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DEEPWAVE
Initiative zum
Schutz der Tiefsee |
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A R C H I V |
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news aus Forschung und Umwelt |
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| 30.04.2005 |
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Nach wie vor fließt zu viel
Öl ins Meer! Foto: Greenpeace
10 Jahre nach Brent Spar: Ölförderung
bleibt große Belastung für die
Meere
Ölplattformen dürfen nach der
erfolgreichen Brent Spar-Kampagne von Greenpeace
nicht im Nordost-Atlantik versenkt werden,
aber ihr Betrieb ist noch immer eine große
Belastung für das Meer. Von etwa 500
Plattformen fließen jährlich
14.000 Tonnen Öl in die Nordsee - das
entspricht einem Tankerunfall pro Jahr.
Diese Bilanz veröffentlicht Greenpeace
zehn Jahre nach der Kampagne gegen die Versenkung
der Brent Spar.
Am 30. April 1995 besetzte Greenpeace die
ausgemusterte Ölverladeplattform in
der Nordsee zum ersten Mal. Der Ölkonzern
Shell wollte den 15.000 Tonnen schweren
Stahlkoloss als erste Plattform in den Nordost-Atlantik
schleppen und versenken. Nach 52 Tagen heftiger
Ausinandersetzungen, einer ungeahnten Protestwelle
von Verbrauchern und breiter politischer
Unterstützung gab Shell am 20. Juni
auf. Die Brent Spar wurde zerlegt und für
eine neue Kaianlage bei Mekjarvik/ Norwegen
genutzt. 1998 konnte Greenpeace schließlich
ein generelles Versenkungsverbot von Plattformen
im Nordost-Atlantik und der Nordsee durchsetzen.
"Damit ist das Meer noch nicht gerettet.
Wir dürfen uns von dem großen
Erfolg der Brent-Spar-Kampagne nicht blenden
lassen", sagt Greenpeace-Ölexperte
Christian Bussau. "Die alltägliche
Verschmutzung durch die Ölförderung
im Meer und die Ausbeutung weiterer unberührter
Gebiete zeigt, dass die Ölindustrie
auch nach Brent Spar nicht verstanden hat,
wie sehr sie sich ändern muss."
Greenpeace fordert großflächige
Schutzgebiete, in denen die Ölförderung
untersagt ist, damit das Meer sich erholen
kann.
Das Versenkungsverbot für Plattformen
war ein großer Schritt zum Schutz
der Meere. Die damals von der Ölindustrie
vorgebrachten Bedenken zählen nicht
mehr: Heute kann die Entsorgungsindustrie
selbst schwere Konstruktionen an Land verschrotten.
Demnächst wird die schwere BP-Plattform
North-West-Hutton mit einem Gewicht von
37. 000 Tonnen abgewrackt. Der eigentliche
Boom beginnt 2010, wenn jährlich 20
Plattformen an Land gezogen werden.
Die alltägliche Verschmutzung der Nordsee
hat dagegen zugenommen. 2002 leiteten die
Plattformen nach Angaben der zuständigen
Ospar- Kommission täglich 1,3 Millionen
Kubikmeter ölhaltiges Produktionswasser
ein. "Unsere aktuellen Luftbilder zeigen
riesige Ölteppiche, die von den Plattformen
ausgehen", erklärt Bussau. Bei
4 von 17 überprüften Plattformen
im Brent-Feld vor Großbritannien hat
Greenpeace erhebliche Öleinleitungen
dokumentiert. Nun will die Ölindustrie
noch in neue, unberührte Gebiete vordringen.
Inzwischen gerät die ökologisch
wertvolle Inselregion der Lofoten vor Norwegen
ins Visier. Bedroht sind Seeadler, Kormorane
und Papageientaucher, die auf den Fischreichtum
angewiesen sind.
Die Brent Spar-Kampagne gilt als ein Höhepunkt
der internationalen Umweltbewegung. Getrübt
wurde die Kampagne von einem Messfehler:
Kurz vor ihrem Ende gab Greenpeace eine
falsche Schätzung über die restliche
Ölmenge auf der Brent Spar heraus.
Der gelegentliche Vorwurf, die Kampagne
hätte von Anfang an auf falschen Zahlen
basiert, stimmt aber nicht. Greenpeace hatte
bis dahin mit korrekten Zahlen aus Shell-Dokumenten
gearbeitet.
www.greenpeace.de/brent-spar
www.vistaverde.de/news/Wirtschaft/0504/29_brent_spar.php |
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| 27.04.2005 |
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Netzeitung: Todeszone
im Golf von Mexiko wächst
Jedes Jahr entsteht im nördlichen
Golf von Mexiko eine sauerstoffarme "Todeszone".
In diesem Jahr könnte sie an Größe
zulegen. Im Januar und Februar dieses Jahres
war der Mississippi-Zufluss in den Golf
von Mexiko stärker als während
des gesamten Vorjahres. Biologen befürchten,
dass die jährlich entstehende "Todeszone"
größere Bereiche des Gewässers
ersticken könnte.
"Die Schichtung des eingeströmten
Süßwassers und des schwereren
Salzwassers könnte die Sauerstoffarmut
verstärken", sagt Steve DiMarco
von der US-amerikanischen Texas A&M
University. Besonders betroffen sei die
Lebensgemeinschaft am Grund des Gewässers,
weil dort die größte Sauerstoffnot
herrschte.
Dieses Jahr ist sie früher entstanden
als in den Vorjahren, berichten die Forscher.
«Wir haben im letzten Jahr keine Sauerstoffnot
bis Juni festgestellt und fanden sie dieses
Jahr bereits im März», sagt DiMarco.
Normalerweise nimmt die Sauerstoffkonzentration
erst am Ende des Frühjahrs ab. Mit
Schmelz- und Niederschlagswasser gelangen
bis dahin große Mengen Nährstoffe
ins Meer, die das Algenwachstum fördern.
Die Sauerstoffnot entsteht durch den Abbau
des Pflanzenmaterials.
www.netzeitung.de/wissenschaft/336047.html
Lost
Oceans
Almost lost on our screen are the oceans.
Cornelia Dean profiles in the NY Times (26.4.2005)
Jeremy Jackson, an well-know U.S. marine
geologist, who is engaged in bringing the
decline of aquatic bio-systems and species
ranging from coral reefs to overishing to
the attention of his fellow scientists and
the public. Recently he launched with colleagues
the website www.shiftingbaselines.org
www.nytimes.com/2005/04/26/science/earth/26prof.html
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| 25.04.2005 |
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Wie kam das Meerestier
zur Muschel?
Eine Kalziumschwemme in den Weltmeeren
vor etwa 15 Millionen Jahren war offenbar
Auslöser für die Ausbildung von
Muschelschalen bei Meerestieren. Das berichtet
das Reportagemagazin NATIONAL GEOGRAPHIC
DEUTSCHLAND. Der amerikanische Wissenschaftler
Sean Brennan vermutet, dass plattentektonische
Aktivitäten zu dem extremen Anstieg
des Kalziumgehalts im Wasser führten.
Die Meerestiere mussten das aufgenommene
überschüssige Kalzium wieder ausscheiden,
um sich nicht zu vergiften. Bei einigen
Tieren lagerte sich dieser Stoffwechselabfall
in Form von Kalkschalen auf der Körperaußenseite
ab - mit dem Ergebnis, dass diese Tiere
nun besser gegen Fressfeinde geschützt
waren. Sie überlebten länger und
produzierten auch mehr Nachkommen.
presseportal.de/story.htx?firmaid=6926
Fisch
im Netz: Schmerzen? "Eindeutig Ja!"
