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Top news aus Forschung und Umwelt

 
 
30.03.2005  
Fische schweben scheinbar mühelos Foto: MCEscher

Wie Fische schweben
Forscher erkunden Entstehung der Schwimmblase

Forscher aus Großbritannien haben die Evolution der Schwimmblase erkundet. Vier Elemente mußten zusammengefügt werden, damit Fische im Wasser schweben können. In der aktuellen Ausgabe von "Science" berichten die Wissenschaftler darüber.

Sich wie ein Fisch im Wasser zu bewegen, ist gar nicht einfach, selbst wenn man für eine vernünftige Sauerstoffversorgung gesorgt hat. Denn auch unter Wasser fordert die Schwerkraft ihren Preis. Körper, die schwerer als Wasser sind, sinken zu Boden. Fische haben in ihrer Schwimmblase ein Mittel gefunden, im Wasser zu schweben. Die einfachste Variante hat etwa der Hering. Er muss regelmäßig an die Oberfläche und Luft schnappen, um die Schwimmblase wieder aufzutanken. Der entscheidende Durchbruch gelang daher, als die Schwimmblase mit Sauerstoff aus dem Blutkreislauf aufgefüllt werden konnte. Das Verfahren ist jedoch technisch anspruchsvoll. Michael Berenbrink, Zoologe im englischen Liverpool: "Mit zunehmender Tiefe wird der Wasserdruck, der auf dem Fisch lastet, enorm groß, er erreicht über 100 Atmosphären. Diese Fische haben einen Mechanismus entwickelt, Gas gegen diesen enormen Druck in ihre Schwimmblase zu pressen."

Berenbrink wollte mit 50 verschiedenen Fischarten herausfinden, wie sich dieses Organ herausgebildet hat. An Anfang stand dabei der rote Blutfarbstoff. Alle Fische verfügen über eine Hämoglobinvariante, die Sauerstoff im Vergleich zum Hämoglobin der Landwirbeltiere besonders leicht abgibt. Der nächste Schritt in der Evolution war vor 250 Millionen Jahren die Entstehung eines engmaschigen Adergeflechts, bei dem das Blut in Arterien und Venen im Gegenstromprinzip aneinander vorbei fließt. Dabei entstehen hohe Sauerstoffkonzentrationen, die zunächst einmal den besonders empfindlichen Augen zugute kamen. Parallel hatten die Fische eine primitive Form der Lunge entwickelt, die von manchen Arten auch schon zur Regelung des Auftriebs verwendet wurde. Damit waren die wichtigsten Bausteine der Schwimmblase vorhanden. Vier Fischgruppen kombinierten sie unabhängig voneinander und konnten so erstmals die Schwimmblase unter Wassern füllen. Damit war der Lebensraum Tiefsee freigegeben, außerdem mussten die Fische nicht mehr ständig mit den Flossen um Auftrieb rudern.

Die Schwimmblase ist ein entscheidender Vorteil im Kampf ums Überleben. Denn die Fische können mit den Flossen, die nicht mehr rudern müssen, verfeinerte Bewegungen steuern. "So etwas", so Berenbrink, "sieht man beispielsweise bei heutigen Korallenfischen, die sich durch sehr enge Nischen hindurchmanövrieren können." Andere Gruppen, wie die Elefantenfische in Afrika können mit Hilfe der Schwimmblase kommunizieren. Berenbrink: "Sie erzeugen Laute und Schwimmblasen erlauben eine Verstärkung dieser Schallwellen, so dass sie besser hören können."
[Volkart Wildermuth]
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/358167

Aufgepumpte" Schwimmblase hält Fische in der Tiefe

Mithilfe einer Schwimmblase können Fische bewegungslos in unterschiedlichen Tiefen treiben. Wissenschaftler der Universität Liverpool haben jetzt aufgedeckt, wie Fische ihre Schwimmblase auch in größeren Tiefen unter hohem Außendruck mit Gas gefüllt halten können.
http://www.g-o.de/index.php?cmd=wissen_details&id=2573&datum=2005-03-22

Wie der Fisch sich gegen das Fangen wehrt

Die größte Gefahr, die einem Fisch heutzutage droht - egal in welchem Ozean - ist der Mensch mit seinen Fischernetzen. Kleine Fische schwimmen einfach durch die Maschen hindurch. Große bleiben hängen und enden auf irgendeinem Teller. Je größer aber die Gefahr für eine Art, um so intensiver sucht die Natur nach Auswegen. Sie strebt danach, "dem Selektionsfaktor auszuweichen", wie das in der Sprache der Evolutionsbiologen heißen. Für die Fische bedeutet das: klein bleiben, bloß nicht wachsen. In den Weltmeeren schwimmen deshalb von Jahr zu Jahr kleinere Fische.
http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1530537,00.html

Biologischer Kleber heilt Algenzellen

Die Grünalge Caulerpa taxifolia, die mittlerweile riesige Bereiche des
Mittelmeers erobert hat, ist eine wahre Meisterin der Selbstheilung.
http://www.vistaverde.de/news/Wissenschaft/0503/22_algen.php

 

 
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26.03.2005  

Octopus mit aufrechtem Gang

Tintenfische können sich auf zwei Armen gehend fortbewegen. Das berichten Forscher aus den USA und Indonesien in "Science". Bisher dachten Wissenschaftler, der Gang auf zwei Beinen sei Lebewesen vorbehalten, deren Muskeln mit einem stützenden Skelettsystem verbunden sind. Die Tintenfische verlassen sich aber nur auf ihre beweglichen Muskeln, unterstützt von einer Flüssigkeit darin. Die Fortbewegungsart könnte ein Vorbild werden, um elastische Roboter zu konstruieren, sagen die Forscher.

Bei zwei Tintenfischarten hatten die Wissenschaftler den zweibeinigen Gang beobachtet, bei Octopus (Adopus) aculeatus aus Australien und bei Octopus marginatus aus Indonesien. Die Tiere rollen oder knicken ihre zwei Laufarme abwechselnd, so daß immer ein Teil davon auf dem Meeresgrund aufliegt. Auf diesem gleiten sie dann ähnlich einem Kettenfahrzeug über den Boden. Sie können so vor Feinden fliehen und sich gleichzeitig mit den verbleibenden sechs Armen tarnen.
http://www.welt.de/data/2005/03/26/617610.html

Octopuses Walk on Two Arms:

Two octopus species can walk on just two arms, and they appear to use the other six arms to disguise themselves -- either as rolling coconuts or clumps of floating algae, according to a new "Brevia" article. Before Christine Huffard and colleagues had observed this fancy octopus footwork, walking on two limbs was thought to be restricted to creatures with muscles attached to bones or other skeletal structures. Instead of muscles and bones, the small octopuses from Australia and Indonesia rely on flexible muscles supported by the fluid inside them. Using underwater video footage, the authors analyzed the arm movements of the "coconut octopus," Octopus marginatus, whose body is roughly the size of a small apple, and the "algae octopus," Octopus aculeatus, a species with walnut-sized bodies. The regular motions of the arms and the amount of time each arm spends in contact with the sandy ocean floor qualify both of these creatures as official two-limbed walkers that perform "bipedal
locomotion," the authors say. The tiptoeing is different enough from the traditional octopus crawl that it may allow octopuses to move without alerting predators of their presence.

