Mehr Schutz für Haie und Rochen bei CITES gefordert

 

Cites COP17 (FAO)
Cites COP17 (FAO)

Mehr Schutz für Haie & Co. bei CITES dringend gefordert

Pressemitteilung, 24.9.2016 Wieder einmal trifft sich die Staatengemeinschaft zum CITES/Washingtoner Artenschutzabkommen und verhandelt über Wege den Artenverlust zu beschränken. Und auch diesmal geht es darum, den dringenden Schutz von Meerestieren wie einigen Haiarten, Korallenfischen und den Nautilus-Tintenfischen besser zu verankern. Dabei muss es gelingen die rein wirtschaftlichen Interessen insbesondere der Fischerei zurück zu drängen und den „gekauften“ Staaten ihr Treiben gegen den Artenschutz anzukreiden, fordert die Meeresschutzorganisation DEEPWAVE.

Zwei Wochen lang beraten die Delegierten aus 183 Staaten über Regelungen und Handelsmoratorien für bedrohte Tier- und Pflanzenarten auf der so genannten CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora)-Konferenz. Auf der Agenda finden sich neben Anträgen zu Tropenholz oder Schuppentieren auch Anträge zu Haien und Rochen für die sich DEPWAVE vehement einsetzen wird. 2013 hat CITES bereits Regeln für Hammer-, Weißspitzen-Hochsee- sowie Heringshaie und Mantas eingeführt. Sie wurden im Anhang II des Abkommens gelistet. Dies bedeutet, dass sie nur noch international gehandelt werden können, wenn sie nachweislich aus einer ökologisch nachhaltigen Fischerei stammen.

„Es geht es mittlerweile um das pure Überleben einiger Haiarten, die von der Fischerei massiv bedroht sind“, sagt Dr. Onno Groß von der Meeresschutzorganisation DEEPWAVE in Südafrika. „Insgesamt mehr als ein Dutzend Arten sind neu auf der COP17-Agenda, je drei Fuchshai- und Seidenhai- Arten und die neun oder mehr Teufelsrochenarten. Dazu kommen Korallenfische und der Nautilus. CITES hat schon früh gezeigt wie wichtig ein Handelsverbot für den Artenschutz ist, und das muss sich für diese Arten wiederholen.“

Bei allen drei Hai-Gattungen gibt es massive Rückgänge von 70 Prozent und mehr, im Indischen Ozean zum Teil über 90 Prozent! Zwar sind Fuchshaie theoretisch durch die regionalen Fischereiabkommen im Indischen und Atlantischen Ozean geschützt, dasselbe gilt für Seidenhaie im Atlantik und im Westpazifik. Allerdings gibt es gewaltige Defizite bei der Umsetzung und Fuchshaie und Seidenhaie werden beispielsweise trotz des Verbots offen auf Fischmärkten angeboten. Bei beiden sind insbesondere die Flossen sehr begehrt und teuer.

„Mindestens 74 Haiarten gelten als sehr gefährdet, vermutlich sind es deutlich mehr“, warnt Dr. Ralf Sonntag, Meeresbiologe und Experte für DEEPWAVE vor Ort in Johannisburg. „Die Jagd auf Haifischflossen für die Suppe ist ein globales Problem und globale Probleme brauchen globale Lösungen. Das Flossenabschneiden auf hoher See ist nicht nur ein riesiges Artenschutzproblem es ist gegen alle internationalen Regeln des Tierschutzes, da viele Haie lebendig, aber ohne Flossen über Bord geworfen werde. Es ist auch eine riesige Verschwendung von Ressourcen, wenn nur 1-5% des Tieres genutzt werden.“

Sollte Cites nicht gelingen, wäre das ein katastrophales Signal. Dann würde die Gier einiger weniger Fischereinationen den internationalen Schutz verhindern.

„Es gibt keine versteckten Reserven von Haien irgendwo in der Tiefsee oder in anderen Regionen. Insbesondere durch ihre sehr niedrige Fortpflanzungsrate sind sie selbst für kleinen Fangquoten für Überfischung anfällig. Ihr Rückgang und ihr Verschwinden ist etwas Endgültiges“, so Ralf Sonntag.

Relativ neu ist auch die Jagd auf Teufelsrochen und Mantas. Deren Kiemenreusen finden seit erst ein paar Jahren mehr und mehr Anklang in der chinesischen Medizin, was weltweit zu drastischen Rückgängen geführt hat. CITES kann das ändern, es gilt weltweit als das effektivste und am besten umgesetzte Schutzabkommen. Allerdings müssen zwei Drittel der circa 180 Mitgliedsländer einer Listung zustimmen. Japan versucht genau dies massiv zu verhindern, hoffentlich erfolglos!

Hintergrund:

Fuchshaie (Alopias spp.) gehören zur Gruppe der Makrelenhaie und sind an der massiv verlängerten oberen Schwanzflosse, die fast so lang ist wie der restliche Körper, erkennbar. Sie dient zur Jagd kleiner Schwarmfische durch peitschenartige Hiebe. Fuchshaie können bis zu fünf Meter lang werden und haben 2-6 lebend geborene Nachkommen. 80 % des Bestandes sind verschwunden und sie gelten als bedrohte Tierart. Eine Listung bei CITES würde den Schutz zusätzlich deutlich verbessern.

Seidenhaie (Carcharhinus falciformis spp.) leben im Freiwasser tropischer Meere. Die über drei Meter langen Tiere treten manchmal in großen Schulen auf. Seidenhaie zeigen ein Drohverhalten, wenn sie sich gestört fühlen, und biegen den Rücken nach oben durch und zeigen einen Buckel. Sie sind häufiger Beifang in der Thunfisch-Fischerei aber die Fischereiabkommen im Atlantik und im Westpazifik reichen zum Schutz nicht aus. Die Malediven haben hier die Initiative ergriffen und mit circa 50 anderen Staaten den Antrag gestellt.

