Die Zukunft von DEEPWAVE

Wie es weitergeht.
Wo wir stehen.
Wer wir sind.

In den letzten Monaten hat sich DEEPWAVE neu erfinden müssen und
ist nun auf dem Weg zu der Form, in der wir seine Aufgabe weiterführen werden.

Vor einem Jahr, Anfang Oktober 2016, wurde Onno Groß nach Budapest eingeladen, im Rahmen der European Youth Debating Competitions vor Jugendlichen zum Thema Plastik in den Meeren zu sprechen. Es war ein warmer Abend, er ging nach der Tagung spazieren… und kam nie wieder.

Nicht nur sein Herzschlag setzte aus, auch der von Deepwave.

Onno hat Deepwave gegründet, erfunden, weiterentwickelt, vorangetrieben, zu der NGO gemacht, die sie ist. Onno hat die inhaltliche Arbeit geleistet, für die Deepwave steht, er selbst stand in der Öffentlichkeit und in politischen Zusammenhängen für alle Belange der Meere ein, hat die Menschen zusammengeführt, die sich in seinem Sinne für die Meere einsetzen und die über den ganzen Erdball verstreut sind.

Stille breitete sich aus. Schwarze tiefe Stille.

Der erste Gedanke aller, die mit ihm zusammengearbeitet haben, von Kollegen und Kolleginnen, Freunden und Weggefährtinnen:
Ohne Onno gibt es kein Deepwave.

Und aus der Stille heraus wurde deutlich: Deepwave fehlt.

Es gibt die Verantwortung, das Engagement von Deepwave für die Meere fortzusetzen. Das, was Onno für seine geliebten Meere getan hat, weiterwirken zu lassen.
Also haben wir uns entschieden, Deepwave als Verein weiterzuführen.
Wir übernehmen die Verantwortung, auch wenn wir nicht wissen, ob wir ihr gerecht werden können.
Wir, das sind seine Frau Anna Groß und seine beiden Söhne Heye und Tjark Groß und seine engsten Weggefährtinnen.

Heye Groß schreibt mit Hinblick auf die aktuelle politische Lage im Sommer 2017 in der Einladung zur Mitgliederversammlung, auf der er zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt wurde:
„[…]Man hat das Gefühl, die Welt bricht auseinander und niemand kann sagen, wie es morgen aussieht.
Doch gerade in diesen Zeiten ist es umso wichtiger, Zusammenhalt zu bieten und Gemeinschaften zu gründen. Daher wollen wir dafür sorgen, dass Onnos Arbeit, Wille und Energie nicht verebben, und haben uns entschieden, DEEPWAVE in einer neuen Form weiterzuführen.
Wenn Menschen zusammenkommen und anfangen, an etwas Gemeinsamem zu arbeiten, entsteht oft etwas, das größer ist als die Summe der Einzelnen.
Kurz nach Onnos Tod wurde im Rossmeer das größte zusammenhängende Meeresschutzgebiet erklärt. Wir können mit DEEPWAVE Menschen zusammenbringen, die gemeinsam dafür sorgen, dass die Ökosysteme der Meere gleich viel Bedeutung haben wie die Bürger aus Pennsylvania.“

In diesem Bemühen unterstützt uns Onnos Lebendigkeit. Sie ist für uns täglich spürbar. Sie ist präsent. So präsent wie er es war. Sie bleibt es.
Aber wir können Onno nicht ersetzen.

Daher entwickeln wir eine neue Form für Deepwave. In den letzten Monaten haben wir mit vielen Menschen aus den verschiedensten Bereichen des Meeresschutzes gesprochen und sie gefragt: Was ist das Besondere, das Eigene an Onnos Engagement? Was hat ihn für euch ausgemacht, ihn ausgezeichnet? Was vermisst ihr am meisten?
Je mehr wir fragten, desto deutlicher wurde, in wie vielen Gebieten, auf wie vielen Ebenen und in was für unterschiedlichsten Formen Onno sich engagierte. Einig sind sich alle nur darin, dass er immer und überall,
wo es um die Meere ging, präsent und ansprechbar war, von den Haitagen bei Hagenbeck über Verbandssitzungen und internationale NGO-Treffen bis hin zu entscheidenden Sitzungen in Brüssel.

Genau das aber können wir nicht ersetzen. Nicht seinen Humor, sein unerschöpfliches Wissen, sein Charisma, das ihm erlaubte, schonungslos auszusprechen, was niemand hören wollte und will.

Das Besondere, an das wir anknüpfen können, ist, dass Deepwave nicht nur mit seinem Blog und seiner Website ein wichtiges Infotool war, das einen stets aktuellen und zuverlässigen Überblick über deutsche und andere Meeresschutzkampagnen bot – und für das wir, da alle Neuerungen Zeit, sehr viel Zeit brauchen, um Geduld und Nachsicht bitten, insofern die Website in den meisten Teilen seit Oktober 2016 stillsteht und von uns derzeit nicht aktualisiert werden kann.