ARTICLE #12: "Underwater Bipedal Locomotion by Octopuses in Disguise," by C.L. Huffard and R.J. Full at University of California- Berkeley in Berkeley, CA; F. Boneka at Universitas Sam Ratulangi in North Sulawesi, Indonesia

 
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22.03.2005  

Das zerstörte Taucherparadies
Die Unterwasserwelt der Malediven nach dem Tsunami

Schon allein die Postkartenansicht ließ die Touristen in Scharen hierher strömen. Die Malediven liegen im indischen Ozean: 26 Atolle, über 1300 Inseln, mit Kokosnuss-Palmen und weißem Sandstrand, der kräftiger strahlt als die Sonne.
Ein Paradies aber auch unter Wasser - die Korallenriffe lockten Taucher und Schnorchler aus aller Welt. Doch auch hier hat der Tsunami gewütet und auf dem makellosen Urlaubsbild seine Spuren hinterlassen. Wer in das 27 Grad warme Wasser eintaucht, entdeckt eine eigene Welt mit Tausenden von Meerestieren: die Welt der Korallenriffe.

Schillernde Fischschwärme, Schildkröten oder tanzende Mantas - hier kann man den Reichtum eines Riffes hautnah erleben. Doch nur einige Meter weiter bietet sich ein ganz anderes Bild: verdorrte Steinwüsten statt lebendiger Wasserwelt, karger Felsen, der keinem Lebewesen mehr Halt gewährt. Man muss tief tauchen, um die Zerstörung wirklich zu sehen und zu begreifen, denn die blaue Wasseroberfläche liegt ganz still da, so, als wäre hier nie etwas geschehen.

Die tödliche Welle entfaltete ihre ganze Kraft zwar erst an den Küsten, doch die flachen Inseln hat sie fast allesamt überspült und viele der feinen Korallen konnten der Kraft des Tsunami nicht stand halten. Fast schon skurril ist das Bild für die Taucher in der Region. Sie tauchen erst durch das Paradies und schwimmen dann in die zerstörten Riffe. Leer und kahl ist es hier, fast schon gespenstisch.

Das einstige Mekka für Taucher und Sonnenhungrige scheint leer, nach dem Tsunami sind die Buchungen für die Region stark zurück gegangen. Für viele Malediver bedeutet das den Verlust ihrer Existenz; fast 70 Prozent der Einnahmen des Landes schöpfte die Inselgruppe aus dem Tourismus. Die meisten Menschen hier unterhalten Pensionen oder Hotels, viele arbeiten als Kellner, Koch oder Tauchlehrer. Vor allem die zahlreichen Korallenriffe zogen Scharen von Tauchern auf die Inselkette.

Wenn die Touristen nun auf Dauer ausbleiben, bedeutet das für die Einheimischen eine weitere Katastrophe. Auf den Malediven ist von der internationalen Fluthilfe noch nicht viel angekommen. Viele Hotelanlagen konnten noch nicht wieder aufgebaut werden. Und auch wenn die Malediven das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Länder Südasiens haben: Die Flut hat auch sie hart getroffen. Die Menschen brauchen die Touristen, um wieder auf die Beine zu kommen. Und so wurde als erstes der überspülte Inselflughafen wieder in Stand gesetzt.

Mit den Korallenriffen geht das leider nicht. Ein zerstörtes Riff kann man nicht ersetzen. Die gebirgsartigen Riffe, die vielen Unterwasserlebewesen einen Lebensraum bieten, brauchen Jahrhunderte, um zu wachsen. Aber es gibt sie noch, die bunte Unterwasserwelt, in der tanzende Mantas an bunten Korallengärten vorbei schwimmen und ab und zu ein dicker Schildkrötenpanzer sich geschickt durch die engen Gassen des Korallenlabyrinths windet. Die Unterwasserlandschaft der Malediven ist immer noch ein Paradies - ein Paradies, das unter der Kraft der Welle fast zerbrach.
ZDF.de:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/3/0,1872,2277251,00.html

Großbritannien veröffentlicht Bericht zur Meeresbiotechnologie

In dem von der Marine Biotechnology Group des Foresight Marine Panel (FMP) in Auftrag gegebenen und vom britischen Ministerium für Handel und Industrie (DTI) finanzierten Bericht über Meeresbiotechnologie wird ein koordinierterer Ansatz in Großbritannien gefordert, um die Vorteile dieses sich schnell entwickelnden Sektors optimal nutzen zu können.

Nach Aussage des Berichts mit dem Titel 'The Prospects of Marine Biotechnology Development in the UK' stellt die Meeresbiotechnologie einen der aufregendsten neuen Technologiesektoren dar mit einem globalen Marktwert von 2,4 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) im Jahr 2002 und einer prognostizierten Wachstumsrate von über zehn Prozent jährlich.

Quelle: Britisches Ministerium für Handel und Industrie (DTI)
Der vollständige Bericht kann unter http://www.dti.gov.uk abgerufen werden.

Der Dreck kommt von hoher See

EU-Abgeordnete fordern eine drastische Reduzierung von Schwefel im Kraftstoff für Schiffe. Denn deren Sprit enthält 500-mal mehr Schwefel als der für Kraftfahrzeuge. Doch sauberer Diesel ist teurer als normaler - und die Lobby der Reedereien groß.

Schiffsmotoren sind Dreckschleudern: Sie pusten besonders viel Schwefeldioxid aus dem Schornstein - ein giftiges Gas, das die Lunge schädigt, Gebäude zerfrisst und Wälder durch sauren Regen sterben lässt. Der Schwefelgehalt im Schweröl, das die Schiffe tanken, soll nach dem Wunsch von EU-Parlamentariern gesenkt werden: von derzeit etwa 3 Prozent auf 0,5 Prozent. Heute berät der Umweltausschuss des Parlaments über eine entsprechende Gesetzesvorlage, die die grüne finnische Europa-Abgeordnete Satu Hassi formuliert hat.