Etwa neun Arten Teufelsrochen (Mobulas spp.) und die beiden Manta-Arten bilden eine gefährdete Tiergruppe der Planktonfresser. Mobulas haben eher ein unterständiges Maul während dies bei Mantas endständig ist, und sie sind etwas kleiner. Kennzeich­nend sind die horn­artigen Kopflappen, die dazu dienen, das Plankton in das Maul zu leiten. Teufelsrochen werden erst mit etwa 10 geschlechtsreif und gebä­ren dann alle zwei Jahre nur ein Jungtier. Seit ein paar Jahren werden die getrockneten Kiemenbögen der Tiere für die chinesischen Me­dizin genutzt. Der vermehrte Fang hat dazu geführt, dass es in vielen Gebieten Rückgänge von über 90 Prozent gibt. Während die Bonner Konvention für wandernde Tierarten (CMS) schon ein Fangverbot gefordert hat, muss dies jetzt auch erfolgen. Es ist wichtig, dass die 50 CITES-Antragsteller unter der Führung Fidschis Erfolg haben.

Neben besseren Schutz für den Banggai-Kardinalbarsch (Pterapogon kauderni) und dem Clarion-Engelsfisch (Holacanthus clarionensis) ist auch der Tintenfisch Nautilus (Nautilus pompilius) bei einem Handelsgebot weit besser geschützt als bisher. Die Schalen dieser seltenen Tierart werden bisher von keinem Managementsystem erfasst und sind so der Ausbeutung Preis gegeben. In den Philippinen und Indonesien sind mehrere Bestände überfischt. Dieser Antrag von der USA, Fiji und anderen Staaten sollte dringend angenommen werden. Zudem sollte jeder Toruist auf den Kauf von solchen „Meeressouvenirs“ verzichten.

Für DEEPWAVE vor Ort auf der CITES-Konferenz in Johannesburg:

Dr. Ralf P. Sonntag, Senior advisor Marine Conservation
ralfsonntag@web.de
Tel. +49 / 172- 4390583
Pressekontakt: DEEPWAVE e.V. Dr. Onno Groß, President,  Tel. +49 / 0179 598 69 69

nautilus

 

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President Obama declares First Marine National Monument in the Atlantic Ocean

THE WHITE HOUSE,  Office of the Press Secretary

FACT SHEET: President Obama to Continue Global Leadership in Combatting Climate Change and Protecting Our Ocean by Creating the First Marine National Monument in the Atlantic Ocean

Today, President Obama will designate the first marine national monument in the Atlantic Ocean, protecting fragile deep-sea ecosystems off the coast of New England as the Northeast Canyons and Seamounts Marine National Monument. The new national monument – which encompasses pristine underwater mountains and canyons – will provide critical protections for important ecological resources and marine species, including deep-sea coral and endangered whales and sea turtles. „President Obama declares First Marine National Monument in the Atlantic Ocean“ weiterlesen

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Convention for Ships‘ Ballast Water will start 2017

International Maritime Organization press release:

Global treaty to halt invasive aquatic species to enter into force in 2017

Accession by Finland has triggered the entry into force of a key international measure for environmental protection that aims to stop the spread of potentially invasive aquatic species in ships’ ballast water. „Convention for Ships‘ Ballast Water will start 2017“ weiterlesen

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Erstes UN-Treffen zum Abkommen für die letzte Allmende Ozeane

Our Blue Planet
Our Blue Planet

MEHR SCHUTZ FÜR DIE HOHE SEE

Erste UN-Diskussionen um ein Abkommen für die letzte Allmende Ozeane

Dr. Onno Groß, Vorsitzender der Meeresschutzorganisation Deepwave

(Der Artikel erschien zuvor  im RUNDBRIEF Forum Umwelt & Entwicklung 2/ 2016)

Zwei Drittel der Erde ist mit Meeren bedeckt. Sie liefern der Menschheit den zum Leben wichtigen Sauerstoff, sind Nahrungsquelle für Milliarden Menschen und funktionieren im Klimawandel als Wärmespeicher und Senke für CO2. Trotz ihrer Größe bedrohen wirtschaftliche Aktivitäten jedoch zunehmend die biologische Vielfalt und Funktionalität der Ozeane. Vor allem außerhalb nationaler Hoheitsgebiete sind die Lebensräume nicht geschützt. Daher feilt der internationale Meeresschutz an einem neuen Instrument, einem Schutzabkommen für die Hohe See. Nach dem ersten Treffen bleiben viele Fragen politisch offen. „Erstes UN-Treffen zum Abkommen für die letzte Allmende Ozeane“ weiterlesen

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SDG 14 – Mehr Meeresschutz durch die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie?

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Wird im Jahr 2030 kein Mensch mehr arm sein? Wird niemand mehr hungern müssen? Können alle Kinder wenigstens eine Grundschule besuchen? Konnten wir den Klimawandel abmildern, Städte nachhaltig umgestalten und die Ozeane schützen?  Die 2030-Agenda der Vereinten Nationen und ihre 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung versprechen die Transformation unserer Welt. Sie gelten für jedes Land, für die Länder des globalen Südens und des globalen Nordens, und damit auch für Deutschland. Angesprochen ist die ganze Bandbreite der Politik: Wirtschaft, Soziales, Umwelt, Finanzen, Agrar- und Verbraucherpolitik, Verkehr, Städtebau, Bildung und Gesundheit. „SDG 14 – Mehr Meeresschutz durch die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie?“ weiterlesen

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