Unter Wissenschaftlern tobt zu dieser Frage
momentan ein heftiger Streit, sekundiert
vom Tierschutz auf der einen und von der
Fischereilobby auf der anderen Seite. Dass
Säugetiere unter misslichen Umständen
leiden, steht heute wissenschaftlich ausser
Frage. Um das Gefühlsleben der Fische
hingegen hat sich die Forschung während
Jahrzehnten nicht gekümmert. Auch die
Gesetzgeber foutierten sich. "Im Schweizer
Tierschutzgesetz sind Fische die einzige
Wirbeltiergruppe, für die noch keine
detaillierten Vorschriften festgeschrieben
sind", sagt Rolf Frischknecht vom Bundesamt
für Veterinärwesen (Bvet).
www.facts.ch/dyn/magazin/wissen/487983.html |
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| 20.04.2005 |
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Iglo setzt auf sanfte
Fischerei
Die Unilever-Tochter Iglo verkauft ab Mai
nur noch Fischstäbchen, die aus einer
den Bestand erhaltenden Fischerei stammen.
Garantieren soll dies das Zertifikat des
Marine Stewardship Council (MSC). "Die
Überfischung der Weltmeere ist eine
unmittelbare Bedrohung für unser Geschäft.
Deshalb gehen wir mit dem Zertifikat für
unser wichtigstes Produkt in Deutschland
diesen Weg", sagte Geschäftsführer
Michael Hebel. Auch kleinere Anbieter wie
die Hamburger Frosta oder der Hauslieferant
Bofrost haben bereits einzelne Fischprodukte
zertifizieren lassen. Die Verkaufspreise
sollen sich dadurch nicht erhöhen,
sagte Hebel weiter.
www.welt.de/data/2005/04/15/700141.html
Westafrikanische
Meeresregion wärmer
Seit 2004 engagiert sich auch der WWF Deutschland
in dieser Ökoregion jenseits der Wüste.
Wo an Westafrikas Küste heiße
Wüstenwinde auf kalte, nährstoffreiche
Ströme aus der Tiefsee treffen, liegt
eines der ökologisch wertvollsten Meeresgebiete
der Erde. Weil es Fischkutter aus Europa
und Asien plündern, kämpft der
WWF dort am Äquator für eine nachhaltige
Fischerei – mit wachsendem Erfolg.
www.wwf.de/regionen/welt/wamer |
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| 19.04.2005 |
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Gezeiten in unterirdischem
See unter Südpoleis
Der riesige Vostok-See unter dem antarktischen
Eis hat Gezeiten wie die Ozeane. Das haben
Messungen deutscher, russischer und japanischer
Forscher per Satellit und vor Ort erstmals
belegt.
Die Oberfläche des unterirdischen
Sees hebt und senkt sich demnach abhängig
von der Stellung der Erde zu Sonne und Mond
um ein bis zwei Zentimeter. "Diese
Effekte sind im Vergleich zu denen in Ozeanen
zwar klein, aber dennoch über der Eisoberfläche
gut messbar", sagte der Koordinator
der Polarforschung der deutschen Hochschulen,
Reinhard Dietrich von der Universität
Dresden.
"Wir gehen davon aus, dass die Schwankungen
des Wasserpegels einen Pumpen-Effekt und
damit eine Zirkulation innerhalb des Sees
in Gang halten", berichtete Dietrich.
Dies gelte als wichtige Bedingung für
das Überleben von Mikroorganismen.
Möglicherweise existiere der See unter
dem ewigen Eis seit mehreren Millionen Jahren
isoliert von der Erdatmosphäre. Wissenschaftler
schließen das Vorkommen urzeitlicher
Mikroorganismen nicht aus. "Bei einer
früheren Bohrung bis in 3600 Meter
Tiefe wurden Mikroben im Eis dicht über
dem See nachgewiesen", sagte Dietrich.
Deren genaue Herkunft sei jedoch umstritten.
Der mehr als 1000 Meter tiefe Lake Vostok
liegt unter 4000 Meter dickem Eis und 1000
Kilometer von der Küste entfernt. Mit
einer Länge von etwa 250 Kilometern
und einer Breite von rund 50 Kilometern
ähnelt er in der Ausdehnung dem amerikanischen
Ontario-See, seine Oberfläche ist rund
25 Mal größer als die des Bodensees.
Bereits in den 1960er Jahren berichteten
Forscher sowjetischer Expeditionen über
Senken, die gefrorenen Seen ähnelten.
Von 1968 an gaben Radarmessungen weitere
Hinweise. Satellitendaten aus den 90er Jahren
zeigten schließlich den See.
Die Entnahme von Wasser- und Sedimentproben
aus dem Vostok-See werde vorbereitet, sagte
Dietrich. Bislang sei darauf verzichtet
worden. Experten hatten die Verschmutzung
des Wassers und das Einschleppen von Mikroben
von der Erdoberfläche befürchtet.
Tsunami
www.fr-aktuell.de/ressorts/wissenschaft/?cnt=664111
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| 17.05.2005 |
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Geleeblöcke
am Meeresgrund
Das schwere Erdbeben vom zweiten Weihnachtstag
vergangenen Jahres hat den Meeresboden vor
der Küste Sumatras deutlich und nachhaltig
verändert. Zu diesem Ergebnis ist eine
internationale Forschergruppe gekommen,
die jenes Seegebiet vor Sumatra, in dem
das Erdbeben seinen Ausgang nahm, von Bord
des japanischen Forschungsschiffes "Natsushima"
aus fünf Wochen lang gründlich
untersucht hat. Zu den Veränderungen
gehören unter anderem schwere Hangrutschungen
sowie das Entstehen von Spalten und Klüften
im Meeresboden. Die Forscher, zu denen auch
Christian Müller von der Bundesanstalt
für Geowissenschaften und Rohstoffe
(BGR) in Hannover gehörte, fanden auf
dem Meeresgrund aber auch große, geleeartige
Blöcke, wie sie bisher nicht bekannt
waren.
Bereits im Januar hatte ein Vermessungsschiff
der Royal Navy das Seegebiet mit Echolot
kartiert. Die Wissenschaftler an Bord fanden
dabei, daß es im Epizentralgebiet
des Seebebens zu einigen deutlichen Hangrutschungen
gekommen war. Für eine umfassendere
Untersuchung des Meeresbodens war das Schiff
nicht ausgerüstet.
Schon kurz nach dem Erdbeben entschieden
Mitarbeiter des japanischen Meeresforschungsinstituts
Jamstec, ihr Mehrzweck-Forschungsschiff
Natsushima nach Indonesien zu schicken.
Es führt das unbemannte Tauchboot "Hyper
Dolphin" mit sich und verfügt
außerdem über Einrichtungen für
die bathymetrische und seismische Vermessung
des Meeresbodens. Zu den Zielen der Expedition
gehörte es, Videofilme und Fotos vom
submarinen Epizentralgebiet zu machen sowie
dem Meeresboden Proben zu entnehmen. Im
Gegensatz zu dem britischen Schiff fuhr
die Natsushima nicht parallel zum Sundagraben,
sondern in mehreren, jeweils 250 Kilometer
langen Profilen senkrecht dazu und damit
quer zur Kollisionszone zwischen der indischen
und der eurasischen Lithosphärenplatte.
Müller zufolge entstand dabei ein wesentlich
detaillierteres Bild des Meeresbodens.
Bei ihren Untersuchungen fanden die Forscher
zahlreiche frische Spalten und Klüfte
im Meeresboden. Zunächst waren sie
der Meinung, dabei handele es sich um die
eigentliche Bruchfläche des Erdbebens,
an der sich das Gestein bis zum Meeresboden
verschoben hatte. Allerdings stellte sich
bald heraus, daß diese Spalten und
Klüfte nicht zusammenhängend in
einer geraden Linie verliefen. Sie entstanden
vielmehr als Folge enormer Hangrutschungen,
die von dem Erdbeben ausgelöst wurden.