Auch im gesamten Parlament, das im April darüber befinden wird, zeichnet sich eine Mehrheit für den strengen Grenzwert ab. EU-Kommission und EU-Umweltminister liegen mit dem Parlament bei der Binnenschifffahrt auf gleicher Linie. Für den inländischen Schiffsverkehr soll der Schwefelgehalt auf 0,1 Prozent gedrückt werden. Aber im internationalen Fährverkehr zwischen EU-Häfen und auf Nord- und Ostsee soll der Wert viel höher sein: 1,5 Prozent.

Wenn dies verwirklicht würde, wären in zwölf Jahren die Schiffe die größten Schwefeldioxidschleudern in Europa. Derzeit sind es noch die Kohle- und Ölkraftwerke. Doch dank Rauchgasentschwefelung und anderer Technik werden die immer sauberer.

Allerdings haben Reeder und Transportwirtschaft eine starke Lobby. Und der ist sauberes Schweröl zu teuer. Jetzt kostet eine Tonne Schweröl etwa 200 Dollar. Schwefelarmes würde 50 bis 90 Dollar pro Tonne mehr kosten. Technisch ist es kein Problem, in Raffinerien schwefelarmen Schiffstreibstoff herzustellen.

Bei Kraftstoffen für den Straßenverkehr ist diese Hürde längst genommen. Der maximale Gehalt bei Kfz-Diesel liegt bei 50 ppm (parts per million). Ab 2009 sind nur noch 10 ppm zulässig. Bei Schiffsschweröl liegt der Wert über 500-mal höher als bei Kraftfahrzeugdiesel.

Die schwedische Nichtregierungsorganisation "Secretariat of Acid Rain" hat ausgerechnet, was der Vorschlag der EU-Parlamentarier von 0,5 Prozent Schwefelgehalt im Schweröl kosten und nutzen würde. Dabei standen die höheren Kosten für sauberes Schweröl den Einsparungen beim Gesundheitswesen und im Bausektor gegenüber. Fazit: Es ist in der Gesamtrechnung billiger, die scharfen Grenzwerte einzuführen. Und das, obwohl die Umweltkosten wie Waldschäden und die Restaurierung von hochrangigem Kulturerbe wie Kölner Dom oder Akropolis nicht einmal mit eingerechnet wurden.

EU-weit hat die schwedische NGO den Nutzen für das Jahr 2020 auf 12 Milliarden Euro berechnet bei Kosten zwischen jährlich 1,6 bis 5,4 Milliarden Euro - ein Kosten-Nutzen-Faktor zwischen 2,2 und 7,5. Am profitabelsten wäre die Schwefeldioxid-Reduktion für die Mittelmeerregion, die derzeit von der EU-Kommission ganz ausgeklammert ist. Es folgen nordöstlicher Atlantik, Nordsee und die Ostsee, die wegen dünn besiedelter nördlicher Anliegerstaaten "nur" bei Faktor 2,8 landete.

Was diese Analyse vor allem wichtig macht, ist die Tatsache, dass die EU-Kommission und der Rat der Umweltminister die Parlamentsforderung nach drastischer Schwefelreduktion gerade mit Hinweis auf fehlende Kosten-Nutzen-Analysen abgewiesen haben.
REINHARD WOLFF
www.taz.de/pt/2005/03/15/a0138.nf/text

 
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21.03.2005  

Großes Erholungspotential für den Grönlandkabeljau

Die letzte Grönlandfahrt des deutschen Fischereiforschungsschiffes „Walther Her-wig III“ im Herbst 2004 zeigte: Es gibt wieder mehr Jungkabeljau vor Grönland.

Der vor 30 Jahren kollabierte Kabeljaubestand in den Seegebieten um Grönland scheint sich zu erholen. In den Nachkriegsjahren wurden die seinerzeit ertragrei-chen Fanggründe um Grönland insbesondere von deutschen Fischern erschlos-sen. Die Bestände an Kabeljau schrumpften aber aufgrund von Überfischung und einer für das Fischwachstum ungünstigen Kälteperiode in den 70er Jahren. Der Kabeljau war in den letzten 30 Jahren so unproduktiv, dass die Flotten die Fang-gründe um Grönland nur noch gelegentlich aufsuchten.

Bei den jüngsten Untersuchungen überwogen die einjährigen Kabeljaue im Fang und waren weit über die schmalen Schelfgebiete Grönlands verteilt. Nach den Berechnungen der Bundesforschungsanstalt für Fischerei erreichten diese Einjährigen des Jahrgangs 2003 70 % der Bestandsgröße des herausragenden Geburtsjahrganges 1984 (Abb.2). Deshalb lässt sich gegenwärtig ein ähnlich gutes Entwicklungs- und Ertragspotential wie beim Jahrgang 1984 prognostizieren, der Ende der 80er Jahre für große Fangerträge sorgte (170.000 t). Der grönländische Kabeljau hat sich vermutlich deshalb so gut erholt, weil Kabeljaubrut (Eier und Larven) des benachbarten Islandbestands mit der Meeresströmung nach Grönland verdriftet wurde. Der Kabeljau profitiert auch von der anhaltenden Wiedererwär-mung des Meeres, die die Entwicklung des Kabeljaus und seiner Nahrung positiv beeinflusst.

Trotz der langjährigen desolaten Bestandssituation gilt der grönländische Kabeljau als selbsterhaltender Bestand, der nur selten vom Jungfischaufkommen um Island profitiert. Es gilt jetzt, das günstige Jungfischaufkommen für eine Regeneration des grönländischen Kabeljaubestands zu nutzen und Überfischungsfehler der Vergan-genheit zu vermeiden. Daher muss möglichst rasch ein mehrjähriger Wiederauf-bauplan für den Grönlandkabeljau entwickelt werden, der erforderliche Bewirt-schaftungsmaßnahmen und die Begrenzung des Fischereiaufwands vorschreibt.

Als kritisch für den Kabeljaunachwuchs erweist sich auch die Fischerei auf den begehrten Tiefseegarnelenbestand im Bereich Grönlands. Der Jungfisch droht als Beifang in den engmaschigen Netzen zu verenden. Außerdem betrachtet die Gar-nelenfischerei den jungen Kabeljau als unliebsamen Konkurrenten, da der starke Nachwuchsjahrgang große Mengen der wertvollen Garnelen fressen könnte.