Das Besondere – das ist, dass Deepwave auch die Felder der Kultur, Ausstellungen, Filme, Konzerte, Theater, Literatur für den Meeresschutz nutzte. Jeder der einmal mit Onno in ein längeres Gespräch verwickelt war, weiß um sein querverweisendes, begeisterndes Denken, das sich aus unermüdlicher Neugier, völlig unorthodoxer Belesenheit und unerschrockener Lebenserfahrung speiste. Seine Unvoreingenommenheit und Offenheit, gepaart mit seiner Lebensfreude und der Empathie für jedes Lebewesen, und sei es eine noch so winzige, 300 µ große Protozoe, waren einmalig. Jeder, jede, die um die Radikalität der Lebenseinstellung weiß, die heute Achtsamkeit genannt wird, hat sie bei ihm erlebt.
Und so wie das Meer keine Grenzen kennt, so sollte das Denken und alles Anschauliche, das sich um keine Grenzen und Schubladen und Rubriken schert, uns Menschen erleichtern zu begreifen, wie wir mit den Meeren verbunden sind und dass wir Verantwortung für sie tragen.

In diesem Sinne werden wir aus der Website, wie sie bisher besteht,
eine Plattform entwickeln, die versuchen wird, all diese Bereiche abzubilden, und die die Möglichkeit bieten wird, sich in themenbezogenen, geschützten Foren eigenständig zu vernetzen.

Zusätzlich zu den rein informativen Bereichen, die wie bis vor einem Jahr alles Wichtige zu den aktuellen Entwicklungen und Kampagnen des Meeresschutzes bereitstellen sollen, werden wir kuratiert Projekte aus der Bildenden Kunst, Filme und Musik, Literatur und Theater vorstellen.

Die Navigation der Plattform soll es ermöglichen, unerwartete Wege zu gehen, soll Begegnungen schaffen, die neue Räume des Denkens eröffnen, auf Umwegen ungeahnte Einsichten und Perspektiven bieten, die ins Handeln bringen. Aus purer Informationssuche soll übersprudelnde Begeisterung werden können, aus berechtigtem Unmut und Empörung geteilte Inspiration.
… idealerweise so wie es in einem Gespräch mit Onno geschehen wäre…

Als Ausgangspunkt haben wir begonnen, Onnos umfangreiches Archiv zu sichten und zu dokumentieren, um es zukünftig zur Verfügung stellen zu können, seine Vorträge, Texte, Interviews, Filme, in denen er mitgewirkt hat, und seine außergewöhnliche Bibliothek.

Für all dies setzen wir uns mit Fachleuten zusammen, mit Meeresbiologen, Campaignern, NGOlern, Künstlern, Programmierern. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit ihnen ein Tool zu entwickeln, dass denjenigen Menschen, die sich für die Meere einsetzen wollen, hilft, den Bereich,
die Form und vor allem Gleichgesinnte und Mitstreiter zu finden, die ihnen adäquat sind. Seien es nun internationale StudentInnen, die sich wissenschaftlich austauschen oder ihre Praktikaerfahrungen teilen möchten, seien es LehrerInnen, die mit ihrer Klasse ein Stück Strand schützen möchten und mit der Meeresfibel von Deepwave arbeiten, seien es MeeresbiologInnen auf der Suche nach Informationen darüber, was auf der Seite des praktischen Meeresschutzes gerade erkämpft wird, oder umgekehrt NGOler, die verstehen wollen, warum manche Wissenschaftler andere Positionen oder Perspektiven einnehmen, seien es Künstler, die sich in ihren Projekten mit den Meeren und ihren Gefährdungen auseinandersetzen und die auf diese Weise Menschen dazu bringen, sich mit den Meeren verbunden zu fühlen, Menschen, denen weit entfernt von irgendwelchen Küsten die Meere sonst ganz egal sind, seien es politisch Verantwortliche, die sich an Onnos streitbares Auftreten in wichtigen Verhandlungen erinnern.

Unser Ziel ist es, Menschen dafür zu begeistern, sich für die Meere und für unsere blue marble einzusetzen.
Und diese Menschen zusammenzubringen.

In den Worten einer befreundeten Meeresbiologin: „Das Meer braucht Menschen, die wie Wasser fließen und Dinge über große Strecken transportieren.“

Anna Groß,
Deepwave Vorstand, Bildende Künstlerin, Illustratorin der Meeresfibel „Unser Blauer Planet“

Heye Groß,
1. Vorsitzender, Student der Nanowissenschaften B. Sc.

Barbara Focke,
Stellvertretende Vorsitzende, Foto/Film-Designerin und Gründerin der maritimen Reiseagentur LaMar

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