An einigen besonders steilen Stellen war
der Meeresboden dabei bis zu einem Kilometer
tief abgerutscht. Der Prozeß hätte
nach Meinung von Müller nicht ausgereicht,
den schweren Tsunami auszulösen. Das
konnte nur durch die eigentliche Bewegung
der Erdkruste bei dem Erdbeben geschehen
sein.
Wie
ein Pudding
Einen besonderen Fund machten die Forscher
in etwa 2600 Meter Wassertiefe in unmittelbarer
Nähe des Sundagrabens. Dort entdeckten
sie zahlreiche mehrere Dutzend Kubikmeter
große Sedimentbrocken. Auch diese
sind von Spalten und Klüften durchzogen
und zum Teil zerfallen. Auf den ersten Blick
sehen sie wie festes Gestein aus, das durch
die Wucht des Erdbebens regelrecht zerborsten
ist. Als die Forscher jedoch versuchten,
mit dem Greifarm des Tauchbootes Proben
zu nehmen, stellte sich das Material als
geleeartige Substanz heraus, die bei Berührung
wie ein Pudding auseinanderfiel. Nach Meinung
von Müller handelt es sich dabei um
Blöcke von sehr jungem Meeressediment,
die von den Erschütterungen des Erdbebens
kräftig durchgerüttelt wurden.
Im kommenden Oktober wird eine Forschergruppe
der BGR und des Geomar in Kiel mit dem deutschen
Forschungsschiff "Sonne" das Seegebiet
vor Sumatra abermals aufsuchen.
Horst Rademacher
www.faz.net/erde
Environmental
Battle Looms as Developers Press Plans for
Resorts along Puerto Rico's Coast
A tranquil beach fringed with nothing but
tropical forests, cattle ranches and turquoise
seas is at the center of a looming battle
between environmentalists and developers
who plan two resorts along one of Puerto
Rico's least disturbed stretches of coastline.
www.enn.com/today.html?id=7552
Anammox-Bakterien
entfernen Stickstoff aus Ozean
Stickstoffverbindungen sind der Dünger,
der die Wachstumsgeschwindigkeit der Pflanzen
mit kontrolliert, und dadurch die Grundlage
für alle Lebensformen auf der Erde
darstellt. Das Meer verliert aber ständig
an Stickstoff, weil besondere Bakterien
es abbauen und als Stickstoffgas in die
Atmosphäre freisetzen. Mit ausgefeilten
Analysetechniken konnten dies Bremer Wissenschaftler
vom Max-Planck-Institut für marine
Mikrobiologie nun nachweisen.
idw-online.de/pages/de/news108658 |
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15. 04.2005 |
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Erlahmen des Golfstroms
als Planktonkiller
Klimaanstieg und zunehmende Niederschläge
könnten den Nordatlantikstrom in Zukunft
empfindlich stören, vermuten Wissenschaftler.
Forscher der Oregon State Universität
haben nun in Computersimulationen festgestellt,
dass eine Unterbrechung der Meeresströmung
vermutlich verheerende Folgen für die
Nahrungskette im Atlantik und in anderen
Ozeanen hätte.
www.g-o.de/index.php?cmd=wissen_details&id=2678&datum=2005-04-13
Das
Brummen der Ozeane
Der Meeresboden gibt ständig starke
Schallwellen ab. Sie können zur Klimaforschung
genutzt werden
Wie ein Erdbeben der Stärke sechs:
Soviel Energie setzen Vibrationen frei,
die täglich den gesamten Erdball zittern
lassen. Doch niemand merkt etwas davon,
denn mit Perioden zwischen fünf und
zehn Sekunden sind diese Schallwellen viel
zu tief für unsere Wahrnehmung.
Den Seismometern jedoch entgehen sie nicht,
den äußerst empfindlichen Meßgeräten,
die seit Jahrzehnten alle Erschütterungen
der Erde registrieren. Lange Zeit taten
Seismologen den tiefen Singsang als störende
Hintergrundgeräusche ab. Nur für
Esoteriker waren sie seit jeher "die
Stimme von Mutter Erde". Jetzt ist
es Forschern gelungen, die Ursache des mysteriösen
Brummens herauszufinden. Ein Erfolg. Klimaphänomene
wie El Niño lassen sich nun besser
erklären und prognostizieren.
Der Ozeanograph Michael Longuet-Higgins
hatte bereits 1950 vermutet, daß Meereswellen
die sogenannten mikroseismischen Wellen
verursachen. Ende der neunziger Jahre stellten
die deutschen Forscher Hans-Hermann Essen,
Ingo Grevemeyer und Rolf Herber fest, daß
die Erde unter Hamburg über Jahre immer
dann lauter brummte, wenn starke Stürme
über den Nordostatlantik tobten. Auf
diese Weise bestätigten sie auch die
Beobachtungen der Meteorologen, daß
die Anzahl der Stürme in der Nordhemisphäre
seit 1977 rapide zunimmt. Vibrierte die
Erde zwischen 1954 und 1977 durchschnittlich
an sieben Tagen im Monat besonders stark,
so tat sie das 2000 doppelt so häufig.
Schließlich gelang Junkie Rhie und
Barbara Romanowicz von der Universität
Berkeley der Durchbruch. Sie untersuchten,
wie sich die Intensität des Brummens
bei Perioden von etwa vier Minuten im Zeitraum
von einem Jahr verändern. Dabei stellten
sie fest, daß die mikroseismischen
Geräusche vorwiegend entlang steiler
Küstenlinien, aber auch in den Zentren
der riesigen ozeanischen Ringströmungen
im Norden und Süden der großen
Ozeanbecken entstehen. Im Winter gehen sie
vor allem von den Stürmen über
dem Nordatlantik aus, im Sommer kommen sie
aus dem Südpazifik. Die Stürme
geben ihre Energie an die Wellen weiter,
die ihrerseits den Meeresboden und die Erdkruste
zu ihrem tiefen, modulierten Brummen anregen.
Was lange Zeit eine These war, konnte Toshiro
Tanimoto von der Universität von Santa
Barbara untermauern. Er berechnete, daß
die Energie der sehr langperiodischen Meereswellen
ausreicht, die gesamte Erde ins Schwingen
zu bringen. Ein Vergleich mit Satellitenmessungen
zeigte, daß sich die Höhen der
Wogen im gleichen Rhythmus wie die mikroseismischen
Wellen ändern - der Beweis, daß
starke Meereswellen die Ursache für
den tiefen Baßgesang der Erde sind,
war erbracht.
Ozeanographen und Seismologen forschten
bisher in unterschiedlichen Welten. Doch
die wachsen jetzt zusammen, wie Sharon Kedar
und Frank Webb vom Jet Propulsion Laboratory
in Pasadena von der letzten Tagung der Amerikanischen
Geophysikalischen Vereinigung berichteten.
Ozeanographen können mit den alten
Aufzeichnungen des "Hintergrundrauschens"
der Erdbebenwarten seit Beginn des 20. Jahrhunderts
das "Wellenklima" für Zeiten
und Gebiete rekonstruieren, in denen es
bisher keine direkten Messungen gab. So
ließe sich jetzt beispielsweise die
Stärke von früheren El-Niño-Ereignissen
im nachhinein berechnen, aus der man ihr
Verhalten für die Zukunft ableiten
kann.