Deutschland sollte seinen Einfluss als EU-Mitgliedsstaat nutzen, um über die Fi-schereiverträge zwischen der EU und Grönland auf die Managementpläne Grönlands einzuwirken.
www.bufo.de

 
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20.03.2005  

Erneute Massenstrandungen von Walen und Delphinen nach Militärmanövern

NATO bereitet dennoch neue Militärübung auf den Kanarischen Inseln vor

Vergangene Woche strandeten an Floridas Küste über 60 seltene Rauzahndelphine. Zeitgleich hatte ein U-Boot der US-Navy dort eine militärische Sonar-Übung durchgeführt. Ein Teil der Tiere konnte zur Pflege in veterinärmedizinische Stationen gebracht werden, viele Delphine verendeten aber noch an Ort und Stelle. Bereits im Januar 2005 strandeten an der Ostküste der USA, im Bundesstaat North Carolina, 37 Grindwale. Auch diesem Ereignis war ein Militärmanöver der US-Navy vorausgegangen, bei dem ein Sonar-System getestet wurde.

Experten zufolge werden die Strandungen unmittelbar mit den Manövern in Verbindung gebracht. Starke Sonarwellen zerstören die sensiblen Gehörorgane der Meeressäuger. Aufgrund des hohen Schalldrucks erleiden sie Verletzungen, werden orientierungslos und stranden schließlich oder sterben auf hoher See. Die US-Navy weist einen Zusammenhang zwischen ihren Tests und den Strandungen als "unwahrscheinlich" zurück. Doch die amerikanische Regierung prüft nun eine mögliche Verbindung. Für Fabian Ritter, Biologe vom Berliner M.E.E.R. e.V., der sich für den Schutz von Walen und Delfinen einsetzt, bestehen kaum Zweifel: "Das mittelwellige Sonar hat direkte Auswirkungen auf Meeressäuger und ist besonders für die empfindlichen Schnabelwale oft tödlich. Neu ist, dass nun auch Rauzahndelphine und Grindwale betroffen waren."

Massenstrandungen von Walen in Zusammenhang mit Militärmanövern nehmen seit Jahren an Häufigkeit zu. 1998 strandeten nach Sonar-Tests der US-Navy auf den Bahamas mehr als 15 Wale. Aufgrund der Ergebnisse von Untersuchungen unabhängiger Wissenschaftler musste die Navy die Schuld am Tod der Wale letztendlich einräumen. Ähnliche Strandungen ereigneten sich nach Sonar-Übungen der NATO im September 2002 und im August 2004 auf den Kanarischen Inseln. Auch hier wiesen die Kadaver der gestrandeten Tiere starke Blutungen im Gehirn und im empfindlichen Innenohr auf. In der Folge sprach die Kanarische Regierung ein Verbot für derartige Manöver in ihren Gewässern aus, die für ein hohe Dichte an Walen und Delphinen bekannt sind. Dieser Tage wurde aber bekannt, dass die NATO auf den Kanarischen Inseln für Ende März ein zweiwöchiges Manöver vorbereitet, bei dem möglicherweise wieder dieselben Sonargeräte zum Einsatz kommen.

"Wale und Delphine leben in einer Welt des Schalls. Der Lärm, der durch Militär, Schiffe, Bohrinseln und seismische Messungen generiert wird, hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Moderne Sonargeräte erreichen Lautstärken, die mit jenen einer startenden Mondrakete vergleichbar sind. Bei derart massiven akustischen Eingriffen unter Wasser ist eine direkte Schädigung der Tiere unvermeidlich. Es ist höchste Zeit, vorbeugend und nachhaltig zu handeln und nicht erst zu reagieren, wenn es zu spät ist", so Jörg Dürr-Pucher von der Deutschen Umwelthilfe.

Es hat sich bereits eine europäische Koalition von 52 Nichtregierungsorganisationen formiert. Auf Druck der ECSO hat das EU-Parlament im Oktober 2004 eine Resolution verabschiedet, die ein Moratorium für den Einsatz von Militärsonarsystemen vorsieht. Für OceanCare ist dieser Entscheid ein wichtiger Schritt in Richtung einer künftigen Regelung des Unterwasserlärms in den Weltmeeren. Die Planung des neuen Manövers macht aber deutlich, dass es mit Resolutionen nicht getan ist. Es ist an der Zeit, dass die NATO den Empfehlungen der EU, der IUCN (The World Conservation Union) und der Internationalen Walfang Kommission (IWC) Gehör schenkt.

Über ECSO: Die 'Europäische Koalition für lärmfreie Ozeane' (European Coalition for Silent Oceans) kämpft auf politischer Ebene gegen den Lärm unter Wasser. Sie wurde 2002 gegründet und zählt heute bereits 52 Partnerorganisationen aus 16 Ländern (Schweiz, Italien, England, Schottland, Belgien, Deutschland, Frankreich, Finnland, Spanien, Slovenien, Grie-chenland, Dänemark, Österreich, Rumänien, Bulgarien und Israel).
www.silentoceans.org

 
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19.03.2005  

Verlorene Stadt am Meeresgrund
US-Forscher finden neues Ökosystem am mittelatlantischen Rücken

Auf einer Expedition zum Atlantis-Bergmassiv haben US-Wissenschaftler 2000 ein bisher unbekanntes Ökosystem der Tiefsee entdeckt, die so genannten weißen Raucher. Hochhaushohe, weiße Kamine erheben sich dort über einen auf den ersten Blick recht öden Meeresgrund: Lost City war entdeckt. Und damit sahen die Geologen auch erstmals, wie sich sozusagen live vor ihren Augen eine wichtige Lagerstätte bildet: Denn dort entsteht Serpentinit, ein bedeutender Schmuckstein für Wandverkleidungen.

Es ist Downtown in der Tiefsee: Über dem Meeresboden erheben sich weiße Hochhäuser, Turmspitzen wachsen hoch hinauf. In sanft gewellten Ebenen öffnen sich spektakuläre Höhlen, dazwischen schießen überall weiße "Pilze" aus dem Boden: Lost City ist eine bizarre Landschaft aus Kalk. Die "Verlorene Stadt" liegt am Atlantis-Massiv, einem submarinen Gebirge am mittelatlantischen Rücken, wo die Meereskruste auseinanderreißt:

Durch dieses Zerreißen gelangen dort Gesteine an die Oberfläche, die aus acht Kilometern Tiefe stammen. Diese Gesteine sind im Erdmantel entstanden, bei hohen Drücken und Temperaturen. Kommen sie mit dem kalten Meerwasser in Kontakt, laufen sofort chemische Reaktionen ab: Die Minerale nehmen Wasser auf, wandeln sich in Serpentinit um, und dabei entsteht Wärme.

