine Lotsenpflicht in Meerengen
wie dem dänischen Belt verbindlich
vorgeschrieben werden kann. Im April 2004
hatte die IMO entgegen dem Votum Russlands
beschlossen, die Ostsee zu einem "Besonders
Empfindlichen Meeresgebiet" (Particularly
Sensitive Sea Area , PSSA) zu erklären.
Die Ausweisung muss jedoch noch durch konkrete
Maßnahmen untersetzt werden. WWF setzt
sich intensiv dafür ein, dass seine
Forderungen in einen gemeinsamen Antrag
der Ostseestaaten einfließen.
Wie kürzlich bekannt wurde, hat sich
die Zahl der Öltransporte noch mehr
gesteigert als prognostiziert. Allein im
Finnischen Meerbusen verfünffachte
sich der Öltransport in den letzten
10 Jahren. "Die jüngste Havarie
des Tankers "Fotini Lady" zeigt
wieder einmal, dass es wichtig ist, gute
Lotsen an Bord der Tanker zu haben. Der
WWF hofft mit der Bevölkerung, dass
der jüngste Unfall glimpflich ausgeht
und zur Einsicht der Politiker führt"
so Jochen Lamp.
www.wwf.de
Nordatlantik
in der Schwebe
Über den Einfluss der Erderwärmung
auf das größte Ökosystem
der Welt, die Hochsee, war bisher nur wenig
bekannt. Nun hat ein internationales Forscherteam
herausgefunden, dass die Erwärmung
des Meerwassers die Menge an Plankton -
mikroskopisch kleine Pflanzen und Tiere,
die im Wasser schweben - so beeinflusst,
dass dies gravierende ökologische Folgen
haben könnte. In der Zeitschrift "Science"
(Bd. 305, S. 1609) berichteten sie, dass
die Erwärmung von kälterem Wasser
zu einer Erhöhung der Planktonmenge
führt, während eine höhere
Temperatur in wärmeren Gewässern
eine Abnahme des Planktongehalts und dadurch
der Nahrungsmenge im Meer zur Folge hat.
Dieser Zusammenhang konnte bisher nicht | | | | |