Seismologen hilft das Brummen der Erde,
die Vorgänge in der Erdkruste bis in
20 Kilometer Tiefe besser zu verfolgen.
Denn die mikroseismischen Wellen verstummen
nie. Tektonische Spannungen oder untermeerische
Lavaflüsse lassen sich kontinuierlich
beobachten und können so sehr früh
Hinweise auf größere Ereignisse,
wie Erd- oder Seebeben geben.
von Hanns-J. Neubert
www.wams.de/data/2005/04/17/705692.html
Lawmakers
and Environmentalists Push New Marine Pollution
Law on Cruise Ship Waste
The cruise industry has gotten so big that
all its ships together could hold each of
Miami's 360,000 residents with room to spare.
And just like cities, cruise lines have
to deal with a nasty problem: the millions
of gallons of sewage those people produce.
www.enn.com/today.html?id=7533 |
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| 14. 04.2004 |
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Vielfältiges Leben
am Meeresboden Auf der Suche nach den Gründen
für die Artenvielfalt in der Tiefsee
Der Meeresboden der Tiefsee weist eine
erstaunlich hohe Artenvielfalt auf. Eine
Projektgruppe des Alfred-Wegener-Instituts
für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven
ist in den arktischen Gewässern westlich
von Spitzbergen mit einer Langzeituntersuchung
den Gründen für die Artenvielfalt
auf der Spur.
Dass tropische Regenwälder und Korallenriffe
viele Tier- und Pflanzenarten beherbergen,
ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass sich
auch auf dem Boden der Tiefsee erstaunlich
viele Tierarten tummeln. Die Artenvielfalt
dort ist vor allem unter den kleinen Organismen
sehr hoch. Das haben Meeresbiologen bereits
in den achtziger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts herausgefunden. Trotzdem kennt
man diesen Lebensraum weniger gut als die
Oberfläche des Mondes, wie manche Wissenschafter
bemängeln. In den vergangenen zwei
Jahrzehnten haben sich zwar die technischen
Möglichkeiten, die Tiefsee zu erkunden,
deutlich verbessert. Die meisten Erkenntnisse
hat man aber aus räumlich und zeitlich
begrenzten Untersuchungen gewonnen. Langzeituntersuchungen
dagegen gibt es bis heute äusserst
wenige, und in der arktischen Tiefsee sind
bis anhin gar keine durchgeführt worden.
Forscher am Alfred-Wegener-Institut für
Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven
sind in Zusammenarbeit mit französischen
Kollegen nun dabei, das zu ändern.
Ihr Forschungsprojekt in der Arktis läuft
seit dem Jahre 1999 und ist auf zehn Jahre
angelegt. Die Wissenschafter wollen in dieser
Zeit herausfinden, wie die Fauna am Boden
der Tiefsee zusammengesetzt ist, welches
die Gründe für die hohe Artenvielfalt
sind und wie sich Klimaveränderungen
auf das Ökosystem am Meeresboden der
Tiefsee auswirken.
Arbeiten im «Hausgarten»
Eine Projektgruppe des Instituts unter
der Leitung der Meeresbiologen Michael Klages
und Thomas Soltwedel hat sich dafür
in der Framstrasse einen sogenannten Hausgarten
eingerichtet, wie die Wissenschafter ihr
Untersuchungsgebiet nennen. Die Framstrasse
liegt westlich von Spitzbergen und verbindet
den zentralen Arktischen Ozean mit dem Nordatlantik.
Der dort angelegte Hausgarten ist 7000 Quadratkilometer
gross und besteht aus ursprünglich
neun Stationen, die sich entlang eines sogenannten
Tiefentransektes befinden. Das Transekt,
ein Satz von Mess- und Beobachtungspunkten,
verläuft entlang einer geraden Linie
von Osten nach Westen und erstreckt sich
vom oberen Kontinentalhang mit einer Wassertiefe
von 1000 Metern bis zum «Molloy-Deep»
in 5500 Meter Tiefe.
Eine Station 2500 Meter unter der Meeresoberfläche
dient als zentrales Experimentierfeld. Im
Sommer 2003 sind sechs weitere Stationen
in 2500 Meter Tiefe dazugekommen, mit denen
die Wissenschafter die räumliche Variabilität
entlang des Kontinentalhanges auch in dessen
Nord-Süd-Ausdehnung erfassen wollen.
Seit dem Jahre 1999 sucht die Projektgruppe
den AWI-Hausgarten jährlich im Sommer
auf, entweder mit dem Forschungseisbrecher
«Polarstern» oder mit dem französischen
Forschungsschiff «L'Atalante».
Ingenieure, die zum Projektteam gehören,
kümmern sich dabei um die Weiterentwicklung
tiefseetauglicher Geräte. Eines davon
ist der «Bottom-Lander», ein
Gestell, das ohne Kabel auf den Meeresboden
abgesetzt wird. Der Lander ist besonders
für Langzeituntersuchungen ein unentbehrliches
Arbeitsgerät. Er kann mit Zeitrafferkameras,
Strömungsmessern und akustischen Messgeräten
ausgestattet und so eingerichtet werden,
dass er Wasser- und Sedimentproben nimmt.
Die entsprechenden Anweisungen sind programmiert.
Nach einem Jahr befreien die Wissenschafter
den Lander durch ein akustisches Signal
von Ballast. Durch den eigenen Auftrieb
gelangt er wieder an die Meeresoberfläche
und wird an Bord gehievt.
Das interdisziplinäre Team wertet
die gewonnen Messwerte, Sedimentproben und
Tiefseetiere zum Teil direkt in den Labors
des Schiffes, meistens aber erst später
in Bremerhaven aus. Die Forscher untersuchen
vor allem Bakterien-, Foraminiferen- und
Fadenwürmer-Gesellschaften (siehe Kasten
«Einteilung der Tierwelt»),
weil deren Anteil an der Biomasse des Meeresbodens
bedeutend und ihre Artenvielfalt gross ist.
So wurden im Untersuchungsgebiet bisher
allein über 300 neue Arten von den
der sogenannten Meiofauna zugerechneten
Fadenwürmern bestimmt, und es werden
laut der am Forschungsprojekt beteiligten
Meeresbiologin Karen von Juterzenka täglich
mehr. Auch bei anderen Faunengemeinschaften,
zum Beispiel den zur Makrofauna gehörenden
Borstenwürmern, entdecken die Forscher
jedes Jahr neue Arten. Das Erstaunliche
daran sei, dass so viele verschiedene Arten
auf so kleinen Flächen vorkämen,
sagt die Wissenschafterin. Die meisten Lebensräume
würden von wenigen Arten mit hoher
Individuenzahl dominiert.
Vielfalt auf kleinstem Raum
Erste Ergebnisse des Forschungsprojekts
zeigen auch, dass die Unterwasserlandschaft
des Hausgartens komplexer ist, als die Forscher
zunächst angenommen hatten. Bei der
Vermessung des Kontinentalhanges stellte
sich heraus, dass es sich bei diesem um
eine in die Tiefe abfallende Landschaft
aus Hügeln, Senken, kleinen Rinnen
und Graten handelt. Zudem haben Bodenproben,
Fotoserien und Videoaufnahmen laut von Juterzenka
gezeigt, dass die Gemeinschaft von grösseren
Tieren, die sogenannte Mega- und Makrofauna,
am Meeresgrund entlang des Tiefentransektes
je nach der Meerestiefe unterschiedlich
zusammengesetzt ist. Auch nehme der Artenreichtum
der Makrofauna mit der Tiefe ab; die aus
anderen Gebieten des Atlantiks beschriebene
Zunahme der Artenzahl mit zunehmender Tiefe
am Kontinentalhang lasse sich im Hausgarten
nicht feststellen. Die Biomasse der Makrofauna
insgesamt sei jedoch höher als in hocharktischen
Gebieten und eher vergleichbar mit den Werten
temperierter Zonen.