Deborah Kelley von der Universität von Washington in Seattle. Durch die chemischen Prozesse erwärmt sich das Wasser auf 40 bis 80 Grad. Es schleppt Unmengen an gelöstem Kalk, Wasserstoff und Methan hinauf und speist die warmen Quellen.

Wenn dieses kalkbeladene Wasser auf das kalte Meerwasser trifft, fallen Kalkkristalle aus. Weiße Kamine aus Kalkstein entstehen.

Die Kristalle formen pittoreske, bis zu 60 Meter hohe Gebilde, drapieren sich wie Vorhänge um ein nahes Kliff. Lost City ist sozusagen der Gegenpol zu einem verwandten Phänomen: den berühmten Black Smokern.

Black Smoker entstehen in Verbindung mit Vulkanismus, wenn kaltes Meerwasser in den Ozeanboden dringt. Es wird auf 400 Grad aufgeheizt. Vulkanische Gase lösen sich darin, das saure Wasser löst die Mineralien und steigt mit Metallen, Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid beladen auf. Beim Kontakt mit dem Meerwasser fallen schwarze, schwefelhaltige Minerale aus, die Kamine der Black Smoker wachsen.

Black Smoker "leben" nur wenige Tausend Jahre. Unter Lost City hingegen läuft die chemische Reaktion schon seit 30.000 Jahren. Und es dauert noch sechs Millionen Jahre, ehe das Atlantis-Massiv komplett zu Serpentin verwandelt ist. Das ist nur ein Unterschied. Black Smoker sind als reiche Lebenswelt mit hitzeliebenden Mikroben, mit Krebsen und Röhrenwürmern bekannt. Die leben, unabhängig von der Sonne, vom Kohlendioxid und Schwefelgasen aus dem Untergrund. Auch in Lost City gibt es Leben, das rein von der chemischen Energie abhängt - aber anders:

Die Mikro-Organismen, die in den Kalkkaminen leben, haben ihren Stoffwechsel auf eine Umgebung abgestimmt, die so basisch ist wie Natronlauge. Sie nutzen den Wasserstoff und das Methan, das bei der Umwandlung des Mantelgesteins zu Serpentinit entsteht.

Im Wasser von Lost City schwimmen Mikroorganismen in riesigen Mengen. Aber ihre Vielfalt ist gering: Alle gehören zu einer Handvoll methanliebender Mikroben. Und draußen, an den Kaminen, bilden die Einzeller Kolonien: Sie sehen aus wie durchsichtiger Seetang, der sich in der Strömung wiegt.

Wir finden auch Tiere, die aber - anders als an den Black Smokern - sehr klein sind, meist kleiner als ein Zentimeter. Die meisten Tiere haben zudem durchsichtige oder durchscheinende Schalen, so daß sie schwer zu erkennen sind. Besonders cool finden wir, daß die Vielfalt der Tiere sehr groß ist, größer als bei den Black Smokern, obwohl es jeweils nur wenige Individuen gibt.

Wie es sich für Downtown gehört, leben in Lost City Individualisten. Warum ist noch unklar. Noch ist kein zweites Lost City entdeckt - aber die Gesteine, die heute dort entstehen, bildeten sich schon, als die Erde noch jung war. Damals glich der ganze Ozeanboden chemisch den Gesteinen, die am Atlantis-Massiv mit dem Meerwasser in Kontakt kommen. Was heute unter Lost City passiert, gab es damals überall. Die Forscher hoffen deshalb von Lost-City viel über das frühe Leben zu lernen.
Deutschlandfunk: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/353344/
http://www.wissenschaft.de/wissen/news/249830.html

Mehr Grün: Plankton legt wieder zu

Die Weltmeere werden wieder grüner, hat ein amerikanisches Forschertrio ermittelt. Von 1998 bis 2003 ist die Konzentration einzelliger Meeresalgen demnach global um 4 Prozent gestiegen. Vor allem in Küstenregionen legte das Phytoplankton zu, im offenen Wasser wurde es dagegen seltener.
http://www.scienceticker.info/news/EEpAAukFpFobNebNdm.shtml

 
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15. 03.2005

 

Nach dem Tsunami: Geisternetze bedrohen Meerestiere

Der Tsunami vom 26. Dezember 2004 war wohl die schrecklichste Naturkatastrophe in der Geschichte der Menschheit. Schätzungsweise 250 000 Tote, viele Millionen Obdachlose. Aber auch die Umwelt hat schlimm gelitten. Freigesetzte Giftstoffe, mit Salz verseuchte Grundwasservorräte, Brunnen und Felder.

Darüber hinaus berichtet jetzt die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), unter Berufung auf Experten der UN-Umweltorganisation UNEP, von einem weiteren gewichtigen Problem, das bisher unbeachtet war. Danach hat der Tsunami Hunderttausende Fischernetze, Langleinen, Fischfallen und anderes Fischereigeschirr in den Ozean gespült. Die genaue Zahl wird sich nie feststellen lassen, aber allein im Jemen, der relativ weit vom Epizentrum des Erdbebens entfernt liegt, wurden etwa 10 000 Netze ins Meer gerissen.

"Das ist wie eine Zeitbombe. Die Netze werden durch die Ozeane treiben und Meerestiere wie Fische, Wale und Delfine, Schildkröten oder Seevögel bedrohen", sagt Petra Deimer, Vorsitzende der GSM, "was sich einmal in dem Gewebe verfängt, kommt nicht mehr frei und muss erbärmlich verhungern oder ersticken."

Die Netze und anderen Fanggeräte sind aus modernen synthetischen Materialien hergestellt und praktisch unverwüstlich. Über Jahrzehnte werden sie, von Strömungen verteilt, durch die Ozeane geistern, Tiere töten, sich um Schiffsschrauben wickeln und Strände verschmutzen. Jedes einzelne Netz, so sagen die UNEP-Experten, wird als "Killing Machine" schätzungsweise hunderttausend Fische das Leben kosten, bis es nach vielen Jahren zerfällt.
http://presseportal.de/story.htx?firmaid=51860
GSM (Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e.V.)

Tiefsee: Auf der Suche nach den Tintenfischen

Ein Kieler erforscht das Leben an den Bergen in den Meeren. Auf einer Fahrt zum Mittelatlantischen Rücken entdeckte er eine neue Tintenfischart.

Nichts als weiße Punkte flimmern über den Bildschirm - doch dann: Ein weißer Tintenfisch schwimmt zielstrebig auf uns zu, stoppt ab und guckt uns an. "Das ist doch sensationell, wie neugierig diese Tiere der Finsternis sind", kommentiert Dr. Uwe Piatkowski die Videobilder, die in rund 2700 Meter Tiefe am Mittelatlantischen Rücken entstanden sind. "Das sind wahre Glücksmomente für einen Meeresbiologen", schwärmt der Wissenschaftler, der am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (Ifm-Geomar) arbeitet.

Im Juni vergangenen Jahres hat er an der Expedition zum Mittelatlantischen Rücken teilgenommen. Gemeinsam mit 60 Kollegen aus 13 Ländern erkundete er das größte untermeerische Gebirgssystem im Ozean. Achtzigtausend Fische, Tintenfische, Quallen und andere Meeresbewohner holten sie mit ihren Netzen aus 2000 bis 3000 Meter Tiefe. Allein 180 Fischarten und 50 Tintenfischarten - unter ihnen wohl drei bislang unbekannte Spezies - landeten an Deck des norwegischen Forschungsschiffes "G.O. Sars". "Noch lagern die Tiere in Bergen. Sie müssen bis zum Kongreß im Juni dieses Jahres in Lissabon beschrieben werden", sagt der Tintenfischexperte, der bereits in der Antarktis zwei neue Arten gefunden hat. Diese wurden sogar nach ihm benannt: So heißt eine Warzenkrake "Adelieledone piatkowski" und eine Flügelschnecke "Clio piatkowskii".

"Die beiden Tiere habe ich auf zwei meiner insgesamt sieben Schiffsreisen in die Antarktis aus dem Weddellmeer gefischt", erzählt der Forscher, den es immer wieder auf die See hinaustreibt. Seine drei Kinder und seine Frau hätten sich an sein unruhiges Leben gewöhnt, beteuert der Meeresforscher und fügt hinzu: Die Reisen in entlegene Ozeane seien nun einmal das Spannendste an der Meeresforschung, die ihn seit Beginn seines Studiums in Kiel immer fasziniert habe. "Ich will wissen, wie das Meer funktioniert. Wie leben die Tiere? Wer frißt wen? Welche Folgen haben die Eingriffe des Menschen?"

Die Eingriffe der Forscher sind behutsam. "Bevor wir unsere Netze ausbringen, kartieren wir den Meeresboden mit Hilfe des Echolots", erzählt Uwe Piatkowski. So entsteht ein dreidimensionales Profil des Meeresbodens. Anhand dieses Profils legen die Forscher dann fest, wo sie ihre Netze ausbringen wollen.

Oft schicken sie auch noch einen kleinen, unbemannten Tauchroboter mit einer Kamera in die Tiefen hinunter, der nur mit einem Stahlseil und einem Übertragungskabel mit dem Forschungsschiff verbunden ist. "Es ist natürlich wunderschön, wenn man die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten kann", schwärmt der Forscher und fügt hinzu: "Doch wir müssen einige von ihnen fangen, um sie zu messen, zu wiegen, zu fotografieren und letztlich bestimmen zu können." Allerdings rauschen die Netze erst in die Tiefe, wenn das Echolot bestätigt, daß dort wirklich Tiere schwimmen.

Im Unterschied zu manchen Fischern raspeln die Wissenschaftler mit ihren Netzen auch keine Lebensgemeinschaften von den Hängen der untermeerischen Gebirge. Vielmehr setzen sie das Fanggeschirr vorsichtig ein. Um die Tiere lebendig zu fangen, haben die Forscher in den Netzen zudem kleine, mit Wasser gefüllte Metallcontainer.

"Mar-Eco" ist der Name dieses Forschungsprojektes. Es ist Teil des internationalen Projektes "Census of Marine Life", das eine US-Stiftung ins Leben rief. Sein Auftrag: Bis 2010 sollen etwa 300 Wissenschaftler aus 53 Ländern die Bewohner der Weltmeere möglichst weitgehend entdeckt und ihr Zusammenleben beschrieben haben.

"Wir kennen die Meere weniger als den Mond", sagt Piatkowski, den es wurmt, daß in Deutschland die Erforschung der Biodiversität in den Ozeanen gegenwärtig eher ein Stiefkind ist. Norwegen, Frankreich, Großbritannien und die USA handelten da ganz anders. In diesen Ländern steht deutlich mehr Geld für diese Forschung zur Verfügung.

Zur nächsten marinen Bergtour wird der leidenschaftliche Meeresbiologe im April auf dem deutschen Forschungsschiff "Poseidon" gemeinsam mit den Kollegen aus dem Ifm-Geomar aufbrechen. Sein Ziel sind die "seqmounts" nahe der Kapverdischen Inseln. "Diese unterseeischen Berge bieten eine außergewöhnliche Vielfalt an Leben, sie sind wahre Hotspots", sagt der Meeresbiologe, der dieser Reise entgegenfiebert. Denn dort können die Wissenschaftler eines der letzten bislang noch unberührten Ökosysteme erforschen. "An diesen Bergen leben teilweise extrem spezialisierte Tiere", erzählt der Forscher, für den die Seeberge Oasen im Ozean sind. "Ihre teilweise steilen Hänge lenken die Meeresströmung so ab, daß sich die ansonsten rar gesäten Nährstoffe am oberen Bereich ihrer Flanken sammeln. Dies ist die Voraussetzung für die Vielfalt der Arten", erläutert der Forscher.

Das Ziel ihrer Arbeit ist, so viele Daten wie möglich zu sammeln. Auf Basis dieser Daten wollen die Wissenschaftler ein neues Computermodell entwickeln. "Damit wollen wir", sagt Uwe Piatkowski, "die fragilen Beziehungen von Ökosystemen an Seebergen entlang des Mittelozeanischen Rückens vorhersagen." Bleibt zu hoffen, daß diese Erkenntnisse den Raubbau unter der Wasseroberfläche stoppen können und das vielfältige, teilweise bizarre Leben im Ozean erhalten bleibt.
Von Angela Grosse
http://www.abendblatt.de/daten/2005/03/02/405089.html
Informationen im Internet: www.mar-eco.no

 
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15. 03.2004   Mystery Squid Helps Prove Ocean Research

It took only a minute for scientists to discover a new deep-sea species with an experimental infrared camera built in Southern California and light-emitting artificial lure. Now, the National Science Foundation has agreed to spend $500,000 to refine the concept developed by the Harbor Branch Oceanographic Institute in Fort Pierce.