Doch wie kommt es zu der grossen Artenvielfalt
an kleineren und kleinsten Lebewesen (Meiofauna,
Mikroorganismen) in einer eigentlich so
«lebensfeindlichen» Umwelt?
Eine Rolle spielen dabei laut den Wissenschaftern
die am Meeresboden ablaufenden chemisch-physikalischen
Prozesse, die an verschiedenen, auch nahe
beieinander liegenden Orten unterschiedlich
ausgeprägt sind und so unterschiedliche
Lebensräume schaffen. Dies äussert
sich etwa in variablen Strömungsgeschwindigkeiten
oder in ansteigenden oder abfallenden Konzentrationen
von Stoffen, die im Meerwasser gelöst
sind. Die im Tiefseesediment lebenden Tiere
greifen ihrerseits in dieses komplexe chemisch-physikalische
Geschehen ein, indem sie Nährstoffe
verbrauchen, Stoffwechselprodukte ausscheiden
und Kriech- und Frassspuren hinterlassen.
Neue ökologische Nischen entstehen.
Diese Vorgänge könnten, so vermuten
die Wissenschafter, der Artenvielfalt unter
den kleinsten sedimentbewohnenden Organismen
zugrunde liegen.
Um diese Hypothese zu überprüfen,
untersuchte die Forschergruppe den Einfluss
von Schwämmen, Seeanemonen und Schnecken
auf die Organismen der Mikro- und Meiofauna.
Dabei zeigte sich, dass beispielsweise in
der direkten Umgebung eines Schwammes sowohl
die Zahl als auch die Grösse der einzelnen
Bakterien im Vergleich zum umgebenden Tiefseesediment
erhöht war. Bei einer hohen Dichte
von Seegurken wiederum stellten die Forscher
ebenfalls erhöhte Meiofaunadichten
fest. Die Seegurken, die im «Molloy-Deep»
in hoher Zahl vorkommen, sind kleine, nur
zentimetergrosse Tiere, die den Meeresboden
nach Fressbarem absuchen und dabei im Sediment
sowohl Frassspuren hinterlassen als auch
die Spuren ihrer Tentakelfüsschen.
Im «Molloy-Deep» fanden die
Forscher in den obersten fünf Zentimetern
des Meeresbodens bis zu knapp 3000 Meiofauna-Organismen
pro zehn Quadratzentimeter Sediment. Höchstwahrscheinlich,
so folgern sie, veränderten die Seegurken
mit ihren Frass- und «Fussspuren»
das Mikromilieu und schafften so Lebensräume
für die Meiofauna, beispielsweise Fadenwürmer
und kleine Krebse.
Die Bedeutung der Food-Falls
Die Forscher gehen also davon aus, dass
die durch Tiere verursachten «Störungen»
am Meeresboden für das Leben am und
im Tiefseeboden prägend sind. Zu solchen
Störungen gehören auch die sogenannten
Food-Falls, also grössere Nahrungsmengen,
wie beispielsweise ein toter Fisch, die
auf den Meeresboden gelangen. Weil solche
Ereignisse äusserst selten zu beobachten
sind, werden mit einem Lander, der mit einem
Fanggerät und einer Zeitrafferkamera
ausgerüstet ist, aasfressende Tiere
mit Ködern angelockt, um Food-Falls
zu simulieren. Die Flohkrebse, zum Beispiel
der daumenlange Eurythenes gryllus, sind
besonders schnell, wenn es darum geht, Aas
zu orten und zu ihm zu gelangen. So berichtet
von Juterzenka von einem Experiment mit
wenigen Kilogramm Köderfischen, bei
dem es gerade einmal 12 Minuten dauerte,
bis der erste Flohkrebs am Untersuchungsstandort
in 2500 Meter Tiefe eintraf. Insgesamt hätten
die Köder über tausend dieser
aasfressenden Tiere angelockt. Nach 4 Stunden
hätten die meisten grösseren Krebse
die Nahrungsquelle jedoch schon wieder verlassen,
nach 27 Stunden seien von den Ködern
nur noch die Skelette übrig geblieben.
Aus diesen Experimenten lässt sich
nach von Juterzenka schliessen, dass auch
in grossen Tiefen Nahrungsbrocken rasch
verwertet werden.
Es ist bekannt, dass arktische Ökosysteme
besonders empfindlich auf Klimaveränderungen
reagieren. Die biologischen Untersuchungen
im Hausgarten umfassen alle Organismen,
die im und am Meeresboden der Tiefsee leben.
Sie liefern daher umfassende Informationen
über allfällige ökologische
Veränderungen in diesem Lebensraum.
Allerdings sind nach von Juterzenka sowohl
eine kritische Masse an Daten als auch ausreichend
lange Zeitreihen erforderlich, um Aussagen
über räumliche und zeitliche Variabilitäten
treffen zu können. Das Team des AWI
will daher Methoden entwickeln, die es durch
kontinuierliche Zeitreihen ermöglichen,
kurzfristige von langfristigen Veränderungen
zu unterscheiden. Nur so lasse sich feststellen,
ob beobachtete Veränderungen mit Umwelteinflüssen
zusammenhängen, sagt die Meeresbiologin.
Die Makro- und Megafauna wiederum, die am
Boden der Tiefsee lebt, ist langlebig und
zum Teil auch langsam wachsend. Ideale Bedingungen
also, um langfristige Trends, die sich für
die nächsten 10 bis 100 Jahre abzeichnen,
frühzeitig zu erfassen. Dafür
muss allerdings in Kauf genommen werden,
dass die Ergebnisse in der Regel einige
Jahre auf sich warten lassen.
Lebensraum «Tiefsee-Meeresboden»:
Die Tiefsee ist das grösste, am schwersten
zugängliche und darum am wenigsten
erforschte Ökosystem der Erde. Es herrscht
absolute Dunkelheit, weshalb in diesem Lebensraum
nur Tiere und keine Pflanzen existieren.
Die Artenzahl ist am Boden der Tiefsee hoch,
die Individuenzahl pro Art wegen des knappen
Nahrungsangebots aber eher gering. Die Wassertemperatur
liegt knapp über dem Gefrierpunkt.
Die Wassersäule übt einen ungeheuren
Druck auf die Oberfläche der Lebewesen
aus, beispielsweise in 5000 Meter Tiefe
auf jeden Quadratzentimeter Körperoberfläche
einen Druck von einer halben Tonne. Das
Nahrungsangebot hängt stark von der
Produktion von Biomasse in der sogenannten
euphotischen Zone ab, die bis ungefähr
200 Meter Wassertiefe reicht. In dieser
Zone lebt und vermehrt sich das Phytoplankton
aus ein- oder mehrzelligen Algen mit Hilfe
von Sonnenlicht. Abgestorbenes Phytoplankton
sinkt auf den Meeresboden und dient der
das Sediment bewohnenden Tiefseefauna als
Nahrung. Allerdings gelangt laut Schätzungen
durchschnittlich lediglich ein Prozent dieser
Primärproduktion auf den Meeresboden.
Einteilung der Tierwelt:
Megafauna: Tiere, die grösser als ein
Zentimeter und auf Foto- und Videoaufnahmen
erkennbar sind, wie Fische, Tintenfische,
Seesterne, Seeigel, Seeanemonen oder Seegurken.
Makrofauna: Tiere, die grösser als
0,5 Millimeter und meist kleiner als 1 Zentimeter
und teilweise nur mit der Stereolupe oder
unter dem Mikroskop erkennbar sind, etwa
Borstenwürmer oder kleine Krebse.