A large, 6-foot squid of a type never before photographed attacked the bait, a bioluminescent electronic "jellyfish," about 60 seconds after it was turned on in August off the Louisiana coast during Operation Deep Scope. The Eye-in-the-Sea video system, which can sit on the ocean bottom for up to 24 hours, and the lure were used for the first time during the 10-day, $210,000 Deep Scope expedition into the Gulf of Mexico that set off from Panama City in the Florida Panhandle.

"This was phenomenal proof of concept," expedition co-leader Edith Widder said Monday. "In fact, it apparently has proven the concept because now I finally have funding from the National Science Foundation that is going to allow me to do this in a more advanced manner." Widder, a senior scientist at Harbor Branch, said the two-year grant will be used to develop Eye-in-the-Sea so it can be connected to a mooring 3,000 feet deep in California's Monterey Bay.

The mooring would provide electrical power, eliminating the need for batteries, and allow the camera to send a continuous stream of video ashore for months at a time. The original camera was built as a student project at Harvey Mudd College in Claremont, Calif., for $35,000 and the Monterey Bay Aquarium Research Institute paid for the batteries.

"I got some money from the National Oceanographic and Atmospheric Administration to put it in a bottle and to build a tripod for it," Widder said. "It's kind of been a stone soup, put together with little bits and pieces of money." NOAA also funded the Deep Scope expedition. Another one is planned for this summer in the gulf to again photograph and perhaps capture the mystery squid and other rare or newly discovered species.

Scientists think Eye-in-the Sea may be a better tool for such missions than noisy and obtrusive mini-submarines or remote underwater vehicles that scare many creatures away. The camera also uses red light scientists believe is invisible to sea animals. The identity of the mystery squid, bigger than calamari but smaller than the fabled giant squid, remains a puzzle.

Cephalopod biologist Michael Vecchione of the National Museum of Natural History in Washington, D.C., wrote in an e-mail to Widder that he was unable to identify it after viewing the seven-second video and consulting with other experts. It has body and tentacle characteristics different from any known squids, Widder said.

"The thing to appreciate is something this large to be totally unknown is phenomenal and just such an obvious indication of how little we understand about what's in our oceans," she said. The electronic jellyfish is another new touch. It mimics light given off by natural bioluminescent jellyfish when they are being attacked, a characteristic scientists call a "burglar alarm" similar to fear screams in birds or monkeys.

"That scream occurs when an animal is caught in the clutches of a predator," Widder said. "Your only hope for escape may be to attract something bigger and nastier. It may come and attack what's attacking you."
March 03, 2005 — By Bill Kaczor, Associated Press
http://www.enn.com/today.html?id=7244

Hightech-Bohrinsel ist undicht

Die Plattform "Eirik Raude" in der Barentssee ist nicht so sicher wie versprochen: Schon die Leitungsverbindungen halten dem Wetter nicht stand. Die Aufsichtsbehörde schließt sie deshalb - vorläufig. Umweltschützer warnen vor größeren Gefahren

Der zweite Unfall binnen einer Woche war der norwegischen Ölaufsichtsbehörde Petroleumtilsynet zu viel. Sie verfügte die sofortige Einstellung aller Bohraktivitäten der Plattform "Eirik Raude". Ein Rückschlag für die Ölindustrie: Die "Eirik Raude" war speziell für die besonders empfindlichen Gewässer des arktischen Barentsmeeres zur angeblich "sichersten Plattform der Welt" umgebaut worden.

Die Regierung in Oslo hatte das Meeresgebiet vor der Nordküste Norwegens erst nach langem Zögern und gegen den Widerstand der gesammelten Umweltschutzbewegung für Ölsuchaktivitäten geöffnet. Die "Eirik Raude" hatte erst nach gründlicher Kontrolle die Erlaubnis erhalten, mit einer 120-köpfigen Besatzung zu starten. "Es ist klar, dass uns hier absolut nichts passieren darf", hatte Plattformchef Lars Johansen zum Bohrbeginn am 18. Januar gegenüber der Presse erklärt. Ansonsten seien alle Bohraktivitäten im Barentsmeer in Frage gestellt.

Das urspünglich vor zehn Jahren in China erbaute Plattformungetüm war vor dem Einsatz im nördlichen Eismeer für mehrere Millionen Euro umgebaut worden. Nicht ein einziger Tropfen Regenwasser werde ungereinigt ins Meer gelangen, so die Reederei Ocean Rigg.

Es kam anders: Die Mannschaft bohrte gerade mal drei Wochen, als ein Leitungsverschluss brach. Am 8. Februar strömten 6.000 Liter chemikalienhaltiges Wasser ins Meer. Vergangenen Mittwoch dann der zweite Unfall: Eine Schlauchverbindung riss, weitere 4.000 Liter Chemikalien flossen aus. Mit solchem Szenarien hatten Umweltschutzorganisationen vor Bohrungen im Barentsmeer gewarnt: Jahrzehntelange Erfahrungen in der Nordsee hätten erwiesen, wie unberechenbar das Umweltrisiko sei. Und im Barentsmeer sind die Sturmtage noch wesentlich zahlreicher und die Wellen höher. Zudem gilt es als Kindergarten der wichtigsten noch nicht ausgerotteten Fischarten. Eine Ölkatastrophe würde hier unabsehbare Folgen haben.

"Ein Schreckexempel an politischer Feigheit", nannte die Umweltschutzorganisation Greenpeace das Ja zu den Bohrungen vor einem Jahr und fühlt sich nun bestätigt: "Wenn die "Eirik Raude" binnen zwei Wochen 10.000 Liter Chemikalien im Meer verlieren kann, zeigt das, dass die Ölkonzerne weder die Fähigkeit noch den Willen zur versprochenen Nullbilanz haben", so Greenpeace-Experte Truls Gulowsen. Eine etwaige Änderung der norwegischen Ölpolitik ist aber zumindest vor den Wahlen im Herbst nicht zu erwarten. Es ist acht Jahre her, dass auf dem Kontinentalsockel zuletzt ein bedeutender Öl- und Gasfund gemacht wurde. Die Ölkonzerne warnen vor einer sinkender Förderquote, falls nicht schnell neue Quellen ausfindig gemacht werden. Und das geht nur mit Vorstößen in immer weiter nördlich liegende Meeresgebiete. Auch die "Eirik Raude" wird vermutlich nach gründlicher Untersuchung der Unfallursachen und neuen Sicherheitskontrollen eine weitere Bohrerlaubnis erhalten.
AUS OSLO REINHARD WOLFF
http://www.taz.de/pt/2005/02/21/a0168.nf/text

 
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15. 03.2005  

Tubeworm May Live Longer by Cycling Its Sulfur Downward

Any organism may be limited by some essential nutrient in short supply—nitrogen for a plant on poor soil, for instance, or iron for phytoplankton in the open ocean. For the long-lived tubeworm Lamellibrachia luymesi, what it needs most and has least is sulfide. L. luymesi lives clustered around hydrocarbon-releasing ocean floor seeps in the Gulf of Mexico, and it—or rather, its menagerie of internal bacterial symbionts—uses the high-energy sulfide the way plants use sunlight, extracting energy and releasing the waste products, in this case sulfate.

With a lifespan of up to 250 years, L. luymesi is among the longest-lived of all animals, but how it obtains sufficient sulfide to keep going for this long has been a mystery. In this issue, Erik Cordes and colleagues propose a model in which, by releasing its waste sulfate not up into the ocean but down into the sediments, L. luymesi stimulates the growth of sulfide-producing microbes, and ensures its own long-term survival.

The sulfide L. luymesi needs is created by a consortium of bacteria and archaea that live in the sediments surrounding the vent. These chemoautotrophs use energy from hydrocarbons to reduce sulfate to sulfide, which L. luymesi absorbs through its unique “roots,” extensions of its body that it tunnels into the sediments. Measurements of sulfide and sulfate fluxes in the water near the vents are inconsistent with the observed tubeworm colony size and individual longevity, leading Cordes et al. to propose that L. luymesi also uses its roots to release sulfate back to the microbial consortia from which it draws its sulfide.

Without this return of sulfate, the model predicts an average lifespan of only 39 years in a colony of 1,000 individuals; with it, survival increases to over 250 years, matching the longevity of actual living tubeworms. The model, which was based largely on empirical data, is relatively unperturbed by changes in hydrocarbon seep rate, or in the growth and recruitment rates for the colony. The authors note that the proposed return of sulfate into deep sediments would, in theory, increase the local rate of carbonate rock formation, creating a barrier to fluid circulation into the sediments. Their model predicts this to occur after about 50 years, in line with observed reductions in tubeworm recruitment in colonies of this age. They propose that carbonate precipitation may be inhibited if roots can also release hydrogen ions, a possibility open to further testing. Their model also explains several biogeochemical anomalies observed near tubeworm colonies, including elevated levels of highly degraded hydrocarbons and higher than predicted rates of sulfur cycling.

To date, the proposed return of sulfate to the sediments through the roots is only a hypothesis—albeit one with much to support it—that still awaits direct confirmation. By providing a model in which this hypothetical interaction provides real benefits and explains real observations, the authors hope to stimulate further research into the biology of L. luymesi.

Citation: Boetius A (2005) Microfauna–macrofauna interaction in the seafloor: Lessons from the tubeworm. PLoS Biol 3(3): e102.
http://www.plos.org/press/plbi-03-03-boetius.pdf

EU-Parlament will Meeresverschmutzung strafrechtlich verfolgen

Straßburg (dpa) - Die illegale Verschmutzung der Meere soll in der Europäischen Union unter Strafe gestellt werden. Das Europaparlament stimmte am Mittwoch in Straßburg einem Bericht zu, wonach die Einleitung von Schadstoffen in die Meere künftig als strafrechtlich relevante Delikte eingestuft werden sollen, wenn Vorsätzlichkeit, Leichtfertigkeit oder grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden. Bei besonders schweren Vergehen dürfe auch eine Haftstrafe nicht ausgeschlossen werden. Die Europäische Kommission wollte dies nur als Verstoß ahnden.

Mit der Richtlinie soll die Sicherheit auf den europäischen Meeren erhöht werden. Um das durchzusetzen, seien Sanktionen erforderlich. Künftig sollen alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, also nicht nur Kapitäne, sondern auch Reeder, Ingenieure oder Hafenbehörden.
Der Vorstoß ist eine Reaktion auf Tankerunfälle wie der Untergang der «Prestige» im November 2002 mit der nachfolgenden Ölpest vor der Küste Nordwest-Spaniens. Der Europäische Rat muss der Richtlinie noch zustimmen.
http://www.greenpeace-magazin.de/magazin/tagesthemen/tt_list.php?p=18704&more=1#more18704

 
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15. 03.2005  

Nach dem Tsunami folgt eine Welle missverstandener Hilfe
WWF kritisiert scharf die von der EU beschlossene Sendung ungeeigneter Fischerboote

Die internationale Umweltschutzorganisation WWF ist entsetzt über die von der EU beschlossene Entsendung von EU-Booten für Tsunami geschädigte Fischer. „Deutschland hat sich dem Votum angeschlossen, obwohl klar ist, dass die Boote den traditionellen Fischereigewohnheiten widersprechen und dadurch mehr schaden als nützen werden“ kritisiert WWF-Geschäftsführer Dr. Peter Prokosch.

Die Europäische Union hatte am Montag entgegen strikter Warnungen von WWF, Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO) und Interessenverbänden der asiatischen Fischer wie beispielsweise des International Collective in Support of Fishworkers (ICSF) einstimmig beschlossen, ausgemusterte EU-Fischerboote an Fischer in den Tsunami-Regionen zu übersenden. Dies ist nach Ansicht der Umweltschutzorganisation WWF der falsche Weg, weil die meisten Fischer in Sri Lanka, Indonesien oder Indien individuell in kleinen Booten, nicht in hierarchischen Mannschaften an Bord größerer Kutter arbeiten. Peter Prokosch: „Die EU-Boote werden die Fischer in Bootseigentümer und Lohnarbeiter aufspalten. Sinnvoll wäre es hingegen, die einheimischen Bootsbauer mit nachhaltig erzeugtem Holz zu unterstützen.“

Die Umweltschützer geben zudem zu bedenken, dass die EU-Boote anders betrieben, gewartet und ausgestattet werden müssen als die landläufig bekannten Boote. Außerdem komme ein Import der EU-Boote um ein Vielfaches teurer als der Neubau traditioneller Boote vor Ort. Anstatt der europäischen Boote sollten die Fischer daher eine Unterstützung gemäß der Bedürfnisse vor Ort erhalten, so der WWF.

Als Teil der Tsunami-Wiederaufbauhilfe sollen fünf- bis zwanzigjährige, ausgemusterte Fischerboote mit bis zu zwölf Metern Länge in die von der Flutwelle betroffenen Länder transferiert werden. Vorgesehen sind zusätzliche Prämien der EU an die Mitgliedsländer für den Transport, die Ausrüstung und den Sicherheitscheck der Boote.
http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02337

 
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