Meiofauna: Tiere, die grösser als 0,06
Millimeter und nur mit der Stereolupe oder
dem Mikroskop erkennbar sind, beispielsweise
Fadenwürmer oder sehr kleine Krebse.
Foraminiferen gehören zwar in diese
Grössenklasse, sind aber grosse, schalentragende
Einzeller und zählen daher zu den Mikroorganismen:
Organismen, die in der Regel nur unter dem
Mikroskop erkennbar sind, wie Bakterien,
Einzeller oder marine Pilze.
Martin Leuch
www.nzz.ch/2005/04/13/ft/articleCPMYC.html
Meeresräuber:
Wachwechsel auf hoher See
Die intensive Befischung der Weltmeere
hat deutliche Veränderungen im Nahrungsnetz
zur Folge. Das berichten zwei kanadische
Meeresbiologen im Fachblatt "Ecology".
Indem Haie, Thunfische, Marline und andere
Räuber der Hochsee immer seltener werden,
springen kleinere Arten in die Bresche,
können diese aber nicht ausfüllen.
www.scienceticker.info/news/EEEFkkZlpFOwcsxIqZ.shtml
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| 13. 04.2005 |
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"Millionen neuer
Gene entdeckt"
Craig Venter ist unermüdlich. Sein umfangreichstes
Projekt: Die Mikroorganismen der Weltmeere.
Die Entschlüsselung des menschlichen
Genoms hat ihn berühmt gemacht. Wirtschaftlich
unabhängig, könnte sich der 1946
in Salt Lake City geborene Craig Venter
zur Ruhe setzen, doch die Untersuchung der
Gene ist für ihn zur Leidenschaft geworden.
Welt am Sonntag: Craig Venter, Sie sind
derzeit mit ihrer Yacht Sorcerer II auf
den Weltmeeren unterwegs, um die Genome
der Bakterien in den Ozeanen zu katalogisieren,
eine gewaltige Expedition.
Craig Venter: Ja, wir sind derzeit in Australien
und werden dann den Indischen Ozean überqueren
und zum Jahresende in Afrika sein. Wir rechnen
damit, daß wir noch eineinhalb bis
zwei Jahre unterwegs sein werden.
Die Expedition hat sich deutlich verzögert.
Sie wollten jetzt bereits in Afrika sein.
Venter: Wegen schlechten Wetters und notwendiger
Reparaturen konnten wir unseren Fahrplan
nicht einhalten.
Was sind bisher die wichtigsten Ergebnisse
dieser Expedition?
Venter: Wir entdecken eine Vielzahl neuer
Lebensformen und Millionen neuer Gene, damit
erweitern wir unser Wissen über die
Evolution und den Gen-Pool auf diesem Planeten.
Warum ist das so wichtig?
Venter: Es werden Unsummen dafür ausgegeben,
auf anderen Planeten nach Leben zu suchen,
dabei verstehen wir noch gar nicht, welche
Lebewesen und welche Vielfalt es hier auf
der Erde gibt. Als wir mit unserem Projekt
begannen, waren nur ein paar Duzend Rhodopsine
(Sehpigmente), die auch im menschlichen
Auge vorkommen, bekannt. Wir haben Tausende
dieser Photorezeptoren gefunden und vermuten,
daß sie evolutionsgeschichtlich zu
den ältesten Proteinen gehören.
Ähnliche Strukturen wie bei diesen
Lichtrezeptoren sind auch bei Neurotransmittern
im Gehirn zu finden.
Wie läuft Ihre Arbeit praktisch ab?
Venter: Wir filtern Meereswasser und nehmen
etwa alle 200 Meilen Proben, die eine Vielzahl
von Bakterien und Viren enthalten. Wir nutzen
die Proben, um sogenannte Shotgun-Sequenzing-Datenbanken
zu erstellen. Wir sequenzieren die DNA,
setzen die Bauteile mit computergenerierten
Algorithmen wieder zu längeren DNA-Strängen
zusammen und analysieren sie, indem wir
sie mit den Genomen bereits bekannter Arten
vergleichen.
Nachdem Sie das menschliche Genom entschlüsselt
haben, konzentrieren Sie sich jetzt eher
auf das Leben an sich als auf den Menschen.
Wie kam es dazu?
Venter: Es gibt drei Gruppen im Venter-Institut.
Eine Gruppe beschäftigt sich mit den
genetischen Grundlagen von Krebs, eine andere
mit Genen und Umwelt und die dritte mit
synthetischer Biologie. Es gab also keine
Veränderung, sondern nur eine Erweiterung
unserer Aufgaben.
Warum die zusätzlichen Aufgaben?
Venter: Nach der Entschlüsselung des
menschlichen Genoms war ich als Wissenschaftler
in der glücklichen Lage, mir aussuchen
zu können, was ich für wichtig
halte und woran ich arbeiten möchte.
Ich halte die Erhaltung der Umwelt für
wichtiger als fast alles andere und arbeite
deshalb daran. Gleichzeitig versuchen wir
im Institut, mit Hilfe unseres Wissens über
das menschliche Genom wirklich praktikable
Lösungen zu finden, um Krebspatienten
zu helfen.
Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Projekt,
das biologische Alternativen zur Energiegewinnung
sucht?
Venter: Wir wissen noch nicht, wie effektiv
unsere Ansätze sein werden, aber die
Menschen lassen jährlich 3,6 Milliarden
Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre.
Wir können das nicht unbegrenzt weitermachen,
sonst überleben wir nicht. Wir suchen
nach Wegen, wie unser Wissen über Biologie
dazu beitragen kann, einen Teil des Kohlendioxids
zu resorbieren. Wir suchen auch nach alternativen
Treibstoffen, die beispielsweise mit Hilfe
von Sonnenlicht produziert werden können.
Sie versuchen auch, künstliche Bakterien
herzustellen, die Umweltschäden beseitigen
können.
Venter: Mit dem Synthetischen-Genom-Projekt
wollen wir ganz einfache Fragen über
das Leben beantworten. Es ist ein Folgeprojekt
des zweiten Bakterien-Genoms, das wir 1995
entschlüsselten und das nur 500 Gene
hatte. Jetzt gehen wir der Frage nach, wie
viele Gene für einfaches Leben überhaupt
nötig sind.
Und das sind ungefähr 300?
Venter: Die Schätzungen liegen bei
300 bis 400, aber die einzige Möglichkeit,
das wirklich herauszufinden, ist, ein Chromosom
herzustellen und es auszuprobieren. Wir
glauben auch, daß es künftig
möglich sein wird, Zellen herzustellen,
die Umweltschäden effektiv und weitreichend
beseitigen können.
Wie lange wird es dauern, bis das gelingt?
Venter: Sicherlich mehrere Jahre - vielleicht
glückt es innerhalb der nächsten
zehn Jahre.
In Ihrem jüngsten Projekt untersuchen
Sie die Luft in Manhattan auf Bakterien
und Viren.
Venter: Wir wollen die Vielfalt der Mikroben
in der Stadtluft besser verstehen. Es geht
um Ökologie und biologische Vielfalt
der Mikroben und um Stoffe, die die menschliche
Gesundheit belasten.
Planen Sie ähnliche Projekte auch
in anderen Städten, um Vergleiche ziehen
zu können?
Venter: Es handelt sich in Manhattan um
ein Pilotprojekt, so daß wir erst
einmal ein paar Duzend Proben aus New York
und Rockville im Bundesstaat Maryland untersuchen.
Wenn sich das als so erfolgreich erweist,
wie unser Ozean-Genanalyse-Projekt, dann
werden wir viele Anwendungen finden, auch
auf globaler Basis.
Warum ausgerechnet der New Yorker Stadtteil
Manhattan?
Venter: Es ist die am dichtesten bevölkerte
Region in den Vereinigten Staaten.
Versprechen Sie sich von Ihren Projekten
wirtschaftlichen Nutzen?
Venter: Ach, ich spekuliere nicht gern,
und es ist ein sehr großer Schritt
von der Biologie, die es noch nicht gibt,
hin zum wirtschaftlichen Wert. Aber einige
Ökonomen sagen voraus, daß biologischer
Wasserstoff-Treibstoff, wenn er wirtschaftlich
produziert wird, ökonomische Auswirkungen
von einer Billion Dollar jährlich haben
könnte, damit hätte die Biotechnik
viel mehr Wirtschaftskraft als sie jetzt
mit der Herstellung von Arzneimitteln hat.
Jongleur der Gene
1992 gründete Craig Venter The Institute
for Genomic Research (TIGR), das sich einen
Namen machte mit der Entschlüsselung
(Sequenzierung) der Erbanlagen von etlichen
Dutzend Mikroorganismen. Im Mai 1998 hob
der Genetiker Celera Genomics aus der Taufe.
Erklärtes Ziel der Firma war die Sequenzierung
des menschlichen Genoms. Seit 2002 existiert
eine J. Craig Venter Science Foundation,
unter deren Dach TIGR und die Venter-Gründungen
The Center for the Advancement of Genomics
(TCAG) und das Institute for Biological
Energy Alternatives (IBEA) zusammengefaßt
sind. Celera Genomics wird seit drei Jahren
von der Mikrobiologin und Venter-Ehefrau
Claire Fraser geleitet.
Gesundes Selbstvertrauen
-Anfang 2001 veröffentlichen Celera
Genomics und ein internationales Konsortium
gleichzeitig die erste Sequenzierung des
menschlichen Genoms. Kurz darauf wird bekannt,
daß Venter in seiner Firma sein eigenes
Erbgut hatte sequenzieren lassen. Durch
hämische Bemerkungen von Kollegen keineswegs
eingeschüchtert, veröffentlichte
er Ende 2003 die Sequenz eines Hundegenoms
- das seines eigenen Pudels Shadow. Nach
wie vor umstritten ist allerdings die von
Venter angewandte Methode der "Whole
Genome Shotgun"-Sequenzierung. Sie
ist nachgewiesenermaßen sehr fehlerträchtig
und bedarf der Korrektur und Ergänzung
durch arbeitsintensivere Methoden.
Rolf H. Latusseck
www.wams.de/data/2005/04/10/671364.html
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| 12. 04.2004 |
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Fish Piracy a Growing
Problem
Although Captain Hook and Bluebeard are
long gone, pirates still sail the high seas
around the world. In addition to hijacking
and stealing from other ships, some of today's
pirates plunder the oceans by illegally
catching and selling finfish and shellfish,
much of which unknowingly ends up on our
dinner tables.
Controlling fish piracy is not a new concern,
according to Jon G. Sutinen, professor of
environmental and natural resource economics
at the University of Rhode Island. As early
as the 15th century, Scotland was policing
its coastal fisheries. But in recent years
the problem has grown considerably as regulations
have increased, fish stocks have become
depleted, and the value of some species
has skyrocketed.
"Illegal, unregulated and unreported
fishing is happening over a large expanse
of ocean by people who are highly mobile
and whose chance of being caught is very
small," said Sutinen. "It's incredibly
difficult to keep violations under control,
especially when Coast Guard resources have
been drawn away by homeland security and
drug interdiction efforts."
Huge illegal trawlers travel the southern
oceans in search of Patagonian toothfish
- known in restaurants as Chilean sea bass
– a species that grows and reproduces
slowly. Abalone poaching in the Pacific
Ocean is tied to international organized
crime in Asia, as is the ornamental fish
trade, which uses people on the edge of
poverty to do the dirty work. "I'm
concerned there's a simmering cauldron of
violations we don't even know about,"
said the Kingston resident who has studied
fisheries compliance and enforcement for
more than two decades. Studies conducted
by Sutinen in the late 1980s and early 1990s
found that millions of dollars of undersized
lobsters were marketed annually along the
coast of the northeastern U.S., and the
region's groundfish fishery exhibited a
Wild West-like environment where the penchant
among fishermen to violate regulations was
great.
"Most fishermen are law abiding, and
some are even altruistic and protective
of the fishery. But for others, it depends
on how well the system is working, and many
believe it's not working," Sutinen
said. "I'm convinced that here in New
England it's just a small number of fishermen
who fish illegally. But those that do are
opportunistic and often well organized.
Some will sell their catch at the back door
of the local tavern." Sutinen estimated
that 15 years ago some six to nine percent
of the fish caught in New England were caught
illegally, and he fears that t he level
of illegal fishing may have grown since
then. "Everything that puts pressures
on fishermen to violate the law has increased:
stricter regulations, deteriorating fish
stocks, a strong market, and skepticism
and anger over management practices."
Sutinen said that heavy-handed, coercive
enforcement measures, while necessary, are
not the only way to strengthen compliance.
Since fisheries enforcement is very expensive
and enforcement capacity low, he recommends
fishery managers do more "compliance
building." "We need to do a better
job of coming up with rules and regulations
that the fishermen understand and accept,"
he said. "We need to explain the basis
for the decisions being made and marshal
some degree of acceptance among the fishermen."
Sutinen believes that giving fishermen
"exclusive use rights" for a particular
area or share of the allowed catch would
go a long way toward encouraging compliance.
"Studies show that by giving them a
greater stake in the fishery, they're more
willing to invest in it and protect it from
being plundered," he said. "Allocating
use rights to a small group would work well
- the fluke fishermen in Rhode Island are
trying to implement this, for instance.
By giving them some authority to manage
the fishery themselves, they'll do so in
a way that best suits the fish, the fishermen
and the state."
Sutinen's current research focuses on trying
to understand why people comply with regulations.
"If we can understand that, we can
make some scientifically sound recommendations
for strengthening compliance," he said.
www.newswise.com/articles/view/510934/
In
Israel wird ein Mittel gegen Quallengift
entwickelt
Israelische Forscher testen, wie man sich
vor den Giftharpunen der Quallen schützt
und wie man sie nützt
Sommer, Sonne, Strand – die halbmondförmig
geschwungene Bucht von Tel Aviv platzt an
heißen Tagen aus allen Nähten.
Bis zur alten Hafenstadt Jaffa drängen
sich im Sommer an der »Copacabana
des Mittelmeeres« die Leiber aneinander.
Doch gerade in Ufernähe lauern knapp
unter der Wasseroberfläche gemeine
Geschöpfe. Steht der Wind ungünstig,
werden die Strände des Heiligen Landes
von einer glitschigen Plage heimgesucht.
Wer schon einmal Bekanntschaft mit giftigen
Quallen gemacht hat, weiß, wie schmerzhaft
eine solche Begegnung sein kann. Jedes Jahr
erleiden schätzungsweise 150 Millionen
Menschen Hautausschläge und Verbrennungen
durch Quallenkontakte. Manchmal enden solche
Berührungen für ahnungslose Schwimmer
sogar tödlich. Das Nervengift der Portugiesischen
Galeere zum Beispiel, ein in warmen Meeren
verbreitetes Hohltier aus der Gattung der
Staatsquallen, wirkt beinahe genauso stark
wie das Gift der Kobra. Nun haben israelische
Wissenschaftler ein Mittel gefunden, das
bis zu zwei Stunden lang Schutz vor Quallenstichen
verspricht.
Das Jordan Valley College von Zemachie
liegt unweit der Stelle, an der sich an
manchen Tagen bis zu 1000 Menschen gleichzeitig
im träge fließenden Jordan taufen
lassen. In einem Flachbau auf dem Campus
hat sich die junge Biotech-Firma NanoCyte
eingemietet. Hier erforscht das Meeresbiologen-Ehepaar
Tami und Amit Lotan die Jagd- und Verteidigungsmechanismen
der Unterwasserwelt und besonders die der
Quallen- und Seeanemonen. In ihrer 700 Millionen
Jahre währenden Evolution haben diese
Weichtiere Nesselkapseln entwickelt, aus
denen sie winzige Giftpfeile direkt in die
Haut abschießen können. Der »Schuss«
der Meduse wird, wie bei der Seeanemone
auch, durch die Berührung mit der Haut
ausgelöst. Die Qualle »erkennt«,
ob es sich bei der Berührung um einen
weiteren Tentakel, um Beute oder einen Feind
wie den Menschen handelt. Menschliche Haut
gibt eine Substanz ab, auf die die Nesselzellenrezeptoren
reagieren. Diese Information wird durch
Botenstoffe an die Nesselkapsel weitergereicht.
Darauf geschieht in der Kapsel Erstaunliches:
In Sekundenbruchteilen entsteht der enorme
Druck von 150 bis 200 Atmosphären –
der 200fache Luftdruck eines Autoreifens.
Das aufgerollte Mikroprojektil in der Nesselkapsel
wird mit dem 40000fachen der Erdbeschleunigung
abgefeuert. Dieser »Kuss der Meduse«
gehört zu den schnellsten Bewegungen,
die je in der Natur beobachtet wurden. Wie
ein Hochgeschwindigkeitsgeschoss durchdringt
die Harpune das Stratium corneum, die widerstandsfähige
Hornschicht der Haut, und das Quallengift
gelangt in die Blutbahn.
»Natürlich kann man mit solchen
Werten die Hornschicht unserer Haut leicht
überwinden«, sagt Tami Lotan.
Innerhalb der mehr als 50000 verschiedenen
Spezies von Seeanemonen, Koral- len oder
Quallen, die solche Pfeile verschießen,
findet sich eine unglaubliche Variation
dieser Nesselkapseln. Einige haben acht
Millimeter lange Injektoren. »Damit
kommen sie bis in den Muskel«, versichert
die kleine, rundliche Mittvierzigerin. Diese
aus Kollagen, einem Gerüstprotein,
bestehenden Injektoren zersetzen sich schon
nach ein paar Stunden und werden vom Körper
abgebaut.
Allerdings gibt es auch Tiere, denen die
giftigen Harpunen nichts anhaben können.
Der aus dem Trickfilm Findet Nemo bekannte
Anemonen- oder Clownfisch wohnt sogar mitten
zwischen den tödlichen Tentakeln der
Seeanemone. Das brachte Tami Lotan und ihren
Mann Amit auf eine Idee: Sie untersuchten
den Schleim auf der Haut des Clownfisches
und fanden darin verschiedene Schutzsubstanzen.
Daraus entwickelten die Forscher eine synthetische
Lotion, die vor dem Angriff der Nesselzellen
schützt. Eine Wasser abstoßende
Komponente der Lotion soll verhindern, dass
die Zellen überhaupt mit der Haut Kontakt
aufnehmen. Weitere Substanzen blockieren
die Sensoren der Zelle, stoppen die Signale
in ihrem Inneren und verhindern so den Druckaufbau
in der Kapsel. Obendrein wurde die Lotion
noch mit einem Sonnenschutzfaktor versehen.
Kein Wunder, dass diese neue Kombination
von Sonnenmilch und Quallenschutz auf reges
Interesse in der Kosmetik- und Pharmaindustrie
stößt. Auch der deutsche Kosmetikriese
Beiersdorf (Nivea) beobachtet die Entwicklung
genau, denn ein zusätzlicher Quallenschutz
in der Sonnenmilch ließe sich sicher
gut vermarkten. Seit etwas mehr als einem
Jahr arbeitet die Hamburger Firma mit Amit
Lotan zusammen. »Es gibt auf dem Gebiet
des Quallenschutzes nicht viele Experten.
Und Amit Lotan ist sicherlich einer davon«,
sagt Martin Sugar, Produktentwickler von
Beiersdorf. »Schon aus diesem Grund
sind seine Forschungsergebnisse für
uns wichtig. Noch warten wir auf genauere
Wirksamkeitsstudien mit unseren Produkten.
Wenn wir Sonnenmilch mit Quallenschutz anbieten,
muss der auch 100-prozentig funktionie-
ren.«
An der amerikanischen Stanford University
wurde die Wirkung der Lotion bereits überprüft.
24 Freiwilligen wurden 45 Minuten lang Quallententakel
auf die Unterarme gelegt, die zuvor bei
der Hälfte der Gruppe mit Quallenschutz
präpariert worden waren. Während
bei allen ungeschützten Probanden Rötungen,
Hautausschläge und Schwellungen auftraten,
konnten die Hautärzte bei den zwölf
Freiwilligen, die den Quallenschutz erhalten
hatten, keinerlei sichtbare Veränderungen
feststellen. Lediglich zwei der Teilnehmer
berichteten von »mildem Unwohlsein«.
»Zwar konnte die Salbe Quallenstiche
nicht vollständig verhindern«,
berichtet Alexa Kimball, Hautärztin
und Direktorin für klinische dermatologische
Studien an der Universitätsklinik,
»aber selbst wenn die Creme keinen
100-prozentigen Schutz gewährleistet,
ist mir persönlich etwas Schutz lieber
als gar keiner.« Die amerikanische
Gesundheitsbehörde FDA hat den Quallenschutz
schon zugelassen. Auch in Deutschland, Österreich
und der Schweiz kann man die Creme in der
Apotheke kaufen.
Bei der Erforschung der Nesselzellen kam
Tami Lotan eine weitere gute Idee: Könnte
man die Injektoren von Seeanemonen mit Medikamenten
laden, um sie durch die Hornschicht der
Haut hindurch in den Körper zu schießen?
In ihrem Labor melken die Wissenschaftler
heute aus den Tentakeln gezüchteter
Seeanemonen Millionen Nesselkapseln. Gereinigt,
vom Gift befreit und mit einem Medikament
neu geladen, sind sie das ideale Vehikel,
um Wirkstoffe punktgenau anzuwenden. Denn
selbst sterilisiert und in Puderform behalten
diese Kapseln beim Kontakt mit der Haut
die ganz besondere Fähigkeit des enormen
Druckaufbaus. Während sich der Druck
aufbaut, strömt die mit dem Medikament
versetzte Umgebungsflüssigkeit in die
Kapsel und lädt den abschussbereiten
Injektor.
»Wir sind daran gewöhnt, eine
Pille zu nehmen, und haben dann das Medikament
überall im Körper. In der Leber,
der Niere – obwohl wir es dort gar
nicht haben wollen«, sagt Lotan. »Die
andere Option wäre eine Salbe. Denn
wenn wir die Hornschicht überwinden,
sind wir bereits im Körper.«
Das Forscherpaar hat bereits mit der Entwicklung
eines lokalen Betäubungsmittels angefangen:
»Einfach die Salbe auf die Haut, fünf
Minuten warten, und die Betäubung setzt
ein. Fünf Minuten, und Sie können
an der Hautstelle operieren.« Betäubende
Cremes und Pflaster, die heute verfügbar
sind, entfalten ihre Wirkung innerhalb einer
Stunde. Die bis zu 500000 Nano-Injektoren,
die pro Quadratzentimeter in die Haut eindringen
können, applizieren den Wirkstoff viel
genauer und effizienter als herkömmliche
Methoden. Erste israelische Untersuchungen
mit 50 Freiwilli | | | | |